III, q. 2 a. 7
Ob die Union der göttlichen Natur und der menschlichen etwas Geschaffenes ist?
Quaestio 2 · Von der Art der Vereinigung des fleischgewordenen Wortes
Einwand 1: Es scheint, dass die Union der göttlichen und menschlichen Natur nichts Geschaffenes ist. Denn es kann nichts Geschaffenes in Gott geben, weil alles, was in Gott ist, Gott ist. Aber die Union ist in Gott, denn Gott selbst ist mit der menschlichen Natur vereint. Also scheint es, dass die Union nichts Geschaffenes ist.
Einwand 2: Ferner nimmt das Ziel in allem den ersten Platz ein. Aber das Ziel der Union ist die göttliche Hypostase oder Person, in der die Union beendet wird. Daher scheint es, dass diese Union hauptsächlich in Bezug auf die Würde der göttlichen Hypostase beurteilt werden sollte, welche nichts Geschaffenes ist. Also ist die Union nichts Geschaffenes.
Einwand 3: Ferner: „Das, was die Ursache dafür ist, dass ein Ding so ist, ist es noch mehr“ (Poster. i). Aber der Mensch wird wegen der Union Schöpfer genannt. Also ist die Union selbst viel mehr nichts Geschaffenes, sondern der Schöpfer.
Dagegen spricht, dass alles, was einen Anfang in der Zeit hat, geschaffen ist. Nun war diese Union nicht von Ewigkeit her, sondern begann in der Zeit. Also ist die Union etwas Geschaffenes.
Ich antworte darauf, dass die Union, von der wir sprechen, eine Relation ist, die wir zwischen der göttlichen und der menschlichen Natur betrachten, insofern sie in einer Person des Sohnes Gottes zusammenkommen. Nun ist, wie oben gesagt wurde (FP, Frage [13], Artikel [7]), jede Relation, die wir zwischen Gott und dem Geschöpf betrachten, real im Geschöpf, durch dessen Veränderung die Relation ins Sein gebracht wird; wohingegen sie nicht real in Gott ist, sondern nur in unserer Denkweise, da sie nicht aus irgendeiner Veränderung in Gott entsteht. Und daher müssen wir sagen, dass die Union, von der wir sprechen, nicht real in Gott ist, außer nur in unserer Denkweise; aber in der menschlichen Natur, die ein Geschöpf ist, ist sie real. Daher müssen wir sagen, dass sie etwas Geschaffenes ist.
Antwort auf Einwand 1: Diese Union ist nicht real in Gott, sondern nur in unserer Denkweise, denn Gott wird mit einem Geschöpf vereint genannt, insofern das Geschöpf real mit Gott vereint ist, ohne irgendeine Veränderung in Ihm.
Antwort auf Einwand 2: Die spezifische Natur einer Relation, wie der Bewegung, hängt vom Subjekt ab. Und da diese Union ihr Sein nirgendwo außer in einer geschaffenen Natur hat, wie oben gesagt wurde, folgt daraus, dass sie ein geschaffenes Sein hat.
Antwort auf Einwand 3: Ein Mensch wird Schöpfer genannt und ist Gott wegen der Union, insofern sie in der göttlichen Hypostase beendet wird; doch folgt daraus nicht, dass die Union selbst der Schöpfer oder Gott ist, weil die Tatsache, dass ein Ding geschaffen genannt wird, eher sein Sein betrifft als seine Relation.