Suppl., q. 71 a. 11
Ob der Begräbnisdienst den Toten nützt?
Quaestio 71 · Von den Fürbitten für die Verstorbenen
Einwand 1: Es scheint, dass der Begräbnisdienst den Toten nützt. Denn der Damaszener (Serm.: De his qui in fide dormierunt) zitiert Athanasius mit den Worten: "Auch wenn der, der in Frömmigkeit geschieden ist, in den Himmel aufgenommen wird, zögere nicht, Gott anzurufen und Öl und Wachs an seinem Grab zu verbrennen; denn solche Dinge sind Gott wohlgefällig und empfangen einen großen Lohn von Ihm." Nun gehört dergleichen zum Begräbnisdienst. Also nützt der Begräbnisdienst den Toten.
Einwand 2: Ferner, gemäß Augustinus (De Cura pro mort. iii): "In alten Zeiten wurde für die Begräbnisse gerechter Männer mit pflichtbewusster Frömmigkeit gesorgt, ihre Exequien gefeiert, ihre Gräber bereitgestellt, und sie selbst beauftragten zu Lebzeiten ihre Kinder bezüglich des Begräbnisses oder sogar der Überführung ihrer Leiber." Aber sie hätten dies nicht getan, wenn das Grab und Dinge dieser Art den Toten nicht etwas verliehen hätten. Also nützen dergleichen den Toten etwas.
Einwand 3: Ferner tut niemand ein Werk der Barmherzigkeit für jemanden, wenn es ihm nicht nützt. Nun wird das Begraben der Toten zu den Werken der Barmherzigkeit gerechnet, daher sagt Augustinus (De Cura pro Mort. iii): "Tobias, wie vom Engel bezeugt, wird erklärt, Gunst bei Gott gefunden zu haben, indem er die Toten begrub." Also nützen solche Begräbnisbräuche den Toten.
Einwand 4: Ferner ist es unziemlich zu behaupten, dass die Andacht der Gläubigen fruchtlos ist. Nun sorgen einige aus Andacht für ihr Begräbnis an einem religiösen Ort. Also nützt der Begräbnisdienst den Toten.
Einwand 5: Ferner ist Gott mehr geneigt zu erbarmen als zu verdammen. Nun ist das Begräbnis an einem heiligen Ort für einige schädlich, wenn sie unwürdig sind: weshalb Gregor sagt (Dial. iv): "Wenn jene, die mit schweren Sünden beladen sind, in der Kirche begraben werden, wird dies eher zu ihrer strengeren Verdammnis als zu ihrer Befreiung führen." Viel mehr sollten wir daher sagen, dass der Begräbnisdienst den Guten nützt.
Dagegen spricht: Augustinus sagt (De Cura pro Mort. iii): "Welcher Dienst auch immer dem Leib erwiesen wird, ist keine Hilfe zum Heil, sondern ein Dienst der Menschlichkeit."
Ferner sagt Augustinus (De Cura pro Mort. iii; De Civ. Dei i): "Die Begräbnisausstattung, die Anordnung des Grabes, die Feierlichkeit der Exequien sind eher ein Trost für die Lebenden als eine Hilfe für die Toten."
Ferner sagte unser Herr (Lk 12,4): "Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr haben, was sie tun können." Nun können die Leiber der Heiligen nach dem Tod daran gehindert werden, begraben zu werden, wie wir lesen, dass es gewissen Märtyrern in Lyon in Gallien angetan wurde (Eusebius, Eccl. Hist. v, 1). Also nehmen die Toten keinen Schaden, wenn ihre Leiber unbegraben bleiben: und folglich nützt ihnen der Begräbnisdienst nicht.
Ich antworte darauf: Wir nehmen Zuflucht zum Begräbnis sowohl um der Lebenden als auch um der Toten willen. Um der Lebenden willen, damit ihre Augen nicht durch die Entstellung des Leichnams abgestoßen werden und ihre Leiber durch den Gestank infiziert werden, und dies betrifft den Leib. Aber es nützt den Lebenden auch geistlich, insofern unser Glaube an die Auferstehung dadurch bestärkt wird. Es nützt den Toten, insofern man die Toten im Gedächtnis behält und für sie betet, indem man auf ihre Grabstätte blickt, weshalb ein "Monument" seinen Namen vom Erinnern hat, denn ein Monument ist etwas, das den Geist erinnert [monens mentem], wie Augustinus bemerkt (De Civ. Dei i; De Cura pro Mort. iv). Es war jedoch ein heidnischer Irrtum, dass das Begräbnis den Toten nützlich sei, indem es Ruhe für seine Seele verschaffe: denn sie glaubten, dass die Seele nicht ruhen könne, bis der Leib begraben sei, was gänzlich lächerlich und absurd ist.
Dass überdies das Begräbnis an einem heiligen Ort den Toten nützt, resultiert nicht aus der vollzogenen Handlung, sondern vielmehr aus der Handlung des Handelnden selbst: wenn nämlich der Tote selbst oder ein anderer dafür sorgt, dass sein Leib an einem heiligen Ort begraben wird, und ihn dem Schutz eines Heiligen empfiehlt, durch dessen Gebete er, wie wir glauben müssen, unterstützt wird, sowie den Fürbitten derer, die dem heiligen Ort dienen und häufiger und spezieller für jene beten, die in ihrer Mitte begraben sind. Aber solche Dinge, die zur Zurschaustellung der Exequien getan werden, sind den Lebenden nützlich, da sie ihnen ein Trost sind; und doch können sie auch den Toten nützen, nicht direkt, sondern indirekt, insofern Menschen dadurch zum Mitleid und folglich zum Gebet angeregt werden, oder insofern die Ausgaben für das Begräbnis entweder Hilfe für die Armen oder Schmuck für die Kirche bringen: denn in diesem Sinne wird das Begraben der Toten zu den Werken der Barmherzigkeit gerechnet.
Antwort auf Einwand 1: Indem wir Öl und Kerzen zu den Gräbern der Toten bringen, nützen wir ihnen indirekt, entweder indem wir sie der Kirche opfern und den Armen geben, oder indem wir dies in Ehrfurcht vor Gott tun. Daher lesen wir nach den zitierten Worten: "Denn Öl und Kerzen sind ein Brandopfer."
Antwort auf Einwand 2: Die Väter der alten Zeit sorgten für das Begräbnis ihrer Leiber, um zu zeigen, dass "die Leiber der Toten" Gegenstand der göttlichen Vorsehung sind, nicht dass es irgendein Gefühl in einem toten Körper gibt, sondern um den Glauben an die Auferstehung zu bestärken, wie Augustinus sagt (De Civ. Dei i, 13). Daher wünschten sie auch, im Land der Verheißung begraben zu werden, wo sie glaubten, dass Christi Geburt und Tod stattfinden würden, dessen Auferstehung die Ursache unserer Auferstehung ist.
Antwort auf Einwand 3: Da Fleisch ein Teil der Natur des Menschen ist, hat der Mensch eine natürliche Zuneigung zu seinem Fleisch, gemäß Eph 5,29: "Niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst." Daher hat ein Mensch in Übereinstimmung mit dieser natürlichen Zuneigung während des Lebens eine gewisse Sorge dafür, was aus seinem Leib nach dem Tod werden wird: und er würde sich grämen, wenn er eine Vorahnung hätte, dass seinem Leib etwas Unangenehmes widerfahren würde. Folglich behandeln jene, die einen Menschen lieben, indem sie dem, den sie lieben, in seiner Zuneigung zu sich selbst gleichförmig sind, seinen Leib mit liebevoller Sorgfalt. Denn wie Augustinus sagt (De Civ. Dei i, 13): "Wenn das Gewand und der Ring eines Vaters und was immer dergleichen den Hinterbliebenen umso teurer ist, je größer ihre Zuneigung zu ihren Eltern ist, so sind keineswegs die Leiber selbst zu verschmähen, die wir wahrlich in vertrauterer und engerer Verbindung tragen als alles andere, was wir anlegen."
Antwort auf Einwand 4: Wie Augustinus sagt (De Cura pro Mort. iv), ist die Andacht der Gläubigen nicht fruchtlos, wenn sie dafür sorgen, dass ihre Freunde an heiligen Orten begraben werden, da sie dadurch ihre Toten den Fürbitten der Heiligen empfehlen, wie oben gesagt.
Antwort auf Einwand 5: Der tote böse Mensch nimmt keinen Schaden dadurch, dass er an einem heiligen Ort begraben wird, außer insofern er einen solchen Begräbnisplatz aufgrund menschlichen Ruhms für sich unpassend machte.