III, q. 69 a. 8
Ob die Taufe in allen eine gleiche Wirkung hat?
Quaestio 69 · Von den Wirkungen der Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass die Taufe nicht in allen eine gleiche Wirkung hat. Denn die Wirkung der Taufe ist, die Schuld zu entfernen. Aber bei einigen nimmt sie mehr Sünden weg als bei anderen; denn bei Kindern nimmt sie nur die Erbsünden weg, während sie bei Erwachsenen die aktuellen Sünden wegnimmt, bei einigen viele, bei anderen wenige. Also hat die Taufe nicht in allen eine gleiche Wirkung.
Einwand 2: Ferner werden dem Menschen durch die Taufe Gnade und Tugenden verliehen. Aber einige scheinen nach der Taufe mehr Gnade und vollkommenere Tugend zu haben als andere, die getauft wurden. Also hat die Taufe nicht in allen eine gleiche Wirkung.
Einwand 3: Ferner wird die Natur durch die Gnade vervollkommnet, wie der Stoff durch die Form. Aber eine Form wird in den Stoff gemäß dessen Kapazität aufgenommen. Da also einige der Getauften, sogar Kinder, eine größere Kapazität für natürliche Gaben haben als andere, scheint es, dass einige größere Gnade empfangen als andere.
Einwand 4: Ferner empfangen in der Taufe einige nicht nur geistliche, sondern auch körperliche Gesundheit; so wurde Konstantin in der Taufe vom Aussatz gereinigt. Aber nicht alle Kranken empfangen in der Taufe körperliche Gesundheit. Also hat sie nicht in allen eine gleiche Wirkung.
Dagegen spricht, was geschrieben steht (Eph 4,5): "Ein Glaube, eine Taufe." Aber eine gleichförmige Ursache hat eine gleichförmige Wirkung. Also hat die Taufe in allen eine gleiche Wirkung.
Ich antworte darauf, dass die Wirkung der Taufe zweifach ist: die wesentliche Wirkung und die zufällige. Die wesentliche Wirkung der Taufe ist jene, für die die Taufe eingesetzt wurde, nämlich die Zeugung der Menschen zum geistlichen Leben. Da also alle Kinder gleichermaßen für die Taufe disponiert sind, weil sie nicht in ihrem eigenen Glauben getauft werden, sondern in dem der Kirche, empfangen sie alle eine gleiche Wirkung in der Taufe. Wohingegen Erwachsene, die in ihrem eigenen Glauben zur Taufe hintreten, nicht gleichermaßen für die Taufe disponiert sind; denn einige treten mit größerer, einige mit geringerer Andacht hinzu. Und daher empfangen einige einen größeren, einige einen kleineren Anteil an der Gnade der Erneuerung; so wie von demselben Feuer derjenige mehr Hitze empfängt, der ihm am nächsten kommt, obwohl das Feuer, was es selbst betrifft, seine Hitze gleichermaßen zu allen aussendet.
Aber die zufällige Wirkung der Taufe ist jene, auf die die Taufe nicht hingeordnet ist, die aber die göttliche Kraft wunderbarerweise in der Taufe hervorbringt: so sagt eine Glosse zu Röm 6,6 ("damit wir der Sünde nicht mehr dienen"): "Dies wird in der Taufe nicht verliehen, außer durch ein unaussprechliches Wunder des Schöpfers, so dass das Gesetz der Sünde, das in unseren Gliedern ist, gänzlich vernichtet werde." Und derartige Wirkungen werden nicht von allen Getauften gleichermaßen empfangen, selbst wenn sie mit gleicher Andacht hintreten: sondern sie werden gemäß der Anordnung der göttlichen Vorsehung verliehen.
Antwort auf Einwand 1: Die geringste Taufgnade genügt, um alle Sünden zu tilgen. Dass daher bei einigen mehr Sünden gelöst werden als bei anderen, liegt nicht an der größeren Wirksamkeit der Taufe, sondern am Zustand des Empfängers: denn in jedem löst sie, was immer sie findet.
Antwort auf Einwand 2: Dass größere oder geringere Gnade in den Getauften erscheint, kann auf zwei Arten geschehen. Erstens, weil einer größere Gnade in der Taufe empfängt als ein anderer, aufgrund seiner größeren Andacht, wie oben gesagt. Zweitens, weil sie, obwohl sie gleiche Gnade empfangen, keinen gleichen Gebrauch davon machen, sondern einer sich mehr darauf verlegt, darin voranzuschreiten, während ein anderer durch seine Nachlässigkeit die Gnade vereitelt.
Antwort auf Einwand 3: Die verschiedenen Grade der Kapazität bei den Menschen entstehen nicht aus einer Verschiedenheit im Geist, der durch die Taufe erneuert wird (da alle Menschen, die von einer Art sind, von einer Form sind), sondern aus der Verschiedenheit der Körper. Aber anders verhält es sich bei den Engeln, die in der Art verschieden sind. Und daher werden den Engeln Gnadengaben gemäß ihrer verschiedenen Kapazität für natürliche Gaben verliehen, aber nicht den Menschen.
Antwort auf Einwand 4: Körperliche Gesundheit ist nicht die wesentliche Wirkung der Taufe, sondern ein wunderbares Werk der göttlichen Vorsehung.