I, q. 13 a. 4
Ob die von Gott ausgesagten Namen synonym sind?
Quaestio 13 · Die Namen Gottes
Einwand 1: Es scheint, dass diese von Gott ausgesagten Namen synonyme Namen sind. Denn synonyme Namen sind solche, die exakt dasselbe bedeuten. Aber diese von Gott ausgesagten Namen bedeuten in Gott gänzlich dasselbe; denn die Güte Gottes ist sein Wesen, und ebenso ist es seine Weisheit. Daher sind diese Namen gänzlich synonym.
Einwand 2: Ferner, wenn gesagt wird, diese Namen bezeichneten in der Realität ein und dasselbe, unterschieden sich aber im Begriff (ratio), so kann eingewandt werden, dass ein Begriff, dem keine Realität entspricht, eine leere Vorstellung ist. Wenn also diese Begriffe viele sind und das Ding eines ist, scheint es auch, dass all diese Begriffe leere Vorstellungen sind.
Einwand 3: Ferner ist ein Ding, das in der Realität und im Begriff eines ist, mehr eins als das, was in der Realität eines und im Begriff vieles ist. Aber Gott ist im höchsten Maße eins. Daher scheint es, dass Er nicht in der Realität eins und im Begriff vieles ist; und so bezeichnen die auf Gott angewandten Namen keine verschiedenen Begriffe; und somit sind sie synonym.
Dagegen spricht: Alle Synonyme, die miteinander verbunden werden, sind redundant, wie wenn wir sagen „Kleidung Gewand“. Wenn also alle auf Gott angewandten Namen synonym sind, können wir nicht eigentlich sagen „guter Gott“ oder dergleichen, und doch steht geschrieben: „O mächtigster, großer und gewaltiger, Herr der Heerscharen ist dein Name“ (Jer 32,18).
Ich antworte darauf, Diese von Gott ausgesagten Namen sind nicht synonym. Dies wäre leicht zu verstehen, wenn wir sagten, dass diese Namen verwendet werden, um etwas zu verneinen oder die Beziehung der Ursache zu den Geschöpfen auszudrücken; denn so würde folgen, dass es verschiedene Begriffe hinsichtlich der verschiedenen Dinge gibt, die von Gott verneint werden, oder hinsichtlich der verschiedenen Wirkungen, die mitbezeichnet werden. Aber selbst gemäß dem, was oben gesagt wurde (Artikel [2]), dass diese Namen die göttliche Substanz bezeichnen, wenn auch in unvollkommener Weise, ist es auch klar aus dem Gesagten (Artikel 1, 2), dass sie verschiedene Bedeutungen haben. Denn der durch den Namen bezeichnete Begriff ist die Konzeption im Intellekt von dem durch den Namen bezeichneten Ding. Unser Intellekt aber, da er Gott aus den Geschöpfen erkennt, bildet, um Gott zu verstehen, Konzeptionen proportional zu den Vollkommenheiten, die von Gott zu den Geschöpfen fließen, welche Vollkommenheiten in Gott vereint und einfach präexistieren, während sie in den Geschöpfen empfangen und geteilt und vervielfältigt sind. Wie also den verschiedenen Vollkommenheiten der Geschöpfe ein einfaches Prinzip entspricht, das durch verschiedene Vollkommenheiten der Geschöpfe in mannigfaltiger und vielfacher Weise repräsentiert wird, so entspricht auch den verschiedenen und vervielfältigten Konzeptionen unseres Intellekts ein gänzlich einfaches Prinzip, gemäß diesen unvollkommen verstandenen Konzeptionen. Daher sind die auf Gott angewandten Namen, obwohl sie ein Ding bezeichnen, dennoch nicht synonym, weil sie dieses unter vielen und verschiedenen Aspekten bezeichnen.
So zeigt sich die Lösung des ersten Einwands, da synonyme Begriffe ein Ding unter einem Aspekt bezeichnen; denn Wörter, die verschiedene Aspekte eines Dinges bezeichnen, bezeichnen nicht primär und absolut ein Ding; weil der Begriff das Ding nur durch das Medium der intellektuellen Konzeption bezeichnet, wie oben gesagt wurde.
Antwort auf Einwand 2: Die vielen Aspekte dieser Namen sind nicht leer und nichtig, denn ihnen allen entspricht eine einfache Realität, die durch sie in mannigfaltiger und unvollkommener Weise repräsentiert wird.
Antwort auf Einwand 3: Die vollkommene Einheit Gottes erfordert, dass das, was in anderen mannigfaltig und geteilt ist, in Ihm einfach und vereint existiert. So kommt es, dass Er in der Realität eins ist und doch im Begriff vielfach, weil unser Intellekt Ihn in mannigfaltiger Weise erfasst, so wie die Dinge Ihn repräsentieren.