Suppl., q. 64 a. 8
Ob es eine Todsünde ist, zu einer heiligen Zeit um die Pflicht zu bitten?
Quaestio 64 · Von den Dingen, die mit der Ehe verknüpft sind, und zuerst von der Leistung der ehelichen Schuldigkeit
Einwand 1: Es scheint, dass es eine Todsünde ist, zu einer heiligen Zeit um die Pflicht zu bitten. Denn Gregor sagt (Dial. i), dass der Teufel Besitz von einer Frau ergriff, die nachts mit ihrem Mann Verkehr hatte und am Morgen zur Prozession kam. Aber dies wäre nicht geschehen, wenn sie nicht schwer gesündigt hätte. Daher usw.
Einwand 2: Ferner begeht jeder, der einem göttlichen Befehl ungehorsam ist, eine Todsünde. Nun befahl der Herr (Ex 19,15): „Naht euch nicht euren Frauen“, als sie nämlich im Begriff waren, das Gesetz zu empfangen. Viel mehr sündigen daher Ehemänner schwer, wenn sie mit ihren Frauen zu einer Zeit verkehren, in der sie auf die heiligen Bräuche des Neuen Gesetzes bedacht sein sollten.
Dagegen spricht, dass kein Umstand unendlich erschwert. Aber ungebührliche Zeit ist ein Umstand. Daher erschwert er eine Sünde nicht unendlich, sodass er tödlich macht, was sonst lässlich war.
Ich antworte darauf, dass das Bitten um die Pflicht an einem Festtag kein Umstand ist, der eine Sünde in eine andere Gattung zieht; weshalb er nicht unendlich erschweren kann. Folglich sündigt eine Frau oder ein Mann nicht schwer, indem sie oder er an einem Festtag um die Pflicht bittet. Es ist jedoch eine schwerere Sünde, um des bloßen Vergnügens willen zu bitten, als aus Furcht vor der Schwachheit des Fleisches.
Antwort auf Einwand 1: Diese Frau wurde nicht bestraft, weil sie die Pflicht leistete, sondern weil sie danach unbesonnen in den göttlichen Dienst eindrang, gegen ihr Gewissen.
Antwort auf Einwand 2: Die zitierte Autorität zeigt nicht, dass es eine Todsünde ist, sondern dass es unziemlich ist. Denn unter dem Alten Gesetz, das einem fleischlichen Volk gegeben wurde, waren viele Dinge unter der Verpflichtung eines Gebotes gefordert, um der körperlichen Reinheit willen, die im Neuen Gesetz, welches das Gesetz des Geistes ist, nicht gefordert sind.