III, q. 80 a. 2
Ob es allein dem Menschen zukommt, dieses Sakrament geistig zu essen?
Quaestio 80 · Vom Gebrauch oder Empfang dieses Sakramentes im Allgemeinen
Einwand 1: Es scheint, dass es nicht allein dem Menschen zukommt, dieses Sakrament geistig zu essen, sondern ebenso den Engeln. Denn zu Ps 77,25: „Der Mensch aß das Brot der Engel“, sagt die Glosse: „das heißt, den Leib Christi, der wahrhaftig die Speise der Engel ist.“ Aber das wäre nicht so, wenn die Engel Christus nicht geistig essen würden. Deshalb essen die Engel Christus geistig.
Einwand 2: Ferner sagt Augustinus (Tract. xxvi in Joan.): Unter „dieser Speise und diesem Trank will Er, dass wir die Gemeinschaft seines Leibes und seiner Glieder verstehen, welche die Kirche in seinen Vorherbestimmten ist.“ Aber nicht nur Menschen, sondern auch die heiligen Engel gehören zu dieser Gemeinschaft. Deshalb essen die heiligen Engel geistig davon.
Einwand 3: Ferner sagt Augustinus in seinem Buch De Verbis Domini (Serm. cxlii): „Christus muss geistig gegessen werden, wie Er selbst erklärt: ‚Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.‘“ Aber dies kommt nicht nur den Menschen zu, sondern auch den heiligen Engeln, in denen Christus durch die Liebe wohnt und sie in Ihm. Folglich scheint es, dass Christus geistig zu essen nicht nur für Menschen, sondern auch für die Engel ist.
Dagegen spricht, dass Augustinus (Tract. xxvi in Joan.) sagt: „Esst das Brot“ des Altars „geistig; bringt Unschuld zum Altar.“ Aber Engel nähern sich nicht dem Altar, um etwas davon zu nehmen. Deshalb essen die Engel nicht geistig.
Ich antworte darauf, dass Christus selbst in diesem Sakrament enthalten ist, nicht unter seiner eigenen Gestalt, sondern unter den sakramentalen Gestalten. Folglich gibt es zwei Arten, geistig zu essen. Erstens, wie Christus selbst unter seiner eigenen Gestalt existiert, und auf diese Weise essen die Engel Christus geistig, insofern sie mit Ihm im Genuss vollkommener Liebe und in klarer Schau vereint sind (und dies ist das Brot, das wir im Himmel erhoffen), und nicht durch Glauben, wie wir hier mit Ihm vereint sind.
Auf eine andere Weise kann man Christus geistig essen, wie Er unter den sakramentalen Gestalten ist, insofern ein Mensch an Christus glaubt, während er begehrt, dieses Sakrament zu empfangen; und dies ist nicht bloß, Christus geistig zu essen, sondern ebenso, dieses Sakrament zu essen; was den Engeln nicht zukommt. Und deshalb, obwohl die Engel sich geistig von Christus nähren, kommt es ihnen doch nicht zu, dieses Sakrament geistig zu essen.
Antwort auf Einwand 1: Der Empfang Christi unter diesem Sakrament ist auf den Genuss des Himmels als sein Ziel hingeordnet, auf die gleiche Weise, wie die Engel ihn genießen; und da die Mittel nach dem Ziel bemessen werden, kommt es daher, dass ein solches Essen Christi, wodurch wir Ihn unter diesem Sakrament empfangen, gleichsam von jenem Essen abgeleitet ist, wodurch die Engel Christus im Himmel genießen. Folglich wird gesagt, dass der Mensch das „Brot der Engel“ isst, weil es den Engeln zukommt, dies erstens und vornehmlich zu tun, da sie Ihn in seiner eigenen Gestalt genießen; und zweitens kommt es den Menschen zu, die Christus unter diesem Sakrament empfangen.
Antwort auf Einwand 2: Sowohl Menschen als auch Engel gehören zur Gemeinschaft seines mystischen Leibes; Menschen durch Glauben und Engel durch offenkundige Schau. Aber die Sakramente sind dem Glauben angemessen, durch den die Wahrheit „durch einen Spiegel“ und „in dunkler Weise“ gesehen wird. Und deshalb kommt es eigentlich nicht den Engeln, sondern den Menschen zu, dieses Sakrament geistig zu essen.
Antwort auf Einwand 3: Christus wohnt in den Menschen durch den Glauben, gemäß ihrem gegenwärtigen Zustand, aber Er ist in den seligen Engeln durch offenkundige Schau. Folglich greift der Vergleich nicht, wie oben dargelegt (ad 2).