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Messbund der Priesterbruderschaft St. Petrus · Für Mitglieder dieses Bunds werden regelmäßig heilige Messen im Priesterseminar St. Petrus gefeiert.
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1. Maria ist aus dem Geschlechte Davids; denn der Evangelist Matthäus sagt, Christus sei aus dem Geschlechte Davids; gleich am Anfang seines Evangeliums (1, 1), das er für die Judenchristen schrieb, stellte er fest, Christus sei ein Sohn Davids und Abrahams. Das Kind stammt aber her, woher die Mutter stammt. Dies gilt besonders von Maria, weil sie Christus als Jungfrau, ohne Mann empfangen und geboren hat. Christus stammt nicht von Levi ab, aus dem das Priestertum unter den Juden hervorging, sondern aus dem Stamme Juda, wie der heilige Paulus (Hebr. 7, 14) bezeugt; er ist Priester nach der Ordnung Melchisedechs, nicht nach der Ordnung Aarons (Hebr. 7, 15–17).
Nach dem Zeugnis der Propheten und Apostel ist Christus ein Abkomme Abrahams, Isaaks und Jakobs durch seine Abstammung aus dem Geschlechte Davids, der aus dem Stamme Judas, eines Sohnes Jakobs, ist. Abraham, Isaak und Jakob hatten die Verheißung erhalten, daß in ihrem Samen, d. h. durch den Messias, der aus ihnen hervorgehen werde, alle Völker sollten gesegnet werden. Auch David war es versprochen, daß Gott »ihm einen Sohn geben werde, der auf seinem Throne sitzen und das Reich regieren und stärken werde in Recht und Gerechtigkeit bis in Ewigkeit« (2. Kön. 7, 12). Und der Erzengel Gabriel, als er zu Maria vom Reiche Christi sprach, sagte: »Der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben und er wird herrschen im Hause Jakobs ewiglich und seines Reiches wird kein Ende sein« (Luk. 1, 32). Und Paulus an Timotheus (2. Tim. 2, 8): »Gedenke, daß unser Herr, Jesus Christus, auferstanden und aus dem Geschlechte Davids ist«, und im Hebräerbrief (7, 14): »Es ist offenbar, daß Christus nicht aus dem Stamme Levi ist, sondern aus dem Stamme Juda, bei dem das Priestertum nicht war«. Auch die Pharisäer, die Christo so feindselig waren, bekanten doch auf die Frage Christi, wessen Sohn Christus sei, er sei Davids Sohn. Das glauben auch alle Juden, daß der Messias ein Sohn Davids sein muß. Auch Isaias (11, 1) sagt: »Hervorgehen wird aus der Wurzel Jesse ein Zweig und eine Blume wird aufblühen aus der Wurzel«. Jesse ist so viel wie Isai, so hieß der Vater Davids und der war aus dem Stamme Juda. Unter dem Zweig ist Maria zu verstehen, von der Isaias schon früher geweissagt, daß sie als Jungfrau den Messias gebären werde; die Blume aber auf diesem Zweig ist Christus. So erklären alle Väter diese Stelle bei Isaias, z. B. Tertullian, Ambrosius, Augustin, Papst Leo der Große, Johannes Damascenus, Hieronymus, Petrus Damiani, Beda. In Erfüllung gegangen ist die Prophezeiung: nach der babylonischen Gefangenschaft der Juden, da war die Verwandtschaft Davids einem Baumstrunk ähnlich, weil der grausame König Herodes viele aus dem Stamme Juda umbringen ließ. Allein Gott sorgte dafür, daß an diesem Baumstrunk die Wurzel erhalten blieb und daraus ein neuer Schößling hervortrieb, ein schönes, zartes, ganz gerades, ein ganz knotenloses Zweiglein, das eine gebenedeite, liebliche Frucht hervorbrachte: Maria mit ihrem göttlichen Kinde.
Allerdings führt Matthäus (1, 16) in der Stammtafel Christi Joseph, nicht auch Maria als Abkommen Davids an und erzählt, er habe sich mit Maria verlobt und sie dann auf Geheiß des Engels zu seiner Frau genommen (1, 18, 24). Allein dies hätte er nicht getan, wenn Maria nicht aus dem Hause Davids gewesen wäre. Es war nämlich durch das mosaische Gesetz (Num. 36) befohlen, es dürfe niemand seine Frau aus einem andern Stamme nehmen. Dies war so angeordnet, damit die Stämme und ihr Besitztum nicht miteinander vermischt würden, sondern so blieben, wie Gott sie ursprünglich abgeteilt und den Besitz unter sie verteilt hatte. Joseph war aber ein gerechter Mann, wie Matthäus sagt (1, 19), handelte also dem Gesetze gemäß. Daß aber Matthäus uns die Abstammung Josephs, nicht Marias bietet, erklärt sich aus der Gewohnheit der Juden, die Stammtafeln der Frauen nicht anzuführen. Nach dem Gesagten war dies auch gar nicht nötig, weil ja kein Mann in einen andern Stamm hineinheiraten durfte. So sagen auch alle Väter und alle rechtgläubigen Schrifterklärer. Matthäus und Lukas geben in ihren Stammtafeln verschiedene Väter des heiligen Joseph an. Dies ist so zu verstehen, daß Matthäus seinen natürlichen Vater, nämlich Jakob und dessen Abstammung, Lukas (3, 23) aber seinen gesetzlichen Vater und dessen Abstammung anführt. So erklären es gewöhnlich die Väter und Schriftausleger, auch Melchior Canus in seinen »loci theologici«. Indes, beide Väter, Jakob und Heli, waren aus dem königlichen Geschlechte Davids. Weichen auch die Väter in ihren Erklärungen von Matthäus und Lukas, um sie in Harmonie zu bringen, in einigen Punkten von einander ab, so stimmen doch alle darin überein, daß Maria und Joseph aus dem königlichen Stamme Davids waren und das genügt uns. Maria stammt also vom alten, fürstlichen und königlichen Geschlechte Davids ab. Nach Saul war David der erste König der Juden.
2. Aber Maria hat alle ihre königlichen Ahnen durch ihre ganz einzige Würde und ihre Heiligkeit übertroffen. Sie zeichnete sich nicht bloß durch den Adel ihrer Geburt sondern auch durch den ihres Herzens aus. Sie ist es, die den Patriarchen vom Himmel verheißen wurde, vorgebildet durch wunderbare, geheimnisvolle Personen und Dinge, vorausverkündet durch die Propheten. In ihrem Wappen zählt sie vierzehn Heroen, vierzehn Fürsten und vierzehn Könige aus Israel. Allein allen menschlichen Adel übertraf sie durch ihre Tugenden und alle ihre herrlichen Gaben und Eigenschaften, vor allem aber durch ihr göttliches Kind. Sie ist eine Königstochter, aber zugleich die Mutter des Königs aller Könige. Was die Welt vom Adel hält, hat wenig Wert. Er ist eitler Dunst, oft auch ein falscher und es ist ganz verkehrt, zu glauben, jene besäßen wahren und erhabenen Adel, die die Stammtafel berühmter Ahnen aufzeigen können, die damit sich brüsten und großtun, während sie die Tugenden ihrer Ahnen weder erstreben noch je erreichen, sondern oft in ihren Lastern ersticken. Aber doppelter Adel ist adelige Geburt, verbunden mit dem Glanz der Tugenden, wie es bei Maria war. Sie ging aus dem Blute von Patriarchen, Propheten und Königen hervor, wie aus einem auserlesenen Keime, brachte aber auch selber schöne Früchte der Tugend hervor und gelangte dadurch zu solcher Höhe von Würde und Gnade, daß sie gleichsam wie Sonne und Mond strahlte und alle ihre Ahnen, wenn sie auch wie schöne Sterne glänzten, verdunkelte und es keinen Adel, keine fürstliche oder königliche Hoheit gibt, die nicht weit hinter Maria zurückbliebe. Einen goldenen Ring schmücken kostbare und leuchtende Edelsteine. In Maria waren nun überaus viele und ganz hervorragende Vorzüge der Natur und des Geistes und die Verbindung dieser mit dem Adel ihres Geschlechtes macht sie für alle noch bewunderungswürdiger und liebwerter. Von ihr läßt sich gar nichts Gewöhnliches, nichts Unziemendes auch nur denken, so sehr war sie mit göttlichen Gaben bereichert, so göttlich ihre Sitten, so ausgezeichnet die Erziehung, die sie genoß, so groß die Ehrbarkeit ihrer Eltern. War sie auch nicht reich und kann sie sich mit den Frauen, die mit ihrer noblen Abstammung prahlen, an irdischem Besitz nicht messen, so war sie doch von königlichem Geschlecht. Und wenn sie auch die Frau eines armen Arbeiters war, so macht dies nichts. Wie viele sind aus Armen Reiche, aus Unbekannten berühmte Männer und Frauen geworden, z. B. Saul und David; und umgekehrt, wie viele, die von Fürsten und Königen abstammten, haben den Ruhm ihrer Eltern und Ahnen durch ein gemeines und ruhmloses Leben verdunkelt. Und wenn jemand Ruhm und Ehre vor den Menschen freiwillig verschmäht, so gereicht ihm gerade diese Tugend und Gerechtigkeit zu besonderer Zier. Wenn Könige ihre Kronen niederlegten, ein glänzendes Leben flohen und Mönche wurden, so sind sie nur um so ehrenwerter, weil sie der Religion wegen sich so verdemütigten und erniedrigten. So hat auch Christus nicht aufgehört Herr und König zu sein, sondern seinen Namen nur noch berühmter dadurch gemacht, daß er die ihm angebotenen königlichen Ehren abwies und, wie Paulus sagt, sich selbst entäußerte.
3. Weil Christus nach den Weissagungen der Propheten ein Sohn Davids, der König Israels, der Löwe aus dem Stamme Judas sein mußte, der Herrscher im Hause Jakobs, der in Ewigkeit auf dem Throne Davids sitzt, mußte auch Maria aus dem Geschlechte der Patriarchen und Könige Israels sein. Aber er mußte durch seine Mutter auch eine Verbindung mit dem Stamme Levi haben, denn nach den Weissagungen sollte er nicht bloß König sondern auch Priester sein, das Priestertum war aber dem Stamme Levi vorbehalten. Maria war nun eine Verwandte Elisabeths, die, wie Lukas (1, 5) sagt, aus dem Stamme Aarons war; dieser aber stammt von Levi ab. Elisabeth war nämlich eine Schwestertochter der heiligen Anna, der Mutter Mariä. Diese Schwester hatte einen Priester geheiratet, wie auch Elisabeth Zacharias, einen Priester, heiratete. Denn in den Stamm Levi durften alle Stämme hineinheiraten, nur durfte der Besitz nicht übergehen auf den Stamm Levi; dieser durfte überhaupt keinen Besitz haben, da für seinen Unterhalt auf andere Weise vorgesorgt war. So war also Maria sowohl aus königlichem als auch priesterlichem Geschlechte. Also war auch Christus, ihr Sohn, König und Priester und weil Könige und Priester bei den Juden gesalbt wurden, war er doppelt gesalbt, gesalbt mit der ganzen Fülle göttlicher Gnaden, vor allen seinen Stammesgenossen, war also in vollem Sinne Christus, d. h. ein Gesalbter, wahrhaft König der Könige, Priester der Priester, zwar der letzte, aber der höchste. Daher ist auch seine Mutter von höchster Würde und Autorität unter allen Sterblichen. Matthäus zeigt die königliche, Lukas die priesterliche Abstammung Marias und dadurch auch Christi auf. Christus war wirklich Priester nach der Ordnung Aarons durch sein Kreuzesopfer, durch das er sich selbst blutiger Weise opferte, während er in der Eucharistie, beim letzten Abendmahl und in der heiligen Messe, Priester ist nach der Weise des Melchisedech, da er sich hier unblutiger Weise unter den Gestalten von Brot und Wein opfert. So lehren die heiligen Märtyrer Justinus, Irenaeus, Cyprian, ebenso der heilige Augustin, Eusebius der Kirchenhistoriker und andere berühmte Ausleger.
Die Heilige Schrift feiert Christus oft als König und er selbst hat sich als solchen vor Pilatus bekannt, als einen König aber, dessen Reich nicht von dieser Welt sei, der nicht in weltlicher Herrlichkeit auf Erden herrschen will. Deshalb hat er auch das ihm von den Juden angebotene Königtum ausgeschlagen und floh. Allein, wenn er sich auch des Rechtes zu herrschen freiwillig begab, und sich so erniedrigte, daß er vielmehr uns zu dienen, als bedient zu werden, gekommen ist, so hat er doch niemals aufgehört der höchste König und Monarch der ganzen Erde zu sein. Denn »ihm ist ja alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden« (Matth. 28, 18). Er will zwar lieber im Geiste der Gläubigen, also geistigerweise in uns herrschen als zeitlich, will nicht nach Art dieser Welt sein Reich verwalten, aber das hindert nicht, daß er auch jetzt auf Erden herrscht und sein Reich, d. i. seine Kirche, wie das Haupt den Leib, innerlich und äußerlich lenkt und leitet. Der Erzengel Gabriel sagt es und die Propheten haben es vorausgesagt, er sei der ewige König, er habe ein Reich, das ewig bestehen bleibe. Er ist das Haupt der Gemeinschaft aller Engel und Menschen und ist schon im ersten Augenblick seiner Empfängnis vom Vater als Erbe des ganzen Universums eingesetzt. Der also durch Maria den königlichen Thron Davids erhielt, hat ihn von den Juden zu den Christen, zu ihren Bischöfen und Königen übertragen und beschlossen, sein Reich solle ewig bei diesen verbleiben. Der heilige Epiphanius und der heilige Athanasius sprechen diesen Gedanken klar aus und sagen, daß Christus nur bei den Christen ewig herrschen und seines Reiches kein Ende nehmen werde. Durch die Bischöfe und die christlichen Könige, besonders aber durch den Papst verwaltet Christus sein Reich auf Erden, während er im Himmel unmittelbar, durch sich selbst herrscht. Weil Maria aus königlichem und priesterlichem Geschlecht ist, ist es auch Christus, und da dies die Propheten voraussagten, so ist die boshafte Ungläubigkeit der Juden durch Maria zu schanden gemacht, weil sie beweist, daß Christus in Wahrheit der gesetzmäßige Nachfolger Davids und als dessen Erbe auf seinem Throne gesessen sei und daß er aus dem Stamme Juda ist. Deswegen hält der heilige Johannes Damascenus, der heilige Isidor von Sevilla in Spanien und schon vor ihnen Irenaeus den Juden Maria entgegen.
4. Nach der Überlieferung, wie sie in der katholischen Kirche Jahrhunderte hindurch bestand, waren die Eltern Marias Joachim und Anna. Davon ist allerdings in der Heiligen Schrift nichts erwähnt, aber es braucht doch nicht alles, was wahr ist, in der Heiligen Schrift zu stehen. Das ist ein Grundsatz, den die Protestanten aufgebracht haben, der aber ganz falsch und von der Kirche verworfen ist. Er gilt nicht einmal für alle von Gott geoffenbarten Wahrheiten, denn der heilige Paulus schreibt z. B. an Timotheus: »Was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das empfiehl du wieder andern Gläubigen!« (2. Tim. 2, 2) und der heilige Johannes (21, 25) sagt, daß nicht alle Taten und Wunder Christi in der Heiligen Schrift enthalten seien. Um so weniger muß alles, was wahr ist, in der Heiligen Schrift stehen; so etwas zu behaupten, wäre einfacher Unsinn. Als die Eltern Marias wurden in der Kirche immer Joachim und Anna angegeben, das bezeugen viele heilige Väter, z. B. Epiphanius, Germanus, Patriarch von Konstantinopel, Gregor von Nyssa, Johannes Damascenus, ebenso viele griechische und lateinische Kirchenschriftsteller, z. B. Nicephorus. Vom Vater wird erzählt, er habe, weil er keine Nachkommen hatte, viel leiden müssen und sich deshalb oft in der Wüste aufgehalten, dort gefastet und viel um ein Kind gebetet, bis ihm da ein Engel erschien und ihm anzeigte, seine Frau habe empfangen. Um dasselbe betete die heilige Anna im Garten unter vielen Tränen. Bis in ihr hohes Alter war sie unfruchtbar geblieben und hatte sich deswegen auch viele Verdemütigungen gefallen lassen müssen, da ihr und ihrem Manne nicht jene Ehren erwiesen wurden, die man denen gab, die Kinder hatten. Endlich bekam sie wie durch ein Wunder ein Kind, es war Maria. Zwanzig Jahre lang blieb die Ehe ohne Kind, beide Eltern hatten versprochen, das Kind, wenn ihnen Gott eines schenke, dem Tempeldienste zu weihen. Beide führten ein heiliges Leben und waren bei allen in Ehren und Ansehen wegen ihrer Gesetzestreue. Der heiligen Brigitta wurde geoffenbart, sie hätten so keusch und heilig miteinander gelebt, daß es damals keine heiligere Ehe gab als die ihrige. Gott wollte in seiner Großmut eine wunderbare Geburt seiner Mutter bewirken, wie auch seine Geburt aus Maria wunderbar ist, weil sie Jungfrau und Mutter zugleich ist. So wollte er sich als den Herrn der Natur erweisen, durch den und in dem alles besteht, was da ist.
Der heilige Hieronymus sagt, Joachim sei aus Nazareth, Anna aus Bethlehem gewesen. Sie waren begütert, nicht arm, aber sehr wohltätig, denn sie teilten ihre Einkommen in drei Teile: den einen gaben sie für den Bedarf des Tempels, den andern den Armen und das letzte Drittel behielten sie für sich. Da die Eltern Mariens vermögend waren, konnten sie ihrer Tochter auch eine sorgfältige Erziehung angedeihen lassen. Wir dürfen uns Maria nicht vorstellen als ein Mädchen, geboren an einem unbekannten und verachteten Ort, um die sich niemand kümmerte, aus der untersten Volksklasse und von gemeinem Stand, deren Eltern zum gemeinen, armen und niedrigen Volk gehörten. Die Geburt Jesu in Bethlehem und der Stand des heiligen Joseph, ihres Gatten, zeigen zwar, daß sie arm waren, allein diese Armut war mehr eine freiwillige denn eine durch die Not aufgezwungene. Zum Plane Gottes und zur Aufgabe des Messias paßte es besser, daß Maria und Joseph kein üppiges Leben führten, sondern das des gewöhnlichen Volkes. Wären seine Eltern reich gewesen, was für eine Stellung hätten dann die Armen in der Kirche Christi? Nun aber haben sowohl die Reichen und Mächtigen ihren Platz darin, weil Gott auch die Reichen nicht verwirft und er auch reich und mächtig ist – ihm gehört ja die ganze Welt –, andererseits hat er die Armen auserwählt, indem er sie mit seinen Segnungen überhäuft und ihnen die Gaben seines Geistes mitteilt, die er den Reichen, die sonst vielen Trost haben, selten gibt. Über die Vermögensverhältnisse Mariens schweigen die heiligen Evangelisten hauptsächlich Christi wegen, der den Reichen keinesfalls schmeicheln, sondern ein Lehrer der Armut, ja das vollkommenste Beispiel derselben werden wollte, der nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, der unsertwegen arm geworden, da er doch reich war, und arme Jünger um sich sammelte, denen er für die Armut, die sie liebten und übten, die größten Güter verhieß. Deswegen hatte er bei seiner Geburt keine reiche Frau zur Mutter, sondern, wie Chrysostomus sagt, eine sehr arme und eine, die mit einem Tischler verheiratet war, die ihn in einem Stalle gebar und in eine Futterkrippe legte.
Aber, wie gesagt, daraus folgt nicht, daß ihre Eltern zum armen und niedrigen Pöbel gehörten und ein elendes Leben führten. Nach einem Kirchenschriftsteller war nämlich Maria eine Erbtochter, weil sie keine Brüder hatte, und war alleinige Erbin, weil einziges Kind und es war Gesetz, daß die Güter der Eltern nicht aus der Familie kommen durften. Nun waren aber ihre Eltern sehr vornehme Leute. Nicephorus berichtet, Maria und Joseph hätten in Nazareth und Bethlehem Besitz und Einkommen, mithin auch an beiden Orten einen Wohnsitz gehabt. Joseph hatte in Nazareth ein Haus und in diesem Hause wurde Christus aufgezogen. Nicephorus sagt auch, daß Joachim aus dem königlichen Geschlecht Davids und Anna aus dem Stamme Levi war, also aus priesterlichem Geschlecht, weil sie die Tochter eines Priesters war. Dies stimmt mit dem Bericht des Evangelisten Lucas (1, 5) überein, Elisabeth sei aus dem Stamme Aarons gewesen; sie war aber eine Tochter der Schwester der heiligen Anna. Nach Marias Geburt soll Joachim noch zwölf Jahre gelebt haben; beide Eltern starben, hochbetagt, im Alter von achtzig Jahren. Anna war nur einmal verheiratet, denn in ihrem hohen Alter wird sie wohl keine neue Ehe mehr geschlossen haben, ebenso wie ihr Vorbild Anna, die Mutter Heli's, die auch Witwe blieb nach dem Tode ihres ersten Mannes. Die heilige Anna wußte auch, daß sie Gott mehr gefalle durch Enthaltsamkeit und wenn sie als Witwe ein Beispiel der Heiligkeit würde, als durch Hervorbringen neuer Kinder.
Die Väter, Kirchenschriftsteller und Schrifterklärer sagen auch, Maria sei das einzige Kind Joachims und Annas gewesen, dem widerspricht der Evangelist Johannes nicht, wenn er (18, 25) sagt, Maria Cleophä – so genannt nach ihrem Manne Cleophas – sei die Schwester der Muttergottes gewesen, weil in der Heiligen Schrift Schwestern und Brüder auch solche genannt werden, die bloß nahe Verwandte sind. Dieser Cleophas war ein leiblicher Bruder des heiligen Joseph, des Bräutigams Mariä, und hat Kinder gehabt. Dies sind die Brüder und Schwestern des Herrn, von denen die Schrift spricht; es waren bloße Verwandte, nicht Kinder Josephs und Mariä, wie die Protestanten sagen. Abraham und Lot z. B. werden in der Heiligen Schrift auch Brüder genannt (Gen. 13, 8) und doch war Lot nur sein Neffe, der Sohn des Bruders Abrahams, wie die Schrift selber sagt (Gen. 12, 5; 11, 27).
Johannes Damascenus nennt »den Schoß der heiligen Anna einen Schatzkasten, in welchem Gott den ihm teuersten Schatz zuerst barg und jenes wunderbare Gefäß bildete, wie niemals der Schoß eines Weibes eines trug, niemals eine Menschenhand eines berührte. Im Schoß der heiligen Anna bildete Gott die Lade der Heiligkeit, aus der er ans Tageslicht treten wollte ohne Mithilfe eines Mannes. Selig ihr Leib, weil selig das ihr von Gott geschenkte Kind, denn aus diesem Kinde ging Christus hervor, die Blume des Lebens.« Christus ist also ein Enkel der heiligen Anna. Welch erhabene Würde Annas, sie ist die Großmutter des Sohnes Gottes, die heilige und von Gott auserwählte Großmutter. Rudolf Agrikola, ein berühmter Lehrer an der Universität Heidelberg, preist die heilige Anna mit diesen Worten: »Sei gegrüßt, o heiligste Mutter, heilig wegen deines heiligen Ehegatten, noch heiliger durch deine Tochter, am allerheiligsten durch dein Enkelkind.«
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