I, q. 13 a. 6
Ob die von Gott ausgesagten Namen primär von den Geschöpfen ausgesagt werden?
Quaestio 13 · Die Namen Gottes
Einwand 1: Es scheint, dass Namen primär von den Geschöpfen eher als von Gott ausgesagt werden. Denn wir benennen etwas dementsprechend, wie wir es erkennen, da „Namen“, wie der Philosoph sagt, „Zeichen der Vorstellungen sind“. Aber wir erkennen die Geschöpfe, bevor wir Gott erkennen. Daher werden die von uns auferlegten Namen primär von den Geschöpfen eher als von Gott ausgesagt.
Einwand 2: Ferner sagt Dionysius (Div. Nom. i): „Wir benennen Gott aus den Geschöpfen.“ Aber Namen, die von den Geschöpfen auf Gott übertragen werden, werden primär von den Geschöpfen eher als von Gott gesagt, wie „Löwe“, „Stein“ und dergleichen. Daher werden alle auf Gott und Geschöpfe angewandten Namen primär auf Geschöpfe eher als auf Gott angewandt.
Einwand 3: Ferner werden alle Namen, die gleichermaßen auf Gott und Geschöpfe angewandt werden, auf Gott als die Ursache aller Geschöpfe angewandt, wie Dionysius sagt (De Mystica Theol.). Aber was auf etwas durch seine Ursache angewandt wird, wird ihm sekundär angewandt, denn „gesund“ wird primär vom Tier eher als von der Medizin ausgesagt, welche die Ursache der Gesundheit ist. Daher werden diese Namen primär von den Geschöpfen eher als von Gott gesagt.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht: „Ich beuge meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt wird“ (Eph 3,14.15); und dasselbe gilt für die anderen Namen, die auf Gott und Geschöpfe angewandt werden. Daher werden diese Namen primär auf Gott eher als auf Geschöpfe angewandt.
Ich antworte darauf, Bei Namen, die von vielen in einem analogen Sinn ausgesagt werden, werden alle ausgesagt, weil sie Bezug auf irgendein eines Ding haben; und dieses eine Ding muss in die Definition von ihnen allen gesetzt werden. Und da das durch den Namen Ausgedrückte die Definition ist, wie der Philosoph sagt (Metaph. iv), muss ein solcher Name primär auf das angewandt werden, was in die Definition solcher anderen Dinge gesetzt wird, und sekundär auf diese anderen, je nachdem, wie sie sich mehr oder weniger jenem Ersten nähern. So kommt zum Beispiel „gesund“, auf Tiere angewandt, in die Definition von „gesund“, angewandt auf Medizin, welche gesund genannt wird, als seiende die Ursache der Gesundheit im Tier; und auch in die Definition von „gesund“, welches auf Urin angewandt wird, welcher gesund genannt wird, insofern er das Zeichen der Gesundheit des Tieres ist. So werden alle Namen, die metaphorisch auf Gott angewandt werden, primär auf Geschöpfe eher als auf Gott angewandt, weil sie, wenn sie von Gott gesagt werden, nur Ähnlichkeiten zu solchen Geschöpfen bedeuten. Denn wie „lächelnd“, auf ein Feld angewandt, nur bedeutet, dass das Feld in der Schönheit seiner Blüte der Schönheit des menschlichen Lächelns durch proportionierte Ähnlichkeit gleicht, so bedeutet der Name „Löwe“, auf Gott angewandt, nur, dass Gott Stärke in seinen Werken offenbart, wie ein Löwe in seinen. So ist es klar, dass, auf Gott angewandt, die Bedeutung von Namen nur aus dem definiert werden kann, was von Geschöpfen gesagt wird. Aber für andere Namen, die nicht in einem metaphorischen Sinn auf Gott angewandt werden, würde dieselbe Regel gelten, wenn sie von Gott nur als Ursache gesprochen würden, wie einige angenommen haben. Denn wenn gesagt wird: „Gott ist gut“, würde es dann nur bedeuten: „Gott ist die Ursache der Güte des Geschöpfes“; so würde der Begriff gut, auf Gott angewandt, in seiner Bedeutung die Güte des Geschöpfes einschließen. Daher würde „gut“ primär auf Geschöpfe eher als auf Gott zutreffen. Aber wie oben gezeigt wurde (Artikel [2]), werden diese Namen auf Gott nicht nur als Ursache, sondern auch wesenhaft angewandt. Denn die Worte „Gott ist gut“ oder „weise“ bezeichnen nicht nur, dass Er die Ursache der Weisheit oder Güte ist, sondern dass diese in Ihm in einer vorzüglicheren Weise existieren. Daher werden diese Namen hinsichtlich dessen, was der Name bezeichnet, primär auf Gott eher als auf Geschöpfe angewandt, weil diese Vollkommenheiten von Gott zu den Geschöpfen fließen; aber hinsichtlich der Auferlegung der Namen werden sie primär von uns auf Geschöpfe angewandt, die wir zuerst erkennen. Daher haben sie eine Bezeichnungsweise, die den Geschöpfen zukommt, wie oben gesagt (Artikel [3]).
Antwort auf Einwand 1: Dieser Einwand bezieht sich auf die Auferlegung des Namens.
Antwort auf Einwand 2: Dieselbe Regel gilt nicht für metaphorische und für andere Namen, wie oben gesagt.
Antwort auf Einwand 3: Dieser Einwand wäre gültig, wenn diese Namen auf Gott nur als Ursache und nicht auch wesenhaft angewandt würden, zum Beispiel wie „gesund“ auf Medizin angewandt wird.