III, q. 72 a. 3
Ob es für dieses Sakrament wesentlich ist, dass der Chrisam, der seine Materie ist, zuvor von einem Bischof geweiht wird?
Quaestio 72 · Vom Sakrament der Firmung
1. Einwand: Es scheint, dass es für dieses Sakrament nicht wesentlich ist, dass der Chrisam, der seine Materie ist, zuvor von einem Bischof geweiht wird. Denn die Taufe, die volle Vergebung der Sünden verleiht, ist nicht weniger wirksam als dieses Sakrament. Aber obwohl das Taufwasser eine Art Segnung empfängt, bevor es für die Taufe verwendet wird, ist dies doch nicht wesentlich für das Sakrament: da im Notfall darauf verzichtet werden kann. Also ist es auch für dieses Sakrament nicht wesentlich, dass der Chrisam zuvor von einem Bischof geweiht wird.
2. Einwand: Ferner sollte dasselbe nicht zweimal geweiht werden. Aber die sakramentale Materie wird im eigentlichen Spenden des Sakraments geheiligt durch die Wortform, worin das Sakrament gespendet wird; daher sagt Augustinus (Tract. lxxx in Joan.): „Das Wort tritt zum Element, und es wird ein Sakrament.“ Also sollte der Chrisam nicht geweiht werden, bevor dieses Sakrament gegeben wird.
3. Einwand: Ferner ist jede Weihe, die in den Sakramenten angewandt wird, auf die Verleihung von Gnade hingeordnet. Aber die sinnlich wahrnehmbare Materie, die aus Öl und Balsam zusammengesetzt ist, ist nicht empfänglich für Gnade. Also sollte sie nicht geweiht werden.
Dagegen spricht, dass Papst Innozenz I. sagt (Ep. ad Decent.): „Priester dürfen, wenn sie taufen, die Getauften mit Chrisam salben, der zuvor von einem Bischof geweiht wurde: aber sie dürfen nicht die Stirn mit demselben Öl bezeichnen; dies steht allein dem Bischof zu, wenn er den Beistand gibt.“ Nun geschieht dies in diesem Sakrament. Also ist es für dieses Sakrament notwendig, dass seine Materie zuvor von einem Bischof geweiht wird.
Ich antworte darauf: Die gesamte Heiligung der Sakramente leitet sich von Christus ab, wie oben gesagt (Frage [64], Artikel [3]). Aber es muss beachtet werden, dass Christus gewisse Sakramente benutzte, die eine körperliche Materie haben, nämlich die Taufe und auch die Eucharistie. Und folglich empfing die Materie dieser Sakramente durch den eigentlichen Akt Christi, sie zu benutzen, eine gewisse Eignung zur Vollkommenheit des Sakraments. Daher sagt Chrysostomus (Chromatius, In Matth. 3,15), dass „die Wasser der Taufe niemals die Sünden der Gläubigen hätten abwaschen können, wären sie nicht durch die Berührung mit dem Leib unseres Herrn geheiligt worden.“ Und wiederum nahm unser Herr selbst „Brot ... segnete es ... und ebenso den Kelch“ (Mt 26,26.27; Lk 22,19.20). Aus diesem Grund ist es nicht notwendig, dass die Materie dieser Sakramente zuvor gesegnet wird, da der Segen Christi genügt. Und wenn irgendeine Segnung verwendet wird, gehört sie zur Feierlichkeit des Sakraments, nicht zu seinem Wesen. Aber Christus machte keinen Gebrauch von sichtbaren Salbungen, um die unsichtbare Salbung nicht geringzuschätzen, durch die Er „gesalbt“ war „vor“ seinen „Gefährten“ (Ps 44,8). Und daher werden sowohl der Chrisam als auch das heilige Öl und das Krankenöl gesegnet, bevor sie zum sakramentalen Gebrauch kommen. Dies genügt als Antwort auf den ersten Einwand.
Antwort auf den 2. Einwand: Jede Weihe des Chrisams hat nicht denselben Zweck. Denn so wie ein Werkzeug auf zwei Arten instrumentale Kraft erhält, nämlich wenn es die Form eines Werkzeugs empfängt und wenn es vom Hauptagens bewegt wird; so bedarf auch die sakramentale Materie einer zweifachen Heiligung, durch deren eine sie geeignete Materie für das Sakrament wird, während sie durch die andere zur Hervorbringung der Wirkung angewandt wird.
Antwort auf den 3. Einwand: Körperliche Materie ist empfänglich für Gnade, nicht so, dass sie das Subjekt der Gnade wäre, sondern nur als Werkzeug der Gnade, wie oben erklärt (Frage [62], Artikel [3]). Und diese sakramentale Materie wird geweiht, entweder durch Christus oder durch einen Bischof, der in der Kirche die Person Christi darstellt.