III, q. 64 a. 1
Ob Gott allein oder auch der Diener innerlich zur sakramentalen Wirkung tätig ist?
Quaestio 64 · Von den Ursachen der Sakramente
Einwand 1: Es scheint, dass nicht Gott allein, sondern auch der Diener innerlich zur sakramentalen Wirkung tätig ist. Denn die innere sakramentale Wirkung besteht darin, den Menschen von Sünde zu reinigen und ihn durch Gnade zu erleuchten. Es kommt aber den Dienern der Kirche zu, „zu reinigen, zu erleuchten und zu vollenden“, wie Dionysius erklärt (Coel. Hier. v). Daher scheint es, dass die sakramentale Wirkung nicht nur das Werk Gottes, sondern auch der Diener der Kirche ist.
Einwand 2: Ferner werden bei der Spendung der Sakramente bestimmte Gebete dargebracht. Die Gebete der Gerechten aber sind Gott angenehmer als die irgendeines anderen, gemäß Joh 9,31: „Wenn jemand ein Gottesfürchtiger ist und seinen Willen tut, den erhört er.“ Daher scheint es, dass ein Mensch eine größere sakramentale Wirkung erlangt, wenn er sie von einem guten Diener empfängt. Folglich ist die innere Wirkung teilweise das Werk des Dieners und nicht Gottes allein.
Einwand 3: Ferner ist der Mensch höher zu achten als ein lebloses Ding. Ein lebloses Ding aber trägt etwas zur inneren Wirkung bei: denn „das Wasser berührt den Körper und reinigt das Herz“, wie Augustinus sagt (Tract. lxxx in Joan.). Daher ist die innere sakramentale Wirkung teilweise das Werk des Menschen und nicht Gottes allein.
Dagegen spricht, was geschrieben steht (Röm 8,33): „Gott ist es, der rechtfertigt.“ Da nun die innere Wirkung aller Sakramente die Rechtfertigung ist, scheint es, dass Gott allein die innere sakramentale Wirkung bewirkt.
Ich antworte darauf, dass es zwei Arten gibt, eine Wirkung hervorzubringen: erstens als Hauptursache (agens principale); zweitens als Werkzeug (instrumentum). Auf die erste Weise ist die innere sakramentale Wirkung das Werk Gottes allein: erstens, weil Gott allein in die Seele eintreten kann, in der die sakramentale Wirkung stattfindet; und kein Wirkender kann unmittelbar dort tätig sein, wo er nicht ist. Zweitens, weil die Gnade, welche die innere sakramentale Wirkung ist, von Gott allein stammt, wie wir in der FS, Frage [112], Artikel [1] festgestellt haben; während der Charakter, der die innere Wirkung gewisser Sakramente ist, eine instrumentale Kraft ist, die vom Hauptwirkenden, welcher Gott ist, ausfließt. Auf die zweite Weise jedoch kann die innere sakramentale Wirkung das Werk des Menschen sein, insofern er als Diener wirkt. Denn ein Diener hat die Natur eines Werkzeugs, da die Handlung beider auf etwas Äußeres angewandt wird, während die innere Wirkung durch die Kraft des Hauptwirkenden, welcher Gott ist, hervorgebracht wird.
Antwort auf Einwand 1: Das Reinigen, insofern es den Dienern der Kirche zugeschrieben wird, ist keine Waschung von der Sünde: Von den Diakonen wird gesagt, dass sie „reinigen“, insofern sie die Unreinen aus der Gemeinschaft der Gläubigen entfernen oder sie durch ihre frommen Ermahnungen auf den Empfang der Sakramente vorbereiten. In gleicher Weise wird von den Priestern gesagt, dass sie das Volk Gottes „erleuchten“, nicht indem sie ihnen Gnade geben, sondern indem sie ihnen die Sakramente der Gnade spenden; wie Dionysius erklärt (Coel. Hier. v).
Antwort auf Einwand 2: Die Gebete, die bei der Spendung der Sakramente gesprochen werden, werden Gott nicht seitens der Einzelperson dargebracht, sondern seitens der ganzen Kirche, deren Gebete Gott angenehm sind, gemäß Mt 18,19: „Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, um die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater.“ Es gibt auch keinen Grund, warum die Andacht eines gerechten Mannes nicht zu dieser Wirkung beitragen sollte. Aber das, was die sakramentale Wirkung ist, wird nicht durch das Gebet der Kirche oder des Dieners erfleht, sondern durch das Verdienst des Leidens Christi, dessen Kraft in den Sakramenten wirkt, wie oben gesagt wurde (Frage [62], Artikel [5]). Daher wird die sakramentale Wirkung durch einen besseren Diener nicht besser. Und doch kann für den Empfänger des Sakraments durch die Andacht des Dieners etwas Zusätzliches erfleht werden: aber dies ist nicht das Werk des Dieners, sondern das Werk Gottes, der das Gebet des Dieners erhört.
Antwort auf Einwand 3: Leblose Dinge bringen die sakramentale Wirkung nicht hervor, außer instrumentell, wie oben gesagt. In gleicher Weise bringen auch Menschen die sakramentale Wirkung nicht hervor, außer dienstlich (ministerialiter), wie ebenfalls oben gesagt wurde.