III, q. 69 a. 5
Ob gewisse Akte der Tugenden passend als Wirkungen der Taufe festgesetzt werden, nämlich – Eingliederung in Christus, Erleuchtung und Fruchtbarkeit?
Quaestio 69 · Von den Wirkungen der Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass gewisse Akte der Tugenden unpassend als Wirkungen der Taufe festgesetzt werden, nämlich – "Eingliederung in Christus, Erleuchtung und Fruchtbarkeit". Denn die Taufe wird einem Erwachsenen nicht gegeben, es sei denn, er glaube; gemäß Mk 16,16: "Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet werden." Aber durch den Glauben wird der Mensch Christus eingegliedert, gemäß Eph 3,17: "Dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne." Also wird niemand getauft, es sei denn, er ist bereits Christus eingegliedert. Also ist die Eingliederung in Christus nicht die Wirkung der Taufe.
Einwand 2: Ferner wird Erleuchtung durch Lehre verursacht, gemäß Eph 3,8.9: "Mir, dem Geringsten aller Heiligen, ist diese Gnade gegeben ... alle Menschen zu erleuchten" usw. Aber die Unterweisung durch den Katechismus geht der Taufe voraus. Also ist sie nicht die Wirkung der Taufe.
Einwand 3: Ferner gehört Fruchtbarkeit zur aktiven Zeugung. Aber ein Mensch wird durch die Taufe geistig wiedergeboren. Also ist Fruchtbarkeit keine Wirkung der Taufe.
Dagegen spricht, dass Augustinus im Buch über die Kindertaufe (De Pecc. Merit. et Remiss. i) sagt, dass "die Wirkung der Taufe ist, dass die Getauften Christus eingegliedert werden." Und Dionysius (Eccl. Hier. ii) schreibt der Taufe Erleuchtung zu. Und zu Ps 22,2 ("Er hat mich auf das Wasser der Erfrischung geführt") sagt eine Glosse, dass "die Seele des Sünders, die durch Dürre unfruchtbar war, durch die Taufe fruchtbar gemacht wird."
Ich antworte darauf, dass der Mensch durch die Taufe zum geistlichen Leben wiedergeboren wird, welches den Gläubigen Christi eigen ist, wie der Apostel sagt (Gal 2,20): "Und dass ich jetzt im Fleisch lebe; ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes." Nun ist Leben nur in jenen Gliedern, die mit dem Haupt vereint sind, von dem sie Sinn und Bewegung herleiten. Und daher folgt notwendigerweise, dass der Mensch durch die Taufe Christus eingegliedert wird, als eines seiner Glieder. Wiederum, wie die Glieder Sinn und Bewegung vom materiellen Haupt herleiten, so leiten seine Glieder von ihrem geistlichen Haupt, d.h. Christus, geistlichen Sinn her, der in der Erkenntnis der Wahrheit besteht, und geistliche Bewegung, die aus dem Antrieb der Gnade resultiert. Daher steht geschrieben (Joh 1,14.16): "Wir haben ihn gesehen ... voller Gnade und Wahrheit; und aus seiner Fülle haben wir alle empfangen." Und daraus folgt, dass die Getauften von Christus erleuchtet werden hinsichtlich der Erkenntnis der Wahrheit, und von ihm fruchtbar gemacht werden mit der Fruchtbarkeit guter Werke durch die Eingießung der Gnade.
Antwort auf Einwand 1: Erwachsene, die bereits an Christus glauben, sind ihm geistig eingegliedert. Aber danach, wenn sie getauft sind, werden sie ihm gleichsam körperlich eingegliedert, d.h. durch das sichtbare Sakrament; ohne dessen Begierde sie ihm nicht einmal geistig hätten eingegliedert werden können.
Antwort auf Einwand 2: Der Lehrer erleuchtet äußerlich und dienend durch das Katechisieren: Gott aber erleuchtet die Getauften innerlich, indem er ihre Herzen für den Empfang der Lehren der Wahrheit bereitet, gemäß Joh 6,45: "Es steht in den Propheten geschrieben ... Sie werden alle von Gott gelehrt sein."
Antwort auf Einwand 3: Die Fruchtbarkeit, die als eine Wirkung der Taufe zugeschrieben wird, ist jene, durch die der Mensch gute Werke hervorbringt; nicht jene, durch die er andere in Christus zeugt, wie der Apostel sagt (1 Kor 4,15): "In Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt."