III, q. 69 a. 10
Ob die Taufe ihre Wirkung hervorbringt, wenn die Unaufrichtigkeit aufhört?
Quaestio 69 · Von den Wirkungen der Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass die Taufe ihre Wirkung nicht hervorbringt, wenn die Unaufrichtigkeit aufhört. Denn ein totes Werk, das der Liebe ermangelt, kann niemals lebendig werden. Aber wer unaufrichtig zur Taufe hintritt, empfängt das Sakrament ohne Liebe. Also kann es niemals lebendig werden, um Gnade zu verleihen.
Einwand 2: Ferner scheint Unaufrichtigkeit stärker zu sein als die Taufe, weil sie ihre Wirkung hindert. Aber das Stärkere wird nicht durch das Schwächere entfernt. Also kann die Sünde der Unaufrichtigkeit nicht durch die Taufe weggenommen werden, die durch Unaufrichtigkeit gehindert wurde. Und so wird die Taufe nicht ihre volle Wirkung erhalten, welche der Erlass aller Sünden ist.
Einwand 3: Ferner kann es geschehen, dass ein Mensch unaufrichtig zur Taufe hintritt und danach eine Anzahl von Sünden begeht. Und doch werden diese Sünden nicht durch die Taufe weggenommen werden; weil die Taufe vergangene, nicht zukünftige Sünden abwäscht. Eine solche Taufe wird also niemals ihre Wirkung haben, welche der Erlass aller Sünden ist.
Dagegen spricht, was Augustinus sagt (De Bapt. cont. Donat. i): "Dann beginnt die Taufe ihre heilbringende Wirkung zu haben, wenn wahrhaftiges Bekenntnis an die Stelle jener Unaufrichtigkeit tritt, die verhinderte, dass die Sünden abgewaschen wurden, solange das Herz in Bosheit und Sakrileg verharrte."
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Quaestio [66], Artikel [9]), die Taufe eine geistige Wiedergeburt ist. Nun empfängt ein Ding, wenn es gezeugt wird, zusammen mit der Form die Wirkung der Form, es sei denn, es gibt ein Hindernis; und wenn dieses entfernt wird, bringt die Form des gezeugten Dinges ihre Wirkung hervor: so hat ein schwerer Körper zur gleichen Zeit, da er erzeugt wird, eine Abwärtsbewegung, es sei denn, etwas verhindert dies; und wenn das Hindernis entfernt wird, beginnt er sogleich, sich nach unten zu bewegen. In gleicher Weise empfängt ein Mensch, wenn er getauft wird, das Merkmal (character), welches wie eine Form ist; und er empfängt infolgedessen dessen eigentliche Wirkung, welche die Gnade ist, wodurch alle seine Sünden erlassen werden. Aber diese Wirkung wird manchmal durch Unaufrichtigkeit gehindert. Daher, wenn dieses Hindernis durch die Buße entfernt wird, bringt die Taufe sogleich ihre Wirkung hervor.
Antwort auf Einwand 1: Das Sakrament der Taufe ist das Werk Gottes, nicht des Menschen. Folglich ist es nicht tot in dem Menschen, der, da er unaufrichtig ist, ohne Liebe getauft wird.
Antwort auf Einwand 2: Unaufrichtigkeit wird nicht durch die Taufe entfernt, sondern durch die Buße: und wenn sie entfernt ist, nimmt die Taufe alle Schuld und alle Strafschuld weg, die den Sünden geschuldet ist, seien sie vor der Taufe begangen oder sogar gleichzeitig mit der Taufe vorhanden. Daher sagt Augustinus (De Bapt. cont. Donat. i): "Das Gestern ist getilgt, und was immer darüber hinaus bleibt, sogar die allerletzte Stunde und der Moment, der der Taufe vorausgeht, der Moment der Taufe selbst. Aber von diesem Moment an ist er durch seine Verpflichtungen gebunden." Und so wirken sowohl Taufe als auch Buße zusammen, um die Wirkung der Taufe hervorzubringen, aber die Taufe als direkte Wirkursache, die Buße als indirekte Ursache, d.h. als das Hindernis entfernend.
Antwort auf Einwand 3: Die Wirkung der Taufe ist, nicht zukünftige, sondern gegenwärtige und vergangene Sünden wegzunehmen. Und folglich, wenn die Unaufrichtigkeit vergeht, werden nachfolgende Sünden zwar vergeben, aber durch die Buße, nicht durch die Taufe. Daher werden sie nicht wie die Sünden, die der Taufe vorausgingen, hinsichtlich der gesamten Strafschuld erlassen.