III, q. 16 a. 10
Ob dieser Satz wahr ist: "Christus als Mensch ist ein Geschöpf"?
Quaestio 16 · Von dem, was Christus im Sein und Werden zukommt.
Einwand 1: Es scheint, dass dies falsch ist: "Christus als Mensch ist ein Geschöpf" oder "begann zu sein." Denn nichts in Christus ist geschaffen außer der menschlichen Natur. Aber dies ist falsch: "Christus als Mensch ist die menschliche Natur." Also ist auch dies falsch: Christus als Mensch ist ein Geschöpf.
Einwand 2: Ferner wird das Prädikat eher von dem Begriff ausgesagt, der in der Reduplikation steht, als vom Subjekt des Satzes; wie wenn ich sage: "Ein Körper als farbig ist sichtbar", folgt daraus, dass das Farbige sichtbar ist. Aber wie dargelegt (Artikel [8],9), dürfen wir nicht absolut zugeben, dass "der Mensch Christus ein Geschöpf ist"; noch folglich, dass "Christus als Mensch ein Geschöpf ist."
Einwand 3: Ferner wird alles, was von einem Menschen als Mensch ausgesagt wird, von ihm "per se" und schlechthin ausgesagt, denn "per se" ist dasselbe wie "insofern es selbst", wie es in Metaph. v, text. 23 heißt. Aber dies ist falsch: "Christus als Mensch ist per se und schlechthin ein Geschöpf." Daher ist auch dies falsch: "Christus als Mensch ist ein Geschöpf."
Dagegen spricht: Was immer ist, ist entweder Schöpfer oder Geschöpf. Aber dies ist falsch: "Christus als Mensch ist Schöpfer." Also ist dies wahr: "Christus als Mensch ist ein Geschöpf."
Ich antworte darauf, dass, wenn wir sagen "Christus als Mensch", dieses Wort "Mensch" in der Reduplikation hinzugefügt werden kann, entweder aufgrund des Suppositums oder aufgrund der Natur. Wenn es aufgrund des Suppositums hinzugefügt wird, da das Suppositum der menschlichen Natur in Christus ewig und unerschaffen ist, wird dies falsch sein: "Christus als Mensch ist ein Geschöpf." Aber wenn es aufgrund der menschlichen Natur hinzugefügt wird, ist es wahr, da es Ihm aufgrund der menschlichen Natur oder in der menschlichen Natur zukommt, ein Geschöpf zu sein, wie gesagt wurde (Artikel [8]).
Es muss jedoch bedacht werden, dass der Begriff, der von der Reduplikation erfasst wird, eher die Natur als das Suppositum bezeichnet, da er als Prädikat hinzugefügt wird, welches formal genommen wird, denn es ist dasselbe zu sagen "Christus als Mensch" und zu sagen "Christus, wie Er ein Mensch ist". Daher ist dies eher zuzugeben als zu leugnen: "Christus als Mensch ist ein Geschöpf." Aber wenn etwas Weiteres hinzugefügt wird, wodurch [der von der Reduplikation erfasste Begriff] auf das Suppositum gezogen wird, ist dieser Satz eher zu leugnen als zuzugeben, zum Beispiel wenn einer sagen würde: "Christus als 'dieser' Mensch ist ein Geschöpf."
Antwort auf Einwand 1: Obwohl Christus nicht die menschliche Natur ist, hat Er die menschliche Natur. Nun wird das Wort "Geschöpf" natürlicherweise nicht nur von abstrakten, sondern auch von konkreten Dingen ausgesagt; da wir sagen, dass "die Menschheit ein Geschöpf ist" und dass "der Mensch ein Geschöpf ist."
Antwort auf Einwand 2: Mensch, wie er im Subjekt steht, bezieht sich auf das Suppositum – und wie er in der Reduplikation steht, bezieht er sich auf die Natur, wie oben dargelegt wurde. Und weil die Natur geschaffen und das Suppositum unerschaffen ist, wird daher, obwohl nicht zugegeben wird, dass "dieser Mensch ein Geschöpf ist", doch zugegeben, dass "Christus als Mensch ein Geschöpf ist."
Antwort auf Einwand 3: Es kommt jedem Menschen, der ein Suppositum der menschlichen Natur allein ist, zu, sein Sein nur in der menschlichen Natur zu haben. Daher folgt für jedes solche Suppositum, dass, wenn es als Mensch ein Geschöpf ist, es schlechthin ein Geschöpf ist. Aber Christus ist ein Suppositum nicht bloß der menschlichen Natur, sondern auch der göttlichen Natur, in welcher Er ein unerschaffenes Sein hat. Daher folgt nicht, dass, wenn Er als Mensch ein Geschöpf ist, Er schlechthin ein Geschöpf ist.