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Gleichwie in der göttlichen Dreieinigkeit die Allmacht, unendliche Weisheit und Güte besonders hervorleuchten und sich uns Menschen durch die Erschaffung und Erhaltung der Welt vorzüglich zu erkennen geben; so hat Gott auch die Väter und Lehrer der katholischen Kirche durch die ihnen erteilte Macht, Weisheit und Güte verherrlichen wollen. Er gab ihnen die Macht, gegen den gewöhnlichen Lauf der Natur an Elementen, Tieren und Menschen sehr wunderbare Zeichen zu wirken. Er versah sie mit einer Weisheit, wodurch sie nicht nur das Gegenwärtige und Verflossene genau beurteilen, sondern auch das Künftige erkennen und vorhersagen konnten. Endlich zündete er in ihren Herzen das Feuer der heiligen Liebe an, damit sie jene, welche sie unterrichten und bekehren sollten, durch die Frömmigkeit und Heiligkeit ihres Lebens an sich zögen. Dieses Letztere wird der Gegenstand der heutigen Rede sein, da wir von der Gabe der Wunderwerke und Weissagungen schon in den vorigen gehandelt haben.
Es haben also die Verkündiger unseres Gesetzes, nicht nur die Apostel, von denen wir das Evangelium erhalten haben, sondern auch jene, die Gott in den folgenden Jahrhunderten, den nämlichen Glauben zu verbreiten und zu bestätigen, erweckt hat, die ganze Welt mit dem Glanze ihrer Frömmigkeit und Heiligkeit erleuchtet. Betrachtet zuerst die Apostel! Was war frömmer und heiliger als ihre Sitten? Sie suchten nichts auf dieser Erde; sie verachteten das Gold und Silber, flohen die Ehren, litten alles Ungemach mit Geduld; sie beobachteten das Gesetz der Natur in seinem ganzen Umfange, liebten Gott und den Nächsten, betrugen sich friedsam gegen alle Menschen und suchten alle selig zu machen. Sie durchreisten deswegen alle Länder und Provinzen, sie durchschifften die weiten Meere, um alle, auch die heidnischen Völker zu besuchen. Sie waren in den Arbeiten unermüdet, in den Gefahren unerschrocken und zum Tode immer bereit. Weder Leben noch Tod, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder böse Geister noch Menschen konnten sie von der Verbreitung des Evangeliums abhalten oder ihre brennende Begierde, alle Menschen zu bekehren und selig zu machen, hemmen. So waren unsere ersten Väter, die ersten Verkündiger unseres Glaubens, die ersten Lehrer der katholischen Kirche beschaffen.
Betrachtet hernach jene Väter und Lehrer, die Gott in den folgenden Zeiten an dem Firmamente der Kirche als hell leuchtende Fackeln abgestellt hat, um die Finsternisse der Irrtümer an allen Orten zu zerstreuen. Betrachtet einen Irenäus, Cyprianus, Athanasius, Basilius, die zwei Gregorius, einen Ambrosius, Hieronymus, Augustinus, Chrysostomus, Cyrillus und andere, deren Lebensgeschichten uns gleichsam als ein Spiegel dienen, darin zu sehen, wie wir unsere Sitten einrichten sollen. Welche Gelehrsamkeit und Demut, welche Gelassenheit und eifervolle Unerschrockenheit, welche Gottesfurcht und Frömmigkeit zeigt sich in ihren Schriften! Da ist nichts Unanständiges oder Stolzes, nichts Lügenhaftes oder Unheiliges anzutreffen; sondern man fühlt die himmlische Salbung des göttlichen Geistes, der ihre Herzen bewohnte, bei Lesung jedes Blattes. Wer kann wohl einen Cyprianus mit Aufmerksamkeit durchblättern, ohne eine heftige Begierde zur Marterkrone in sich zu empfinden? Wer hat jemals den Augustinus mit Fleiß durchlesen, ohne eine tiefe Demut dabei zu lernen? Wer ist in den Werken eines Hieronymus bewandert, ohne daraus von der Vortrefflichkeit der Jungfrauschaft und von dem Nutzen des Fastens überzeugt zu werden? „Diese sind also (damit ich mich der Worte des heiligen Augustinus bediene) die gelehrten, angesehenen und heiligen Bischöfe und Hirten, welche die Wahrheit mit großem Eifer verteidigt, den katholischen Glauben mit der Muttermilch eingesogen, sich mit dieser Speise in ihren männlichen Jahren genährt und selbe sowohl Kleinen als Großen zur Nahrung hinterlassen haben.“
Betrachtet endlich die heiligen Einsiedler und Ordensmänner: einen Hilarion und Antonius, die zwei Makarius, einen Benedikt und Bernhard, einen Dominikus und Franziskus, die Gott seiner Kirche in verschiedenen Zeiten zur Zierde und Stütze gegeben hat. Sie führten einen heiligen und vollkommenen Lebenswandel; sie waren unsträfliche, geduldige und mit Gott stets vereinigte Menschen; vor allen eitlen Ehren und sinnlichen Vergnügen trugen sie einen erstaunenswürdigen Abscheu; ganze Nächte im Gebete zu durchwachen, ihr Fleisch mit Arbeiten und Fasten zu kreuzigen, Verleumdungen und Unbilden mit größter Geduld zu ertragen, das war ihre Freude. Wer hat je aus ihrem Munde, ich will nicht sagen, ungebührliche, hoffärtige oder zänkische, sondern auch nur unnütze Worte gehört? Wer hat mit ihnen Umgang pflegen können, ohne dadurch in den Tugenden vollkommener und heiliger zu werden? Hat nicht schon der heilige Augustin von den heiligen Männern seiner Zeit mit Recht bemerkt, dass man ihrem Eifer in der Buße und Abtötung eine Mäßigung vorschreiben musste, um sie in den Grenzen der Menschlichkeit zu erhalten?
Möchten doch die Ketzer und jene Katholiken, die ein sündhaftes Leben führen, die Lebensbeschreibungen dieser heiligen Männer mit Aufmerksamkeit lesen; und es würde uns wenig Mühe kosten, sie zu bekehren. Die Werke und Beispiele der Heiligen bewegen mehr zur Tugend als alle kunstreichen Reden. Ich kenne selbst einige, die nach Lesung vieler Bücher und Anhörung vieler Predigten die Nämlichen blieben; da sie aber anfingen, die Lebensgeschichten der Heiligen zu lesen, änderten sie zugleich ihre Sitten und gelangten nachher zu einer großen Vollkommenheit. Ihr habt, liebste Zuhörer, einen Athanasius, Hieronymus, Sulpitius, Pälladius, Theodoretus, einen Gregorius den Großen, einen Gregorius von Tours, einen Beda, Metaphrastes, Lippomanus und Surius, welche die Leben der Heiligen entweder selbst geschrieben oder aus anderen gesammelt haben; bei diesen suchet eine nahrhafte Speise für eure Seele, wenn ihr auf dem Wege der Tugend fortzuschreiten verlanget. Die Gottesgelehrten widerlegen die Ketzerien mit wörtlichen Beweisen; die Heiligen aber durch ihre Werke. Jene zeigen uns durch ihre Schriften den Weg zum Himmel; diese laden uns durch ihre Beispiele ein, in ihre Fußstapfen zu treten, damit wir die Straße des Heiles desto leichter und sicherer durchwandern mögen.
Vergleichet jetzt, liebste Brüder, die Lehrer des Heidentums und der Ketzereien mit den Lehrern der katholischen Kirche. Welche waren die Lehrer des Heidentums? Eine Schar von Dichtern, das heißt, von leichtsinnigen, lügenhaften und verschiedenen Lastern ergebenen Menschen, die, ihren boshaften Lebenswandel zu entschädigen, lasterhafte Götter erdichtet und ihre Diebstähle, Ehebrüche, Kriege, Zänkereien, Betrügereien und Lügen mit Lobgesängen geehrt haben; damit jene, die diese Laster nachahmten, nichts als gottlose Menschen, sondern als Nachfolger der Götter angesehen wurden. Auch von Mohammed könnte ich sehr viele schändliche und abscheuliche Taten und Lehren hier anführen; weil aber diese Sekte nur aus dem Arianismus, Manichäismus, Nestorianismus und anderen Ketzereien zusammengesetzt ist, so wird es genug sein, wenn ich diese Ketzereien und ihre Urheber schildere und widerlege.
Nun aber waren nicht alle Urheber der Ketzereien aufgeblasene, hoffärtige, unzüchtige und lasterhafte Menschen? Sind nicht alle, wie sie gottlos gelebt haben, auch armselig gestorben? Wir wollen die Ursachen ihrer Spaltungen, ihr übriges Betragen und endlich ihren Tod nur in Kürze untersuchen. Was das Erste anbelangt, wenn ich euch zeige, dass sich die vornehmsten Stifter der Ketzereien aus Hoffart, Zanksucht, Neid oder einer anderen bösen Privatabsicht von der Kirche getrennt haben, werdet ihr nicht hieraus schließen, dass ihre Lehren nicht von Gott, sondern vom Geiste der Lügen sind? Zehn Beispiele werden genug sein, euch in diesem Punkte zu belehren; denn von allen zu reden, lässt die Zeit nicht zu. Thebulus, wenn wir dem Hegesippus und Eusebius glauben, war der erste Ketzer; und er hat deswegen eine Ketzerei erdichtet und die Kirche zu bekriegen angefangen, weil er, wie es Eusebius erzählt, das sehnlich verlangte Bistum nicht erhalten hatte. Die Hoffart und Ehrsucht war also die Ursache der ersten Ketzerei. Simon der Zauberer war der zweite Erzketzer; aber warum ist er in die Irrtümer verfallen? Weil er die Gewalt, die Gaben des Heiligen Geistes zu erteilen, mit Geld erkaufen wollte und ihm dieser Kauf nicht gelang. Valentin war der dritte; aber er hat sich von der Kirche getrennt und seine Ketzerei ersonnen, weil ihm ein anderer in der Bischofswürde, wonach er strebte, war vorgezogen worden, wie Tertullian bemerkt. Marcion war der vierte; aber er wurde anfänglich wegen des Lasters der Unzucht von der Kirche ausgeschlossen. Später begab er sich nach Rom, nicht nur die Lossprechung von dem Kirchenbanne, sondern auch eine geistliche Würde zu erlangen; und weil er diese nicht erhielt, sagte er den römischen Priestern im vollen Grimme: „Ich werde hinziehen und eure Kirche in Spaltung bringen.“ Dann fing er erst an, seine schändlichen Irrtümer auszustreuen, wie es Tertullianus und Epiphanius bezeugen. Der fünfte war Montanus; aber von diesem erzählt Theodoretus, dass er aus Begierde, den ersten Ort zu erhalten, der Stifter seiner Ketzerei geworden ist. Der sechste war Novatianus; aber auch von diesem wissen wir aus der Geschichte des Eusebius, dass er mit großer Ehrsucht nach dem römischen Bistume getrachtet, und weil er diese Würde nicht erhielt, seine Ketzerei und Trennung begonnen habe. Der siebente war Arius; er trennte sich aber von der Kirche und dem wahren Glauben, weil ihm sein heiliger Mitpriester Alexander in der Wahl zum Bistume vorgezogen wurde, wie es ebenfalls Theodoretus bezeugt. Der achte war Macedonius; ist er aber nicht aus Ehrgeiz und Rachsucht, weil er von den Arianern des konstantinopolitanischen Bistums beraubt wurde, in die Ketzerei gefallen? Der neunte war Nestorius; aber wer weiß nicht aus der Geschichte des Theodoretus, dass er sich durch eine geheuchelte Heiligkeit und Eingezogenheit der Sitten viele Jahre äußerst bemüht habe, die Bischofswürde zu Konstantinopel zu erhalten?
Endlich zum Luther, diesem Vater aller Ketzer unserer Zeiten, zu kommen, hat er es nicht selbst freimütig eingestanden, dass er das Werk seiner traurigen sogenannten Reformation „weder Gott zu Liebe angefangen habe noch Gott zu Liebe davon abstehen werde“? Hat er nicht selbst ausdrücklich bekannt, dass ihn nicht die Liebe Christi, sondern der Hass gegen den römischen Papst bewogen habe, seine neue Lehre auszustreuen? Nun ist es aber allen bekannt, dass eben dieser Hass aus der Ehrsucht und dem Geize entsprungen sei. Denn weil das Geschäft, die Ablässe zu verkündigen, woraus sein Kloster Ehre und Gewinn hätte ziehen können, diesem entzogen und dem Predigerorden anvertraut worden, so ward Luther dermaßen aufgebracht, dass er anfänglich wider die Ablässe, dann wider den Papst und endlich wider den Glauben und die christliche Lehre zu schreiben und zu predigen kein Bedenken trug. Dies ist der Ursprung der Ketzereien.
Was das übrige Betragen der Erzketzer betrifft, würde ich kein Ende finden, wenn ich alle ihre bösen Werke erzählen müsste. Ich will nur etwas Weniges anführen, woraus man auf das Übrige wird schließen können. Von ihrer Hoffart den Anfang zu machen, wie stolz und aufgeblasen waren sie nicht! Simon der Zauberer nannte sich einen Gott, wie es der heilige Irenäus bezeugt. Menander, sein Schüler, gab sich für den Seligmacher der Welt aus, wie es Eusebius erzählt. Von den Karpokratianern rühmten sich einige, als wären sie Jesu Christo gleich; andere, als wären sie größer und mächtiger denn dieser, wie es bei Theodoretus zu lesen ist. Montanus bildete sich ein, der Heilige Geist zu sein, wie der große Basilius bemerkt. Noetus wollte für Moses und sein Bruder für Aaron angesehen werden, wie uns Epiphanius berichtet. Auch von Manichäus schreibt der heilige Augustinus, dass er sich nach dem Beispiele des Montanus der Heilige Geist zu sein träumte. Nestorius schmeichelte sich, dass er der Erste und Alleinige sei, der die Heilige Schrift recht verstünde, welche vor ihm die heiligen Väter, Märtyrer und Beichtiger mit der ganzen Kirche in einem falschen Sinne ausgelegt hätten. Arius, Dioskurus und Eutyches haben die heiligen Väter mit einem unglaublichen Stolze verachtet, wie es aus der siebenten Synode zu ersehen ist.
Auch von den Ketzern unserer Zeiten etwas zu erwähnen, nannte sich Luther den Mund Christi und den dritten Elias; Osiander den zweiten Enoch; Thomas Münzer einen Gedeon; Servet den einzigen Propheten der Welt; David Georgius den wahren Messias; andere rühmten sich, neue Propheten, Apostel und Evangelisten zu sein. Hätte wohl Luther in einem hochmütigeren Tone sprechen und schreiben können, als da er öfters sprach und schrieb: „Die göttliche Herrlichkeit ist mit mir, und darum achte ich es für nichts, wenn gleich Tausend Augustin, Tausend Cyprian, Tausend heinrichische Kirchen wider mich aufstehen sollten. – Augustin und Cyprian haben, wie alle Auserwählten, fehlen können und wirklich gefehlt. Den Aussprüchen der Väter, Menschen und Engel setze ich nicht den alten Gebrauch der Kirche, sondern das Wort der ewigen Herrlichkeit und das Evangelium entgegen.“ O der hoffärtigen Lästerungen! Wann haben wohl die Väter und die Kirche etwas gelehrt, das dem Worte Gottes und dem Evangelium entgegen wäre?
Eine ähnliche Sprache pflegte auch Calvin zu führen. Denn obgleich er in seinem Buche von dem Abendmahle des Herrn freimütig bekennt, dass es von den alten Vätern insgemein ein Messopfer genannt wurde, fügt er doch ohne Bedenken hinzu, „dass er dieses keineswegs gutheißen könne“. Und an einem anderen Orte schreibt er von der Vorhölle: „Die Fabel von der Vorhölle, in welche Christus hinabgestiegen sein soll, die alten Väter daraus zu erlösen, hat zwar große Anhänger; aber sie bleibt dennoch eine Fabel.“ Ja er war von dem Geiste des Hochmuts dermaßen eingenommen, dass er sich nicht scheute, den heiligen und seiner Gelehrsamkeit wegen so berühmten Hieronymus einen Esel zu nennen. Muss nicht dieser Calvin in seiner Einbildung der weiseste unter den Menschen gewesen sein, wenn er einsichtsvoller war als alle Väter und die ganze Kirche; wenn er den gelehrten Hieronymus geradezu einen Esel nennen durfte? Muss er nicht auch ein besonderer Freund Gottes gewesen sein, wenn ihm dieser geoffenbart hat, dass die Lehre von der Vorhölle, die von der Kirche als ein Glaubensartikel bisher angesehen wurde, eine bloße Erdichtung sei?
Aber kehren wir wieder zum Luther zurück. Es ist ein Buch ans Licht gekommen, worin von den Akten der Versammlung zu Worms gehandelt wird, in welcher die Sache Luthers von Kaiser Karl und den übrigen Fürsten des Reichs untersucht worden. In diesem Werke wird der Name des Kaisers meistens ohne allen rühmlichen Zusatz, der Name Luther hingegen fast allezeit mit vielen Lobsprüchen genannt. So heißt es zum Beispiel: „Karl hat dieses gesagt; Karl hat dieses getan.“ Wenn aber vom Luther die Rede ist: „Doktor Martin Luther hat gemäß seiner unglaublichen Leutseligkeit und Freundlichkeit geantwortet. – Der gütigste Vater hat gnädigst geantwortet.“ Wer mag nun dieses Buch geschrieben haben? Niemand anderer als Luther selbst. Dies scheint zwar unglaublich zu sein, und dennoch ist es gewiss. Denn obgleich es ohne Namen des Autors herausgegeben wurde, verriet sich doch Luther darin, indem er von sich selbst schrieb: „Nachdem dieses geschehen war, sprach der Reichsagent mit ziemlich rauen Worten: Ich hätte auf jenes, wovon die Frage war, nichts geantwortet; es gezieme sich nicht, über Sätze, die schon von allgemeinen Kirchenversammlungen sind entschieden worden, neue Streitigkeiten anzufangen; man erwarte daher von mir eine bestimmte und aufrichtige Antwort, ob ich meinen Irrtümern entsagen wollte oder nicht. Worauf ich antwortete“ etc. Was haltet ihr davon, liebste Zuhörer? War nicht dieser Mann voll von jenem Geiste, welcher ein König über alle Kinder der Hoffart ist; ganz leer hingegen von dem guten Geiste, der den Hoffärtigen widersteht und den Demütigen seine Gnade verleiht?
Was soll ich nun von den unanständigen, ausgelassenen und schmähsüchtigen Ausdrücken sagen, welche die Ketzer in ihren Reden und Schriften ohne Unterlass zu gebrauchen pflegten? Luther konnte fast nichts reden, ohne nach jedem dritten oder vierten Worte mit Schweinen, Eseln, Teufeln oder Menschenkot aufzutreten; als hätte sein Herz gleich einer unreinen Pfütze nichts als Gestank von sich geben können; weswegen er auch von einigen der kotige Prophet genannt wurde. Paulus und die heiligen Väter unserer Kirche hatten den Namen Gottes und Jesu Christi nicht so oft in ihrem Munde, als dieser neue Evangelist den Namen des Teufels auszusprechen pflegte. Wir dürfen uns auch hierüber nicht wundern; denn „wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über“. Und Luther bekennt offenherzig in seinem Buche von der Privatmesse, dass er mit dem Teufel eine große Vertraulichkeit gepflogen, öfters gespeist und durch seinen Unterricht sehr vieles gelernt habe. So gibt uns auch Zwingli in einem seiner Werke zu verstehen, dass ihm der Teufel behilflich gewesen sei, seine Beweise wider die Sakramente zu ersinnen.
Ein anderes Laster, das sowohl den alten als neuen Erzketzern gemein ist, besteht darin, dass sie ihre Sekten durch Betrügereien, erdichtete Wunder, offenbare Lügen und Verfälschungen der heiligen Schrift zu befördern suchten. Weil die Arianer die Gottheit Christi leugneten, wollten sie das Wort Ὁμοούσιος, wodurch erklärt wird, dass Christus seiner Gottheit nach einer Wesenheit mit seinem himmlischen Vater sei, keineswegs dulden. Sie fragten also, wie Ruffinus erzählt, die lateinischen Väter, welche zu Rimini versammelt und der griechischen Sprache nicht kundig waren, ob sie an Christus oder vielmehr an Ὁμοούσιος glaubten, gleich als wäre zwischen Christus und Ὁμοούσιος ein ebenso großer Unterschied als zwischen Christus und dem Antichrist, damit sie diese katholischen Bischöfe auf solche Weise hintergingen; wie sie selbe auch wirklich hintergangen haben. Bei eben diesem Ruffinus finden wir von den Apollinaristen einen listigen Streich aufgezeichnet. Sie nahmen einst von den Katholiken, mit denen sie im Streite waren, ein Buch des heiligen Athanasius zu leihen, und löschten darin alle Stellen aus, die ihrer Ketzerei entgegen waren. Nichtsdestoweniger gaben sie nachher öffentlich vor, die Katholiken hätten die Werke des Athanasius mit vielen Zusätzen vermehrt und schändlicherweise verfälscht. So wissen wir auch von dem heiligen Ambrosius, dass die Arianer aus dem Evangelium des heiligen Johannes die Worte: „Gott ist ein Geist“, ganz ausgestrichen haben. Und von Marcion bezeugen Irenäus und Tertullianus, dass er aus der ganzen heiligen Schrift das hinweggelassen habe, was ihm seine Irrtümer zu widerlegen schien. Über die Nestorianer beklagte sich der heilige Cyrillus, sie hätten in einem Briefe des heiligen Athanasius an Epiktetus so vieles teils hinzugefügt, teils hinweggenommen, dass er nichts als die nestorianische Ketzerei in sich enthielt. Endlich haben die Abgesandten des römischen Papstes in der sechsten Kirchenversammlung insgemein bemerkt, dass in den Büchern des heiligen Athanasius, Ambrosius und Chrysostomus sehr viele Stellen von den Ketzern sind verstümmelt oder unterschoben worden.
Aber die Betrügereien, welche die Lutheraner und Calvinisten in diesem Punkte begangen haben, sind fast unzählig. Denn Hieronymus Emser behauptet, dass Luther nicht nur ein jedes Buch der Heiligen Schrift, sondern auch fast alle Kapitel derselben verfälscht und mehr als dreizehnhundert ketzerische Irrtümer eingemischt habe. Um nur einige Beispiele davon anzuführen, hat er in den Apostelgeschichten die Worte weggestrichen: „Sie sollen sich von Hurerei enthalten“, weil sie sich mit seinem schönen Lehrsatze: „Lass die Dienstmagd kommen, wenn sich die Ehefrau weigert“, nicht vereinigen konnten. Und in dem Briefe des heiligen Jakobus hat er die Worte: „Zeige mir deinen Glauben ohne Werke“, in diese verändert: „Zeige mir deinen Glauben mit den Werken.“ So ist es auch jedermann bekannt, dass er die Stelle des heiligen Paulus an die Römer: „Wir halten dafür, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde“, durch die Hinzusetzung des Wortes allein: „dass der Mensch durch den Glauben allein gerechtfertigt werde“, verdirbt, und als ihn ein Freund um die Ursache davon fragte, mit einem unsinnigen Hochmute geantwortet habe: „Wenn dein Papist wider das Wort allein vieles schwätzen will, so sage ihm: Der Doktor Martin Luther will es so haben; ein Papist ist ebenso viel als ein Esel. Dies ist mein Wille und Befehl; die Ursache davon ist keine andere, als weil ich es so haben will; wir wollen keine Lehrjünger der Papisten, sondern ihre Lehrmeister und Richter sein.“
Ein anderer Betrug der Ketzer unserer Zeiten besteht darin, dass sie ihren Anhängern von uns Sachen vorspiegeln, die wir nicht einmal geträumt haben. So pflegen sie zu sagen: Wir hätten viele dem Altertum unbekannte Lehrsätze, als z. B. von der Anrufung der Heiligen, von der Verehrung der Bilder, erst vor Kurzem erdichtet, da doch alle unsere Glaubenslehren teils in der Heiligen Schrift, teils in der apostolischen Übergabe bestens begründet sind. Von den falschen Wundern und Weissagungen, wodurch sie ihre Irrtümer bestätigen wollen, habe ich schon ein anderes Mal Erwähnung getan. Aber jenes gottlose Unternehmen, durch das sie das leichtgläubige Volk von einer großen Menge der heiligen Bekenner und Märtyrer ihrer Sekte zu überreden trachten, kann ich hier nicht mit Stillschweigen übergehen. Forus hat ein ganzes Marterbuch, nach Art des katholischen, verfertigt und darin einen gewissen Guilielmus Cubrisius unter die Zahl der heiligen Märtyrer gesetzt. Doch wenn die einfältigen Leute wüssten, wer dieser Cubrisius gewesen ist, zweifle ich nicht, dass sie schon deshalb das ganze ärgerliche Marterbuch in Tausend Stücke zerreißen würden. Cubrisius ist lebendig verbrannt worden, weil er nach seinem eigenen Geständnisse gelehrt hatte, Christus sei nicht als ein Erlöser, sondern als ein Betrüger in die Welt gekommen; der Name Christi sei ein schändlicher Name, den man aus allen Büchern vertilgen soll; alle, die an Christum glaubten, würden ewig zugrunde gehen. Sehet, liebste Zuhörer, einen so lasterhaften Menschen drängen die Ketzer dem ungelehrten Volke als einen heiligen Martyrer zur Verehrung auf. Ich bitte euch, ist dieses nicht eine erstaunenswürdige Vermessenheit und Gottlosigkeit? Wenn dies kein Werk des Teufels ist, wo werden wir jemals eines finden?
Endlich von dem letzten Teile meiner Rede etwas zu sagen, war vielleicht der Tod der Ketzer heiliger als ihre übrige Lebensart? Keineswegs. Von dem schrecklichen Hintritte Simons des Zauberers, des Manichäus und Arius habe ich schon ein anderes Mal erwähnt. Martin Luther, ist er nicht ebenso epikurisch gestorben, gleichwie er epikurisch gelebt hatte? Er nahm zuvor ein gutes Nachtmahl, wobei er die Gäste seiner Gewohnheit nach mit artigen Scherzen und Possen unterhielt; dann legte er sich, gleich dem reichen Prasser im Evangelium, auf sein weiches und kostbares Bett, und da hauchte er nach wenigen Stunden mit verdrehtem Munde seine Seele aus. Welcher aus den Heiligen ist auf solche Weise gestorben? Vom Calvin erzählen sehr glaubwürdige Männer, dass er, wie einst Antiochus und Herodes, von den Würmern verzehrt, seinen Geist aufgegeben habe. Zwingli ist mühselig in jenem Kriege umgekommen, den die katholischen Schweizer mit den Ketzern des Glaubens wegen geführt haben. Ökolampadius ist drei Tage darnach als er den Tod des Zwingli hörte, augenblicklich gestorben. Von Karlstadt erzählen die Prediger von Basel in einem Briefe, den sie über seinen Tod geschrieben haben, dass er vom Teufel sei ermordet worden.
So verhält es sich mit den Lehrern der katholischen Kirche und den Stiftern der Ketzereien. Der Unterschied zwischen ihnen ist so groß als zwischen Tag und Nacht, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gott und dem Teufel, zwischen Christus und Belial, zwischen dem Guten und Bösen, zwischen Gold und Kohlen.
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Die Reinheit unseres Gesetzes ist es also, wodurch sich unsere heilige Religion vor allen übrigen Sekten ganz besonders auszeichnet.
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Wer weiß nun nicht den späteren Ursprung aller Ketzereien? Die Arianer waren gewiss nicht vor dem Arius noch die Macedonianer, Nestorianer, Pelagianer, Mohammedaner und Lutheraner vor Macedonius, Nestorius, Pelagius, vor Mohammed und Luther.
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Je kühner jemand das Alte umstößt, die Überlieferung und die kirchliche Lehre von sich weist, für um so gelehrter gilt er.
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Es gibt Zeiten, da bin ich ganz für mich allein, und da überkommt mich ein derart herzliches Lachen, dass es geradezu ein Wunder wäre, wenn ich mich in Gegenwart anderer noch beherrschen könnte.
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O Gott, wie werden ihm jene Augenblicke der Lust sodann erscheinen, nach hundert, nach tausend Millionen Jahren der Hölle!
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Ach, mein Jesus! Ich sehe, wie viel Ihr getan und gelitten habt, um mich in die Notwendigkeit zu versetzen, Euch zu lieben – und ich bin Euch so undankbar gewesen?