I, q. 13 a. 5
Ob das, was von Gott und den Geschöpfen gesagt wird, univok von ihnen ausgesagt wird?
Quaestio 13 · Die Namen Gottes
Einwand 1: Es scheint, dass die Dinge, die Gott und den Geschöpfen zugeschrieben werden, univok sind. Denn jeder äquivoke Begriff wird auf den univoken zurückgeführt, wie Vieles auf Eines zurückgeführt wird; denn wenn der Name „Hund“ äquivok vom bellenden Hund und vom Hundefisch gesagt wird, muss er von einigen univok gesagt werden – nämlich von allen bellenden Hunden; sonst schreiten wir ins Unendliche fort. Nun gibt es einige univoke Wirkursachen, die mit ihren Wirkungen in Name und Definition übereinstimmen, wie der Mensch einen Menschen zeugt; und es gibt einige Wirkursachen, die äquivok sind, wie die Sonne, die Wärme verursacht, obwohl die Sonne nur in einem äquivoken Sinn heiß ist. Daher scheint es, dass die erste Wirkursache, auf die alle anderen Wirkursachen zurückgeführt werden, eine univoke Wirkursache ist: und so wird das, was von Gott und den Geschöpfen gesagt wird, univok ausgesagt.
Einwand 2: Ferner gibt es keine Ähnlichkeit unter äquivoken Dingen. Da also die Geschöpfe eine gewisse Ähnlichkeit mit Gott haben, gemäß dem Wort der Genesis (Gen 1,26): „Lasst uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnis“, scheint es, dass etwas von Gott und den Geschöpfen univok gesagt werden kann.
Einwand 3: Ferner ist das Maß homogen mit dem Gemessenen. Gott aber ist das erste Maß aller Wesen. Daher ist Gott homogen mit den Geschöpfen; und so kann ein Wort univok auf Gott und auf Geschöpfe angewandt werden.
Dagegen spricht: Was von verschiedenen Dingen unter demselben Namen, aber nicht im selben Sinn ausgesagt wird, wird äquivok ausgesagt. Aber kein Name kommt Gott im selben Sinn zu, wie er den Geschöpfen zukommt; zum Beispiel ist Weisheit in den Geschöpfen eine Qualität, aber nicht in Gott. Nun verändert eine andere Gattung das Wesen, da die Gattung Teil der Definition ist; und dasselbe gilt für andere Dinge. Daher wird alles, was von Gott und von Geschöpfen gesagt wird, äquivok ausgesagt.
Ferner ist Gott weiter von den Geschöpfen entfernt als irgendwelche Geschöpfe voneinander. Aber der Abstand einiger Geschöpfe macht jede univoke Aussage über sie unmöglich, wie im Fall jener Dinge, die nicht in derselben Gattung sind. Daher kann noch viel weniger etwas univok von Gott und den Geschöpfen ausgesagt werden; und so kann nur äquivoke Aussage auf sie angewandt werden.
Ich antworte darauf, Univoke Aussage ist zwischen Gott und Geschöpfen unmöglich. Der Grund dafür ist, dass jede Wirkung, die kein adäquates Ergebnis der Kraft der Wirkursache ist, die Ähnlichkeit des Wirkenden nicht in ihrem vollen Grad empfängt, sondern in einem Maß, das zurückbleibt, sodass das, was in den Wirkungen geteilt und vervielfältigt ist, im Wirkenden einfach und in derselben Weise wohnt; wie zum Beispiel die Sonne durch Ausübung ihrer einen Kraft mannigfaltige und verschiedene Formen in allen niederen Dingen hervorbringt. In derselben Weise, wie im vorhergehenden Artikel gesagt, präexistieren alle Vollkommenheiten, die in den Geschöpfen geteilt und vervielfältigt existieren, in Gott vereint. Wenn also irgendein Begriff, der Vollkommenheit ausdrückt, auf ein Geschöpf angewandt wird, bezeichnet er jene Vollkommenheit als im Begriff unterschieden von anderen Vollkommenheiten; wie wir zum Beispiel durch den Begriff „weise“, auf den Menschen angewandt, irgendeine Vollkommenheit bezeichnen, die vom Wesen des Menschen unterschieden ist, und unterschieden von seiner Kraft und Existenz und von allen ähnlichen Dingen; wohingegen wir, wenn wir ihn auf Gott anwenden, nicht meinen, etwas zu bezeichnen, das von seinem Wesen oder seiner Kraft oder Existenz unterschieden ist. So umschreibt und umfasst dieser Begriff „weise“, auf den Menschen angewandt, in gewissem Grad das bezeichnete Ding; wohingegen dies nicht der Fall ist, wenn er auf Gott angewandt wird; sondern er lässt das bezeichnete Ding als unumfasst und als die Bedeutung des Namens übersteigend. Daher ist es offensichtlich, dass dieser Begriff „weise“ nicht in derselben Weise auf Gott und auf den Menschen angewandt wird. Dieselbe Regel gilt für andere Begriffe. Daher wird kein Name univok von Gott und von Geschöpfen ausgesagt.
Andererseits werden Namen auch nicht in einem rein äquivoken Sinn auf Gott und Geschöpfe angewandt, wie einige gesagt haben. Denn wenn das so wäre, folgte daraus, dass von den Geschöpfen überhaupt nichts über Gott erkannt oder bewiesen werden könnte; denn die Beweisführung wäre immer dem Trugschluss der Äquivokation ausgesetzt. Eine solche Ansicht ist gegen die Philosophen, die viele Dinge über Gott bewiesen haben, und auch gegen das, was der Apostel sagt: „Die unsichtbaren Dinge Gottes werden klar gesehen, indem sie durch die Dinge verstanden werden, die gemacht sind“ (Röm 1,20). Daher muss gesagt werden, dass diese Namen von Gott und den Geschöpfen in einem analogen Sinn gesagt werden, d.h. gemäß einer Proportion.
Nun werden Namen auf zwei Arten so verwendet: entweder insofern viele Dinge proportioniert sind zu einem, so wird zum Beispiel „gesund“ von der Medizin und dem Urin in Beziehung und in Proportion zur Gesundheit eines Körpers ausgesagt, von welcher erstere das Zeichen und letztere die Ursache ist: oder insofern ein Ding zu einem anderen proportioniert ist, so wird „gesund“ von der Medizin und dem Tier gesagt, da die Medizin die Ursache der Gesundheit im Tierkörper ist. Und auf diese Weise werden einige Dinge von Gott und den Geschöpfen analog und nicht in einem rein äquivoken noch in einem rein univoken Sinn gesagt. Denn wir können Gott nur aus den Geschöpfen benennen (Artikel [1]). So wird alles, was von Gott und den Geschöpfen gesagt wird, gemäß der Beziehung eines Geschöpfes zu Gott als seinem Prinzip und seiner Ursache gesagt, worin alle Vollkommenheiten der Dinge auf hervorragende Weise präexistieren. Nun ist diese Art der Gemeinschaft des Begriffs eine Mitte zwischen reiner Äquivokation und einfacher Univokation. Denn in Analogien ist der Begriff nicht, wie in Univoken, ein und derselbe, noch ist er völlig verschieden wie in Äquivoken; sondern ein Begriff, der so in einem vielfachen Sinn verwendet wird, bezeichnet verschiedene Proportionen zu irgendeinem einen Ding; so bezeichnet „gesund“, auf Urin angewandt, das Zeichen tierischer Gesundheit, und auf Medizin angewandt, die Ursache derselben Gesundheit.
Antwort auf Einwand 1: Obwohl äquivoke Aussagen auf univoke zurückgeführt werden müssen, muss dennoch bei Handlungen das nicht-univoke Wirkende dem univoken Wirkenden vorausgehen. Denn das nicht-univoke Wirkende ist die universale Ursache der ganzen Spezies, wie zum Beispiel die Sonne die Ursache der Zeugung aller Menschen ist; wohingegen das univoke Wirkende nicht die universale Wirkursache der ganzen Spezies ist (sonst wäre es die Ursache seiner selbst, da es in der Spezies enthalten ist), sondern eine partikulare Ursache dieses Individuums ist, welches es durch Teilhabe unter die Spezies stellt. Daher ist die universale Ursache der ganzen Spezies kein univokes Wirkendes; und die universale Ursache kommt vor der partikularen Ursache. Aber dieses universale Wirkende, während es nicht univok ist, ist dennoch nicht gänzlich äquivok, sonst könnte es nicht seine eigene Ähnlichkeit hervorbringen, sondern es ist vielmehr ein analoges Wirkendes zu nennen, wie alle univoken Aussagen auf eine erste nicht-univoke analoge Aussage zurückgeführt werden, welche das Sein ist.
Antwort auf Einwand 2: Die Ähnlichkeit des Geschöpfes mit Gott ist unvollkommen, denn sie repräsentiert nicht ein und dasselbe gattungsmäßige Ding (Frage [4], Artikel [3]).
Antwort auf Einwand 3: Gott ist nicht das Maß, das den gemessenen Dingen proportioniert ist; daher ist es nicht notwendig, dass Gott und Geschöpfe in derselben Gattung sind.
Die im gegenteiligen Sinn angeführten Argumente beweisen zwar, dass diese Namen nicht univok von Gott und den Geschöpfen ausgesagt werden; doch beweisen sie nicht, dass sie äquivok ausgesagt werden.