III, q. 69 a. 9
Ob Unaufrichtigkeit (Fictio) die Wirkung der Taufe hindert?
Quaestio 69 · Von den Wirkungen der Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass Unaufrichtigkeit die Wirkung der Taufe nicht hindert. Denn der Apostel sagt (Gal 3,27): "So viele von euch auf Christus Jesus getauft sind, haben Christus angezogen." Aber alle, die die Taufe Christi empfangen, werden auf Christus getauft. Also ziehen sie alle Christus an: und dies bedeutet, die Wirkung der Taufe zu empfangen. Folglich hindert Unaufrichtigkeit die Wirkung der Taufe nicht.
Einwand 2: Ferner wirkt in der Taufe die göttliche Kraft, die den Willen des Menschen zum Besseren wandeln kann. Aber die Wirkung der Wirkursache kann nicht durch das gehindert werden, was durch jene Ursache entfernt werden kann. Also kann Unaufrichtigkeit die Wirkung der Taufe nicht hindern.
Einwand 3: Ferner ist die Wirkung der Taufe Gnade, zu der die Sünde im Gegensatz steht. Aber viele andere Sünden sind schwerwiegender als Unaufrichtigkeit, von denen nicht gesagt wird, dass sie die Wirkung der Taufe hindern. Also tut dies auch die Unaufrichtigkeit nicht.
Dagegen spricht, was geschrieben steht (Weish 1,5): "Der Heilige Geist der Zucht wird vor dem Falschen fliehen." Aber die Wirkung der Taufe ist vom Heiligen Geist. Also hindert Unaufrichtigkeit die Wirkung der Taufe.
Ich antworte darauf, dass, wie Damascenus sagt (De Fide Orth. ii), "Gott den Menschen nicht zwingt, gerecht zu sein." Folglich muss, damit ein Mensch durch die Taufe gerechtfertigt werde, sein Wille sowohl die Taufe als auch die Taufwirkung umfassen. Nun wird ein Mensch unaufrichtig genannt aufgrund dessen, dass sein Wille im Widerspruch steht entweder zur Taufe oder zu ihrer Wirkung. Denn gemäß Augustinus (De Bapt. cont. Donat. vii) wird ein Mensch auf vier Arten unaufrichtig genannt: erstens, weil er nicht glaubt, während die Taufe das Sakrament des Glaubens ist; zweitens, durch Verachtung des Sakraments selbst; drittens, durch Einhaltung eines Ritus, der von dem abweicht, der von der Kirche bei der Spendung des Sakraments vorgeschrieben ist; viertens, durch Hinzutreten zum Sakrament ohne Andacht. Daher ist offenkundig, dass Unaufrichtigkeit die Wirkung der Taufe hindert.
Antwort auf Einwand 1: "Auf Christus getauft zu sein", kann auf zwei Arten verstanden werden. Erstens, "in Christus", d.h. "in Gleichförmigkeit mit Christus". Und so zieht jeder, der so auf Christus getauft ist, dass er ihm durch Glaube und Liebe gleichförmig ist, Christus durch die Gnade an. Zweitens wird ein Mensch als auf Christus getauft bezeichnet, insofern er das Sakrament Christi empfängt. Und so ziehen alle Christus an, indem sie ihm durch das Merkmal (character) gleichgestaltet werden, aber nicht indem sie ihm durch die Gnade gleichförmig werden.
Antwort auf Einwand 2: Wenn Gott den Willen des Menschen vom Bösen zum Guten wandelt, tritt der Mensch nicht mit Unaufrichtigkeit hinzu. Aber Gott tut dies nicht immer. Auch ist dies nicht der Zweck des Sakraments, dass ein unaufrichtiger Mensch aufrichtig gemacht werde; sondern dass der, der in Aufrichtigkeit kommt, gerechtfertigt werde.
Antwort auf Einwand 3: Ein Mensch wird unaufrichtig genannt, der den Anschein erweckt, das zu wollen, was er nicht will. Nun erweckt jeder, der zur Taufe hintritt, durch eben diese Tatsache den Anschein, den rechten Glauben an Christus zu haben, das Sakrament zu verehren und sich der Kirche angleichen und der Sünde entsagen zu wollen. Folglich, an welcher Sünde auch immer ein Mensch festhalten will, wenn er zur Taufe hintritt, nähert er sich unaufrichtig, was dasselbe ist, wie ohne Andacht hinzutreten. Aber dies muss von der Todsünde verstanden werden, die im Gegensatz zur Gnade steht: aber nicht von der lässlichen Sünde. Folglich schließt Unaufrichtigkeit hier in gewisser Weise jede Sünde ein.