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Dieser Abschnitt zerlegt arianische wie griechische (orthodoxe) Irrtümer, zeigt den Ausgang des Geistes vom Sohn und bekräftigt die katholische Wahrheit!

Lesezeit ca. 14 Min.
Nun ist zuerst aus der Schrift zu beweisen, dass der heilige Geist vom Sohne ausgehe. Der Herr sagt Joh 16, 15: „Alles, was der Vater hat, ist mein.“ Und Joh 17, 10: „Alles, was dein ist, ist mein.“ Aus diesen Worten kann nun folgender Beweisschluss geschöpft werden. Alles, was der Vater hat, hat auch der Sohn, mit Ausnahme der alleinigen Relation der Vaterschaft, wie Augustinus auslegt; der Vater hat, der Grund des heiligen Geistes zu sein; also hat es auch der Sohn. Darum sagt Augustinus (Trinit. l. 5. c. 14.): „Der Sohn ist ganz das, was der Vater, jedoch nicht der Vater, weil er der Sohn, dieser der Vater ist.“ Hier folgt Augustinus den Worten des Herrn und lehrt, dass der Sohn ganz dasselbe sei wie der Vater, mit Ausnahme der Relation der Vaterschaft. Daraus folgt deutlich, dass auch der Sohn der Geister (spirator) des heiligen Geistes sei. Denn dies ist nicht Vater sein und gleichwohl hat der Vater Spirator zu sein.
Wenn sodann der Vater und der Sohn nicht alles gemein hätten, mit Ausnahme der entgegengesetzten Relation, so unterschieden sie sich mehr als der Relation nach und wären danach dem Grundbestand nach unterschieden. Denn der Vater, als Spirator, ist nichts Beziehungsweises zum Sohne. Wenn er deshalb als Spirator vom Sohne unterschieden wird, so wird er unterschieden durch die Geistschaft, nicht insofern als sie Relation, sondern insofern als sie eine im Vater grundbestandlich seiende Form ist und sofort unterscheiden sich der Vater und der Sohn im Grundbestand, was arianische Ketzerei ist.
Zweitens wird es erwiesen aus jenen Worten desselben Abschnittes: „Derselbe wird mich verherrlichen, denn er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden.“ Ich frage, was der Geist vom Sohne nehmen sollte als die Wissenschaft? Denn kurz vorher sagte er, „er wird nicht von sich selbst reden, sondern was er hört wird er reden“. Und auf die Wissenschaft beziehen es Chrysostomus, Cyrillus und Augustinus, auch Theophylactus und Euthymius. Wie kann aber der Geist vom Sohne die Wissenschaft empfangen als dadurch, dass er das Wesen von ihm empfängt? Man mag nämlich sonst was immer sagen, so wird der heilige Geist ein Geschöpf.
Theophylactus und Euthymius bringen zwei Lösungen bei. Erstens sagen sie, der Geist empfange von der Wissenschaft des Sohnes, weil er nichts lehrt, was der Lehre des Sohnes widerspräche. Sodann fügen sie bei, jenes „von dem Meinigen“ bedeute „von meinem Schatze, welcher der Vater ist“, als ob der Sohn sagte „der Geist wird von daher empfangen, woher ich empfing“.
Aber die erste Lösung passt in der Tat nicht. Denn Christus sagt nicht bloß „er wird von dem Meinigen empfangen“, sondern sagt auch „er wird nicht reden von sich selbst“. Hier zeigt er deutlich an, die Wissenschaft des heiligen Geistes komme diesem nicht aus dem eigenen Selbst, sondern aus dem Vater und Sohne. Die zweite Lösung passt auch nicht. Denn der Schatz der Wissenschaft ist in Gott nicht eigentlich die Person des Vaters als Person, sondern das göttliche Wesen, welches dem Vater und Sohne gemeinsam eigen ist. Denn sowohl der Schatz als die Wissenschaft bedeuten eine absolute Vollkommenheit, welche ohne Zweifel das Wesen selbst ist. Darum sagt der hl. Paulus (Kol 2, 3): „In Christo Jesu sind alle Schätze der Erkenntnis und Weisheit verborgen.“ Indem also der Geist von diesem Schatz empfängt, empfängt er notwendig von der dem Vater und dem Sohne gemeinsamen Sache und empfängt demnach von einem nicht mehr als vom anderen. Darum räumen Didymus (L. 2.), und Cyrillus (In hl. 1.) ein, daraus lasse sich ziehen, dass der Geist vom Sohne sei.
Man wird aber fragen, warum sagte er „Von dem Meinigen“ und nicht vielmehr „er wird mein Wesen oder meine Weisheit empfangen“? Und warum redet er in der zukünftigen Zeit „er wird empfangen“ und nicht vielmehr in der vergangenen „er hat empfangen“? Ich antworte: er sagte, „von dem Meinigen“, weil der heilige Geist vom Sohne ausging und sofort nicht das Ganze, was im Sohne ist, empfing, nämlich nicht die Sohnschaft, sondern das Wesen, aus welchem und der Sohnschaft der Sohn, nach unserer Begriffsweise, begründet wird. Und dies deutete der Herr selbst mit den Worten an: „Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er wird von dem Meinigen nehmen“, d. h., er wird das empfangen, was mir und dem Vater gemeinsam gehört, nicht aber das, was einem jeden von beiden eigens gehört. Warum er sich aber in der zukünftigen Zeit ausdrückte, findet seinen Grund darin, weil jener Empfang ewig ist und alle Zeiten in sich begreift und auf alle Zeiten angewendet werden kann. Darum drückt sich der hl. Augustin, bei Erklärung dieser Stelle, auf folgende Art aus: „Er wird sein, er ist gewesen, er ist. Er wird sein, weil er niemals aufhören wird; er ist gewesen, weil er niemals nicht war; er ist, weil er immer ist.“ Indem also die Ewigkeit alle Zeiten begreift und alle Sätze über ewige Dinge wahr sind, in was immer für einer Zeit sie stehen, so braucht die Schrift verschiedene Zeiten, wie es die Sache, worüber gehandelt wird, heischt. An dieser Stelle wird aber der heilige Geist als ein Gesandter bezeichnet, welcher vom Vater und Sohne zu den Aposteln geschickt werden soll. Die Gesandten pflegt man aber dann mit ihren Aufträgen bekannt zu machen, wenn man sie absendet. Deshalb sagt er „Was er hören wird“ und „Er wird von dem Meinigen nehmen“.
Der dritte Beweis wird aus der Stelle geschöpft (Joh 16, 7): „Wenn ich nicht hingehe, so wird der Tröster nicht zu euch kommen: gehe ich aber hin, so werde ich ihn zu euch senden.“ Und Joh 15, 26: „Wenn der Tröster kommt, den ich euch vom Vater senden werde.“
Alle Sendung (missio) geschieht entweder durch Befehl, wie die Sklaven von den Herrn verschickt werden; oder auf Rat, wie diejenigen nach der lateinischen Sprachweise gesendet werden (mittuntur.), welche von Weiseren unterrichtet werden, z. B. die Kranken vom Arzt zur Arzneinahme; oder durch natürliche Hervorbringung, so heißt es, die Bäume sendeten (trieben) Wurzeln, die Erde sende Blüten heraus (emittere flores) etc. Ausgemacht ist aber, dass der heilige Geist nicht als ein Sklave oder Unwissender von einem Mächtigeren oder Weiseren gesendet werden könne, denn es steht zwischen uns und den Griechen fest, dass der heilige Geist Gott sei. Sonach muss seine Sendung als eine hervorbringungsgemäße aufgefasst werden. Und eben dies findet seine Bestätigung in Augustinus (Trinit. l. 4. c. 19. 20. et sq.), welcher sagt „der Sohn werde gesandt“ heiße „der Sohn werde geboren“, „der heilige Geist werde gesandt“ heiße „der heilige Geist gehe aus“.
Die Griechen antworten, die Sendung des heiligen Geistes durch den Sohn oder von dem Sohne bedeute keinen Ausgang, was die innerliche Subsistenz anlange, sondern eine äußerliche Sendung zum Geschöpf durch das Geschenk der Gaben. Und weil auch der Sohn den Menschen die Gnade, den Glauben, die Hoffnung, die Liebe schenkt, so heißt es, er gebe oder sende den heiligen Geist, weil er nämlich die Gaben gibt, welche die des heiligen Geistes genannt werden.
Aber wenn es heißt, der heilige Geist werde gegeben oder gesendet, so werden gewiss nicht bloß erschaffene Gaben, sondern mit jenen Gaben wird auch der heilige Geist wahrhaft gegeben und gesandt. Und das Gegenteil ist aufgelegt ein offenbarer Irrtum. Denn Röm 5, 5 heißt es: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ Hier sieht man deutlich, dass der heilige Geist und seine Gaben unterschieden und beide verliehen werden. Auch im 1 Kor 6, 19 f.: „Eure Glieder sind ein Tempel des heiligen Geistes, den ihr in euch habt [...] Traget Gott in eurem Körper.“ Und gewiss sind die Gaben des heiligen Geistes nicht Gott und ihnen gehört kein Tempel. Und im 1 Joh 4, 16: „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Also bleibt nicht bloß die Liebe in uns, welche nicht Gott ist, sondern es bleibt in Wahrheit Gott selbst. Endlich würden die Stellen „Wenn ich nicht hingehe, so wird der Tröster nicht zu euch kommen: gehe ich aber hin, so werde ich ihn zu euch senden“ (Joh 16, 7) sowie „Er wird euch einen anderen Tröster geben“ (Joh 14, 16) aufs Allerunvernünftigste auf die Gaben bezogen. Denn die Gaben kommen nicht und werden nicht gesandt und können auch nicht mit Christus verglichen werden, wie ein Tröster mit dem anderen.
Das Gewicht wird durch das Ansehen der Väter, des Ambrosius (De Spiritu sanct. l. 1. c. 4. et 5.), Augustinus (Trinit. l. 15. c. 26.), Chrysostomus (In c. 5. ad Romanos), Cyrillus (In c. 16. Joannis) verstärkt, welche alle lehren, dass Gott der heilige Geist selbst vom Sohne gesandt werde.
Zur Verstärkung dient endlich der einleuchtendste Vernunftgrund. Denn wenn man deshalb, weil der Sohn der Urheber der Gaben ist, sagen könnte, dass der Sohn den Geist sende, so könnte man auch sagen, dass der Vater vom Sohne gesandt werde, ja, der Vater und der Sohn vom heiligen Geist, weil jede Person Urheber aller Gaben ist. Ebenso könnten, im Falle, dass die Sendung des Geistes vom Sohne gleichbedeutend wäre mit der Sendung seiner Gaben, diejenigen, welche lesen, dass der Sohn vom Vater in die Welt geschickt worden, und es nicht glauben, antworten, es sei nicht in Wahrheit der Sohn, sondern eine erschaffene Gabe gesandt worden. Und auf solche Weise würde das Geheimnis der Einfleischung entkräftet.
Vielleicht wird man hier sagen, es komme zu uns der heilige Geist zwar selbst, aber es heiße, er werde vom Sohne, gesandt, weil dieser durch seine Verdienste den Grund für die Ankunft des heiligen Geistes bildete. Denn durch seine Verdienste war er auch die Ursache, dass zu uns der Vater kam. Joh 14, 23: „Wenn mich jemand liebt, so wird er mein Wort halten und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen.“ Auf dieselbe Weise werde ich auf die Bemerkung „der heilige Geist werde vom Sohne gesandt, weil der Sohn einstimme, dass er komme“, bemerken, dass auf dieselbe Art der Vater vom Sohne und heiligen Geiste gesandt werde.
Dem widerstreiten auch die Stellen bei Jes 48, 16 u. 61, 1 nicht, wo es heißt, dass der Sohn vom Geiste gesandt werde, von dem er doch nicht ausgeht. Denn der Sohn wird vom Geiste gesandt, insofern als er Mensch ist. Dieser Form nach ist wirklich der Sohn vom heiligen Geiste als von einer aktiven Ursache. Dies erhellt aus Lk 4, 18: „Der Geist des Herrn ist über mir, darum hat er mich gesalbet und mich gesendet, den Armen das Evangelium zu verkünden.“ Der Geist sandte also den Sohn gemäß der Form, gemäß welcher er über demselben steht und jenen gesalbt hat. Da sich die Sache so verhält, muss man entweder aus dem Evangelium jene Worte Christi über den heiligen Geist „Ich werde ihn senden“ streichen oder ohne Umstände zugeben, dass der heilige Geist vom Sohne durch eine innere und äußere Hervorbringung des Grundwesens ausgehe.
Warum aber der Sohn sagt „Ich werde senden“ in der zukünftigen Zeit, da doch der Ausgang ewig ist, lässt sich leicht erklären. Die Sendung führt nämlich ein doppeltes Verhältnis mit sich, eins zu dem, welcher sendet, ein zweites zu dem, zu welchem er sendet. In Betreff der ersten Relation ist die Sendung ewig und kann in allen Zeiten ohne Verstoß ausgedrückt werden. In Betreff der zweiten ist sie zeitlich. Der heilige Geist wird nämlich zu den Menschen gesandt, wenn er anfängt, in ihnen auf eine neue Weise zu sein, d. h., durch Erkenntnis und Liebe, d. h., wenn er anfängt, durch die von ihm eingegossenen Gaben erkannt und geliebt zu werden. Weil also jene Sendung in Betracht des Zieles wohin künftig war, in Betracht des Zieles woher immer gewesen ist und sein wird, so heißt es, „Ich werde senden“. So ist nämlich der Satz wahr in Betracht des ganzen Begriffes der Sendung.
Der vierte Beweis wird aus jener Stelle (Joh 20, 22) geschöpft: „Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfanget den heiligen Geiste.“ Durch diese Zeremonie wollte nämlich Christus, nach der Auslegung des Augustinus (In Maxim. l. 3. c. 14.) und Cyrillus (In Joan. l. 12. c. 56.), andeuten, dass von ihm der heilige Geist ausgehe. Theophylactus setzt sich zwar (In c. 3. Joan.) über diesen Beweis mit Geringschätzung hinweg, aber ohne guten Grund, denn er kann selbst keine Ursache für diese Zeremonie angeben. Und überdies sind Cyrillus und Augustinus, welche sich dieses Beweises bedienen, gelehrter, heiliger und älter als er. Und ich zweifle nicht, dass er Gelächter verdient nicht bloß von den Lateinern, wenn er den Augustinus, sondern auch von den Griechen, wenn er den Cyrillus verlachen wollte.
Der fünfte Beweis wird aus folgenden Stellen gezogen. Röm 8, 9: „Wenn aber jemand den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein.“ Gal 4, 6: „Weil ihr aber Kinder seid, so sandte Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen, der da ruft: Abba, Vater!“ Warum heißt nämlich der heilige Geist Geist des Sohnes? Gewiss nicht, weil er sein Knecht oder weil er sein Bruder ist, sondern weil er von demselben gegeistet wird (spiratur.). So wird er auch Geist des Vaters genannt. Röm 8, 11: „Wenn der Geist dessen, welcher Jesum erweckt hat“, etc. Und Mt 10, 20: „Der Geist eures Vaters redet in euch.“
Man wird vielleicht sagen, der heilige Geist werde Geist des Sohnes genannt, weil er zugleich mit dem Sohn vom Vater ausgeht oder weil er dem Sohne ähnlich ist oder aus einer anderen Ursache, nicht aber, weil er vom Sohne ausgeht. Aber wenn dem so ist, warum könnte man dann nicht mit gleichem Fug Christus den Sohn oder das Wort des heiligen Geistes nennen? Dies lesen wir jedoch nirgends. Auch kann man nicht antworten, der Sohn habe eine Relation zum Vater und das Wort zum Sagenden, denn auch der Geist hat eine Relation zum Spirator. Gleich wie also der heilige Geist, wenn er vom Sohne auch nicht ausginge, Geist des Sohnes heißen kann, weil er diesem ähnlich im Wesen ist und zugleich mit ihm vom Vater ausgeht: so kann auch der Sohn, wenn er auch vom heiligen Geiste nicht gezeugt wird, Sohn des heiligen Geistes heißen, weil er diesem im Wesen ähnlich und mit ihm zugleich vom Vater ausgeht. Und diesen Beweis hielt der heilige Augustin für so kräftig, dass er sich (Tract. 99. in Joan.) mit demselben allein zur Beweisführung, dass der heilige Geist vom Sohne ausgehe, begnügte.
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