II-II, q. 2 a. 8
Ob es für das Heil notwendig ist, ausdrücklich an die Dreifaltigkeit zu glauben?
Quaestio 2 · Vom Glaubensakt
Einwand 1: Es scheint, dass es für das Heil nicht notwendig war, ausdrücklich an die Dreifaltigkeit zu glauben. Denn der Apostel sagt (Hebr 11,6): „Wer zu Gott kommt, muss glauben, dass Er ist und ein Vergelter denen ist, die Ihn suchen.“ Nun kann man dies glauben, ohne an die Dreifaltigkeit zu glauben. Daher war es nicht notwendig, ausdrücklich an die Dreifaltigkeit zu glauben.
Einwand 2: Ferner sagte unser Herr (Joh 17,5.6): „Vater, ich habe Deinen Namen den Menschen offenbart“, welche Worte Augustinus (Tract. cvi) wie folgt auslegt: „Nicht den Namen, mit dem Du Gott genannt wirst, sondern den Namen, mit dem Du Mein Vater genannt wirst“, und weiter unten fügt er hinzu: „Darin, dass Er diese Welt gemacht hat, ist Gott allen Völkern bekannt; darin, dass Er nicht zusammen mit falschen Göttern angebetet werden soll, ‚ist Gott in Judäa bekannt‘; aber darin, dass Er der Vater dieses Christus ist, durch Den Er die Sünde der Welt hinwegnimmt, macht Er nun den Menschen diesen Seinen Namen bekannt, den sie bisher nicht kannten.“ Daher war vor dem Kommen Christi nicht bekannt, dass Vaterschaft und Sohnschaft in der Gottheit waren: und so wurde die Dreifaltigkeit nicht ausdrücklich geglaubt.
Einwand 3: Ferner ist das, was wir von Gott ausdrücklich zu glauben verpflichtet sind, der Gegenstand der himmlischen Glückseligkeit. Nun ist der Gegenstand der himmlischen Glückseligkeit das höchste Gut, das in Gott verstanden werden kann, ohne irgendeine Unterscheidung der Personen. Daher war es nicht notwendig, ausdrücklich an die Dreifaltigkeit zu glauben.
Dagegen spricht: Im Alten Testament wird die Dreifaltigkeit der Personen auf viele Weisen ausgedrückt; so steht gleich am Anfang der Genesis zur Bekundung der Dreifaltigkeit geschrieben: „Lasst uns den Menschen machen nach Unserem Bild und Gleichnis“ (Gen 1,26). Daher war es von Anfang an für das Heil notwendig, an die Dreifaltigkeit zu glauben.
Ich antworte darauf: Es ist unmöglich, ausdrücklich an das Mysterium Christi zu glauben ohne den Glauben an die Dreifaltigkeit, da das Mysterium Christi einschließt, dass der Sohn Gottes Fleisch annahm; dass Er die Welt durch die Gnade des Heiligen Geistes erneuerte; und wiederum, dass Er vom Heiligen Geist empfangen wurde. Weshalb, so wie vor Christus das Mysterium Christi von den Gelehrten ausdrücklich, aber von den Einfachen implizit und sozusagen unter einem Schleier geglaubt wurde, so war es auch mit dem Mysterium der Dreifaltigkeit. Und folglich, als die Gnade einmal offenbart war, waren alle zum ausdrücklichen Glauben an das Mysterium der Dreifaltigkeit verpflichtet: und allen, die in Christus wiedergeboren werden, wird dies durch die Anrufung der Dreifaltigkeit verliehen, gemäß Mt 28,19: „Geht daher hin, lehrt alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Antwort auf Einwand 1: Ausdrücklicher Glaube an jene zwei Dinge war zu allen Zeiten und für alle Menschen notwendig: aber er war nicht zu allen Zeiten und für alle Menschen ausreichend.
Antwort auf Einwand 2: Vor Christi Kommen lag der Glaube an die Dreifaltigkeit im Glauben der Gelehrten verborgen, aber durch Christus und die Apostel wurde er der Welt gezeigt.
Antwort auf Einwand 3: Gottes höchste Güte, wie wir sie jetzt durch ihre Wirkungen verstehen, kann ohne die Dreifaltigkeit der Personen verstanden werden: aber wie sie in sich selbst verstanden und von den Seligen gesehen wird, kann sie nicht ohne die Dreifaltigkeit der Personen verstanden werden. Überdies bringt uns die Sendung der göttlichen Personen zur himmlischen Glückseligkeit.