III, q. 7 a. 5
Ob in Christus die Gaben waren?
Quaestio 7 · Von der Gnade Christi, insofern er ein einzelner Mensch ist.
Einwand 1: Es scheint, dass die Gaben nicht in Christus waren. Denn wie allgemein gesagt wird, werden die Gaben gegeben, um den Tugenden zu helfen. Aber was in sich vollkommen ist, bedarf keiner äußeren Hilfe. Da also die Tugenden Christi vollkommen waren, scheint es, dass keine Gaben in ihm waren.
Einwand 2: Ferner scheint es nicht demselben zuzukommen, Gaben zu geben und zu empfangen; denn zu geben gehört dem, der hat, und zu empfangen dem, der nicht hat. Aber es kommt Christus zu, Gaben zu geben, gemäß Ps 67,19: „Du hast Gaben gegeben den Menschen [Vulg.: 'Du hast Gaben empfangen in den Menschen'].“ Also war es nicht angemessen, dass Christus Gaben des Heiligen Geistes empfing.
Einwand 3: Ferner scheinen vier Gaben zur irdischen Kontemplation zu gehören, nämlich Weisheit, Wissenschaft, Verstand und Rat, welcher zur Klugheit gehört; daher zählt der Philosoph (Ethic. vi, 3) diese zu den intellektuellen Tugenden. Aber Christus hatte die himmlische Kontemplation. Also hatte er diese Gaben nicht.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Jes 4,1): „Sieben Frauen werden einen Mann ergreifen“: wozu eine Glosse sagt: „Das heißt, die sieben Gaben des Heiligen Geistes werden Christus ergreifen.“
Ich antworte darauf, Wie oben gesagt wurde (FS, Frage [68], Artikel [1]), sind die Gaben eigentlich gewisse Vollkommenheiten der Seelenkräfte, insofern diese eine natürliche Eignung haben, vom Heiligen Geist bewegt zu werden, gemäß Lk 4,1: „Jesus aber, voll des Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück und wurde vom Geist in die Wüste geführt.“ Daher ist offenkundig, dass in Christus die Gaben in hervorragendem Maße waren.
Antwort auf Einwand 1: Was in der Ordnung seiner Natur vollkommen ist, muss durch etwas von höherer Natur unterstützt werden; so wie der Mensch, wie vollkommen auch immer, der Hilfe Gottes bedarf. Und auf diese Weise müssen die Tugenden, welche die Kräfte der Seele vervollkommnen, insofern sie von der Vernunft kontrolliert werden, egal wie vollkommen sie sind, durch die Gaben unterstützt werden, welche die Seelenkräfte vervollkommnen, insofern diese vom Heiligen Geist bewegt werden.
Antwort auf Einwand 2: Christus ist nicht in derselben Hinsicht Empfänger und Geber der Gaben des Heiligen Geistes; denn er gibt sie als Gott und empfängt sie als Mensch. Daher sagt Gregor (Moral. ii), dass „der Heilige Geist niemals die menschliche Natur Christi verließ, von dessen göttlicher Natur er ausgeht.“
Antwort auf Einwand 3: In Christus war nicht nur himmlische Erkenntnis, sondern auch irdische Erkenntnis, wie gesagt werden wird (Frage [15], Artikel [10]). Und doch werden selbst im Himmel die Gaben des Heiligen Geistes auf gewisse Weise noch existieren, wie oben gesagt wurde (FS, Frage [68], Artikel [6]).