I-II, q. 18 a. 3
Ob die Handlung des Menschen durch einen Umstand gut oder böse ist?
Quaestio 18 · Über die Güte und Bosheit der menschlichen Handlungen im Allgemeinen
Einwand 1: Es scheint, dass eine Handlung nicht durch einen Umstand gut oder böse ist. Denn Umstände stehen um eine Handlung herum [circumstant], als seien sie außerhalb von ihr, wie oben dargelegt (Frage 7, Artikel 1). Aber „Gut und Böse sind in den Dingen selbst“, wie in Metaph. 6, 4 dargelegt wird. Also leitet eine Handlung Güte oder Bosheit nicht von einem Umstand her.
Einwand 2: Ferner wird die Güte oder Bosheit einer Handlung hauptsächlich in der Morallehre betrachtet. Da aber Umstände Akzidenzien von Handlungen sind, scheint es, dass sie außerhalb des Bereichs der Kunst liegen: denn „keine Kunst befasst sich mit dem, was akzidentell ist“ (Metaph. 6, 2). Also wird die Güte oder Bosheit einer Handlung nicht von einem Umstand genommen.
Einwand 3: Ferner wird das, was einem Ding hinsichtlich seiner Substanz zukommt, ihm nicht hinsichtlich eines Akzidens zugeschrieben. Aber Gut und Böse kommen einer Handlung hinsichtlich ihrer Substanz zu; weil eine Handlung in ihrer Gattung gut oder böse sein kann, wie oben dargelegt (Artikel 2). Also ist eine Handlung nicht gut oder schlecht aufgrund eines Umstands.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (Ethic. 2, 3), dass ein tugendhafter Mensch so handelt, wie er soll, und wann er soll, und so weiter hinsichtlich der anderen Umstände. Also handelt andererseits der lasterhafte Mensch in der Materie jedes Lasters, wann er nicht soll, oder wo er nicht soll, und so weiter mit den anderen Umständen. Also sind menschliche Handlungen gemäß den Umständen gut oder böse.
Ich antworte darauf, dass bei den natürlichen Dingen zu beachten ist, dass die ganze Fülle der Vollkommenheit, die einem Ding gebührt, nicht allein aus der substantiellen Form stammt, die ihm seine Spezies gibt; da ein Ding vieles von hinzukommenden Akzidenzien herleitet, wie der Mensch von Gestalt, Farbe und dergleichen; und wenn irgendeines dieser Akzidenzien in einem ungebührenden Verhältnis steht, ist das Ergebnis ein Übel. So ist es auch mit der Handlung. Denn die Fülle ihrer Güte besteht nicht gänzlich in ihrer Spezies, sondern auch in gewissen Zusätzen, die ihr aufgrund gewisser Akzidenzien zuwachsen: und solche sind ihre gebührenden Umstände. Weshalb, wenn etwas fehlt, das als gebührender Umstand erforderlich ist, die Handlung böse sein wird.
Zu Einwand 1: Umstände sind außerhalb einer Handlung, insofern sie nicht Teil ihres Wesens sind; aber sie sind in einer Handlung als deren Akzidenzien. So sind auch Akzidenzien in natürlichen Substanzen außerhalb des Wesens.
Zu Einwand 2: Nicht jedes Akzidens ist akzidentell in seinem Subjekt; denn einige sind eigene Akzidenzien (propria accidentia); und diese beachtet jede Kunst. Und so werden die Umstände von Handlungen in der Morallehre betrachtet.
Zu Einwand 3: Da das Gute und das Seiende austauschbar sind, wird das Gute, so wie das Sein von der Substanz und vom Akzidens ausgesagt wird, von einem Ding sowohl hinsichtlich seines essentiellen Seins als auch hinsichtlich seines akzidentellen Seins ausgesagt; und dies sowohl in natürlichen Dingen als auch in moralischen Handlungen.