II-II, q. 25 a. 2
Ob die Caritas aus Caritas geliebt werden muss?
Quaestio 25 · Vom Gegenstand der Liebe
Einwand 1: Es scheint, dass die Caritas nicht aus Caritas geliebt werden muss. Denn die Dinge, die aus Caritas zu lieben sind, sind in den zwei Geboten der Caritas enthalten (Mt 22,37-39): und keines von ihnen schließt die Caritas ein, da die Caritas weder Gott noch unser Nächster ist. Deshalb muss die Caritas nicht aus Caritas geliebt werden.
Einwand 2: Ferner ist die Caritas auf der Gemeinschaft der Glückseligkeit begründet, wie oben dargelegt (Frage [23], Artikel [1]). Aber die Caritas kann nicht an der Glückseligkeit teilhaben. Deshalb muss die Caritas nicht aus Caritas geliebt werden.
Einwand 3: Ferner ist die Caritas eine Art Freundschaft, wie oben dargelegt (Frage [23], Artikel [1]). Aber kein Mensch kann Freundschaft zur Caritas oder zu einem Akzidens haben, da solche Dinge Liebe nicht mit Liebe vergelten können, was wesentlich für die Freundschaft ist, wie in Ethic. viii dargelegt. Deshalb muss die Caritas nicht aus Caritas geliebt werden.
Dagegen spricht, was Augustinus sagt (De Trin. viii, 8): „Wer seinen Nächsten liebt, muss folglich die Liebe selbst lieben.“ Aber wir lieben unseren Nächsten aus Caritas. Deshalb folgt, dass auch die Caritas aus Caritas geliebt wird.
Ich antworte darauf, Die Caritas ist Liebe. Nun ist die Liebe, aufgrund der Natur der Kraft, deren Akt sie ist, fähig, auf sich selbst zu reflektieren; denn da das Objekt des Willens das universale Gute ist, kann alles, was den Aspekt des Guten hat, Gegenstand eines Willensaktes sein: und da das Wollen selbst ein Gut ist, kann der Mensch wollen, dass er will. Ebenso versteht der Intellekt, dessen Objekt das Wahre ist, dass er versteht, weil dies wiederum etwas Wahres ist. Die Liebe jedoch ist sogar aufgrund ihrer eigenen Spezies fähig, auf sich selbst zu reflektieren, weil sie eine spontane Bewegung des Liebenden zum Geliebten hin ist, weshalb ein Mensch von dem Moment an, da er liebt, sich selbst zu lieben liebt.
Doch ist die Caritas nicht einfach Liebe, sondern hat die Natur der Freundschaft, wie oben dargelegt (Frage [23], Artikel [1]). Nun wird durch Freundschaft ein Ding auf zweierlei Weise geliebt: erstens als der Freund, für den wir Freundschaft haben und dem wir Gutes wünschen; zweitens als das Gute, das wir einem Freund wünschen. Auf die letztere und nicht auf die erstere Weise wird die Caritas aus Caritas geliebt, weil die Caritas das Gut ist, das wir für alle jene begehren, die wir aus Caritas lieben. Dasselbe gilt für die Glückseligkeit und für die anderen Tugenden.
Antwort auf Einwand 1: Gott und unser Nächster sind jene, mit denen wir befreundet sind, aber die Liebe zu ihnen schließt das Lieben der Caritas ein, da wir sowohl Gott als auch unseren Nächsten insofern lieben, als wir für uns selbst und unseren Nächsten lieben, Gott zu lieben, und dies bedeutet, die Caritas zu lieben.
Antwort auf Einwand 2: Die Caritas ist selbst die Gemeinschaft des geistlichen Lebens, wodurch wir zur Glückseligkeit gelangen: daher wird sie als das Gut geliebt, das wir für alle begehren, die wir aus Caritas lieben.
Antwort auf Einwand 3: Dieses Argument betrachtet die Freundschaft in Bezug auf jene, mit denen wir befreundet sind.