III, q. 16 a. 5
Ob das, was zur menschlichen Natur gehört, von der göttlichen Natur ausgesagt werden kann?
Quaestio 16 · Von dem, was Christus im Sein und Werden zukommt.
Einwand 1: Es scheint, dass das, was zur menschlichen Natur gehört, von der göttlichen Natur gesagt werden kann. Denn was zur menschlichen Natur gehört, wird vom Sohn Gottes und von Gott ausgesagt. Aber Gott ist seine eigene Natur. Also kann das, was zur menschlichen Natur gehört, von der göttlichen Natur ausgesagt werden.
Einwand 2: Ferner gehört das Fleisch zur menschlichen Natur. Aber wie Damascenus sagt (De Fide Orth. iii, 6), "sagen wir nach dem seligen Athanasius und Cyrill, dass die Natur des Wortes inkarniert wurde." Daher scheint es mit gleichem Grund, dass das, was zur menschlichen Natur gehört, von der göttlichen Natur gesagt werden kann.
Einwand 3: Ferner gehört das, was zur göttlichen Natur gehört, zu Christi menschlicher Natur; wie etwa zukünftige Dinge zu wissen und heilbringende Macht zu besitzen. Daher scheint es mit gleichem Grund, dass das, was zum Menschlichen gehört, von der göttlichen Natur gesagt werden kann.
Dagegen spricht, dass Damascenus sagt (De Fide Orth. iii, 4): "Wenn wir die Gottheit erwähnen, sagen wir von ihr nicht die Idiome", d.h. die Eigenschaften, "der Menschheit aus; denn wir sagen nicht, dass die Gottheit passibel oder erschaffbar ist." Nun ist die Gottheit die göttliche Natur. Also kann das, was der menschlichen Natur eigen ist, nicht von der göttlichen Natur gesagt werden.
Ich antworte darauf, dass das, was zu einem gehört, nicht von einem anderen gesagt werden kann, es sei denn, sie sind beide dasselbe; so kann "lachen könnend" nur vom Menschen ausgesagt werden. Nun sind im Geheimnis der Menschwerdung die göttliche und die menschliche Natur nicht dasselbe; aber die Hypostase der beiden Naturen ist dieselbe. Und daher kann das, was zu einer Natur gehört, nicht von der anderen ausgesagt werden, wenn sie abstrakt genommen werden. Nun stehen konkrete Wörter für die Hypostase der Natur; und daher können wir von konkreten Wörtern unterschiedslos aussagen, was zu jeder der beiden Naturen gehört – ob sich das Wort, von dem sie ausgesagt werden, auf eine Natur bezieht, wie das Wort "Christus", durch welches "sowohl die salbende Gottheit als auch die gesalbte Menschheit" bezeichnet wird; oder auf die göttliche Natur allein, wie dieses Wort "Gott" oder "der Sohn Gottes"; oder auf die Menschheit allein, wie dieses Wort "Mensch" oder "Jesus". Daher sagt Papst Leo (Ep. ad Palaest. cxxiv): "Es ist ohne Belang, von welcher Substanz her wir Christus benennen; denn da die Einheit der Person untrennbar bleibt, ist ein und derselbe ganz Sohn des Menschen durch sein Fleisch und ganz Sohn Gottes durch die Gottheit, die Er mit dem Vater hat."
Antwort auf Einwand 1: In Gott sind Person und Natur real dasselbe; und aufgrund dieser Identität wird die göttliche Natur vom Sohn Gottes ausgesagt. Dennoch ist ihre Aussageweise verschieden; und daher werden gewisse Dinge vom Sohn Gottes gesagt, die nicht von der göttlichen Natur gesagt werden; so sagen wir, dass der Sohn Gottes geboren wird, doch sagen wir nicht, dass die göttliche Natur geboren wird; wie im ersten Teil gesagt wurde (Quaestio [39], Artikel [5]). So sagen wir auch im Geheimnis der Menschwerdung, dass der Sohn Gottes litt, doch sagen wir nicht, dass die göttliche Natur litt.
Antwort auf Einwand 2: Inkarnation impliziert eher die Vereinigung mit dem Fleisch als irgendeine Eigenschaft des Fleisches. Nun ist in Christus jede Natur mit der anderen in der Person vereint; und aufgrund dieser Vereinigung wird die göttliche Natur inkarniert und die menschliche Natur vergöttlicht genannt, wie oben dargelegt (Quaestio [2], Artikel [1], ad 3).
Antwort auf Einwand 3: Was zur göttlichen Natur gehört, wird von der menschlichen Natur ausgesagt – zwar nicht so, als ob es der göttlichen Natur wesenhaft angehörte, sondern wie es durch die menschliche Natur teilgehabt wird. Daher wird alles, was nicht durch die menschliche Natur teilgehabt werden kann (wie unerschaffen und allmächtig zu sein), in keiner Weise von der menschlichen Natur ausgesagt. Aber die göttliche Natur empfing nichts durch Teilhabe von der menschlichen Natur; und daher kann das, was zur menschlichen Natur gehört, in keiner Weise von der göttlichen Natur ausgesagt werden.