III, q. 7 a. 13
Ob die habituelle Gnade Christi der Vereinigung nachfolgte?
Quaestio 7 · Von der Gnade Christi, insofern er ein einzelner Mensch ist.
Einwand 1: Es scheint, dass die habituelle Gnade nicht der Vereinigung nachfolgte. Denn nichts folgt sich selbst. Aber diese habituelle Gnade scheint dasselbe zu sein wie die Gnade der Vereinigung; denn Augustinus sagt (De Praedest. Sanct. xv): „Jeder Mensch wird vom Beginn seines Glaubens an durch dieselbe Gnade Christ, durch die dieser Mensch von seinem Anfang an Christus wurde“; und von diesen beiden gehört das erste zur habituellen Gnade und das zweite zur Gnade der Vereinigung. Also scheint es, dass die habituelle Gnade der Vereinigung nicht nachfolgte.
Einwand 2: Ferner geht die Disposition der Vollkommenheit voraus, wenn nicht in der Zeit, so doch im Gedanken. Aber die habituelle Gnade scheint eine Disposition in der menschlichen Natur für die personale Vereinigung zu sein. Also scheint es, dass die habituelle Gnade der Vereinigung nicht nachfolgte, sondern ihr vielmehr vorausging.
Einwand 3: Ferner geht das Gemeinsame dem Eigentümlichen voraus. Aber habituelle Gnade ist Christus und anderen Menschen gemeinsam; und die Gnade der Vereinigung ist Christus eigentümlich. Also ist habituelle Gnade im Gedanken früher als die Vereinigung. Also folgt sie ihr nicht nach.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Jes 42,1): „Siehe, mein Knecht, ich werde ihn stützen ...“ und weiter unten: „Ich habe meinen Geist auf ihn gegeben“; und dies gehört zur Gabe der habituellen Gnade. Daher bleibt es dabei, dass die Annahme der menschlichen Natur zur Einheit der Person der habituellen Gnade Christi vorausging.
Ich antworte darauf, Die Vereinigung der menschlichen Natur mit der göttlichen Person, welche, wie wir oben gesagt haben (Frage [2], Artikel [10]; Frage [6], Artikel [6]), die Gnade der Vereinigung ist, geht der habituellen Gnade Christi voraus, nicht in der zeitlichen Ordnung, sondern der Natur nach und im Gedanken; und dies aus einem dreifachen Grund: Erstens in Bezug auf die Ordnung der Prinzipien von beiden. Denn das Prinzip der Vereinigung ist die Person des Sohnes, der die menschliche Natur annimmt, welcher als in die Welt gesandt bezeichnet wird, insofern er die menschliche Natur annahm; aber das Prinzip der habituellen Gnade, die mit der Liebe gegeben wird, ist der Heilige Geist, welcher als gesandt bezeichnet wird, insofern er durch die Liebe im Geist wohnt. Nun ist die Sendung des Sohnes in der Ordnung der Natur früher als die Sendung des Heiligen Geistes, so wie in der Ordnung der Natur der Heilige Geist vom Sohn ausgeht und die Liebe von der Weisheit. Daher ist die personale Vereinigung, gemäß welcher die Sendung des Sohnes stattfand, in der Ordnung der Natur früher als die habituelle Gnade, gemäß welcher die Sendung des Heiligen Geistes stattfindet. Zweitens kann der Grund dieser Ordnung aus der Beziehung der Gnade zu ihrer Ursache genommen werden. Denn Gnade wird im Menschen durch die Gegenwart der Gottheit verursacht, wie Licht in der Luft durch die Gegenwart der Sonne. Daher steht geschrieben (Ez 43,2): „Die Herrlichkeit des Gottes Israels kam auf dem Weg von Osten herein ... und die Erde leuchtete von seiner Majestät.“ Aber die Gegenwart Gottes in Christus ist durch die Vereinigung der menschlichen Natur mit der göttlichen Person. Daher wird verstanden, dass die habituelle Gnade Christi dieser Vereinigung folgt, wie Licht der Sonne folgt. Drittens kann der Grund dieser Vereinigung aus dem Ziel der Gnade genommen werden, da sie zum richtigen Handeln hingeordnet ist, und Handeln dem Suppositum und dem Individuum gehört. Daher setzen Handlung und folglich die dazu hinordnende Gnade die Hypostase voraus, die wirkt. Nun existierte die Hypostase in der menschlichen Natur nicht vor der Vereinigung, wie aus Frage [4], Artikel [2] klar ist. Also geht die Gnade der Vereinigung im Gedanken der habituellen Gnade voraus.
Antwort auf Einwand 1: Augustinus meint hier mit Gnade den unentgeltlichen Willen Gottes, der Wohltaten gratis verleiht; und daher wird jeder Mensch als durch dieselbe Gnade zum Christen gemacht bezeichnet, durch die ein Mensch Christus wurde, da beides durch den unentgeltlichen Willen Gottes ohne Verdienste geschieht.
Antwort auf Einwand 2: Wie die Disposition in der Ordnung der Zeugung der Vollkommenheit vorausgeht, zu der sie disponiert, in solchen Dingen, die schrittweise vervollkommnet werden; so folgt sie natürlich der Vollkommenheit, die man bereits erlangt hat; wie Hitze, die eine Disposition zur Form des Feuers war, eine Wirkung ist, die aus der Form des bereits existierenden Feuers fließt. Nun ist die menschliche Natur in Christus mit der Person des Wortes von Anfang an ohne Aufeinanderfolge vereint. Daher wird nicht verstanden, dass habituelle Gnade der Vereinigung vorausging, sondern dass sie ihr folgte; als eine natürliche Eigenschaft. Daher sagt Augustinus (Enchiridion xl): „Die Gnade ist dem Menschen Christus gewissermaßen natürlich.“
Antwort auf Einwand 3: Das Gemeinsame geht dem Eigentümlichen voraus, wenn beide von derselben Gattung sind; aber wenn sie von verschiedenen Gattungen sind, hindert nichts daran, dass das Eigentümliche früher ist als das Gemeinsame. Nun ist die Gnade der Vereinigung nicht in derselben Gattung wie die habituelle Gnade; sondern sie ist über allen Gattungen, so wie die göttliche Person selbst. Daher hindert nichts daran, dass dieses Eigentümliche vor dem Gemeinsamen ist, da es nicht daraus resultiert, dass etwas zum Gemeinsamen hinzugefügt wird, sondern vielmehr das Prinzip und die Quelle dessen ist, was gemeinsam ist.