III, q. 64 a. 3
Ob Christus als Mensch die Macht hatte, die innere sakramentale Wirkung hervorzubringen?
Quaestio 64 · Von den Ursachen der Sakramente
Einwand 1: Es scheint, dass Christus als Mensch die Macht hatte, die innere sakramentale Wirkung hervorzubringen. Denn Johannes der Täufer sagte (Joh 1,33): „Der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu mir: Auf welchen du den Geist herabfahren und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.“ Aber mit dem Heiligen Geist taufen heißt, innerlich die Gnade des Heiligen Geistes zu verleihen. Und der Heilige Geist stieg auf Christus als Mensch herab, nicht als Gott: denn so gibt Er selbst den Heiligen Geist. Daher scheint es, dass Christus als Mensch die Macht hatte, die innere sakramentale Wirkung hervorzubringen.
Einwand 2: Ferner sagte unser Herr (Mt 9,6): „Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat auf Erden, Sünden zu vergeben.“ Aber die Vergebung der Sünden ist eine innere sakramentale Wirkung. Daher scheint es, dass Christus als Mensch die innere sakramentale Wirkung hervorbringt.
Einwand 3: Ferner gehört die Einsetzung der Sakramente demjenigen, der als Hauptwirkender bei der Hervorbringung der inneren sakramentalen Wirkung handelt. Nun ist es klar, dass Christus die Sakramente eingesetzt hat. Daher ist Er es, der die innere sakramentale Wirkung hervorbringt.
Einwand 4: Ferner kann niemand die sakramentale Wirkung verleihen, ohne das Sakrament zu spenden, außer er bringt die sakramentale Wirkung aus eigener Kraft hervor. Aber Christus verlieh die sakramentale Wirkung, ohne das Sakrament zu spenden; wie im Fall der Magdalena, zu der Er sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben“ (Lk 7,48). Daher scheint es, dass Christus als Mensch die innere sakramentale Wirkung hervorbringt.
Einwand 5: Ferner ist der Hauptwirkende bei der Verursachung der inneren Wirkung dasjenige, kraft dessen das Sakrament wirkt. Aber die Sakramente beziehen ihre Kraft aus dem Leiden Christi und durch die Anrufung Seines Namens; gemäß 1 Kor 1,13: „Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden? Oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft?“ Daher bringt Christus als Mensch die innere sakramentale Wirkung hervor.
Dagegen spricht, dass Augustinus (Isidor, Etym. vi) sagt: „Die göttliche Kraft wirkt in den Sakramenten innerlich, um ihre heilbringende Wirkung hervorzubringen.“ Nun ist die göttliche Kraft die Christi als Gott, nicht als Mensch. Daher bringt Christus die innere sakramentale Wirkung hervor, nicht als Mensch, sondern als Gott.
Ich antworte darauf, Christus bringt die innere sakramentale Wirkung hervor, sowohl als Gott als auch als Mensch, aber nicht auf dieselbe Weise. Denn als Gott wirkt Er in den Sakramenten durch Autorität (per auctoritatem): aber als Mensch trägt Sein Wirken verdienstlich und bewirkend (meritorie et efficienter) zu den inneren sakramentalen Wirkungen bei, jedoch instrumentell. Denn es wurde festgestellt (Frage [48], Artikel [1],6; Frage [49], Artikel [1]), dass das Leiden Christi, welches Ihm in Bezug auf Seine menschliche Natur zukommt, die Ursache der Rechtfertigung ist, sowohl verdienstlich als auch bewirkend, nicht als Hauptursache derselben oder aus eigener Autorität, sondern als Werkzeug, insofern Seine Menschheit das Werkzeug Seiner Gottheit ist, wie oben gesagt (Frage [13], Artikel [2],3; Frage [19], Artikel [1]).
Dennoch, da es ein Werkzeug ist, das mit der Gottheit in der Einheit der Person vereint ist, hat es einen gewissen Vorrang und eine Wirksamkeit in Bezug auf die äußeren Werkzeuge, welche die Diener der Kirche und die Sakramente selbst sind, wie oben erklärt wurde (Artikel [1]). Folglich, so wie Christus als Gott die Macht der „Autorität“ über die Sakramente hat, so hat Er als Mensch die Macht des obersten Dienstes oder die „Exzellenzgewalt“ (potestas excellentiae). Und diese besteht in vier Dingen. Erstens darin, dass das Verdienst und die Kraft Seines Leidens in den Sakramenten wirkt, wie oben gesagt (Frage [62], Artikel [5]). Und weil die Kraft des Leidens uns durch den Glauben mitgeteilt wird, gemäß Röm 3,25: „Den Gott vorgestellt hat als Sühneopfer durch den Glauben in seinem Blut“, welchen Glauben wir durch die Anrufung des Namens Christi bekennen: deshalb besteht zweitens die Exzellenzgewalt Christi über die Sakramente darin, dass sie durch die Anrufung Seines Namens geheiligt werden. Und weil die Sakramente ihre Kraft aus ihrer Einsetzung beziehen, besteht drittens die Exzellenz der Macht Christi darin, dass Er, der ihnen ihre Kraft gab, die Sakramente einsetzen konnte. Und da die Ursache nicht von der Wirkung abhängt, sondern eher umgekehrt, gehört es zur Exzellenz der Macht Christi, dass Er die sakramentale Wirkung verleihen konnte, ohne das äußere Sakrament zu spenden. So ist klar, wie die Einwände zu lösen sind; denn die Argumente auf beiden Seiten sind bis zu einem gewissen Grad wahr, wie oben erklärt.