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Vigilantius und später Wyclif sagten, dass die Anrufung der Heiligen eitel und nutzlos sei, aber das Konzil von Trient befiehlt den Bischöfen im Dekret über die Anrufung und Verehrung der Heiligen, das Gegenteil zu lehren.

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Vigilantius und später Wyclif sagten, dass die Anrufung der Heiligen eitel und nutzlos sei, aber das Konzil von Trient befiehlt den Bischöfen im Dekret über die Anrufung und Verehrung der Heiligen, das Gegenteil zu lehren, nämlich: Sanctos, una cum Christo regnantes, orationes suas pro hominibus Deo offerre; bonum atque utile esse eos suppliciter invocare [Dass die Heiligen, die mit Christus herrschen, Gott ihre Gebete für die Menschen darbringen; und dass es gut und nützlich ist, sie demütig anzurufen]. Wenn es eine nützliche Sache ist, dass sich die lebenden Gläubigen gegenseitig den Gebeten der anderen anempfehlen, um wie viel mehr wird es nützen, die Heiligen anzurufen, damit sie uns mit ihren weitaus mächtigeren Gebeten helfen. Der hl. Paulus empfahl sich den Gebeten seiner Jünger: Orationi instate... orantes simul et pro nobis [Haltet fest am Gebet … und betet zugleich auch für uns]1. Und an einer anderen Stelle schrieb er an die Römer: Obsecro... vos, fratres... ut adiuvetis me in orationibus vestris pro me ad Deum [Ich ermahne euch, Brüder … dass ihr mir durch eure Gebete für mich zu Gott helft]2. Gott selbst ermahnte die Freunde Ijobs, zu dessen Gebeten Zuflucht zu nehmen, für die er ihnen Barmherzigkeit versprach: Ite ad servum meum Iob... Iob autem servus meus orabit pro vobis; faciem eius suspiciam, ut non vobis imputetur stultitia [Geht zu meinem Knecht Ijob … mein Knecht Ijob aber wird für euch beten; sein Angesicht will ich ansehen, sodass euch die Torheit nicht angerechnet wird]3. Wenn nun die Gebete der Lebenden, sagt der hl. Hieronymus, gelten, um uns göttliche Gnaden zu erflehen, werden sie dann etwa weniger Kraft haben, nachdem jene hingegangen sind, um mit Christus zu herrschen? Moyses sexcentis millibus impetrat a Deo veniam, et Stephanus pro peccatoribus veniam deprecatur: postquam cum Christo esse coeperint minus valebunt? [Moses erlangt von Gott Verzeihung für sechshunderttausend, und Stephanus erfleht für die Sünder Verzeihung: Sollten sie weniger vermögen, nachdem sie begonnen haben, mit Christus zu sein?] 4. Der Lutheraner Lomero sagt, dass wir die Heiligen nicht nur als Fürsprecher, sondern auch als Helfer anrufen. Aber was steht dem entgegen? Die Heiligen helfen uns nicht aus eigener Kraft, sondern durch ihre Fürsprache, durch die wir die göttlichen Gnaden empfangen.
Man liest bei Jeremia: Si steterint Moyses et Samuel coram me, non est anima mea ad populum istum [Selbst wenn Mose und Samuel vor mir stünden, so hätte ich doch kein Herz für dieses Volk]5. Wenn Mose und Samuel für das Volk beteten und der Herr sie erhörte; wie können dann die Häretiker sagen, dass es in der Schrift keinen Beleg gäbe, dass die bereits verstorbenen Heiligen für die Lebenden beten? Judas Makkabäus sah in einer bestimmten Vision den Hohenpriester Onias und den Propheten Jeremia, die bereits verstorben waren, wie sie für das jüdische Volk beteten, wie es im 2. Buch der Makkabäer steht. Darauf wusste Calvin nichts anderes zu antworten, als dass dieses Buch der Makkabäer nicht kanonisch sei. Die Häretiker sagen, dass die Engel und Heiligen für uns beten, aber nur im Allgemeinen. Das Gegenteil steht jedoch bei Tobit in Kapitel 12, bei Daniel in Kapitel 10, beim hl. Matthäus in Kapitel 18 und in der Offenbarung in Kapitel 8, wo man liest, dass die Engel und Heiligen auch im Besonderen für andere gebetet haben.
Dass sodann die Anrufung der Heiligen durch die Tradition gebilligt wurde, wird durch die Autorität der heiligen Väter bewiesen. Der hl. Ambrosius6 sagt: Ut efficax mea sit deprecatio, b. Mariae virginis suffragia peto, quam tanti meriti esse fecisti etc.; apostolorum intercessionem imploro etc. [Damit mein Flehen wirksam sei, erbitte ich den Beistand der seligen Jungfrau Maria … ich flehe um die Fürsprache der Apostel]. Der hl. Johannes Chrysostomus ruft in seiner Liturgie oft die Gebete der seligen Jungfrau und der anderen Heiligen an. Der hl. Augustinus betet in seinen Meditationen, Kap. 40, so: Sancta et immaculata virgo Dei genitrix Maria, intervenire pro me digneris. S. Michael, s. Gabriel, ss. chori angelorum atque patriarcharum, apostolorum, martyrum, confessorum etc., per illum qui vos elegit, vos rogare praesumo ut pro me supplicare dignemini etc. [Heilige und unbefleckte Jungfrau, Gottesgebärerin Maria, geruhe, für mich einzutreten. Heiliger Michael, heiliger Gabriel, heilige Chöre der Engel sowie der Patriarchen, Apostel, Märtyrer, Bekenner usw., durch den, der euch erwählt hat, erdreiste ich mich, euch zu bitten, dass ihr geruht, für mich Fürbitte zu leisten usw.]. Und dasselbe liest man vom hl. Athanasius, hl. Cyprian, hl. Hilarius, hl. Basilius, hl. Epiphanius und anderen Vätern. Ferner sagten die Väter des Konzils von Chalkedon[^7]: Flavianus post mortem vivit; martyr pro nobis oret [Flavianus lebt nach dem Tod; der Märtyrer bete für uns]. Dasselbe brachten später die Väter der 6. Synode zum Ausdruck: Christianus, solo Deo creatore suo adorato, invocet sanctos, ut pro se intercedere apud M. D. dignentur. [Ein Christ soll, nachdem allein Gott, sein Schöpfer, angebetet worden ist, die Heiligen anrufen, damit sie geruhen, für ihn bei der göttlichen Majestät Fürbitte einzulegen.] Überdies liest man im Gregorianischen Antiphonale[^8]: Sancta Dei genitrix virgo Maria, ora pro nobis; precibus quoque apostolorum, martyrum etc. suppliciter petimus. [Heilige Gottesgebärerin, Jungfrau Maria, bitte für uns; auch bitten wir demütig durch die Gebete der Apostel, Märtyrer usw.] Ferner schreibt Hinkmar, dass der hl. Remigius, als er Chlodwig taufte, die Allerheiligenlitanei rezitierte. Picenino billigt unsere Litaneien, Hymnen und Gebete nicht, indem er sagt, sie richteten sich an die Heiligen, ohne Jesus Christus zu nennen; aber er irrt, denn alle unsere Litaneien, Hymnen und Gebete, die zu Ehren eines Heiligen gesprochen werden, beginnen entweder bei Gott oder enden damit, der heiligsten Dreifaltigkeit die Ehre zu geben. Es stört Picenino auch, dass wir so oft das Ave Maria wiederholen, als wollten wir den Engel spielen und der seligen Jungfrau die bereits geschehene Menschwerdung verkünden. Aber wir maßen uns nicht an, den Engel zu spielen oder ihr die Menschwerdung zu verkünden, sondern nur, ihr diesen ihr so teuren Gruß zu wiederholen, um ihre mächtigste Fürsprache zu erflehen; in dem Wissen, dass alle Lobpreisungen, die wir der Mutter erweisen, auf den Sohn übergehen, der sich freut, wenn wir sie oft anrufen, um uns um ihretwillen Wohltaten zu gewähren.
Der hl. Augustinus9 schreibt, wenn er vom hl. Felix spricht: Non solum beneficiorum effectibus, verum etiam ipsis hominum aspectibus confessorem apparuisse Felicem, cum a barbaris Nola oppugnaretur, audivimus non incertis rumoribus, sed testibus certis [Wir haben nicht durch unsichere Gerüchte, sondern von sicheren Zeugen gehört, dass der Bekenner Felix, als Nola von Barbaren angegriffen wurde, nicht nur durch die Wirkungen seiner Wohltaten, sondern den Menschen auch sichtbar erschienen ist]. Und andere ähnliche Beispiele von Heiligen, die, von ihren Verehrern angerufen, diesen erschienen sind und ihnen die erbetenen Gnaden erlangt haben, werden vom hl. Gregor von Nyssa in der Vita des hl. Gregor Thaumaturgus, von Theodoret10, von Evodius, von Lucianus und vom hl. Ambrosius berichtet, der über die hll. Gervasius und Protasius schreibt.
Picenino erwidert: Aber ihr Katholiken richtet eure Gebete nicht an Gott, sondern an die Heiligen, und ruft sie an, als läge es in ihrem Ermessen, die Gnaden und das ewige Heil zu schenken. Wir aber wissen sehr wohl, dass Gott allein der Spender der Gnaden ist, und zu den Heiligen nehmen wir nur als Fürsprecher Zuflucht, die uns hauptsächlich durch die Verdienste Jesu Christi jene Gnaden erlangen: Daher sind die Heiligen unsere Mittler bei dem Hauptmittler Jesus Christus, der uns durch seine unendlichen Verdienste all das Gute erlangt, das wir empfangen: Daher betet die Kirche zu Gott, nicht durch den Heiligen, sondern durch Christus: Concede nobis, Deus, intercessione S. N. hoc beneficium per Christum Dominum nostrum [Gewähre uns, o Gott, auf die Fürsprache des Heiligen N. diese Wohltat durch Christus, unseren Herrn]. Und wenn sie auf die Verdienste der Heiligen vertrauend betet, meint sie damit, dass die Heiligen aufgrund der Freundschaft, die sie mit Gott genießen, mächtiger sind, uns Gnaden zu erflehen. Und wenn sie sagt: Sanate mentes languidas, augete nos virtutibus [Heilt die matten Gemüter, mehrt in uns die Tugenden], wie man im Hymnus der Apostel liest, ist nicht gemeint, dass die Heiligen diejenigen sind, die uns von der Lauheit heilen und uns an Tugenden mehren können, sondern nur, dass sie uns mit ihren Gebeten diese Gnaden erlangen können. Der hl. Paulus sagte von sich selbst[^11]: Et salvos facerem aliquos ex illis [Um einige von ihnen zu retten]. Und in 1 Kor 9, 22 [im Original: 9, 33] schrieb er gleichermaßen: Ut omnes facerem salvos [Um alle zu retten]. Wie rettet er sie? Indem er ihnen mit Predigten und Gebeten hilft.
Dass es nützlich ist, die Heiligen anzurufen, ist ein Glaubensdogma, wie wir gesehen haben; aber der engelgleiche hl. Thomas wirft die Frage auf, ob wir nicht nur können, sondern ob wir verpflichtet sind, zur Fürsprache der Heiligen als für unser Heil notwendig Zuflucht zu nehmen: Utrum debeamus sanctos orare ad interpellandum pro nobis. [Ob wir die Heiligen bitten müssen, für uns Fürsprache einzulegen.] Und er antwortet so: Ordo est divinitus institutus in rebus, secundum Dionysium, ut per media ultima reducantur in Deum. Unde, cum sancti qui sunt in patria sint Deo propinquissimi, hoc divinae legis ordo requirit ut nos qui, manentes in corpore, peregrinamur a Domino, in eum per sanctos medios reducamur; quod quidem contingit dum per eos divina bonitas suum effectum diffundit. [Es ist nach Dionysius in den Dingen eine von Gott eingesetzte Ordnung, dass das Letzte durch das Mittlere zu Gott zurückgeführt wird. Da nun die Heiligen, die im Vaterland sind, Gott am nächsten sind, erfordert diese Ordnung des göttlichen Gesetzes, dass wir, die wir im Körper verweilen und fern vom Herrn pilgern, durch die Heiligen als Mittler zu ihm zurückgeführt werden; dies geschieht, indem die göttliche Güte durch sie ihre Wirkung ausströmt.] Und er fügt hinzu: Et quia reditus noster in Deum respondere debet processui bonitatum ipsius ad nos, sicut, mediantibus sanctorum suffragiis, Dei beneficia in nos deveniunt, ita oportet nos in Deum reduci, ut iterato beneficia eius sumamus mediantibus sanctis [Und weil unsere Rückkehr zu Gott dem Hervorgang seiner Güte zu uns entsprechen muss, so wie durch die Vermittlung der Fürbitten der Heiligen die Wohltaten Gottes zu uns gelangen, so müssen auch wir zu Gott zurückgeführt werden, damit wir durch die Vermittlung der Heiligen seine Wohltaten immer wieder empfangen.]12. Man beachte diese Worte: Sicut mediantibus sanctorum suffragiis Dei beneficia in nos deveniunt, ita oportet nos in Deum reduci, ut iterato beneficia eius sumamus mediantibus sanctis. [So wie durch die Vermittlung der Fürbitten der Heiligen die Wohltaten Gottes zu uns gelangen, so müssen auch wir zu Gott zurückgeführt werden, damit wir durch die Vermittlung der Heiligen seine Wohltaten immer wieder empfangen.] Gemäß dem heiligen Lehrer erfordert es also die Ordnung des göttlichen Gesetzes, dass wir Sterblichen durch die Vermittlung der Heiligen zu Gott zurückgeführt und gerettet werden, indem wir durch ihre Vermittlung die zum Heil notwendigen Hilfen empfangen. Und auf den Einwand, den der engelgleiche Lehrer macht (ad primum), nämlich dass es überflüssig erscheine, zu den Heiligen Zuflucht zu nehmen, da Gott unendlich viel barmherziger als sie und geneigter sei, uns zu erhören, antwortet er, dass der Herr dies nicht etwa aus Mangel an Barmherzigkeit so verfügt hat, sondern um die rechte und universell festgelegte Ordnung zu bewahren, durch Zweitursachen zu wirken: Non est propter defectum misericordiae ipsius, sed ut ordo praedictus conservetur in rebus. [Nicht wegen eines Mangels an seiner Barmherzigkeit, sondern damit die vorgenannte Ordnung in den Dingen bewahrt werde.]
Und der Autorität des hl. Thomas folgend, schreibt P. Collet, der Fortsetzer von Tournely13, dass, obwohl Gott allein als Urheber der Gnaden angefleht werden muss, wir dennoch verpflichtet sind, auch zur Fürsprache der Heiligen Zuflucht zu nehmen, um die Ordnung zu wahren, die der Herr bezüglich unseres Heils aufgestellt hat, nämlich dass die Niedrigeren gerettet werden, indem sie die Hilfe der Höheren erflehen: Quia lege naturali tenentur eum ordinem observare quem Deus instituit; at constituit Deus ut ad salutem inferiores perveniant, implorato superiorum subsidio. [Denn durch das natürliche Gesetz sind sie gehalten, jene Ordnung zu beachten, die Gott eingesetzt hat; Gott hat aber festgesetzt, dass die Niedrigeren zum Heil gelangen, indem sie die Hilfe der Höheren erflehen.]
Und wenn dies schon für die Heiligen gilt, muss es umso mehr für die Fürsprache der göttlichen Mutter gelten, deren Gebete bei Gott sicherlich mehr gelten als die aller Heiligen: während der hl. Thomas14 sagte, dass die Heiligen, im Verhältnis zu ihrem Verdienst, auch viele andere retten können; aber Jesus Christus und somit auch seine Mutter haben sich eine so große Gnade verdient, dass sie alle Menschen retten können: Magnum est enim in quolibet sancto, quando habet tantum de gratia quod sufficeret ad salutem multorum; sed quando haberet tantum quod sufficeret ad salutem omnium, hoc esset maximum; et hoc est in Christi et in b. Virgine. [Denn es ist groß bei jedem Heiligen, wenn er so viel Gnade hat, dass es zum Heil vieler genügen würde; wenn er aber so viel hätte, dass es zum Heil aller genügen würde, wäre dies das Größte; und dies ist in Christus und in der seligen Jungfrau.] Und der hl. Bernhard15 schrieb, von Maria sprechend: Per te accessum habemus ad filium, inventrix gratiae, mater salutis, ut per te nos suscipiat qui per te datus est nobis [Durch dich haben wir Zugang zum Sohn, du Finderin der Gnade, Mutter des Heils, damit der uns durch dich aufnimmt, der uns durch dich gegeben wurde]; womit er erklärte, dass, so wie wir keinen Zugang zum Vater haben außer durch den Sohn, der der Mittler der Gerechtigkeit ist, wir auch Zugang zum Sohn durch seine Mutter haben, die die Mittlerin der Gnade ist, und sie uns mit ihrer Fürsprache die Güter erlangt, die Jesus Christus uns verdient hat. Und infolgedessen sagt derselbe hl. Bernhard16, dass Maria von Gott zwei Füllen der Gnade empfangen hat: die erste Fülle war die Menschwerdung des ewigen Wortes, das in ihrem Schoß Mensch wurde, die zweite war die Fülle der Gnaden, die wir von Gott durch die Fürsprache dieser göttlichen Mutter empfangen. Daher fügt der Heilige hinzu: Totius boni plenitudinem (Deus) posuit in Maria, ut proinde si quid spei nobis est, si quid gratiae, si quid salutis, ab ea noverimus redundare, quae ascendit deliciis affluens, hortus deliciarum, ut undique fluant et effluant aromata eius, charismata scilicet gratiarum. [Die Fülle alles Guten hat Gott in Maria gelegt, sodass wir folglich wissen, dass, wenn etwas Hoffnung, etwas Gnade, etwas Heil in uns ist, dies von ihr überströmt, die, überfließend von Wonnen, aufsteigt, ein Garten der Wonnen, sodass von überall ihre Wohlgerüche, nämlich die Gnadengaben, fließen und ausströmen.] Das heißt, all das Gute, das wir vom Herrn haben, empfangen wir vollständig durch die Fürsprache Mariens. Und warum geschieht dies überhaupt? antwortet derselbe hl. Bernhard: weil Gott es so will: Sic est voluntas eius, qui totum nos habere voluit per Mariam. [So ist sein Wille, der wollte, dass wir alles durch Maria haben.] Aber der speziellere Grund ergibt sich aus dem, was der hl. Augustinus sagt: welcher schrieb, dass Maria zu Recht unsere Mutter genannt wird, weil sie mit ihrer Liebe mitgewirkt hat, damit wir Gläubigen, die wir Glieder unseres Hauptes Jesus Christus sind, zum Leben der Gnade geboren werden: Sed plane mater membrorum eius (quae nos sumus), quia cooperata est charitate ut fideles in ecclesia nascerentur, qui illius capitis membra sunt [Aber freilich ist sie die Mutter seiner Glieder (das sind wir), weil sie durch die Liebe mitgewirkt hat, dass die Gläubigen in der Kirche geboren werden, die Glieder jenes Hauptes sind.]17. Wie also Maria mit ihrer Liebe zur geistlichen Geburt der Gläubigen mitgewirkt hat, so will Gott auch, dass sie mit ihrer Fürsprache mitwirkt, damit sie das Leben der Gnade in dieser Welt und das Leben der Herrlichkeit in der anderen erlangen. Und deshalb lässt uns die heilige Kirche sie mit diesen Worten grüßen und nennen: unser Leben, unsere Süßigkeit und unsere Hoffnung: Vita, dulcedo et spes nostra, salve. [Leben, Süßigkeit und Hoffnung, sei gegrüßt.] Daher sagte der hl. Bernhard18, wenn er von sich selbst sprach: Filioli, haec peccatorum scala, haec maxima mea fiducia, haec tota ratio spei meae [Meine Kindlein, dies ist die Leiter der Sünder, dies ist meine größte Zuversicht, dies ist der ganze Grund meiner Hoffnung]. Er nennt sie Leiter; denn so wie man auf der Leiter nicht auf die dritte Stufe steigt, wenn man nicht zuerst den Fuß auf die zweite setzt; und man nicht zur zweiten gelangt, wenn man nicht den Fuß auf die erste setzt, so gelangt man nicht zu Gott außer durch Jesus Christus, und man gelangt nicht zu Jesus Christus außer durch Maria. Er nennt sie sodann seine größte Zuversicht und den ganzen Grund seiner Hoffnung; weil Gott (wie er annimmt) will, dass alle Gnaden, die er uns austeilt, durch die Hände Mariens gehen. Und schließlich schließt er mit den Worten: Quaeramus gratiam, et per Mariam quaeramus, quia quod quaerit invenit et frustrari non potest. [Lasst uns die Gnade suchen, und durch Maria lasst uns suchen, denn was sie sucht, findet sie und kann nicht enttäuscht werden.]
Erstens wenden die Häretiker ein, dass die Heiligen im Himmel unsere Gebete nicht kennen. Calvin sagt: Sie haben keine so langen Ohren, dass sie uns hören könnten. Aber aus den Schriften geht das Gegenteil hervor; der Engel hl. Raphael sagte zu Tobit: Quando orabas cum lacrymis... ego obtuli orationem tuam Domino [Als du unter Tränen betetest … habe ich dein Gebet dem Herrn dargebracht]19. Außerdem liest man in der Offenbarung20, dass die vierundzwanzig Ältesten hielten: singuli citharas et phialas aureas plenas odoramentorum, quae sunt orationes sanctorum. [Jeder hatte Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; dies sind die Gebete der Heiligen.] Sie hatten goldene Schalen voll von Räucherwerk; dieses Räucherwerk sind unsere Gebete, die aufsteigen, wie der Rauch des Weihrauchs aufsteigt, wie David sagt[^21]: Dirigatur oratio mea sicut incensum in conspectu tuo. [Mein Gebet möge wie Weihrauch vor dein Angesicht aufsteigen.] Aber sie erwidern, dass Gott allein unsere Gedanken und Gebete kennt: Tu nosti solus cor nostrum [Du allein kennst unser Herz.]22. Wir antworten, dass Gott allein unsere Wünsche durch seine Natur kennt: aber die Heiligen kennen sie durch Mitteilung. Andere wiederum wollen, dass die Heiligen die Gebete, die wir an sie richten, durch Offenbarung kennen, die der Herr ihnen macht: aber der hl. Gregor hält daran fest, dass die Heiligen unsere Gebete in Gott selbst verstehen, den sie unverhüllt sehen: Quia quae intus omnipotentis dei claritatem vident, nullo modo credendum est quod sit forte aliquid quod ignorent. Quid est quod ibi nesciant, ubi scientem omnia sciunt? [Denn diejenigen, die im Innern die Klarheit des allmächtigen Gottes schauen, von denen darf man keineswegs glauben, dass es etwas gibt, das sie nicht wissen. Was sollten sie dort nicht wissen, wo sie den Allwissenden wissen?]23. Der hl. Augustinus sagt dennoch, dass die Heiligen unsere Gebete vielmehr durch den Dienst der Engel kennen: Deus omnipotens, qui est ubique praesens, nec concretus nobis, exaudiens martyrum preces per angelica ministeria usquequaque diffusa, praebet hominibus ista solatia, quibus in huius vitae miseria iudicat esse praebenda et suorum merita martyrum, ubi vult, quando vult, quomodo vult, maximeque per eorum memorias, quoniam hoc novit expedire nobis ad aedificandam fidem Christi, pro cuius illi confessione sunt passi, mirabili atque ineffabili potestate ac bonitate commendat [Gott, der Allmächtige, der überall gegenwärtig ist, aber nicht mit uns vermischt, erhört die Gebete der Märtyrer durch die überall verbreiteten engelischen Dienste und gewährt den Menschen jene Tröstungen, von denen er urteilt, dass sie in diesem Elend dieses Lebens gewährt werden müssen, und empfiehlt die Verdienste seiner Märtyrer, wo er will, wann er will, wie er will, besonders durch ihre Gedenkstätten, weil er weiß, dass dies uns nützt zur Auferbauung des Glaubens an Christus, für dessen Bekenntnis sie gelitten haben, mit wunderbarer und unaussprechlicher Macht und Güte.]24.
Zweitens wird von Calvin25 eingewandt, dass auf dem III. Konzil von Karthago26 verboten wird, am Altar die Gebete an jemand anderen als den ewigen Vater zu richten; und dies wird vom hl. Augustinus27 bestätigt, der sagt, dass die Heiligen nicht vom Priester angerufen werden, der das Opfer darbringt. Es wird geantwortet, dass im zitierten Konzil keine Rede von der Anrufung der Heiligen ist, sondern nur gesagt wird, dass der Priester das Opfer nicht an die Person des Sohnes oder des Heiligen Geistes, sondern an die des Vaters richten soll, wie es gegenwärtig praktiziert wird; wenn geopfert wird, wird immer der gesamten Dreifaltigkeit geopfert. Dass sodann im Opfer nur Gott angerufen wird, dem das Opfer dargebracht wird; das hindert nicht daran, dass die Heiligen angerufen werden, damit sie für uns beten, wie der hl. Augustinus28 und der hl. Cyrill in den Katechesen schreiben. Und dasselbe wird aus den Liturgien des hl. Johannes Chrysostomus und anderer antiker Väter deutlich, wo man sieht, wie die Heiligen angerufen werden.
Drittens wird von den Häretikern eingewandt, dass der Herr sehr bereit ist, uns zu erhören: Petite et accipietis; quaerite et invenietis [Bittet, und ihr werdet empfangen; sucht, und ihr werdet finden]. Wozu, so sagen sie, dienen also die Fürsprachen der Heiligen, wenn nicht dazu, unser Vertrauen auf Gott zu verringern? Und sie bestätigen dies mit dem hl. Johannes Chrysostomus29, der sagt: Certum non opus tibi patronis apud Deum... sed licet solus sit, omnino tamen voti compos eris. [Gewiss brauchst du keine Fürsprecher bei Gott … sondern obwohl er allein ist, wirst du dennoch deines Wunsches vollkommen teilhaftig werden.] Es wird geantwortet, dass, obwohl Gott bereit ist, uns zu erhören, und die Heiligen nicht braucht, um uns zu trösten, er dennoch bereiter ist, die Gebete der Heiligen zu erhören als unsere, angesichts ihrer größeren Verdienste; weshalb der Herr zu den Freunden Ijobs sagte: Et ite ad servum meum Iob... Iob autem servus meus orabit pro vobis etc. [Geht zu meinem Knecht Ijob … mein Knecht Ijob aber wird für euch beten usw.]30. Der hl. Johannes Chrysostomus tadelt dann an der zitierten Stelle jene Reichen, die den Armen Almosen geben, damit sie für sie beten; diesen ermahnt der Heilige, es sei für sie nützlicher, dass sie für sich selbst beten, als durch die Armen.
Viertens wird eingewandt, dass Jesus Christus sagte, wir müssten unsere Gebete an den ewigen Vater allein richten: Sic... orabitis: Pater noster, qui es in coelis etc. [So … sollt ihr beten: Vater unser, der du bist im Himmel usw.]31. Dieses Argument beweist zu viel, weshalb es gar nichts beweist; denn wenn es beweisen würde, würde es beweisen, dass wir in unseren Gebeten nicht einmal den Sohn Gottes noch den Heiligen Geist anrufen dürften: aber das sagen nicht einmal die Magdeburger selbst, die uns diesen Einwand machen32.
Fünftens wenden sie ein, dass es kein Gebot gibt, sich den Heiligen anzuempfehlen, noch irgendein Versprechen, dass man von Gott erhört wird, wenn man zu ihnen Zuflucht nimmt. Wir antworten, dass, wenn es auch kein Gebot gibt, es jedoch kein Verbot gibt, zu den Heiligen Zuflucht zu nehmen, wie die Häretiker es verbieten; und obwohl es kein ausdrückliches Versprechen gibt, erhört zu werden, wissen wir dennoch, dass Gott selbst zuweilen die Menschen ermahnt hat, zur Fürsprache seiner Diener Zuflucht zu nehmen; weshalb er, wie wir oben gesehen haben, zu den Freunden Ijobs sagte: Ite ad servum meum Iob... Iob autem servus meus orabit pro vobis, et ego suscipiam faciem eius [Geht zu meinem Knecht Ijob … mein Knecht Ijob aber wird für euch beten, und ich werde sein Angesicht annehmen.]33.
Sechstens wird eingewandt: Die Heiligen im Himmel können nichts mehr verdienen und folglich keine Gnade weder für sich noch für andere erlangen. Es ist wahr, dass sie nichts mehr verdienen können, weil sie nicht mehr auf dem Weg [als Pilger] sind; aber durch ihre vorhergehenden Verdienste können sie uns sehr wohl die Gnaden erlangen, um die wir durch sie Gott bitten. Dem steht auch nicht entgegen zu sagen, dass der Herr sie angesichts ihrer auf Erden erworbenen Verdienste bereits vollständig belohnt hat; denn zu den Belohnungen, die Gott ihnen zuteilt, gehört auch dies, den Verehrern die Gnaden zu erlangen, die sie durch ihre Fürsprache erbitten.
Siebtens wird eingewandt, dass die Anrufung der Heiligen eine Beleidigung ist, die man Gott zufügt. Der Apostel schreibt[^34]: Quomodo ergo invocabunt in quem non crediderunt? [Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben?] Nur derjenige also, an den wir glauben, darf angerufen werden. Wir glauben nur an Gott: also, sagen sie, dürfen wir entweder nur Gott anrufen oder müssen denken, dass die Heiligen Götter seien. Aber man antwortet, dass man, so wie man den Monarchen keine Beleidigung zufügt, wenn man Fürsprecher bei ihnen sucht, man auch Gott keine Beleidigung zufügt, wenn man die Heiligen dazwischenschaltet; vielmehr erweist man ihnen Ehre als Fürsprecher bei ihm; andernfalls hätte auch der hl. Paulus Gott beleidigt, indem er sich seinen eigenen Jüngern anempfahl, wie man in seinen Briefen mehrmals liest. In der obigen angeführten Stelle will der Apostel im Übrigen nichts anderes sagen, als dass derjenige Gott nicht anrufen kann, der nicht an ihn glaubt.
Achtens wenden sie ein: Aber der hl. Paulus sagt: Unus est mediator Dei et hominum, homo Christus Iesus [Einer ist Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus.]35. Wenn wir also die Heiligen zu unseren Mittlern nehmen, fügen wir zumindest Christus eine Beleidigung zu, der unser einziger Mittler ist. Es wird geantwortet, dass wir nicht beabsichtigen, die Heiligen anzurufen, damit sie anstelle von Christus für uns bei Gott eintreten, oder damit sie Christus helfen, uns Gnaden erlangen zu können, sondern nur als Mittler bei Jesus Christus, der unser hauptsächlicher und einziger Mittler ist, der uns durch seine unendlichen Verdienste die Gnaden von Gott verschafft. Wir rufen die Heiligen deshalb als Fürsprecher bei Christus oder bei Gott an, damit wir so um der Verdienste des Erlösers willen leichter von Gott erhört werden können. Auf zwei Arten kann jemand Mittler eines anderen sein: erstens, indem er die Schuld bezahlt, die jener tilgen musste; zweitens, indem er den Gläubiger bittet, dem Schuldner die geschuldete Genugtuung zu erlassen. Jesus Christus ist unser Mittler auf die erste Art, da er mit seinem Leiden unsere Schulden bezahlt hat; und auf diese Weise sagt der Apostel, dass Christus unser einziger Mittler ist, wie man aus den dort folgenden Worten liest: Qui dedit semetipsum redemptionem pro nobis. [Der sich selbst als Lösegeld für uns hingegeben hat.] Auf die zweite Art können dann auch die Heiligen unsere Mittler sein, aber rein als Mittler der Gnade, im Unterschied zu Christus, der Mittler der Gerechtigkeit ist; da der Vater, gemäß dem mit dem Sohn geschlossenen Bund, verpflichtet ist, ihn in allem zu erhören, worum er durch seine Verdienste bittet. Daher scheut sich der hl. Gregor von Nazianz nicht, die heiligen Märtyrer Mittler zwischen uns und Gott zu nennen, wie auch Mose sich nicht scheute, sich Mittler zwischen den Hebräern und Gott zu nennen: Ego sequester et medius fui inter Dominum et vos in tempore illo [Ich war der Unterhändler und Mittler zwischen dem Herrn und euch in jener Zeit.]36. Aber es ist immer wahr, dass alle Gnaden, die uns die Heiligen erlangen, sie uns durch die Vermittlung Jesu Christi erlangen.
Neuntens wird eingewandt, dass auf dem Konzil von Laodizea verboten wurde, die Engel anzurufen, gemäß der Lehre des hl. Paulus, der schrieb: Nemo vos seducat, volens in humilitate et religione angelorum etc. [Niemand verführe euch, der sich in Demut und Verehrung der Engel gefällt usw.]37, und mit dem hl. Johannes Chrysostomus38, der sagte: Deus salutem nostram non tam aliis pro nobis rogantibus vult donare quam nobis. [Gott will unser Heil nicht so sehr durch andere, die für uns bitten, schenken als durch uns selbst.] Es wird geantwortet, dass der hl. Paulus dort den Götzendienst des Simon Magus verurteilt, der sagte, dass einige Engel, weil sie die Welt erschaffen hätten, als niedere Götter angebetet werden müssten; so erklären der hl. Hieronymus und andere Väter jene Stelle. Der hl. Johannes Chrysostomus wiederum spricht von jenen, die, ohne für sich selbst zu beten, durch die Gebete anderer gerettet werden wollen; weshalb er hinzufügt: Haec dicimus non ut supplicandum esse sanctis negemus, sed ne dormientes ipsi aliis tantummodo nostra curanda mandemus. [Dies sagen wir nicht, um zu leugnen, dass man die Heiligen bitten muss, sondern damit wir nicht selbst schlafen und unsere Angelegenheiten nur anderen anvertrauen.]
Zehntens wird eingewandt, was bei Jeremia gesagt wird, dass wir unsere Hoffnung nur auf Gott, nicht aber auf Menschen setzen dürfen, indem der Herr denjenigen verflucht, der auf das Geschöpf vertraut: Maledictus homo qui confidit in homine [Verflucht ist der Mensch, der auf Menschen vertraut.]39. Wir antworten, dass wir nur auf Gott als Urheber aller Gnaden vertrauen und auf Jesus Christus als unseren Hauptmittler; auf die Heiligen aber vertrauen wir als Fürsprecher, also sekundäre Mittler, deren Gebete uns die Gnaden besser als unsere eigenen erlangen können, weil sie wirksamer und Gott teurer sind. Gewiss, wer die Hoffnung auf den Menschen unabhängig von Gott setzt, wird verflucht sein, nicht aber derjenige, der weiß, dass alle Gnaden von Gott abhängen, und sich den Heiligen anempfiehlt, damit sie ihm mit ihrer Fürsprache jene Güter erlangen, die er begehrt.
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Der erste, der die den Heiligen geschuldete Verehrung leugnete, war Simon der Magier, der seinen Jüngern auferlegte, nicht die Bilder der Heiligen zu verehren, sondern sein eigenes Bild und das seiner Frau Helena.
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Die Häretiker wollen uns als Götzendiener verurteilen, weil wir die heiligen Bilder venerieren (verehren), ohne den Unterschied beachten zu wollen, der zwischen dem Götzenbild (Idol) und dem [heiligen] Bild besteht.
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Petrus Canisius beleuchtet die katholische Dogmatik, die Rolle der mündlichen Tradition neben der Heiligen Schrift sowie die historische Abgrenzung gegenüber klassischen Einwänden.
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Es scheint, dass die Heiligen im Himmel nicht für uns beten.
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Am teuersten sind Gott nicht die Seelen, die ständige Tröstung brauchen, sondern jene, die ihm auch in tiefer Verlassenheit treu dienen.
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Wenn ihr glaubt, dass es einen Gott gibt, müsst ihr auch glauben, dass es die wahre Religion gibt.