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Die Häretiker wollen uns als Götzendiener verurteilen, weil wir die heiligen Bilder venerieren (verehren), ohne den Unterschied beachten zu wollen, der zwischen dem Götzenbild (Idol) und dem [heiligen] Bild besteht.

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In unseren neueren Zeiten war der Erste, der die heiligen Bilder verfolgte, Andreas Karlstadt im Jahre 1522, wie Johannes Cochläus in der Vita Luthers schreibt. Karlstadt folgten sodann die Zwinglianer, die Magdeburger [Centuriatoren] und Calvin, der den Bilderkult zusammen mit all seinen Anhängern aufs Schärfste missbilligte.
Zuvor jedoch, um das Jahr 781, wurde von den Kaisern Leo dem Isaurier und Konstantin Copronymus ein heftiger Krieg gegen die heiligen Bilder geführt, gegen welche sich dann das VII. Konzil bzw. das II. Nicänum (unter Papst Hadrian) feierte; dieses wurde anfänglich in Frankreich nicht angenommen, weil man dessen Lehre nicht recht verstanden hatte, doch nachdem man sie verstanden hatte, wurde es akzeptiert und als wahrhaft ökumenisch gehalten, was es auch war. Und im Westen feierte man das Römische Konzil unter Gregor II., an welchem etwa tausend Bischöfe teilnahmen und in welchem gleichermaßen die Häresie der Ikonoklasten (Bilderstürmer) verurteilt wurde.
Die Häretiker wollen uns als Götzendiener verurteilen, weil wir die heiligen Bilder venerieren (verehren), ohne den Unterschied beachten zu wollen, der zwischen dem Götzenbild (Idol) und dem [heiligen] Bild besteht: Das Götzenbild oder Simulacrum ist jenes Bild (nach der Sprache der Schrift), in dem ein falscher Gott angebetet wird; das heilige Bild hingegen ist eine Darstellung des Originals, das direkt verehrt wird: So ist das Bild die Gestalt des existierenden Prototyps (Urbildes), das Götzenbild hingegen die Gestalt jenes Prototyps bzw. jenes Gottes, der nicht existiert.
Infolgedessen ist der Kult, den man dem Bild erweist, stets bezogen (rispettivo / relativ) auf sein Prototyp bzw. Vorbild, das man anbetet: Weshalb Durandus zu Unrecht sagt, dass am Bild nur der Prototyp, nicht aber das Bild selbst verehrt werden könne; denn diese Meinung widerspricht der gemeinsamen Auffassung der Katholiken, da, obgleich der Kult stets dem Prototyp erwiesen wird, nichtsdestoweniger auch das Bild desselben wohl verehrt wird.
Calvin behauptet, dass es in den ersten fünf Jahrhunderten in der Kirche niemals den Gebrauch solcher Bilder gegeben habe. Doch Tertullian straft ihn Lügen, welcher1 an zwei Stellen bezeugt, dass auf den heiligen Kelchen der katholischen Kirchen die Gestalt Jesu Christi in Form eines Hirten mit dem Schaf auf den Schultern eingeprägt war. Der Kult der heiligen Bilder wird ferner mit Gewissheit durch die apostolische Tradition und die ständige Praxis der Kirche bewiesen, wie das VII. Konzil in der zweiten und dritten Sitzung (Aktion) bezeugt. Und in der siebten Sitzung definierte es folgendermaßen:
Lateinischer Originaltext:
»Nos ss. patrum doctrinae insistentes, et catholicae ecclesiae, in qua sanctus Spiritus inhabitat, traditionem observantes, definimus venerandas sanctorum imagines et in templis Dei collocandas tum parietibus et tabulis, tum in aedibus privatis, in viis publicis etc., quo omnes illis honorariam adorationem exhibeant, non veram latriam; imaginis enim honor in prototypon redundat. Sic disciplina vel traditio catholicae ecclesiae, quae a finibus usque ad fines evangelium suscipit.«Deutsche Übersetzung:
»Indem wir der Lehre der heiligen Väter folgen und die Tradition der katholischen Kirche beobachten, in welcher der Heilige Geist wohnt, definieren wir, dass die ehrwürdigen Bilder der Heiligen zu verehren und in den Gotteshäusern – sowohl an Wänden und Tafeln als auch in Privatwohnsitzen, auf öffentlichen Straßen usw. – aufzustellen sind, damit alle ihnen die ehrerbietige Anbetung [honoraria adoratio / proskynesis] erweisen, nicht aber die wahre Latrie [latria / Gott gebührende Anbetung]; denn die Ehre des Bildes geht auf das Urbild über. Dies ist die Disziplin oder Überlieferung der katholischen Kirche, die von den Enden bis zu den Enden der Erde das Evangelium annimmt.«
Überdies liest man in der erwähnten VII. Synode, Akt. 6, dass der hl. Epiphanius, der im 5. Jahrhundert lebte, sagte:
Lateinischer Originaltext:
»Usque adeo venerandarum imaginum observatio in ecclesia obtinuit ut ab eo haec usque tempora recepta fuerit.«Deutsche Übersetzung:
»Bis zu solchem Grade hat die Beobachtung der ehrwürdigen Bilder in der Kirche Raum gewonnen, dass sie von jenem Zeitalter bis auf diese Zeiten angenommen worden ist.«
Und gemäß der erwähnten Regel des hl. Augustinus müssen jene Gebräuche, deren Urheber man nicht findet, als von apostolischer Tradition stammend angenommen werden; und dies gilt zu Recht von der Verehrung (adorazione) der Bilder. Das Nämliche bezeugt der hl. Basilius[^2]:
Lateinischer Originaltext:
»Historias imaginum illorum (apostolorum et martyrum) et palam adoro. Hoc enim nobis traditum a ss. apostolis non est prohibendum, sed in omnibus ecclesiis nostris horum historias eligimus.«Deutsche Übersetzung:
»Die Darstellungen [Bildgeschichten] jener (der Apostel und Märtyrer) bete/ehre ich auch öffentlich an. Denn was uns von den heiligen Aposteln überliefert ist, darf nicht verboten werden, sondern in allen unseren Kirchen wählen wir die Darstellungen derselben.«
Der hl. Johannes Chrysostomus3 schreibt:
Lateinischer Originaltext:
»Sacerdos conversus ad Christi imaginem inter duo ostia inflexo capite cum exclamatione dicit hanc orationem etc.«Deutsche Übersetzung:
»Der Priester spricht, zugewandt zum Bilde Christi zwischen den zwei Türen mit geneigtem Haupte, mit Ausruf dieses Gebet etc.«
Nicephorus4 bezeugt, dass der hl. Lukas das Bild der seligen Jungfrau malte; und man sagt, dass dieses Bild in Rom in der Kirche St. Maria Maggiore zu sehen sei. Überdies schreibt Anastasius, der römische Bibliothekar, in der Vorrede zur VII. Synode an Papst Johannes VIII., der auf Hadrian II. gefolgt war, diese Worte:
Lateinischer Originaltext:
»Quae super venerabilium imaginum adoratione praesens synodus docet, haec et apostolica vestra sedes, sicut nonnulla scripta innuunt, antiquitus tenuit, et universalis ecclesia semper venerata est et hactenus veneratur.«Deutsche Übersetzung:
»Was diese gegenwärtige Synode über die Anbetung/Verehrung der ehrwürdigen Bilder lehrt, das hat auch Euer Apostolischer Stuhl, wie einige Schriften anndeuten, von alters her festgehalten, und die allgemeine Kirche hat es stets verehrt und verehrt es bis jetzt.«
Zur Bestätigung dessen schreiben Sozomenos5 und Nicephorus6, dass zur Zeit Julians des Abtrünnigen von den Christen das Standbild Jesu Christi in die Kirche eingeführt wurde, welches sich bei Paneas (Pemade) befand; was vor dem Jahre 400 geschah. Ebenso schreibt Eusebius im Leben Konstantins7, dass in den von Konstantin in Palästina erbauten Kirchen viele heilige Bilder, sowohl aus Silber als auch aus Gold, vorhanden waren. Der hl. Gregor von Nazianz8 beklagt sich, dass die Stadt Cäsarea nahe daran war, zerstört zu werden, in welcher er im Tempel einige Statuen verehrt hatte, und fügt hinzu:
Lateinischer Originaltext: »Si statuae deiiciantur, hoc nos excruciat.«
Deutsche Übersetzung: »Wenn die Statuen niedergeworfen werden, so quält uns dies.«
Der hl. Damasus schrieb im Leben des hl. Silvester, dass Konstantin in der Laterankirche mehrere silberne Statuen des Erlösers, der zwölf Apostel und der vier Evangelisten aufstellte. In der VII. Synode, Akt. 6, wird berichtet, dass die Schüler des hl. Epiphanius einen Tempel unter dessen Namen errichteten und dort seine Statue aufstellten.
Es schreibt überdies Nicephorus9, dass Pulcheria Augusta in dem Tempel, den sie in Konstantinopel erbaut hatte, das Bild der göttlichen Mutter aufstellte, welches Eudokia ihr aus Jerusalem gesandt hatte. Es wird auch erzählt, dass unser Erlöser sein Bild auf einem Leintuch zurückließ und es dem König Abgar sandte. Diese Tatsache wird zwar von vielen Neueren geleugnet, doch Johannes von Damaskus10 hält sie für wahr, und wie Evagrius schreibt (der sie ebenfalls für gewiss hält11), wurde das Ereignis durch ein großes Wunder bestätigt, das in Edessa gewirkt wurde. Theodoret berichtet in der Historia Religiosa und namentlich im Leben des hl. Simeon Stylites, dass in Rom in allen Werkstätten die Bilder besagten Heiligen aufgehängt waren.
Den Häretikern bereitet es große Verdrießlichkeit, dass wir Gott und die allerseligste Dreifaltigkeit in leiblicher Form darstellen. Doch wir haben, dass Jakob den Herrn in solcher leiblichen Form erblickte, gelehnt an die Leiter, auf welcher die Engel auf- und abstiegen:
Lateinischer Originaltext:
»Et Dominum (vidit) innixum scalae dicentem sibi: Ego sum Dominus Deus Abraham etc.«12Deutsche Übersetzung:
»Und (er sah) den Herrn auf der Leiter stützen und zu ihm sprechen: Ich bin der Herr, der Gott Abrahams etc.« (Gen 28,13)
Und im Buch Exodus (33, 23) heißt es:
Lateinischer Originaltext:
»Tollamque manum meam, et videbis posteriora mea: faciem autem meam videre non poteris.«Deutsche Übersetzung:
»Und ich werde meine Hand wegnehmen, und du wirst meinen Rücken sehen; mein Angesicht aber wirst du nicht sehen können.« (Ex 33,23)
Überdies liest man beim hl. Matthäus bei der Taufe, die Jesus Christus durch die Hand des hl. Johannes empfing, dass der Heilige Geist in Gestalt einer Taube erschien:
Lateinischer Originaltext:
»Baptizatus autem Iesus... Et vidit Spiritum Dei descendentem sicut columbam.«13Deutsche Übersetzung:
»Als Jesus aber getauft war ... sah er den Geist Gottes herabsteigen wie eine Taube.« (Mt 3,16)
In der VII. Synode wurde das Bild des Heiligen Geistes in Gestalt einer Taube gebilligt. Überdies wird bei Daniel Gott beschrieben als ein grauhaariger Alter, der auf seinem Thron sitzt:
Lateinischer Originaltext:
»Antiquus dierum sedens in throno, cuius vestimentum candidum quasi nix, et capilli quasi lana munda.«14Deutsche Übersetzung:
»Ein Uralter an Tagen saß auf dem Thron, dessen Gewand weiß wie Schnee und dessen Haar wie reine Wolle war.« (Dan 7,9)
Überdies haben wir in der Schrift, dass Gott menschliche Glieder zugeschrieben werden. Wenn nun die Schrift Gott menschliche Glieder zuschreibt, warum sollte man sie nicht malen dürfen? Im Konzil [von Trient] in dieser 25. Sitzung wird das Bild Gottes wohl zugelassen, besonders in den Darstellungen der Geschichten; man will jedoch, dass das Volk belehrt werde, nicht zu glauben, dass deswegen die Gottheit abgebildet werden könne, als ob man sie mit den Augen sehen könnte:
Lateinischer Originaltext:
»Quod si aliquando historias et narrationes sacrae scripturae, cum id indoctae plebi expediret, exprimi et figurari contigerit, doceatur populus non propterea divinitatem figurari, quasi corporis oculis conspici vel coloribus aut figuris exprimi possit.«Deutsche Übersetzung:
»Wenn es aber einst vorkommen sollte, dass Geschichten und Erzählungen der Heiligen Schrift ausgedrückt und abgebildet werden, weil es dem ungelehrten Volk nützlich ist, so werde das Volk gelehrt, dass deswegen nicht die Gottheit abgebildet wird, als ob sie mit den Augen des Leibes geschaut oder mit Farben oder Figuren ausgedrückt werden könnte.«
So dass, wenn von uns die allerseligste Dreifaltigkeit gemalt wird, dies nicht geschieht, um das Bild Gottes darzustellen, wie er ist, sondern nur, um das Volk in der Erkenntnis Gottes durch jene analogen Ähnlichkeiten zu unterweisen.
Einige sind sodann der Meinung, dass die heiligen Bilder mit demselben Kult verehrt werden müssen, mit dem das Original verehrt wird: so dass die Bilder Gottes mit dem Kult der Latrie (Gottesanbetung), die der seligen Jungfrau mit dem Kult der Hyperdulie und jene der Heiligen mit dem der Dulie verehrt werden müssten; aber die bessere Meinung mit Bellarmin ist, dass, obwohl die Bilder je nach dem Prototyp, den sie darstellen, unterschiedlich zu ehren sind, ihnen nichtsdestoweniger nicht eigentlich, sondern uneigentlich (wie auf der VII. Synode bemerkt wird) der Kult zu erweisen ist, den sie verdienen (gemäß dem Unterschied des Originals); gleichwie man den Gesandten eines Königs mit derselben Ehre ehrt, die dem König gebührt, jedoch uneigentlich.
Im Übrigen löst der hl. Thomas15 diese Schwierigkeit besser als alle anderen, indem er nach der ersten oben angeführten Meinung sagt, dass mit derselben Anbetung, mit der Gott und die Heiligen angebetet werden, sei es der Latrie oder der Dulie, wohl auch ihre Bilder angebetet werden können; aber in den Prototypen ist die Anbetung absolut, in den Bildern ist sie relativ: und so bleibt jeder Zweifel gelöst.
Sagen wir nun etwas Besonderes vom Zeichen des heiligen Kreuzes. Gewiss verdienen die Reliquien oder Partikel des eigenen Holzes, an dem Jesus Christus starb, wegen der Berührung seines hochheiligen Leibes mehr Verehrung als die anderen Reliquien; wie auch dem Zeichen des Kreuzes größere Verehrung gebührt als den anderen Bildern der Heiligen. Aber hierin greifen uns die Häretiker an, indem sie sagen: Wenn jedes Bild des Kreuzes geehrt werden muss, weil Christus an einem Kreuz starb, so müsste folglich jeder Strick, jede Geißel, jeder Nagel, jedes Grab geehrt werden, da der Herr durch Stricke, Geißeln, Nägel gequält und in ein Grab gelegt wurde.
Man antwortet, dass nicht alle Stricke, Geißeln, Nägel und Gräber zu dem Zweck gemacht sind, diejenigen Christi darzustellen, wie es die Kreuze sind, und deshalb haben nur die Kreuze den Charakter von Bildern und des Verehrtwerdens. Gott selbst will, dass das Zeichen des Kreuzes verehrt werde, nach dem, was wir beim hl. Matthäus (24, 30) haben:
Lateinischer Originaltext: »Et tunc apparebit signum filii hominis in coelo.«
Deutsche Übersetzung: »Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen.« (Mt 24,30)
Dieses Zeichen des Menschensohnes wird von allen Alten im Gegensatz zu Calvin als das Zeichen des Kreuzes erklärt; und deshalb wurden in den drei Synoden VI, VII und VIII besondere Kanones für die Verehrung der Kreuze verfasst.
Sie erwidern jedoch, dass das Kreuz Christi eher verdient, verabscheut als angebetet zu werden, da es ihm zu so großer Pein und Schmach gereichte. Sie sagen, dass jener Sohn nicht ehrerbietig, sondern beleidigend für den Vater wäre, der den Galgen ehrte, an dem der Vater hingerichtet wurde.
Man antwortet, dass das Kreuz, obwohl es für Christus nach der Absicht der Juden eine Schande war, ihm dennoch zur Ehre gereichte wegen der Erlösung der Welt, die er auf dem Kreuz gewirkt hat: weshalb wir es zu Recht verehren, nicht als schimpflich, sondern als glorreich für unseren Erlöser. Überdies wurde das Kreuz durch die Berührung Christi glorreich. Werden also die Ungläubigen sagen: Wurde auch der Esel, auf dem Christus in Jerusalem saß, glorreich? Der hl. Athanasius antwortet:
Lateinischer Originaltext:
»Non per asinum Christus diabolum devicit et daemones, neque in eo salutem operatus est, sed in cruce.«16Deutsche Übersetzung:
»Nicht durch den Esel hat Christus den Teufel und die Dämonen besiegt, und nicht auf ihm hat er das Heil gewirkt, sondern am Kreuz.«
Was sodann die Reliquien des Kreuzes betrifft, wenden sie ein, dass, wenn man alle seine Partikel vereinigen würde, die über die Erde zerstreut sind, sie das Holz des Kreuzes um ein Vielfaches übersteigen würden. Doch Kardinal Gotti schreibt, dass, wie viele Teile auch vom Kreuz genommen worden sein mögen, das heilige Holz sich in nichts vermindert hat; und hierin führt er die Autorität des hl. Cyrill von Jerusalem an, welcher bezeugt, dass jenes heilige Holz:
Lateinischer Originaltext:
»ad hodiernum diem apud nos apparens et apud eos qui, secundum fidem ex eo capientes hunc universum orbem iam repleverunt«Deutsche Übersetzung:
»bis auf den heutigen Tag bei uns erscheint und bei jenen, die im Glauben davon nehmend nun diesen ganzen Erdkreis erfüllt haben«,
nach dem Gleichnis der Vermehrung der Brote.
Aber wozu dienen die Bilder, wenn wir die Originale haben? Sie dienen dazu, in uns, die wir sinnenhafte Wesen sind, das Gedächtnis an Jesus Christus und die Heiligen zu bewahren, welche uns die Tugenden lehren, die wir ausüben sollen, und uns zugleich daran erinnern, sie in unseren Nöten anzurufen. Der hl. Gregor von Nyssa sagte in der Lobrede auf Theodor, dass auch die einfachen Gemälde an der Wand, obwohl stumm, zu sprechen pflegen und sehr nützen:
Lateinischer Originaltext: »Solet enim etiam pictura tacens in pariete loqui maximeque prodesse.«
Deutsche Übersetzung: »Denn gewöhnlich spricht auch ein stummes Bild an der Wand und nützt gar sehr.«
Am besten von allen beschreibt jedoch das Konzil von Trient17 den Nutzen der heiligen Bilder, indem es sagt:
Lateinischer Originaltext:
»Illud vero diligenter doceant episcopi per historias mysteriorum nostrae redemptionis, picturis vel aliis similitudinibus expressas, erudiri et confirmari populum in articulis fidei commemorandis et assidue recolendis; tum vero ex omnibus sacris imaginibus magnum fructum percipi, non solum quia admonetur populus beneficiorum et munerum quae a Christo sibi collata sunt, sed etiam quia Dei per sanctos miracula et salutaria exempla oculis fidelium subiiciuntur, ut pro iis Deo gratias agant, ad sanctorum imitationem vitam moresque suos componant, excitenturque ad adorandum ac diligendum Deum ac pietatem colendam. Si quis autem his decretis contrarie docuerit aut senserit, anathema sit.«Deutsche Übersetzung:
»Das aber sollen die Bischöfe sorgfältig lehren, dass durch die Geschichten der Geheimnisse unserer Erlösung, ausgedrückt in Bildern oder anderen Darstellungen, das Volk unterwiesen und gestärkt wird im Gedächtnis und der beständigen Betrachtung der Glaubensartikel; ferner dass aus allen heiligen Bildern großer Nutzen gezogen wird, nicht nur weil das Volk an die Wohltaten und Gaben erinnert wird, die ihm von Christus verliehen wurden, sondern auch weil die Wunder Gottes durch die Heiligen und die heilsamen Beispiele den Augen der Gläubigen vor Augen gestellt werden, damit sie Gott dafür Dank sagen, ihr Leben und ihre Sitten nach der Nachahmung der Heiligen gestalten und angeregt werden, Gott anzubeten und zu lieben und die Frömmigkeit zu pflegen. Wenn aber jemand diesen Dekreten entgegen lehren oder gesinnt sein sollte, der sei verflucht (Anathema).«
Man wendet 1. ein, dass in der Schrift jede religiöse Verehrung der Bilder verboten wird:
Lateinischer Originaltext: »Non adorabis ea, et non coles.«18
Deutsche Übersetzung: »Du wirst sie nicht anbeten und ihnen nicht dienen [sie nicht verehren].« (Dtn 5,9)
Durch das Wort non adorabis wird der äußere Kult verboten, und durch das Wort non coles der innere Kult.
Man antwortet, dass dort der götzendienerische Kult verboten wird, den die Heiden den Standbildern erwiesen, indem sie glaubten, dass in jenen innewohnend irgendeine göttliche Kraft sei; keineswegs aber ist jener religiöse Kult gemeint, den man bei den heiligen Bildern in Hinsicht auf die heiligen Originale gebraucht, die sie beziehungsweise darstellen. Und weil die Juden zur Götzendienerei geneigt waren, deshalb wurde ihnen das Anbeten der Bilder verboten: weshalb der Jude Josephus schreibt, dass aus demselben Grund im Tempel keine Bilder waren; wenngleich im Übrigen dort die Cherubim dargestellt waren, die auch echte Bilder der Engel waren. Im Übrigen ist, da nun die Gefahr des Götzendienstes aufgehört hat, zugleich jenes den Juden gegebene zeremonielle Gebot aufgehört.
Man wendet 2. ein, dass das Bild als bezogen auf sein Prototyp verehrt wird; folglich kann es nicht als Bild verehrt werden.
Man antwortet, dass die Bilder ohne Beziehung auf die Originale, die sie darstellen, keiner Ehre fähig sind, wohl aber als bezogene; da alsdann, wie der hl. Thomas19 sagt, entweder der Prototyp im Bild angebetet wird, oder das Bild um des Prototyps willen angebetet wird, was auf denselben relativen Kult hinausläuft.
Man wendet 3. ein, dass auf dem Konzil von Elvira (Illiberis) im Kanon 36 (im Text: Kan. 26) verboten wurde, Bilder an die Wände des Tempels anzubringen.
Man antwortet jedoch, dass ein solches Verbot aus vielen Gründen erging, die gegenwärtig keine Stätte haben: Es geschah, damit die Heiden nicht meinten, dass wir die Leinwände und die Simulacren anbeten; oder auch damit jene heiligen Bilder von den Heiden nicht misshandelt würden, da in jenen Zeiten noch die Verfolgungen andauerten, wie aus Kanon 25 des genannten Konzils hervorgeht.
Man wendet 4. ein, dass der hl. Gregor in einem seiner Briefe20 das Anbeten der Bilder verbietet.
Doch man antwortet, dass der hl. Gregor dort von gewissen Bildern sprach, die mit abergläubischem Kult unter großem Ärgernis der Gläubigen angebetet wurden, wie aus dem Kontext des Briefes hervorgeht. Im Übrigen haben wir, dass derselbe hl. Gregor (wie man in seinem 54. Brief im 9. Buch liest) dem Sekundinus ein Bild des Erlösers zum Geschenk sandte und im Brief sagte, dass er wohl wisse, dass er es nicht wie Gott anbeten werde,
Lateinischer Originaltext: »sed ob recordationem Filii Dei, ut in eius amore recalescas.«
Deutsche Übersetzung: »sondern zur Erinnerung an den Sohn Gottes, damit du in seiner Liebe wieder erwärmst.«
Überdies übersandte er demselben Sekundinus ein Kreuz mit zwei Gewändern oder zwei Schilden, worauf die Bilder des Erlösers, der allerseligsten Jungfrau und der Apostel Petrus und Paulus gemalt waren.
Man wendet 5. ein, dass weder die Juden das Kalb anbeteten, noch die Heiden (wie Calvin sagt) ihre Götzen anbeteten, indem sie glaubten, dass sie Götter seien, sondern in ihnen den wahren Gott ehrten.
Man antwortet, dass sowohl die Heiden als auch die Juden in Tat und Wahrheit in jenen Bildern entweder die falschen Götter anbeteten oder zumindest in ihnen eine gewiss verborgene göttliche Kraft anerkannten, während sie in jenes Holz oder jene Steine ihre Hoffnungen setzten und sie zum letzten Ziel ihrer Anbetungen machten, was wahrer Götzendienst war. Weshalb Daniel schreibt:
Lateinischer Originaltext: »Bibebant vinum, et laudabant Deos suos aureos.«
Deutsche Übersetzung: »Sie tranken Wein und lobten ihre goldenen Götter.« (Dan 5,4)
Und von den Juden schrieb David:
Lateinischer Originaltext: »Et commisti sunt inter gentes...et servierunt sculptilibus eorum.«21
Deutsche Übersetzung: »Und sie vermischten sich unter die Heiden ... und dienten ihren Geschnitzten.« (Ps 105,35-36)
Weshalb sie zu Mose sagten und ihn baten:
Lateinischer Originaltext: »Fac nobis Deos qui nos praecedant.«22
Deutsche Übersetzung: »Mache uns Götter, die vor uns hergehen.« (Ex 32,23)
Und Jerobeam, der sie vom wahren Gott abwendete, machte zwei goldene Kälber und sagte dann zu ihnen:
Lateinischer Originaltext: »Nolite ultra ascendere in Ierusalem; ecce Dii tui, Israel, qui te eduxerunt de terra Aegypti.«23
Deutsche Übersetzung: »Geht nicht mehr hinauf nach Jerusalem; siehe da deine Götter, Israel, die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben.« (1. Kön 12,28 / 3. Kön 12,28)
Weshalb Aaron, vom goldenen Kalb sprechend, ihnen vorwarf:
Lateinischer Originaltext: »Hi sunt Dii tui... qui te eduxerunt de terra Aegypti.«24
Deutsche Übersetzung: »Das sind deine Götter ... die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben.« (Ex 32,4)
Nichts von alledem gibt es bei den Katholiken, die keinerlei verborgene Kraft in den heiligen Bildern vermuten; sondern der Kult, den sie ihnen erweisen, ist gänzlich bezogen (relativ) auf ihre Prototypen: und deshalb ist die Verehrung, die man bei den Bildern gebraucht, von Gott nicht verboten, sondern wohlgefällig; was aus unzähligen Wundern hervorgeht, die der Herr durch solche Bilder zu wirken geruht. Zu sagen aber, dass solche Wunder alle falsch seien, kann nicht ohne große Vermessenheit gesagt werden.
Es wendet 6. Calvin ein: Wozu aber, wenn in den Bildern keine verborgene Kraft ist, zu einem Bild laufen und nicht zu einem anderen, bis dahin, dass man lange Wallfahrten unternimmt?
Man antwortet, dass dies nicht aus der besonderen Kraft jenes Bildes entsteht, sondern aus dem Willen des Herrn, dem es oft gefällt, mehr Gnaden durch ein Bild zu wirken als durch ein anderes, nach seinen göttlichen Ratschlüssen; weshalb er in die Seelen mehr Andacht zu einem als zu einem anderen Bild einflößt.
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Lesezeit ca. 31 Min.
Vigilantius und später Wyclif sagten, dass die Anrufung der Heiligen eitel und nutzlos sei, aber das Konzil von Trient befiehlt den Bischöfen im Dekret über die Anrufung und Verehrung der Heiligen, das Gegenteil zu lehren.
Lesezeit ca. 9 Min.
Der erste, der die den Heiligen geschuldete Verehrung leugnete, war Simon der Magier, der seinen Jüngern auferlegte, nicht die Bilder der Heiligen zu verehren, sondern sein eigenes Bild und das seiner Frau Helena.
Lesezeit ca. 7 Min.
Petrus Canisius beleuchtet die katholische Dogmatik, die Rolle der mündlichen Tradition neben der Heiligen Schrift sowie die historische Abgrenzung gegenüber klassischen Einwänden.
Lesezeit ca. 5 Min.
Es scheint, dass die Heiligen im Himmel nicht für uns beten.
Lesezeit ca. 3 Min.
Am teuersten sind Gott nicht die Seelen, die ständige Tröstung brauchen, sondern jene, die ihm auch in tiefer Verlassenheit treu dienen.
Lesezeit ca. 5 Min.
Wenn ihr glaubt, dass es einen Gott gibt, müsst ihr auch glauben, dass es die wahre Religion gibt.