II-II, q. 123 a. 8
Ob der Tapfere an seiner Handlung Ergötzen findet?
Quaestio 123 · Von der Tapferkeit
Einwand 1: Es scheint, dass der Tapfere an seiner Handlung Ergötzen findet. Denn „Ergötzen ist die ungehinderte Tätigkeit eines wesensverwandten Habitus“ (Ethic. x, 4,6,8). Nun geht die tapfere Tat aus einem Habitus hervor, der nach der Weise der Natur handelt. Also findet der Tapfere Vergnügen an seiner Handlung.
Einwand 2: Ferner sagt Ambrosius im Kommentar zu Gal 5,22 („Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede“), dass Taten der Tugend „Früchte genannt werden, weil sie den Geist des Menschen mit einem heiligen und reinen Ergötzen erfrischen“. Nun vollzieht der Tapfere Akte der Tugend. Also findet er Vergnügen an seiner Handlung.
Einwand 3: Ferner wird das Schwächere vom Stärkeren überwunden. Nun hat der Tapfere eine stärkere Liebe zum Gut der Tugend als zu seinem eigenen Körper, den er der Todesgefahr aussetzt. Also vertreibt das Ergötzen am Gut der Tugend den Schmerz des Körpers; und folglich tut der Tapfere alles mit Vergnügen.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (Ethic. iii, 9), dass „der Tapfere kein Ergötzen an seiner Handlung zu haben scheint“.
Ich antworte darauf, dass, wie oben dargelegt (FS, Frage [31], Artikel [3],4,5), wo wir von den Leidenschaften handelten, das Vergnügen zweifach ist; eines ist körperlich, resultierend aus körperlicher Berührung, das andere ist geistig, resultierend aus einer Auffassung der Seele. Letzteres ist es, das eigentlich aus Taten der Tugend resultiert, da wir in ihnen das Gut der Vernunft betrachten. Nun ist der vorzüglichste Akt der Tapferkeit das Erdulden, nicht nur gewisser Dinge, die unangenehm sind, wie sie von der Seele aufgefasst werden – zum Beispiel der Verlust des körperlichen Lebens, das der tugendhafte Mensch nicht nur als ein natürliches Gut liebt, sondern auch als notwendig für Akte der Tugend und Dinge, die mit ihnen verbunden sind –, sondern auch das Erdulden von Dingen, die unangenehm in Bezug auf körperliche Berührung sind, wie Wunden und Schläge. Daher hat der Tapfere auf der einen Seite etwas, das ihm Ergötzen gewährt, nämlich was das geistige Vergnügen im Akt der Tugend selbst und dessen Ziel betrifft: während er auf der anderen Seite Grund hat sowohl für geistige Traurigkeit, im Gedanken an den Verlust seines Lebens, als auch für körperlichen Schmerz. Daher lesen wir (2 Makk 6,30), dass Eleasar sagte: „Ich leide schwere Schmerzen am Körper: aber in der Seele bin ich wohl zufrieden, diese Dinge zu leiden, weil ich Dich fürchte.“
Nun macht der sinnliche Schmerz des Körpers unempfindlich für das geistige Ergötzen der Tugend, ohne den reichlichen Beistand von Gottes Gnade, die mehr Kraft hat, die Seele zu den göttlichen Dingen zu erheben, an denen sie sich ergötzt, als körperliche Schmerzen haben, sie zu betrüben. So sagte der selige Tiburtius, während er barfuß auf glühenden Kohlen ging, dass er sich fühle, als ginge er auf Rosen.
Doch verhindert die Tugend der Tapferkeit, dass die Vernunft gänzlich vom körperlichen Schmerz überwältigt wird. Und das Ergötzen der Tugend überwindet die geistige Traurigkeit, insofern ein Mensch das Gut der Tugend dem Leben des Körpers und allem, was dazu gehört, vorzieht. Daher sagt der Philosoph (Ethic. ii, 3; iii, 9), dass „es für einen tapferen Mann nicht notwendig ist, sich so zu ergötzen, dass er sein Ergötzen wahrnimmt, sondern es genügt für ihn, nicht traurig zu sein“.
Antwort auf Einwand 1: Die Heftigkeit der Handlung oder Leidenschaft eines Vermögens hindert die Handlung eines anderen Vermögens: weshalb der Schmerz in seinen Sinnen den Geist des Tapferen daran hindert, Ergötzen in seiner eigentlichen Tätigkeit zu empfinden.
Antwort auf Einwand 2: Taten der Tugend sind hauptsächlich aufgrund ihres Ziels ergötzlich; doch können sie ihrer Natur nach schmerzhaft sein, und dies ist vornehmlich bei der Tapferkeit der Fall. Daher sagt der Philosoph (Ethic. iii, 9), dass „Taten mit Vergnügen zu vollziehen nicht bei allen Tugenden geschieht, außer insofern man das Ziel erreicht“.
Antwort auf Einwand 3: Im Tapferen wird die geistige Traurigkeit durch das Ergötzen der Tugend überwunden. Doch da körperlicher Schmerz sinnlicher ist und die sinnliche Auffassung dem Menschen offensichtlicher ist, folgt daraus, dass das geistige Vergnügen am Ziel der Tugend in Gegenwart großen körperlichen Schmerzes sozusagen verblasst.