III, q. 66 a. 7
Ob das Untertauchen im Wasser für die Taufe notwendig ist?
Quaestio 66 · Vom Sakrament der Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass das Untertauchen im Wasser für die Taufe notwendig ist. Denn es steht geschrieben (Eph 4,5): „Ein Glaube, eine Taufe.“ Aber in vielen Teilen der Welt ist die gewöhnliche Art zu taufen durch Untertauchen. Daher scheint es, dass es keine Taufe ohne Untertauchen geben kann.
Einwand 2: Ferner sagt der Apostel (Röm 6,3.4): „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, sind auf seinen Tod getauft: denn wir sind mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“ Aber dies geschieht durch Untertauchen: denn Chrysostomus sagt zu Joh 3,5: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist wiedergeboren wird“ usw.: „Wenn wir unsere Köpfe unter das Wasser tauchen wie in eine Art Grab, wird unser alter Mensch begraben, und indem er untergetaucht wird, wird er unten verborgen, und von dort steigt er erneuert wieder auf.“ Daher scheint es, dass Untertauchen wesentlich für die Taufe ist.
Einwand 3: Ferner, wenn die Taufe ohne vollständiges Untertauchen des Körpers gültig ist, würde folgen, dass es ebenso ausreichend wäre, Wasser über irgendeinen Teil des Körpers zu gießen. Aber dies scheint unvernünftig; da die Erbsünde, deren Heilung der Hauptzweck der Taufe ist, nicht nur in einem Teil des Körpers ist. Daher scheint es, dass Untertauchen für die Taufe notwendig ist und dass bloßes Besprengen nicht genügt.
Dagegen spricht, Es steht geschrieben (Hebr 10,22): „Lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in Fülle des Glaubens, die Herzen besprengt [und so befreit] vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“
Ich antworte darauf, Im Sakrament der Taufe wird Wasser zum Gebrauch einer Waschung des Körpers verwendet, um dadurch das innere Abwaschen der Sünden zu bezeichnen. Nun kann das Waschen mit Wasser nicht nur durch Untertauchen geschehen, sondern auch durch Besprengen oder Gießen. Und daher, obwohl es sicherer ist, durch Untertauchen zu taufen, weil dies die gewöhnlichere Weise ist, kann die Taufe doch durch Besprengen oder auch durch Gießen gespendet werden, gemäß Ez 36,25: „Ich werde reines Wasser über euch gießen“, wie auch vom heiligen Laurentius berichtet wird, dass er getauft hat. Und dies besonders in dringenden Fällen: entweder weil es eine große Anzahl zu Taufender gibt, wie es klar der Fall war in Apg 2 und 4, wo wir lesen, dass an einem Tag dreitausend gläubig wurden und an einem anderen fünftausend: oder weil nur ein kleiner Vorrat an Wasser vorhanden ist, oder wegen der Schwäche des Dieners, der den Täufling nicht halten kann; oder wegen der Schwäche des Täuflings, dessen Leben durch Untertauchen gefährdet sein könnte. Wir müssen daher schließen, dass Untertauchen für die Taufe nicht notwendig ist.
Antwort auf Einwand 1: Was einem Ding akzidentell ist, verändert sein Wesen nicht. Nun ist körperliches Waschen mit Wasser wesentlich für die Taufe: weshalb die Taufe ein „Bad“ genannt wird, gemäß Eph 5,26: „Sie reinigend durch das Wasserbad im Wort des Lebens.“ Aber dass das Waschen auf diese oder jene Weise geschieht, ist der Taufe akzidentell. Und folglich zerstört eine solche Verschiedenheit nicht die Einheit der Taufe.
Antwort auf Einwand 2: Das Begräbnis Christi wird durch Untertauchen klarer dargestellt: weshalb diese Art zu taufen häufiger in Gebrauch und empfehlenswerter ist. Doch wird es in den anderen Arten zu taufen auf eine gewisse Weise dargestellt, wenn auch nicht so klar; denn egal wie das Waschen geschieht, der Körper eines Menschen oder ein Teil davon wird unter Wasser gebracht, so wie Christi Leib unter die Erde gebracht wurde.
Antwort auf Einwand 3: Der Hauptteil des Körpers, besonders in Bezug auf die äußeren Glieder, ist der Kopf, worin alle Sinne, sowohl die inneren als auch die äußeren, blühen. Und daher, wenn der ganze Körper nicht mit Wasser bedeckt werden kann, wegen der Knappheit des Wassers oder aus irgendeinem anderen Grund, ist es notwendig, Wasser über den Kopf zu gießen, in dem das Prinzip des animalischen Lebens offenbar wird.
Und obwohl die Erbsünde durch die Glieder übertragen wird, die der Fortpflanzung dienen, so sind doch jene Glieder nicht vorzugsweise vor dem Kopf zu besprengen, weil durch die Taufe die Übertragung der Erbsünde auf die Nachkommen durch den Akt der Fortpflanzung nicht getilgt wird, sondern die Seele vom Makel und der Schuld der Sünde befreit wird, die sie sich zugezogen hat. Folglich sollte jener Teil des Körpers vorzugsweise gewaschen werden, in dem die Werke der Seele offenbar werden.
Dennoch war im Alten Gesetz das Heilmittel gegen die Erbsünde an das Glied der Fortpflanzung geheftet; weil Er, durch den die Erbsünde entfernt werden sollte, noch aus dem Samen Abrahams geboren werden sollte, dessen Glaube durch die Beschneidung bezeichnet wurde, gemäß Röm 4,11.