II-II, q. 123 a. 7
Ob der Tapfere um des Gutes seines Habitus willen handelt?
Quaestio 123 · Von der Tapferkeit
Einwand 1: Es scheint, dass der Tapfere nicht um des Gutes seines Habitus willen handelt. Denn in Handlungsdingen ist das Ziel, obwohl das Erste in der Absicht, das Letzte in der Ausführung. Nun folgt der Akt der Tapferkeit in der Ordnung der Ausführung dem Habitus der Tapferkeit. Also ist es unmöglich, dass der Tapfere um des Gutes seines Habitus willen handelt.
Einwand 2: Ferner sagt Augustinus (De Trin. xiii): „Wir lieben Tugenden um der Glückseligkeit willen, und doch wagen es einige, uns zu raten, tugendhaft zu sein“, nämlich indem sie sagen, dass wir die Tugend um ihrer selbst willen begehren sollten, „ohne die Glückseligkeit zu lieben. Wenn sie in ihrem Bestreben Erfolg haben, werden wir sicherlich aufhören, die Tugend selbst zu lieben, da wir nicht mehr das lieben werden, um dessentwillen allein wir die Tugend lieben.“ Aber Tapferkeit ist eine Tugend. Also ist der Akt der Tapferkeit nicht auf die Tapferkeit, sondern auf die Glückseligkeit gerichtet.
Einwand 3: Ferner sagt Augustinus (De Morib. Eccl. xv), dass „Tapferkeit die Liebe ist, die bereit ist, alles um Gottes willen zu ertragen“. Nun ist Gott nicht der Habitus der Tapferkeit, sondern etwas Besseres, da das Ziel notwendigerweise besser sein muss als das, was auf das Ziel gerichtet ist. Also handelt der Tapfere nicht um des Gutes seines Habitus willen.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (Ethic. iii, 7), dass „dem Tapferen die Tapferkeit selbst ein Gut ist“: und solches ist sein Ziel.
Ich antworte darauf, dass ein Ziel zweifach ist: ein nächstes und ein letztes. Nun ist das nächste Ziel jedes Handelnden, eine Ähnlichkeit der Form dieses Handelnden in etwas anderes einzuführen: so ist das Ziel des Feuers beim Erhitzen, die Ähnlichkeit seiner Hitze in eine passive Materie einzuführen, und das Ziel des Baumeisters ist es, die Ähnlichkeit seiner Kunst in die Materie einzuführen. Welches Gut auch immer daraus folgt, wenn es beabsichtigt ist, kann das ferne Ziel des Handelnden genannt werden. Nun werden, so wie in hergestellten Dingen die äußere Materie durch Kunst geformt wird, in getanen Dingen die menschlichen Taten durch Klugheit geformt. Dementsprechend müssen wir schließen, dass der Tapfere als sein nächstes Ziel beabsichtigt, im Handeln eine Ähnlichkeit seines Habitus zu reproduzieren, denn er beabsichtigt, in Übereinstimmung mit seinem Habitus zu handeln: aber sein fernes Ziel ist die Glückseligkeit oder Gott.
Dies genügt für die Antworten auf die Einwände: denn der erste Einwand geht so vor, als ob das Wesen eines Habitus selbst sein Ziel wäre, anstatt der Ähnlichkeit des Habitus im Akt, wie dargelegt. Die anderen beiden Einwände betrachten das letzte Ziel.