[Gebet eines Bedrückten, der in seiner Not dem Herrn sein Leid klagen will.]
Erhöre, Herr, mein Gebet, / mein Rufen komme zu dir.
Nicht verhülle vor mir dein Angesicht / am Tag meiner Bedrängnis. Neige zu mir dein Ohr; / wenn ich rufe zu dir, erhöre mich bald.
Denn meine Tage entschwinden wie Rauch, / in meinen Gliedern brennt es wie Feuer.
Versengt wie das Gras und verdorrt ist mein Herz; / ich vergaß, zu essen mein Brot.
Ich zehre mich auf in Seufzen, / es haftet an der Haut mein Gebein.
Ich gleiche der Dohle in der Wüste, / bin geworden wie im Gemäuer die Eule.
Ich finde keinen Schlaf und ich klage / wie auf dem Dach der verlassene Vogel.
Immerfort höhnen mich meine Feinde; / im Mund meiner Hasser wurde mein Name zum Fluch.
Denn ich esse mein Brot wie Asche, / und mein Trank vermischt sich mit Tränen,
weil du mir zürnst und versagst deine Gnade. / Denn du hast mich erhöht, nun aber wirfst du mich nieder.
Meine Tage sind wie wachsende Schatten, / und ich verdorre wie Gras.
Du aber, Herr, bleibst in Ewigkeit, / und dein Name währt durch alle Geschlechter.
Du wirst dich erheben und über Zion erbarmen, / denn gekommen ist die Zeit, dass du dich seiner erbarmst; / schon ist die Stunde gekommen.
Zions Steine sind deinen Knechten teuer, / über seine Trümmer erheben sie Klage.
Dann werden die Völker deinen Namen fürchten, o Herr, / und alle Könige der Erde vor deiner Hoheit sich neigen.
Wenn der Herr von neuem Zion erbaut, / wenn er in Herrlichkeit wird erscheinen;
wenn er sich zukehrt dem Ruf der Armen / und nicht mehr verwirft ihr Gebet.
Aufgeschrieben werde dies für das neue Geschlecht, / und das Volk, das erschaffen wird, lobsinge dem Herrn.
Denn herabgeschaut hat der Herr von seinem erhabenen Heiligtum, / auf die Erde blickt er nieder vom Himmel,
dass er höre der Gefangenen Stöhnen, / dass er befreie, die dem Tod geweiht,
dass der Name des Herrn verkündet werde auf Zion, / sein Ruhm in Jerusalem,
wenn dort sich versammeln die Völker / und die Reiche, auf dass sie dienen dem Herrn.
Auf dem Weg schon hat er aufgezehrt meine Kraft, / er schnitt mir ab meine Tage.
Ich sage: Nicht raffe mich weg aus der Mitte meiner Tage, o Gott, / du, dessen Jahre überdauern alle Geschlechter.
Im Anbeginn erschufst du die Erde, / und der Himmel ist das Werk deiner Hände.
Jene werden vergehen, du aber bleibst; / wie ein Gewand veralten sie alle. Du wechselst sie wie ein Kleid, / und sie wandeln sich.
Du aber bist derselbe, / und deine Jahre haben kein Ende.
Die Kinder deiner Knechte werden wohnen in Sicherheit, / und ihr Stamm wird bleiben vor dir auf immer.