II-II, q. 25 a. 11
Ob wir verpflichtet sind, die Dämonen aus Caritas zu lieben?
Quaestio 25 · Vom Gegenstand der Liebe
Einwand 1: Es scheint, dass wir die Dämonen aus Caritas lieben sollen. Denn die Engel sind unsere Nächsten aufgrund ihrer Gemeinschaft mit uns in einem vernünftigen Geist. Aber auch die Dämonen teilen diese Gemeinschaft so, da natürliche Gaben, wie Leben und Verstand, in ihnen unversehrt bleiben, wie Dionysius feststellt (Div. Nom. iv). Deshalb sollen wir die Dämonen aus Caritas lieben.
Einwand 2: Ferner unterscheiden sich die Dämonen von den seligen Engeln in der Sache der Sünde, so wie Sünder von gerechten Menschen. Nun liebt der Gerechte den Sünder aus Caritas. Deshalb soll er auch die Dämonen aus Caritas lieben.
Einwand 3: Ferner sollen wir aus Caritas jene als unsere Nächsten lieben, von denen wir Gunstbezeigungen empfangen, wie aus der oben zitierten Passage von Augustinus hervorgeht (Artikel [9]). Nun sind die Dämonen uns in vielen Dingen nützlich, denn „indem sie uns versuchen, wirken sie Kronen für uns“, wie Augustinus sagt (De Civ. Dei xi, 17). Deshalb sollen wir die Dämonen aus Caritas lieben.
Dagegen spricht, was geschrieben steht (Jes 28,18): „Euer Bund mit dem Tod soll getilgt werden, und euer Pakt mit der Hölle soll keinen Bestand haben.“ Nun geschieht die Vollkommenheit eines Friedens und Bundes durch die Caritas. Deshalb sollen wir keine Caritas für die Dämonen haben, die in der Hölle leben und den Tod umgeben.
Ich antworte darauf, Wie oben dargelegt (Artikel [6]), sind wir im Sünder verpflichtet, aus Caritas seine Natur zu lieben, aber seine Sünde zu hassen. Aber der Name Dämon wird gegeben, um eine durch Sünde deformierte Natur zu bezeichnen, weshalb Dämonen nicht aus Caritas geliebt werden sollten. Ohne jedoch Gewicht auf das Wort zu legen, muss die Frage, ob die Geister, die Dämonen genannt werden, aus Caritas geliebt werden sollen, in Übereinstimmung mit der oben gemachten Aussage beantwortet werden (Artikel [2],3), dass ein Ding auf zweierlei Weise aus Caritas geliebt werden kann. Erstens kann ein Ding als die Person geliebt werden, die das Objekt der Freundschaft ist, und so können wir keine Freundschaft der Caritas gegenüber den Dämonen haben. Denn es ist ein wesentlicher Teil der Freundschaft, dass man seinem Freund wohlwollend gesinnt ist; und es ist uns unmöglich, aus Caritas das Gut des ewigen Lebens, auf das die Caritas bezogen ist, für jene Geister zu begehren, die Gott ewig verdammt hat, da dies im Widerspruch zu unserer Caritas gegenüber Gott stünde, wodurch wir Seine Gerechtigkeit billigen.
Zweitens lieben wir ein Ding als das, von dem wir wünschen, dass es als das Gut eines anderen fortdauere. Auf diese Weise lieben wir vernunftlose Geschöpfe aus Caritas, insofern wir wünschen, dass sie fortdauern, um Gott Ehre zu geben und dem Menschen nützlich zu sein, wie oben dargelegt (Artikel [3]): und auf diese Weise können wir auch die Natur der Dämonen sogar aus Caritas lieben, insofern wir begehren, dass jene Geister fortdauern, was ihre natürlichen Gaben betrifft, zur Ehre Gottes.
Antwort auf Einwand 1: Der Besitz der ewigen Glückseligkeit ist für den engelhaften Geist nicht unmöglich, wie er es für den Geist eines Dämons ist; folglich ist die Freundschaft der Caritas, die auf der Gemeinschaft des ewigen Lebens basiert, eher als auf der Gemeinschaft der Natur, gegenüber den Engeln möglich, aber nicht gegenüber den Dämonen.
Antwort auf Einwand 2: In diesem Leben behalten Menschen, die in Sünde sind, die Möglichkeit, die ewige Glückseligkeit zu erlangen: nicht so jene, die in der Hölle verloren sind, die in dieser Hinsicht im selben Fall sind wie die Dämonen.
Antwort auf Einwand 3: Dass die Dämonen uns nützlich sind, ist nicht ihrer Absicht geschuldet, sondern der Anordnung der göttlichen Vorsehung; daher führt uns dies dazu, Freunde zu sein, nicht mit ihnen, sondern mit Gott, Der ihre verkehrte Absicht zu unserem Nutzen wendet.