I, q. 13 a. 12
Ob affirmative Aussagesätze über Gott gebildet werden können?
Quaestio 13 · Die Namen Gottes
Einwand 1: Es scheint, dass affirmative Aussagesätze (Propositionen) nicht über Gott gebildet werden können. Denn Dionysius sagt (Coel. Hier. ii), dass „Verneinungen über Gott wahr sind; aber Bejahungen sind vage.“
Einwand 2: Ferner sagt Boethius (De Trin. ii), dass „eine einfache Form kein Subjekt sein kann“. Aber Gott ist die absolut einfachste Form, wie gezeigt (Frage [3]). Daher kann Er kein Subjekt sein. Aber alles, worüber ein affirmativer Aussagesatz gemacht wird, wird als Subjekt genommen. Daher kann ein affirmativer Aussagesatz nicht über Gott gebildet werden.
Einwand 3: Ferner ist jeder Intellekt falsch, der ein Ding anders versteht, als es ist. Aber Gott hat Sein ohne irgendeine Zusammensetzung, wie oben gezeigt (Frage [3], Artikel [7]). Da also jeder affirmative Intellekt etwas als zusammengesetzt versteht, folgt daraus, dass ein wahrer affirmativer Aussagesatz über Gott nicht gemacht werden kann.
Dagegen spricht: Was vom Glauben ist, kann nicht falsch sein. Aber einige affirmative Aussagesätze sind vom Glauben; wie dass Gott Dreieinig und Einer ist; und dass Er allmächtig ist. Daher können wahre affirmative Aussagesätze über Gott gebildet werden.
Ich antworte darauf, Wahre affirmative Aussagesätze können über Gott gebildet werden. Um dies zu beweisen, müssen wir wissen, dass in jedem wahren affirmativen Aussagesatz das Prädikat und das Subjekt in irgendeiner Weise dasselbe Ding in der Realität und verschiedene Dinge im Begriff bezeichnen. Und dies scheint sowohl in Aussagesätzen der Fall zu sein, die ein akzidentelles Prädikat haben, als auch in jenen, die ein essentielles Prädikat haben. Denn es ist offensichtlich, dass „Mensch“ und „weiß“ im Subjekt dasselbe sind und im Begriff verschieden; denn der Begriff von Mensch ist eine Sache, und der von Weißheit ist eine andere. Dasselbe gilt, wenn ich sage: „Mensch ist ein Tier“; da dasselbe Ding, welches Mensch ist, wahrhaft Tier ist; denn im selben „Suppositum“ gibt es die sinnliche Natur, aufgrund derer er Tier genannt wird, und die rationale Natur, aufgrund derer er Mensch genannt wird; daher sind hier wiederum Prädikat und Subjekt dasselbe hinsichtlich des „Suppositums“, aber verschieden hinsichtlich des Begriffs. Aber in Aussagesätzen, wo ein und dasselbe von sich selbst ausgesagt wird, gilt dieselbe Regel in gewisser Weise, insofern der Intellekt das zum „Suppositum“ zieht, was er in das Subjekt setzt; und was er in das Prädikat setzt, zieht er zur Natur der Form, die im „Suppositum“ existiert; gemäß dem Ausspruch, dass „Prädikate formal zu nehmen sind und Subjekte material“. Dieser Verschiedenheit im Begriff entspricht die Pluralität von Prädikat und Subjekt, während der Intellekt die Identität des Dinges durch die Zusammensetzung selbst bezeichnet.
Gott jedoch, als in sich selbst betrachtet, ist gänzlich einer und einfach, doch unser Intellekt erkennt Ihn durch verschiedene Konzeptionen, weil er Ihn nicht sehen kann, wie Er in sich selbst ist. Dennoch, obwohl er Ihn unter verschiedenen Konzeptionen versteht, weiß er, dass ein und dasselbe einfache Objekt seinen Konzeptionen entspricht. Daher repräsentiert die Pluralität von Prädikat und Subjekt die Pluralität des Begriffs; und der Intellekt repräsentiert die Einheit durch Zusammensetzung.
Antwort auf Einwand 1: Dionysius sagt, dass die Bejahungen über Gott vage sind oder, gemäß einer anderen Übersetzung, „inkongruent“, insofern kein Name auf Gott gemäß seiner Bezeichnungsweise angewandt werden kann.
Antwort auf Einwand 2: Unser Intellekt kann einfache, für sich bestehende Formen nicht erfassen, wie sie wirklich in sich selbst sind; sondern er erfasst sie als zusammengesetzte Dinge, in denen es etwas gibt, das als Subjekt genommen wird, und etwas, das inhärent ist. Daher erfasst er die einfache Form als ein Subjekt und schreibt ihr etwas anderes zu.
Antwort auf Einwand 3: Dieser Satz: „Der Intellekt, der etwas anders versteht, als es ist, ist falsch“, kann in zwei Sinnen genommen werden, je nachdem, ob dieses Adverb „anders“ das Wort „versteht“ aufseiten des verstandenen Dinges oder aufseiten desjenigen bestimmt, der versteht. Genommen als Bezug auf das verstandene Ding, ist der Satz wahr, und die Bedeutung ist: Jeder Intellekt, der versteht, dass das Ding anders ist, als es ist, ist falsch. Aber dies gilt nicht im vorliegenden Fall; weil unser Intellekt, wenn er einen Aussagesatz über Gott bildet, nicht bejaht, dass Er zusammengesetzt ist, sondern dass Er einfach ist. Aber genommen als Bezug auf denjenigen, der versteht, ist der Satz falsch. Denn die Weise des Intellekts im Verstehen ist verschieden von der Weise des Dinges in seinem Wesen. Da es klar ist, dass unser Intellekt materielle Dinge unter sich in einer immateriellen Weise versteht; nicht dass er sie als immaterielle Dinge versteht; sondern seine Weise des Verstehens ist immateriell. Ebenso, wenn er einfache Dinge über sich versteht, versteht er sie gemäß seiner eigenen Weise, welche in einer zusammengesetzten Weise ist; doch nicht so, dass er sie als zusammengesetzte Dinge versteht. Und so ist unser Intellekt nicht falsch, wenn er Zusammensetzung in seinen Vorstellungen bezüglich Gottes bildet.