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Gratisschriften zum katholischen Glauben — Nimm und lies! · Die aufgeführten Schriften besitzen die kirchliche Druckerlaubnis. Sie eignen sich für Schriftenstände, den Unterricht und die Katechese sowie für jede Form von Apostolat.
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„Er hat sich zur Rechten Gottes gesetzt und wartet hinfort" – warum die Verzögerung? „...bis dass seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden." Aber vielleicht könnte jemand sagen: Warum hat er sie nicht sogleich unterworfen? Um der Gläubigen willen, die hernach noch hervorgebracht und geboren werden sollten. Woher nun [ergibt sich], dass sie unterworfen werden sollen? Aus dem Wort „Er hat sich gesetzt." Er erinnerte wiederum an jenes Zeugnis, das da spricht: „bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße" (vgl. oben, Kap. 1,13). Seine Feinde aber sind die Juden. Da er nun gesagt hatte: „Bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden," und diese [Feinde] heftig andrängten, deshalb führt er im Anschluss daran seine ganze Rede über den Glauben ein.
Wer aber sind die Feinde? Alle Ungläubigen: die Dämonen. Und um die Größe ihrer Unterwerfung anzudeuten, sagte er nicht „sie sind unterworfen", sondern „sie sind zum Schemel seiner Füße gelegt".
Lasst uns also nicht zur Zahl seiner Feinde gehören. Denn nicht sie allein sind Feinde, die Ungläubigen und Juden, sondern auch jene, die eines unreinen Lebenswandels voll sind. „Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft wider Gott; denn es ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, kann's auch nicht sein" (Röm 8,7). Was nun, sagst du, ist das kein Grund zur Verurteilung? Vielmehr ist es sehr wohl ein Grund zur Verurteilung. Denn der Böse kann, solange er böse ist, sich nicht unterordnen [dem Gesetz Gottes]; er vermag jedoch sich zu wandeln und gut zu werden.
Lasst uns also die fleischliche Gesinnung von uns werfen. Was aber ist fleischlich? Alles, was dem Leib zum Gedeihen verhilft, der Seele aber schadet: wie zum Beispiel Reichtum, Üppigkeit, Ruhm (all dies gehört zum Fleisch), fleischliche Liebe. Lasst uns also nicht den Gewinn lieben, sondern der Armut allezeit nachfolgen: denn dies ist ein großes Gut.
Aber, sagst du, sie macht demütig und gering geachtet. [Gewiss:] denn dessen bedürfen wir, denn es nützt uns sehr. „Die Armut," heißt es, „demütigt den Menschen" (Spr 10,4, LXX). Und wiederum Christus [spricht]: „Selig sind die Armen im Geiste" (Mt 5,3). Betrübst du dich also, weil du auf einem Pfade wandelst, der zur Tugend führt? Weißt du nicht, dass dies uns große Zuversicht verleiht?
Aber, sagt einer, „die Weisheit des Armen wird verachtet" (Pred 9,16). Und wiederum ein anderer spricht: „Gib mir weder Armut noch Reichtum" (Spr 30,8), und: „Erlöse mich aus dem Ofen der Armut" (vgl. Jes 48,10). Und wiederum, wenn Reichtum und Armut vom Herrn kommen, wie kann dann weder Armut noch Reichtum ein Übel sein? Warum wurde dies also gesagt? Es wurde gesagt unter dem Alten [Bunde], wo man großen Wert auf Reichtum legte, wo große Verachtung der Armut herrschte, wo das eine ein Fluch und das andere ein Segen war. Nun aber ist es nicht mehr so.
Aber willst du das Lob der Armut hören? Christus suchte sie und spricht: „Der Menschensohn aber hat nicht, wo er sein Haupt hinlege" (Mt 8,20). Und wiederum sprach er zu seinen Jüngern: „Ihr sollt weder Gold noch Silber noch zwei Röcke bei euch haben" (Mt 10,9-10). Und Paulus schrieb: „Als die nichts innehaben, und doch alles haben" (2 Kor 6,10). Und Petrus sprach zu dem, der von Geburt an lahm war: „Silber und Gold habe ich nicht" (Apg 3,6). Ja, und schon unter dem Alten [Bunde] selbst, wo der Reichtum bewundert wurde, wer wurde da bewundert?
War es nicht Elias, der nichts hatte außer dem Schafspelz? War es nicht Elisa? War es nicht Johannes?
Niemand also werde gedemütigt um seiner Armut willen. Nicht die Armut ist es, die erniedrigt, sondern der Reichtum, der uns nötigt, vieler zu bedürfen, und uns zwingt, vielen verpflichtet zu sein.
Und was könnte ärmer sein (sage mir) als Jakob, der sprach: „Wird mir der Herr Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen" (Gen 28,20)? Ermangelten Elias und Johannes etwa der Kühnheit? Tadelte nicht der eine Ahab und der andere Herodes? Letzterer sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Philippus Weib zu haben" (Mk 6,18). Und Elias sprach zu Ahab mit Kühnheit: „Nicht ich verwirre Israel, sondern du und deines Vaters Haus" (1 Kön 18,18). Siehst du, dass gerade dies vor allem Kühnheit bewirkt, [ich meine] die Armut? Denn während der Reiche ein Sklave ist, dem Verlust unterworfen und in der Macht eines jeden, der ihm Schaden zufügen will, fürchtet der, welcher nichts besitzt, weder Beschlagnahmung noch Geldstrafe. Wenn also die Armut die Menschen mutlos gemacht hätte, so hätte Christus seine Jünger nicht mit Armut zu einem Werk gesandt, das große Kühnheit erfordert. Denn der Arme ist sehr stark und hat nichts, worin ihm Unrecht oder Übles zugefügt werden könnte. Der Reiche aber ist von allen Seiten angreifbar: gerade so, wie man leicht einen Menschen fangen würde, der viele lange Seile hinter sich herzöge, während man einen nackten Menschen nicht leicht ergreifen könnte. So verhält es sich auch hier beim Reichen: Sklaven, Gold, Ländereien, unzählige Angelegenheiten, unzählige Sorgen, schwierige Umstände, Nötigungen machen ihn zur leichten Beute für alle.
Niemand also halte fortan die Armut für eine Ursache der Schande. Denn wenn dort Tugend ist, so ist aller Reichtum der Welt nicht einmal Lehm, ja nicht einmal ein Stäubchen im Vergleich zu ihr. Diesem also lasst uns nachfolgen, wenn wir in das Reich der Himmel eingehen wollen. Denn, spricht er: „Verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben" (Mt 19,21). Und wiederum: „Es ist schwer, dass ein Reicher in das Himmelreich komme" (Mt 19,23). Siehst du, dass wir, auch wenn wir sie nicht besitzen, sie zu uns hinziehen sollen? So groß ist das Gut der Armut; denn sie führt uns gleichsam an der Hand auf dem Pfade, der zum Himmel führt, sie ist eine Salbung für den Kampf, eine Übung, groß und bewundernswert, ein ruhiger Hafen.
Aber, sagst du, ich bedarf vieler [Dinge] und bin unwillig, von irgendjemandem eine Gefälligkeit zu empfangen. Dennoch ist auch in dieser Hinsicht der Reiche geringer als du; denn du erbittest die Gefälligkeit vielleicht für deinen Unterhalt, er aber erbittet schamlos zehntausend Dinge um der Habgier willen. So dass es die Reichen sind, die vieler [Personen] bedürfen, ja oft solcher, die ihrer nicht würdig sind. Zum Beispiel bedürfen sie oft derer, die im Rang von Soldaten oder Sklaven stehen: der Arme aber bedarf nicht einmal des Kaisers selbst, und sollte er seiner bedürfen, wird er bewundert, weil er sich dazu herabgelassen hat, da er doch reich hätte sein können.
Niemand also klage die Armut an, als sei sie die Ursache unzähliger Übel, noch widerspreche er Christus, der sie für die Vollkommenheit der Tugend erklärte, indem er sprach: „Willst du vollkommen sein" (Mt 19,21). Denn dies sprach er sowohl mit Worten aus, als auch zeigte er es durch Taten, und lehrte es durch seine Jünger. Lasst uns daher der Armut nachfolgen, sie ist das größte Gut für den Besonnenen.
Vielleicht meiden manche von denen, die mich hören, sie wie etwas Unheilvolles. Ich zweifle nicht daran. Denn diese Krankheit ist groß unter den meisten Menschen, und so groß ist die Tyrannei des Reichtums, dass sie nicht einmal in Worten den Verzicht darauf ertragen können, sondern ihn meiden wie etwas Unheilvolles. Fern sei dies von der Seele des Christen: denn nichts ist reicher als der, welcher aus freiem Antrieb die Armut wählt, und mit bereitem Sinn.
Wie? Ich will es euch sagen, und wenn es euch beliebt, will ich beweisen, dass der, welcher aus freiem Antrieb die Armut wählt, reicher ist selbst als der König. Denn dieser bedarf in der Tat vieler [Dinge], und ist in Sorge, und fürchtet, es möchten ihm die Vorräte für das Heer ausgehen; jener aber hat an allem genug, und fürchtet nichts, und wenn er fürchtet, so ist es nicht um so große Dinge. Wer nun, sage mir, ist der Reiche? Der, welcher täglich bittet und sich eifrig müht, viel zusammenzuraffen, und fürchtet, er könnte einmal zu kurz kommen, oder der, welcher nichts sammelt und in großem Überfluss ist und niemandes bedarf? Denn die Tugend und die Furcht Gottes, nicht die Besitztümer geben Zuversicht. Denn diese versklaven sogar. Denn es heißt: „Geschenke und Gaben blenden die Augen der Weisen, und wie ein Maulkorb auf dem Munde wenden sie die Zurechtweisungen ab" (Sir 20,29).
Bedenkt, wie der arme Petrus den reichen Ananias züchtigte. War nicht der eine reich und der andere arm? Doch siehe, wie der eine mit Vollmacht spricht und sagt: „Sage mir, ob ihr den Acker um so viel verkauft habt" (Apg 5,8), und der andere unterwürfig antwortet: „Ja, um so viel." Und wer, sagst du, wird mir gewähren, wie Petrus zu sein? Es steht dir frei, wie Petrus zu sein, wenn du willst; wirf hin, was du hast. „Zerstreue, gib den Armen" (Ps 112,9), folge Christus nach, und du wirst sein wie er. Wie? er, sagst du, wirkte Wunder. Ist es dies etwa, sage mir, was Petrus zum Gegenstand der Bewunderung machte, oder die Kühnheit, die aus seiner Lebensweise erwuchs? Hörst du nicht Christus sagen: „Freuet euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind; wollt ihr vollkommen sein [usw.]" (Lk 10,20)? Höre, was Petrus sagt: „Silber und Gold habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir" (Apg 3,6). Wenn jemand Silber und Gold hat, so hat er jene anderen Gaben nicht.
Warum ist es nun, sagst du, dass viele weder das eine noch das andere haben? Weil sie nicht freiwillig arm sind: denn die freiwillig Armen haben alle guten Dinge. Denn obgleich sie nicht Tote auferwecken noch Lahme heilen, so haben sie doch, was größer ist als alles: Zuversicht gegenüber Gott. Sie werden an jenem Tage jene selige Stimme hören: „Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters" (was kann besser sein als dies?), „erbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt: denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich bin ein Fremdling gewesen, und ihr habt mich beherbergt; ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet; ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich besucht. Erbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt" (Mt 25,34-36). Lasst uns also die Habsucht fliehen, damit wir das Reich [der Himmel] erlangen. Lasst uns die Armen speisen, damit wir Christus speisen: damit wir Miterben mit ihm werden in Christus Jesus, unserem Herrn, mit welchem samt dem Vater und dem Heiligen Geiste sei Ehre, Macht, Herrlichkeit, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
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