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Gleichwie der Glaube der katholischen Kirche den Irrtümern der Ketzer immer entgegengesetzt war; so haben auch die heiligen Sitten der Rechtgläubigen den ausgelassenen Lebenswandel der Irrlehrer zu allen Zeiten beschämt. Lasset uns heute die Sitten der alten und neuen Ketzer vergleichen, da wir neulich schon ihre Glaubenslehre in Vergleich gezogen haben. Erstens ist bei den alten und neuen Ketzern nichts gewöhnlicher, als die römische Kirche und den apostolischen Glauben zu hassen und zu verfolgen. Wundert euch aber nicht, liebste Brüder, denn auch die Diebe hassen den Statthalter und die Richter. Zudem weiß der böse Feind, wo sich die Grundfeste der Kirche befinde und wohin er seine Angriffe vorzüglich richten müsse. Ich könnte euch den Hass der alten Ketzer wider die römische Kirche und den apostolischen Glauben durch fast unendlich viele Zeugnisse der heiligen Väter beweisen; da es aber die Kürze der Zeit nicht gestattet, will ich nur einige davon anführen. Der heilige und so gelehrte Augustin redete den Petilian, der es mit den Donatisten hielt, auf folgende Weise an: „Welches Leid hat dir der Stuhl der römischen Kirche zugefügt, auf dem Petrus gesessen ist und Anastasius heutzutage sitzt? Warum nennest du den apostolischen Stuhl einen Stuhl der Gottlosigkeit? Geschieht dieses der Menschen wegen, von denen du glaubst, dass sie das Gesetz lehren und nicht beobachten? Hat wohl der Herr Jesus den Stuhl der Pharisäer verachtet, die das Gesetz lehrten, ohne es selbst zu beobachten? Hat er nicht die Sitten der Pharisäer getadelt und dennoch ihren Lehrstuhl angerühmt, indem er sprach: Auf dem Lehrstuhle Moses sitzen Schriftgelehrte und Pharisäer; alles, was sie euch sagen, haltet und tut; nach ihren Werken aber sollet ihr euer Leben nicht einrichten; denn sie halten nicht, was sie sagen. Wenn ihr solche Gesinnungen hättet, würdet ihr aus Schmähsucht gegen die Menschen den apostolischen Stuhl nicht lästern, mit dem ihr ohnehin in keiner Gemeinschaft stehet.“ Eine ähnliche Sprache führte der heilige Optatus von Milevite gegen einen andern Donatisten: „Wir lesen (sagte er zu ihm), dass Petrus die Schlüsselgewalt überkommen habe; mit welchem Rechte könnet ihr also, ihr Donatisten, die ihr euch wider den Stuhl des heiligen Petrus empört habt, diese Schlüsselgewalt euch zueignen?“ So zeigt uns auch der heilige Ambrosius, dass jene für Katholiken zu seinen Zeiten angesehen wurden, die mit dem römischen Stuhle in Gemeinschaft lebten; jene hingegen für Ketzer, die mit diesem die Einigkeit nicht hielten; denn er erzählt uns von seinem Bruder Satyrus, dass er auf dem Todesbette den Bischof zu sich berief und, weil er die Gnade des Glaubens für die größte schätzte, ihn fragte, ob er mit den katholischen Bischöfen, das heißt, mit der römischen Kirche, in Gemeinschaft stehe. Fügen wir diesen drei Zeugen den vierten bei, nämlich den heiligen Hieronymus, der uns den vortrefflichen und allen bekannten Ausspruch hinterlassen hat: „Ich halte es mit jenem, der mit der römischen Kirche in Einigkeit lebt.“ Eben dieser Lehrer sagt von dem heiligen Athanasius und dem heiligen Petrus, seinem Nachfolger im alexandrinischen Bistume, dass sie sich wegen der Verfolgung der arianischen Ketzerei zur römischen Kirche, als dem sichersten Orte, mit dem sie die Gemeinschaft unterhalten mussten, geflüchtet haben; woraus wir schließen können, wie abhold die Arianer der römischen Kirche waren, indem sich die katholischen Bischöfe zu dieser als zum sichersten Zufluchtsorte begeben hatten.
Einen gleichen oder vielleicht noch größeren Hass hegten auch die Ketzer unserer Zeiten gegen den römischen Stuhl. Berengar, der das heiligste Sakrament des Altars vor anderen zu bestreiten anfing, war den römischen Päpsten dermaßen feind, dass er sie mit verschiedenen Schimpfnamen betitelte, wie es Guilmundus erzählt. Die Lutheraner aber, Calvinisten und übrigen Sektierer sind wahre Nachfolger der Arianer und Donatisten; denn sie pflegen uns aus keiner anderen Ursache Papisten zu nennen, als weil wir mit Athanasius, Ambrosius, Hieronymus, Augustinus, Optatus und den übrigen heiligen Vätern dem apostolischen Stuhle anhängen.
Doch was gewinnen die Ketzer durch diesen Hass gegen die römische Kirche? Nichts anderes, als dass sie uns dadurch ein sicheres Zeichen geben, dass sie die wahre Kirche Jesu Christi ist. Denn nach der Bemerkung des heiligen Augustin ist jene ganz gewiss die wahre Kirche, die gegen alle Ketzer streitet und die von allen Ketzereien bestritten, aber nicht überwältigt wird, weil sie auf einen festen Felsen gebaut ist und daher weder zugrunde gehen noch von der Höllenmacht besiegt werden kann. Dieses Kennzeichen geben die Ketzer der römischen Kirche; denn durchleset die Geschichten, durchsuchet die Kirchenversammlungen und ihr werdet finden, dass nie eine Ketzerei gewesen ist, die nicht von den römischen Päpsten oder von den Concilien, denen sie entweder durch sich selbst oder durch ihre Abgeordneten vorstanden, verdammt worden wäre.
Die römische Kirche ist also ein fester Felsen, der aus dem großen Weltmeere hervorragt und an dem die schäumenden Fluten der Ketzereien, die der böse Feind in einem jeden Jahrhundert aufgetürmt hat, zerstäubt wurden. Gegen diesen Felsen stürmten die brausenden Wellen jetzt der simonianischen, jetzt der arianischen, jetzt der nestorianischen, ein anderes Mal der eutychianischen, pelagianischen und der übrigen Ketzereien mit aller Heftigkeit los; aber sie prallten alle mit großem Getöse ab und zerflossen, so dass wir billig mit einem heiligen Augustin ausrufen können: „Werden wir noch einen Anstand nehmen, uns jener Kirche anzuvertrauen, die durch die Nachfolge der Bischöfe auf dem römischen Stuhle über alle Bemühungen und Anfälle der Ketzer siegte?“
Zweitens ist es allen Ketzern der verflossenen Zeiten gemein gewesen, dass sie sich von der Übergabe, den Concilien und Vätern auf die Heilige Schrift beriefen und nur allein das geschriebene Wort Gottes als eine Glaubensregel annehmen wollten. So handelten Valentinus und Marcion, wie es Irenäus und Tertullian bezeugen: Arius und Ärius, wie es Epiphanius erzählt: Nestorius, Eutyches, Dioskorus und die Bilderstürmer, wie es aus dem siebenten allgemeinen Concilium erhellt. Aber hören wir einen der vornehmsten Arianer, an welchem wir die Sprache Luthers deutlich erkennen werden. Der heilige Augustinus führt den arianischen Bischof Maximinus also redend an: „Maximinus sagte: Wenn du etwas aus der göttlichen Schrift, der wir alle beipflichten, auf die Bahn bringst, so müssen wir dich hören; jene Sprüche aber, die in der Schrift nicht enthalten sind, nehmen wir nicht an, weil uns der Herr selbst ermahnt und sagt: Sie ehren mich vergebens, weil sie sich nur nach Menschengeboten richten, die sie lehren.“ Hat nicht Luther ebenso gesprochen? Ist dies nicht heutzutage die Sprache aller Sektierer? Sah man nicht in Deutschland, da die Sekte Luthers entstand, auf den Münzen und Kleidern mit großen Buchstaben geschrieben: „Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit!“
Doch wie töricht und lächerlich handeln die Ketzer, da sie das Wort Gottes auf die Schrift allein beschränken wollen und alles, was nicht geschrieben ist, als Gebote und Erfindungen der Menschen auszurufen sich bemühen, als hätten die heidnischen Völker, denen das Evangelium ist gepredigt worden und die dennoch die Heilige Schrift nie gesehen haben, das Wort Gottes nicht empfangen, da doch der heilige Irenäus von ihnen schreibt: „Wenn uns die Apostel die Heilige Schrift nicht hinterlassen hätten, müssten wir uns nicht nach jener Übergabe richten, die sie den Vorstehern der Kirchen zurückließen, wie es viele heidnische Völker getan haben, die an Christus glauben, ohne ein geschriebenes Gesetz zu haben, weil sie die alte Übergabe mit Sorgfalt aufbewahren? Sollte man diesen die Erfindungen der Ketzer jetzt verkündigen, so würden sie sogleich ihre Ohren verstopfen und aus Abscheu vor solchem Lästerungen die Flucht ergreifen.“ So mächtig ist die Übergabe, die man nicht so leicht wie das geschriebene Wort verfälschen kann.
Ja, wenn wir die Übergabe verwerfen, dann können wir uns auch von dem geschriebenen Worte Gottes nicht hinreichend überzeugen; denn die Echtheit der Schrift und des Evangeliums wissen wir nur aus der Übergabe. Warum nehmen wir den Brief des heiligen Paulus an die Römer und nicht auch den Brief an die Laodicenser an; da wir doch beide besitzen und der Apostel in seinem Schreiben an die Kolosser eines Briefes an die Laodicenser, nirgends aber eines an die Römer erwähnt? Gewiss, wir müssen entweder die ganze Schrift verwerfen oder alle, auch unterschobene Bücher und Briefe, annehmen oder uns auf die Übergabe berufen. Hören wir hierüber den großen heiligen Basilius: „Die Lehre, die in der Kirche beobachtet und gepredigt wird, schöpfen wir teils aus dem geschriebenen Worte Gottes, teils aus der Übergabe, die von den Aposteln bis zu uns gekommen ist. Beide haben gleiche Kraft, uns zur wahren Frömmigkeit hinzuzuführen, und beiden widerspricht niemand, der in der Religionswissenschaft auch nur ein wenig unterrichtet ist. Sollten wir die Gebräuche, die in dem geschriebenen Worte Gottes nicht enthalten sind, als etwas Unnützes bestreiten oder verwerfen, so würden wir durch diese Unbesonnenheit auch den Teilen des Evangeliums einen nicht geringen Schaden zufügen.“ Nach diesen Worten erwähnt der heilige Lehrer einiger derived from ancient Tradition/frommer Gebräuche, die wir der alten Übergabe gemäß beobachten: z. B. dass wir uns mit dem Kreuze bezeichnen, dass wir Wasser und Öl weihen, dass wir bei der Taufe dem Teufel und seinem Anhange entsagen, dass wir nach der Taufe mit dem heiligen Chrysam gesalbt werden, dass wir mit gebogenen Knien beten, dass wir in dem Messopfer die heilige Hostie dem Volke zeigen und selbe mit gewissen Worten anbeten, dass wir die Kirchen und Kapellen gegen Aufgang der Sonne bauen; diese und noch andere Gebräuche, welche die Ketzer unserer Zeiten als neue Erfindungen verspotten, führt Basilius aus der alten Übergabe an. So sind auch die Entrichtung des heiligen Messopfers für die Verstorbenen, die Beobachtung der vierzigtägigen Fasten, die Verehrung des Kreuzes und der Bilder Christi und seiner Heiligen apostolische Traditionen, wie es Tertullian, Hieronymus und Johannes von Damaskus bezeugen. Das Nämliche könnte ich mit leichter Mühe von allen übrigen Gebräuchen beweisen, die wir der Übergabe gemäß beobachten und die von den Neuerern samt der Übergabe nach dem Beispiele der alten Ketzer verworfen werden.
Drittens haben die Stifter der alten Ketzereien darin übereingestimmt, dass sie nur jene Bücher der heiligen Schrift annahmen, die ihre Irrtümer nicht bestritten, und auch diese an manchen Stellen verfälschten. Denn es war immer eine List des bösen Geistes, dass er ihnen eingab, anfänglich nur allein die Heilige Schrift als das göttliche Wort anzunehmen, hernach auch von der Schrift jetzt diesen, jetzt einen anderen Teil als unecht zu verwerfen; endlich selbst jene Bücher, die sie beibehielten, an verschiedenen Orten, die mit ihrer neuen Lehre nicht übereinstimmten, nach Belieben zu ändern und zu verfälschen. Dies lässt sich ohne Mühe beweisen; denn die Cerdonianer und Manichäer haben das ganze Alte Testament verworfen, wie es Augustin bezeugt. Die Ebioniten und Marcioniten haben von den vier Evangelien nur jenes des Matthäus beibehalten, wie es Irenäus bemerkt. Die Severianer haben die Apostelgeschichte und alle Briefe des heiligen Paulus aus der Zahl der kanonischen Bücher vertilgt, wie es Eusebius erzählt. Endlich haben die Alogianer das Evangelium des heiligen Johannes samt seiner geheimen Offenbarung als unecht ausgerufen, wie es wieder Augustinus bezeugt.
Eben diesen Weg hat auch Luther betreten, wie es sich aus seinen eigenen Schriften beweisen lässt. In einer Predigt von Moses, die er im Jahre 1526 zu Wittenberg hielt, zog er mit einem solchen Unsinne wider das Alte Testament los, dass er nicht einmal die Zehn Gebote davon annehmen wollte. Bei der Lesung dieser ärgerlichen Rede möchte man auf den Gedanken verfallen, sie sei keineswegs von einem Christen, sondern von einem Cerdonianer, Manichäer oder gar von einem Türken verfasst worden. An einem anderen Orte, nämlich in der Vorrede zum Neuen Testamente, schrieb er von den Evangelien des Markus, Matthäus und Lukas mit einer erstaunenswerten Verachtung. Er ermahnt anfänglich seine Leser, die irrige Meinung, dass es vier Evangelien gebe, abzulegen. Hernach fügt er hinzu, nur allein das Evangelium des heiligen Johannes sei schön und wahr, die übrigen Evangelien aber könnten weder mit diesem noch mit den Briefen des heiligen Petrus und Paulus in Vergleich gebracht werden. Ist dieses nicht eine Lästerung, liebste Brüder? Gibt uns nicht Luther deutlich genug zu erkennen, dass er die drei übrigen Evangelien verwerfe? Wer behauptet, das Evangelium des heiligen Johannes allein sei schön und wahr, was kann er anderes lehren, als dass die übrigen weder schön noch wahr, folglich keine Evangelien sind? Zudem trägt Luther in der Rede von dem Pharisäer und Publikan kein Bedenken, das Evangelium des heiligen Lukas offenbar zu verlachen und zu tadeln, weil in demselben von den guten Werken so oft Meldung geschieht. Endlich hat dieser Irrlehrer die Bücher der Makkabäer, den Brief an die Hebräer, jenen des heiligen Jakobus, den zweiten des heiligen Petrus und den zweiten des heiligen Johannes geradezu und ohne Umschweife seinen Anhängern geraubt; die Bücher aber, die er beibehielt, an sehr vielen Orten, wie jedermann bekannt ist, verfälscht. Sehet, meine Brüder, so haben die alten und neuen Ketzer, die sich immer auf die Schrift berufen, dieses geschriebene Wort Gottes verstümmelt und verkürzt.
Auf eine ganz entgegengesetzte Weise handelt die wahre Kirche des lebendigen Gottes. Dem Canon der heiligen Bücher, den sie einmal nach der Übergabe geprüft und festgesetzt hat, ist sie bis auf diesen Tag treu geblieben. Was sie vor mehr als tausend Jahren über die Zahl der heiligen Bücher in der dritten karthaginensischen Kirchenversammlung entschieden hatte, das Nämliche hat sie auch in dem florentinischen und tridentinischen Concilium bestätigt.
Viertens haben sich die Ketzer insgesamt, vorzüglich aber die Donatisten und Arianer, und in unseren Zeiten die Lutheraner und Calvinisten, viele Mühe gegeben, Aufstände zu erwecken, die heiligen Altäre zu zerstören, die Priester zu töten und die Gotteshäuser ihrer Schätze und Güter zu berauben. Höret, was der heilige Athanasius von den Arianern schreibt: „Nach zwei Jahren (sind seine Worte) brach die unsinnige Wut der Arianer aus; da wurden die Kirchen ausgeraubt, die heiligen Gefäße missbraucht und die göttlichen Geheimnisse von den Heiden auf die schändlichste Weise entehrt. O des erschrecklichen Verbrechens! Das Herz zittert mir im Leibe, wenn ich es wiederholen soll. Jungfrauen und ehrbar Verehelichte wurden geschändet; das Blut der Schäflein Christi ward vergossen und die heiligen Altäre damit bespritzt.“ Höret auch, was der heilige Viktor von eben dieser arianischen Verfolgung erzählt: „Sie wüteten vorzüglich gegen die Kirchen, Gotteshäuser, Kirchhöfe und Klöster. O wie viele vortreffliche Bischöfe und Priester haben sie durch verschiedene Peinen getötet, die Güter der Kirche oder ihre eigenen, wenn sie je etwas besaßen, dadurch zu erhalten! Auf das Geständnis, das die Bischöfe und Priester von sich gaben, wurden sie aufs Neue gepeinigt, weil die Arianer immer meinten, sie hätten noch einen Teil ihrer Güter verschwiegen; und so wurden die Bekenner Christi desto grausamer gemartert, je größer die Schätze waren, die sie ihren Feinden notgezwungen darboten. Die unmenschlichen Verfolger hatten einigen den Mund aufgesperrt und stinkenden Kot hineingegossen, um auf diese Weise das Bekenntnis des verborgenen Geldes zu erzwingen. Andere wurden mit Hals- und Fußeisen gepeinigt; die meisten wurden genötigt, Meerwasser, Essig oder den Bodensatz vom Öle zu trinken. Weder die Schwachheit des Geschlechtes noch das Ansehen des Adels, noch die Würde des Priestertums konnte die grausamen Gemüter besänftigen; ja die Wut war dort noch heftiger, wo das Ansehen Ehrfurcht forderte. Man riss die Kinder von den Brüsten ihrer Mütter hinweg und warf sie mit einer tötenden Gewalt zur Erde; einige wurden auf eine unmenschliche Weise in zwei Teile zerstückt. – Wenn die heiligen Geheimnisse dem christlichen Volke ausgespendet wurden, brachen die Arianer mit voller Wut in die Kirche ein, schütteten das heilige Blut auf den Boden aus und traten den Leib Christi mit ihren unreinen Füßen.“ So schildert Viktor die Grausamkeit der Arianer. Von den Donatisten aber schreibt der heilige Optatus von Milevite: „Was ist der Altar anderes als das Behältnis des Blutes und Leibes Christi? Die Wut hat ihn zerstört und zerbrochen. Dieses gräuliche Verbrechen wurde noch dadurch vergrößert, dass ihr auch die Geschirre, worin das Blut Jesu Christi aufbewahrt wird, zerstückt und zerschmolzen habt, um damit einen gottesräuberischen Handel zu treiben. Nicht einmal auf die Käufer habt ihr Bedacht nehmen wollen; sie sind vielleicht zum Gebrauche unreiner Weiber oder zum Götzendienste der Heiden verhandelt worden. Welche erschreckliche und unerhörte Lastertat ist es, Gott etwas zu rauben und die Götzen damit zu ehren, Christo etwas zu entziehen und zur Beleidigung Gottes zu verwenden?“ Und der heilige Augustin: „Ich will nichts erwähnen von ihren grausamen Mordtaten, Plünderungen der Häuser, nächtlichen Angriffen und Verwüstungen nicht nur der Privatwohnungen, sondern auch der Gott geheiligten Tempel, die sie durch angelegtes Feuer, worein sie auch die heiligen Bücher warfen, eingeäschert haben.“
Alles dieses lässt sich auf die Lutheraner und Calvinisten mit bloßer Veränderung der Namen sehr schicklich anwenden. Denn hat nicht Luther mit allem Ernste beteuert, das Evangelium bringe notwendig Kriege und Aufstände mit sich? Zu welch schädlichen Aufständen haben nicht die Anhänger Luthers in Ungarn Gelegenheit gegeben? Sind sie nicht die Ursache gewesen, dass ein ungemein zahlreiches Heer der Türken bis nach Wien drang und große Hoffnung hatte, sich ganz Europas zu bemächtigen? Sind nicht in Deutschland wegen der Revolutionen, die von ihnen angezettelt wurden, mehr denn einmal Hunderttausend Bauern in kurzer Zeit getötet worden? Haben sie nicht so viele Klöster und Schlösser geplündert und zerstört, dass sich ihre Anzahl, wie sie von einigen berechnet wird, nur allein in Franken bis auf dreihundert beläuft? Hat nicht Zwingli den Spruch immer im Munde geführt: „Das Evangelium verlangt Blutvergießung“? Hat nicht das blutdürstige Evangelium dieses Mannes die ganze Schweiz mit Leichnamen angefüllt?
Um auch von Frankreich etwas zu erwähnen, haben nicht die Calvinisten zu Paris mit bloßen Säbeln in den Händen auf öffentlicher Gasse vor wenigen Jahren gerufen: „Evangelium, Evangelium“? Wie viele Kirchen, Klöster, Dörfer und Marktflecken haben sie nicht geplündert und verwüstet? An wie vielen Orten haben sie nicht die Altäre zerstört, die heiligen Geschirre geraubt und die Bilder der Heiligen zerbrochen? Wie viele Reliquien der berühmtesten Heiligen, als eines Irenäus, Martinus, Hilarius, haben sie nicht verbrannt oder in das Wasser und stinkende Pfützen geworfen? Haben sie nicht die heiligsten Geheimnisse jetzt mit Füßen getreten, jetzt den Vögeln der Luft zur Speise aufgestreut, jetzt aus einer unsinnigen Wut mit Kugeln durchschossen? Was soll ich von den Mordtaten sagen, die sie mit unerhörter Grausamkeit, bald Geld zu erpressen, bald von ihren Kräften einen Beweis zu geben, bald aus dem einzigen Beweggrunde, sich dadurch zu belustigen, ausgeübt haben? Wem ist es unbekannt, dass sie nach dem Beispiele der Arianer die unschuldigen Kinder auf die unmenschlichste Art in zwei Teile zerstückt haben? Wer weiß nicht, dass sie den Priestern jetzt die Haut über den Kopf abgezogen, jetzt sie auf einen Streich in zwei Teile gespalten haben? Haben sie nicht einigen, welche noch ganz gesund waren, den Leib aufgeschnitten und mit einer erschrecklichen Grausamkeit die Gedärme langsam herausgenommen? Wie viele haben sie nicht in die Brunnen gestürzt oder lebendig begraben oder an Pfähle gebunden und als Schießscheibe aufgestellt?
Fünftens haben sich insgemein die Ketzer der ersten Zeiten gleich bei ihrem Ursprunge in verschiedene und sich einander widersprechende Sekten geteilt; denn von den Valentinianern bezeugt Irenäus, dass kaum zwei oder drei unter ihnen zu finden waren, die in ihren Gesinnungen und Antworten übereinstimmten. Dass sich die Arianer gleich anfänglich in Acacianer, Eunomianer und Macedonianer getrennt haben, ist allen bekannt. Das Nämliche wissen wir von den Manichäern, deren sich einige Kataristen, andere Macharisten nannten, um sich von den wahren Manichäern zu unterscheiden. Von den Donatisten aber, um andere mit Stillschweigen zu übergehen, schreibt der heilige Augustin, dass sich die Anhänger des Donatus sowohl in Numidien als Mauritanien in viele voneinander unterschiedene Versammlungen abgesondert haben. Und an einem anderen Orte sagt der nämliche Lehrer, die Ketzerei des Donatus sei gleich bei ihrem Anfange in sehr viele Teilchen zertrümmert worden.
Wer weiß nun nicht, wie genau die Irrlehrer unserer Zeiten die alten Ketzer in diesem Punkte nachgeahmt haben? Wem ist es unbekannt, dass sich der Anhang des Luther allein fast in hundert verschiedene Gemeinden zerteilt habe? Wir dürfen also von ihnen sagen, was schon vormals der große heilige Basilius von den heidnischen Philosophen gesprochen hatte, dass sie sich nämlich selbst zugrunde richten, indem der eine verneint, was der andere bejaht.
Sechstens hatten die alten Ketzer die Gewohnheit, wenn sie auf die Gründe der Katholiken nicht mehr antworten konnten, die Unfehlbarkeit der Kirche gänzlich zu leugnen. Ich will nur das anführen, was der heilige Augustinus von den Donatisten in diesem Stücke bemerkt hat. „Diese sind es (sagt er von ihnen), welche, andere zu täuschen, aus der Schrift das zusammensuchen, was entweder von der Vermischung der Bösen mit den Guten bis zum Ende der Welt oder von der Zerstreuung des jüdischen Volkes zu verstehen ist, damit sie es auf die Kirche Gottes hinbeziehen, gleich als hätte diese aufgehört und wäre auf der ganzen Welt zugrunde gegangen.“ Dies kann man mit gleichem Rechte auf die heutigen Lutheraner und Calvinisten anwenden. Denn wenn man sie fragt, wo die Kirche Jesu Christi gewesen sei, bevor Luther und Calvin geboren worden, so schämen sie sich nicht zu antworten, sie sei damals erloschen und gleichsam in den Finsternissen, ich weiß nicht wo, begraben gelegen; was eine offenbare Lästerung gegen das Versprechen des Heilandes ist, da er zu Petrus sagte: „Für dich habe ich gebeten, dass dein Glaube nicht gebreche.“ Und zu allen Aposteln: „Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“
Siebentens hat man an den alten Ketzern insgemein bemerkt, dass sie gegen die Mönche und das Klosterleben einen ganz außerordentlichen Hass hegten. Denn nichts von den Arianern zu erwähnen, die bis in die tiefsten Einöden eindrangen, die Mönche da aufzusuchen und zu töten; höret nur, was der heilige Augustin von den Donatisten sagt: „Wenn ihr die ketzerischen Landstreicher (Circumcellionen) beschämet, sie dadurch zu bekehren, so fangen sie an über unsere Mönche zu schmähen. Aber sehet, ob man diese mit jenen in Vergleich stellen könne. Wie darf man es wagen, die Trunkenbolde mit den Nüchternen, die Ungestümen mit den Sittsamen, die Unsinnigen mit den Bescheidenen und die Herumläufer mit den in der Gemeinde Lebenden zu vergleichen? Dennoch pflegen sie zu fragen: Was soll der Mönchsname heißen? Gleichwie wir mit besserem Grunde fragen: Was soll der Name der Circumcellionen bedeuten?“
Sehet, meine Brüder, solche Vorgänger haben die Ketzer unserer Zeiten, die mit so herben Schmähungen gegen die Ordensgeistlichen losziehen. Aber die wahre Kirche Jesu Christi hat die Institute der Mönche von den apostolischen Zeiten her immer hoch geschätzt und angestaunt. Ich übergehe hier die vielen und prächtigen Lobsprüche, womit sie von den heiligsten und gelehrtesten Vätern sind angerühmt worden, und will nur anführen, was der heilige Augustin in seinem Buche von den Sitten der Kirche darüber schrieb: „Wer soll die Mönche (sind seine Worte) nicht bewundern und anrühmen, welche die Welt mit allen ihren Ergötzungen verachtet und verlassen haben, um in einer klösterlichen Gemeinde ein keusches und heiliges Leben zu führen und sich im Gebete und in der Lesung heiliger Bücher zu beschäftigen? Sie sind nicht hoffärtig, sondern eingezogen, schamhaft, friedsam und liebreich gegeneinander und ganz entzückt in Gott, dem sie mit dem Beistande seiner Gnade das wohlgefälligste Opfer darbringen. Keiner aus ihnen besitzt ein Eigentum; keiner ist dem anderen beschwerlich“ etc.
Doch warum werden die Ordensgeistlichen mit so grimmigen Augen von den Ketzern betrachtet? Haben sie ihnen vielleicht ihre Güter geraubt? Haben sie ihnen geschadet oder sie beleidigt? Wenn sie vernünftig wären, sollten sie sich nicht vielmehr dem Mönchsreiche, wie sie es zu nennen pflegen, sehr verpflichtet bekennen? Wenn die Mönche nicht gewesen wären, so würden sie vielleicht weder ihren Apostel Luther noch so viele andere neue Propheten und Evangelisten haben. Aber ich weiß schon, wer den Ketzern einen so bitteren Hass gegen die Mönche eingeflößt hat; es ist jener lügenhafte Geist gewesen, der, wie der große Antonius bei dem heiligen Athanasius spricht, wider alle Christen zürnet und vorzüglich die Mönche und Jungfrauen nicht leiden kann, weil sie das Leben der Engel auf Erden nachahmen.
Zum Beschlusse muss ich etwas anmerken, was zwar den Ketzern unserer Zeiten gemein ist, worin sie sich aber von den alten Irrlehrern unterscheiden. Sie haben nämlich weder Bischöfe noch Priester, noch Diakonen, noch andere mindere Orden. Ehemals hatten nicht nur die Katholiken, sondern auch die Ketzer ihre Bischöfe, Priester und Diakonen samt den übrigen kirchlichen Orden; aber die heutigen Sektierer haben mit dem Glauben zugleich auch die Weihen und Benennungen ihrer geistlichen Vorsteher verloren. Wie sie aus Katholiken Lutheraner und Calvinisten geworden sind, so haben sich auch ihre geistlichen Vorsteher in Superintendenten und Wortsdiener oder Pastoren verändert. Doch warum haben sie die Worte Bischof, Priester und Diakon verworfen? Haben sie vielleicht in der Heiligen Schrift, auf die sie sich beständig berufen, nichts davon gefunden? Von den Superintendenten habe ich zwar nichts in der Schrift gelesen, mehreres aber von den Bischöfen, Priestern und Diakonen sowohl in der Apostelgeschichte als in den Briefen des heiligen Paulus. Höret nur, was der heilige Bischof und Märtyrer Ignatius, der ein Jünger der Apostel war, an seine Schäflein zu Antiochien schrieb: „Ich grüße euren heiligen Priester, ich grüße die heiligen Diakonen, ich grüße die Subdiakonen, Lektoren, Kantoren, Ostiarien, Laboranten, Exorzisten und Bekenner; ich grüße die keuschen Jungfrauen; ich grüße das ganze Volk des Herrn vom Kleinsten bis zum Größten.“ So finden wir auch keinen heiligen Vater, der nicht der Bischöfe, Priester, Diakonen und der übrigen Orden mit Ehrerbietung gedacht hätte. Es sind also die Neuerer unserer Zeiten von der wahren Kirche und Religion so weit abgewichen, dass sie es in diesem Punkte allen vorhergehenden Ketzern bevorgetan haben.
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Sündige tapfer? Luther verfälschte Röm 3,28 und fügte eigenmächtig „allein" ein – gegen den Wortlaut der Schrift. Doch Jak 2,24 und 1 Kor 13,2 antworten klar: Glaube ohne Liebe und Werke ist nichts. Eine Streitschrift wider die Ketzerei der sola fide
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Vergleich der katholischen Kirchenlehrer und der Urheber historischer Ketzereien: Die 9. Rede beleuchtet die Frömmigkeit der Apostel und Heiligen im Kontrast zu den Beweggründen und dem Wirken von Reformatoren wie Luther, Calvin und Zwingli
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Die Reinheit unseres Gesetzes ist es also, wodurch sich unsere heilige Religion vor allen übrigen Sekten ganz besonders auszeichnet.
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Wer weiß nun nicht den späteren Ursprung aller Ketzereien? Die Arianer waren gewiss nicht vor dem Arius noch die Macedonianer, Nestorianer, Pelagianer, Mohammedaner und Lutheraner vor Macedonius, Nestorius, Pelagius, vor Mohammed und Luther.
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Es gibt Zeiten, da bin ich ganz für mich allein, und da überkommt mich ein derart herzliches Lachen, dass es geradezu ein Wunder wäre, wenn ich mich in Gegenwart anderer noch beherrschen könnte.
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O Gott, wie werden ihm jene Augenblicke der Lust sodann erscheinen, nach hundert, nach tausend Millionen Jahren der Hölle!