Suppl., q. 96 a. 10
Ob auch dem Körper eine Aureole gebührt?
Quaestio 96 · Von den Aureolen
Einwand 1: Es scheint, dass auch dem Körper eine Aureole gebührt. Denn der wesentliche Lohn ist größer als der akzidentelle. Aber die Mitgiften, die zum wesentlichen Lohn gehören, sind nicht nur in der Seele, sondern auch im Körper. Daher gibt es auch eine Aureole, die zum akzidentellen Lohn gehört.
Einwand 2: Ferner entspricht Strafe in Seele und Körper der Sünde, die durch den Körper begangen wurde. Daher gebührt ein Lohn sowohl in der Seele als auch im Körper dem Verdienst, das durch den Körper gewonnen wurde. Aber die Aureole wird durch Werke des Körpers verdient. Daher gebührt auch dem Körper eine Aureole.
Einwand 3: Ferner wird eine gewisse Fülle der Tugend in den Körpern der Märtyrer hervorleuchten und in ihren körperlichen Narben gesehen werden: weshalb Augustinus sagt (De Civ. Dei xxii): „Wir empfinden eine unbeschreibliche Liebe zu den seligen Märtyrern, so dass wir begehren, in jenem Königreich die Narben der Wunden in ihren Körpern zu sehen, die sie für den Namen Christi trugen. Vielleicht werden wir sie tatsächlich sehen, denn dies wird sie nicht weniger anmutig machen, sondern herrlicher. Eine gewisse Schönheit wird in ihnen leuchten, eine Schönheit, obwohl im Körper, doch nicht des Körpers, sondern der Tugend.“ Daher scheint es, dass die Aureole des Märtyrers auch in seinem Körper ist; und in gleicher Weise die Aureolen anderer.
Dagegen spricht: Die Seelen jetzt im Himmel haben Aureolen; und doch haben sie keinen Körper. Daher ist das eigentliche Subjekt einer Aureole die Seele und nicht der Körper.
Ferner ist alles Verdienst von der Seele. Daher sollte der ganze Lohn in der Seele sein.
Ich antworte darauf, dass die Aureole eigentlich gesprochen im Geist ist: da sie Freude an den Werken ist, denen eine Aureole gebührt. Aber so wie aus der Freude am wesentlichen Lohn, der die Aurea ist, eine gewisse Anmut im Körper resultiert, die die Herrlichkeit des Körpers ist, so resultiert aus der Freude an der Aureole eine gewisse körperliche Anmut: so dass die Aureole hauptsächlich im Geist ist, aber durch eine Art Überfließen im Körper hervorleuchtet.
Dies genügt für die Antworten auf die Einwände. Es muss jedoch bemerkt werden, dass die Schönheit der Narben, die in den Körpern der Märtyrer erscheinen werden, nicht Aureole genannt werden kann, da einige der Märtyrer eine Aureole haben werden, in der solche Narben nicht erscheinen werden, zum Beispiel jene, die durch Ertrinken, Verhungern oder den Schmutz des Gefängnisses zu Tode gebracht wurden.