I, q. 13 a. 10
Ob dieser Name „Gott“ univok von Gott der Natur nach, der Teilhabe nach und der Meinung nach ausgesagt wird?
Quaestio 13 · Die Namen Gottes
Einwand 1: Es scheint, dass dieser Name „Gott“ univok von Gott der Natur nach, der Teilhabe nach und der Meinung nach ausgesagt wird. Denn wo eine verschiedene Bedeutung existiert, gibt es keinen Widerspruch von Bejahung und Verneinung; denn Äquivokation verhindert Widerspruch. Aber ein Katholik, der sagt: „Ein Götze ist nicht Gott“, widerspricht einem Heiden, der sagt: „Ein Götze ist Gott.“ Daher wird GOTT in beiden Sinnen univok gesprochen.
Einwand 2: Ferner, wie ein Götze Gott der Meinung nach ist und nicht in Wahrheit, so wird der Genuss fleischlicher Vergnügungen Glückseligkeit der Meinung nach genannt und nicht in Wahrheit. Aber dieser Name „Seligkeit“ wird univok auf diese vermeintliche Glückseligkeit und auch auf die wahre Glückseligkeit angewandt. Daher wird auch dieser Name „Gott“ univok auf den wahren Gott und auf Gott auch der Meinung nach angewandt.
Einwand 3: Ferner werden Namen univok genannt, weil sie einen Begriff enthalten. Nun versteht ein Katholik, wenn er sagt: „Es gibt einen Gott“, unter dem Namen Gott ein allmächtiges Wesen, und eines, das über alles verehrt wird; während der Heide dasselbe versteht, wenn er sagt: „Ein Götze ist Gott.“ Daher wird dieser Name „Gott“ univok auf beide angewandt.
Dagegen spricht: Die Vorstellung im Intellekt ist das Abbild dessen, was im Ding ist, wie in Peri Herm. i gesagt wird. Aber das Wort „Tier“, angewandt auf ein wahres Tier und auf ein Bild von einem, ist äquivok. Daher wird dieser Name „Gott“, angewandt auf den wahren Gott und auf Gott der Meinung nach, äquivok angewandt.
Ferner: Niemand kann bezeichnen, was er nicht kennt. Aber der Heide kennt die göttliche Natur nicht. Wenn er also sagt, ein Götze sei Gott, bezeichnet er nicht die wahre Gottheit. Andererseits bezeichnet ein Katholik die wahre Gottheit, wenn er sagt, dass es einen Gott gibt. Daher wird dieser Name „Gott“ nicht univok, sondern äquivok auf den wahren Gott und auf Gott gemäß der Meinung angewandt.
Ich antworte darauf, Dieser Name „Gott“ wird in den drei genannten Bedeutungen weder univok noch äquivok, sondern analog genommen. Dies ist aus diesem Grund ersichtlich: Univoke Begriffe bedeuten absolut dasselbe, aber äquivoke Begriffe absolut Verschiedenes; wohingegen in analogen Begriffen ein Wort, das in einer Bedeutung genommen wird, in die Definition desselben Wortes gesetzt werden muss, das in anderen Sinnen genommen wird; wie zum Beispiel „Sein“, welches auf „Substanz“ angewandt wird, in die Definition von Sein gesetzt wird, wie es auf „Akzidens“ angewandt wird; und „gesund“, angewandt auf Tier, in die Definition von gesund gesetzt wird, wie es auf Urin und Medizin angewandt wird. Denn Urin ist das Zeichen der Gesundheit im Tier, und Medizin ist die Ursache der Gesundheit.
Dasselbe gilt für die vorliegende Frage. Denn dieser Name „Gott“, als den wahren Gott bezeichnend, schließt den Begriff von Gott ein, wenn er verwendet wird, um Gott der Meinung oder der Teilhabe nach zu bezeichnen. Denn wenn wir jemanden Gott durch Teilhabe nennen, verstehen wir unter dem Namen Gott irgendeine Ähnlichkeit des wahren Gottes. Ebenso, wenn wir einen Götzen Gott nennen, verstehen und bezeichnen wir durch diesen Namen Gott etwas, von dem die Menschen denken, es sei Gott; so ist es offensichtlich, dass der Name verschiedene Bedeutungen hat, aber dass eine von ihnen in den anderen Bedeutungen enthalten ist. Daher wird er offensichtlich analog gesagt.
Antwort auf Einwand 1: Die Vervielfältigung von Namen hängt nicht von der Prädikation des Namens ab, sondern von der Bedeutung: denn dieser Name „Mensch“, von wem auch immer er ausgesagt wird, ob wahr oder falsch, wird in einem Sinn ausgesagt. Aber er würde vervielfältigt, wenn wir durch den Namen „Mensch“ verschiedene Dinge zu bezeichnen beabsichtigten; zum Beispiel, wenn einer beabsichtigte, durch diesen Namen „Mensch“ das zu bezeichnen, was der Mensch wirklich ist, und ein anderer beabsichtigte, durch denselben Namen einen Stein oder etwas anderes zu bezeichnen. Daher ist es offensichtlich, dass ein Katholik, der sagt, dass ein Götze nicht Gott ist, dem Heiden widerspricht, der behauptet, dass er Gott ist; weil jeder von ihnen diesen Namen GOTT verwendet, um den wahren Gott zu bezeichnen. Denn wenn der Heide sagt, ein Götze sei Gott, verwendet er diesen Namen nicht in der Bedeutung von Gott der Meinung nach, denn er würde dann die Wahrheit sprechen, wie auch Katholiken manchmal den Namen in dem Sinn verwenden, wie im Psalm: „Alle Götter der Heiden sind Dämonen“ (Ps 95,5).
Dieselbe Bemerkung gilt für den zweiten und dritten Einwand. Denn diese Gründe gehen von der verschiedenen Prädikation des Namens aus und nicht von seinen verschiedenen Bedeutungen.
Antwort auf Einwand 4: Der Begriff „Tier“, angewandt auf ein wahres und ein gemaltes Tier, ist nicht rein äquivok; denn der Philosoph nimmt äquivoke Namen in einem weiten Sinn, der analoge Namen einschließt; weil auch das Sein, welches analog ausgesagt wird, manchmal als äquivok von verschiedenen Prädikamenten ausgesagt bezeichnet wird.
Antwort auf Einwand 5: Weder ein Katholik noch ein Heide kennt die Natur Gottes selbst, wie sie in sich ist; aber jeder kennt sie gemäß irgendeinem Begriff von Kausalität oder Exzellenz oder Remotion (Frage [12], Artikel [12]). So kann ein Heide diesen Namen „Gott“ auf dieselbe Weise nehmen, wenn er sagt, ein Götze sei Gott, wie der Katholik es tut, wenn er sagt, ein Götze sei nicht Gott. Aber wenn jemand Gott gänzlich unbekannt wäre, könnte er Ihn nicht einmal benennen, es sei denn vielleicht, wie wir Namen verwenden, deren Bedeutung wir nicht kennen.