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Hinweis zur Quellenauswahl: Der vorliegende Artikel bildet lediglich einen Bruchteil der überlieferten Aussagen Martin Luthers ab. Auf die Wiedergabe zahlreicher drastischer, vulgärer und im theologischen Sinne gotteslästerlicher Zitate wurde bewusst verzichtet, da diese die Grenzen des wissenschaftlich Notwendigen sowie des guten Geschmacks überschreiten. Dennoch ist es aus Gründen der historischen Quellentreue und der wissenschaftlichen Beweisführung unerlässlich, einige seiner vehementesten Äußerungen unzensiert heranzuziehen. Es bleibt zu bedenken, dass die hier angeführten Beispiele nur die Spitze des Eisbergs darstellen; das lutherische Gesamtwerk und die Tischreden enthalten Passagen von weitaus größerer Brutalität und Vulgarität.
„Meine zarten Kinder, ich sage euch eine große Wahrheit, bemüht euch, sie nicht zu vergessen: Unter all jenen, die sich zu verschiedenen Zeiten von der katholischen Kirche entfernten, tat dies auch nicht einer aus Verlangen, besser zu leben, tugendhafter zu sein, sondern nur, um ein zügelloses Leben zu führen und einer Moral zu folgen, die den menschlichen Leidenschaften freien Lauf ließ, was auch immer sie eingeben mögen.“ — Hl. Don Bosco
Es gibt Männer, deren Ruhm auf dem Schweigen ihrer Gegner beruht. Martin Luther (1483–1546) ist einer von ihnen. Jahrhundertelang hat die protestantische Hagiographie das Bild des Frommen, tapferen Gottesmannes gezeichnet — des einsamen Helden, der gegen die verderbte Kirche Roms aufstand. Doch dieser Artikel wird dem gläubigen Leser zeigen, was passiert, wenn man Luther beim Wort nimmt — bei seinem eigenen Wort. Nicht die Anklagen seiner Feinde sprechen gegen ihn. Es sind seine eigenen Schriften, seine eigenen Briefe, seine eigenen Tischgespräche, die enthüllen, wer dieser Mann wirklich war: kein Heiliger, kein Prophet, kein Reformator des Heiligen Geistes — sondern ein Mensch, der nach eigenem Zeugnis vom Teufel inspiriert wurde, der Obszönitäten der Frömmigkeit bevorzugte, der Tausende Menschen in den Tod hetzte, der sich selbst widersprach und der seine neue „Kirche“ auf dem Fundament seiner eigenen Leidenschaften errichtete.
Kein Ankläger hätte Luther schärfer treffen können als Luther selbst. In einem der erstaunlichsten Selbstzeugnisse der Kirchengeschichte schildert Luther, wie er die Lehre zur Abschaffung der heiligen Messe — das Herzstück seiner gesamten „Reformation“ — empfangen hat. Es war keine himmlische Vision, keine Erleuchtung des Heiligen Geistes. Es war der Teufel.
In seiner Schrift Von der Winkelmesse und Pfaffenweihe (1533) schreibt Luther in erschütternder Offenheit:
„Es begab sich einmal, daß ich gähling vor Mitternacht erwachte, sieh, da fing der Teufel an, mit mir zu disputieren, indem er sprach: ‚Höre zu, du gelehrter Doktor Luther; weißt du nicht, daß du fünfzehn Jahre lang schier täglich eine Privatmesse gehalten hast? Wie, wenn solche Winkelmessen eine gräuliche Abgötterei wären? Wie, wenn der Leib und das Blut Christi nicht da gewesen wären, und du hättest eitel Brot und Wein angebetet?‘“ [...] „Also habe ich, durch das Wort Gottes überwunden, vor dem Teufel bekennen müssen, daß ich durch das Messelesen gesündigt habe.“ — Von der Winkelmesse und Pfaffenweihe (1533); WA 38, S. 195 ff.
Vom Autor festgelegte Folgetexte in Lesereihenfolge — zum Weiterlesen und zur inhaltlichen Einordnung.
Die Schlussfolgerung ist zwingend und lässt keinen Ausweg: Die theologische Begründung zur Abschaffung der Messe — das fundamentalste all seiner „Reformen“ — empfing Luther nicht vom Heiligen Geist, sondern von einer nächtlichen Stimme, die er selbst als den Teufel identifiziert. Der hl. Thomas von Aquin lehrt: ex principiis falsis, falsae conclusiones — aus falschen Grundlagen folgen falsche Schlüsse. Luthers eigene „Reformation“ hat ihren Ursprung in einer teuflischen Erscheinung. Dies ist kein Anwurf seiner Gegner. Es sind Luthers eigene Worte.
Protestantische Apologeten verteidigen diese Passage oft als rein rhetorischen „Teufelsdialog“, in dem Luther den Teufel letztlich durch den Glauben an Christus besiege. Doch diese Ehrenrettung übersieht das fundamentale theologische Dilemma, in das Luther sich hier manövriert: Luther gibt der Prämisse des Teufels, dass die heilige Messe eine „Abgötterei“ sei, vollkommen recht. Er lässt sich vom Vater der Lüge die theologische Begründung diktieren, um das Herzstück des katholischen Gottesdienstes zu verwerfen. Doch der Teufel ist ein Heuchler; er führt den Menschen niemals zur Wahrheit oder zu einer echten Reform.
Im Herzen des lutherischen Systems liegt eine Lehre, die — beim Wort genommen — die christliche Moral nicht reformiert, sondern abschafft. Die Rechtfertigungslehre Luthers, das sola fide, hat eine praktische Konsequenz, die Luther selbst kompromisslos zieht. In einem berühmten Brief an seinen engsten Mitarbeiter Philipp Melanchthon vom 1. August 1521 schreibt er:
„Sei ein Sünder und sündige tapfer, aber glaube noch stärker (pecca fortiter, sed fortius fide) [...] Es genügt, daß wir [...] das Lamm erkannt haben; von diesem wird uns die Sünde nicht losreißen, auch wenn wir tausend- und tausendmal an einem Tage Hurerei oder Mord verübten.“ — Brief an Philipp Melanchthon, 1. August 1521; Weimarer Ausgabe, Briefwechsel (WA BR) 2, Nr. 424
Protestantische Apologeten haben diesen Satz jahrhundertelang zu erklären versucht, zu mildern, in einen „seelsorgerlichen Kontext“ einzubetten. Doch der Kontext ändert nichts am Wortlaut: tausend- und tausendmal an einem Tage Hurerei oder Mord — und der Glaube macht es unschädlich.
Der hl. Paulus fragt im Römerbrief: „Sollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade sich mehre? Auf keinen Fall!“ (Röm 6,1–2). Luther antwortet: Ja, sündige tapfer, der Glaube deckt es zu. Das Konzil von Trient (Sess. VI, can. 20) hat diese Lehre feierlich verworfen: si quis hominem iustificatum [...] crediderit, peccata non imputari — anathema sit (Wer glaubt, dass einem gerechtfertigten Menschen keine Sünden angerechnet werden, der sei verflucht).
Die Lehre des simul iustus et peccator — gleichzeitig Gerechter und Sünder — führt in ihrer konsequentesten Form bei Luther selbst zur Aussage, dass moralisches Handeln für die Rechtfertigung irrelevant sei. Das ist keine Reformation des sittlichen Lebens. Das ist seine Abschaffung. Der Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 1733) lehrt: Freiheit ist die Kraft, das Gute zu wählen. Luthers Anthropologie hingegen leugnet die Willensfreiheit (De Servo Arbitrio, 1525) und untergräbt damit die Grundlagen sittlicher Verantwortung.
Im Jahr 1524/25 erhoben sich die deutschen Bauern — inspiriert auch von Luthers Lehre über die christliche Freiheit — gegen ihre Unterdrücker. Zunächst zeigte Luther noch gewisses Verständnis für ihre Lage. Doch als die militärische Niederlage der Bauern sich abzeichnete und er der Gunst der Fürsten bedurfte, schrieb er eine Schrift, die in der Geschichte des Christentums ohne Gleichen dasteht: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern (Mai 1525).
„Drum soll hier zuschmeißen, würgen und stechen, heimlich oder öffentlich, wer da kann, und gedenken, daß nichts Giftigeres, Schädlicheres, Teuflischeres sein kann, denn ein aufrührerischer Mensch. Gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muß; schlägst du nicht, so schlägt er dich, und ein ganzes Land mit dir. [...] Solch wunderliche Zeiten sind jetzt, daß ein Fürst den Himmel mit Blutvergießen verdienen kann, bass, denn andre mit Beten [...] Drum, liebe Herren, loset hier, rettet hier, helft hier, erbarmet euch der armen Leute, steche, schlage, würge hier, wer da kann. Bleibst du drüber tot, wohl dir, seliglichern Tod kannst du nimmermehr überkommen. Denn du stirbst in Gehorsam göttlichen Wortes und Befehls.“
— Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern, Mai 1525; WA 18, 357–361
Dieser Text ist keine Metapher. Er ist ein konkreter Aufruf zur Gewalt, verfasst von einem Mann, der sich als Prediger des Evangeliums verstand. Die Folge: Zwischen 70.000 und 100.000 Bauern wurden in den Monaten nach dieser Schrift niedergemetzelt. Luther selbst gesteht es später offen im Kreis seiner Schüler:
„Ich habe im Aufruhr alle Bauern erschlagen; all ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich schiebe es auf unseren Herrgott; der hat mir befohlen, solches zu reden.“ — Tischreden; WA TR, Band 3 (Weimar 1914), Nr. 2911b, S. 75
Man vergleiche dies mit dem Wort des Herrn: „Selig sind die Sanftmütigen“ (Mt 5,5) und „Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!“ (Lk 6,31). Ein Heiliger des Herrn bekennt, Früchte des Heiligen Geistes zu tragen: Liebe, Friede, Sanftmut (Gal 5,22). Luther bekennt, dass Tausende Tote auf seiner Seele lasten — und schiebt die Verantwortung auf Gott ab. Das ist keine Demut. Das ist eine gotteslästerliche Schutzbehauptung.
Am Ende seines Lebens, im Jahr 1543, verfasste Luther eine Schrift von ca. 65.000 Wörtern gegen das jüdische Volk. Das Dokument enthält Passagen, die 400 Jahre später direkt als Blaupause für die nationalsozialistischen Pogrome dienten — und von NS-Propagandisten auch ausdrücklich als solche zitiert wurden.
„Man solle Synagogen sowie jüdische Häuser und Schulen ‚mit Feuer anstecken und was nicht verbrennen will, mit Erden beschütten, daß kein Mensch ein Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich.‘“ — Von den Jüden und ihren Lügen (Wittenberg 1543); WA 53, S. 412 ff.
„Wer nun Lust hat, solche giftigen Schlangen und jungen Teufel, das ist die ärgsten Feinde Christi, unseres Herrn, und unser aller zu beherbergen [...] der lasse ihm diese Juden treulich anbefohlen sein [...] So ist der denn ein vollkommener Christ, voller Werk der Barmherzigkeit, die ihm Christus belohnen wird am Jüngsten Tag mit den Juden im ewigen, höllischen Feuer.“ — Von den Jüden und ihren Lügen (1543), Volksausgabe, S. 42 f.
Dies ist kein Reformator Christi. Dies ist ein Hassprediger.
Ein weiterer unbestechlicher Zeuge gegen Luther ist seine eigene Sprache. Der englische Heilige Thomas Morus (1478–1535), Kanzler Englands und Märtyrer der Kirche, schrieb über Luther, er sei ein Possenreißer, der „nichts in seinem Munde führt außer Abwassergruben, Kloaken, Latrinen, Dreck und Dung.“
Thomas Morus übertrieb nicht. Luthers letzte große Streitschrift gegen das Papsttum — Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet (1545) — enthält Formulierungen, die selbst seinen engsten Mitstreitern die Sprache verschlugen. Über Papst Paul III. schrieb er wörtlich:
„Das heubt der verfluchten kirchen aller ergsten Buben auff erden. Ein stathalter des Teufels, ein feind Gottes, ein widersacher Christi und verstörer der kirchen. Ein lerer aller lügen, Gotteslästerung und abgötterei. Ein Ertzkirchendieb und Kirchenreuber der schlüssel, aller güter beide der kirchen und der weltlichen Herrn, ein mörder der Könige, und hetzer zu allerley blutvergiessen. Ein hurnwirt über alle hurnwirte und aller unzucht, auch die nicht zu nennen ist, ein Widerchrist, ein Mensch der sünden und kind des verderbens, ein rechter Beerwolf.“ — Wider das Papsttum zu Rom vom Teufel gestiftet (1545); WA 54
Darüber hinaus rief Luther zur körperlichen Bestrafung der römischen Kritiker auf und schrieb, man solle ihnen „die zungen hinden zum halse heraus reissen, und an den Galgen“ hängen.
Und Luther selbst? Empfand er Scham über diese Sprache? Im Gegenteil. Er bekannte sich in einem Brief von 1531 stolz dazu:
„Das sol mein rhum und ehre sein, wils auch so haben, daß man von mir hinfurt sagen solle, wie ich vol böser wort, scheltens und fluchens uber die Papisten sey.“ — Luther (1531); zit. in: Sprachliche Aggression bei Martin Luther, De Gruyter 2022 (nach WA)
Ruhm und Ehre — in Beschimpfungen und Flüchen. Der hl. Paulus schreibt hingegen: „Eure Rede sei allezeit anmutig, mit Salz gewürzt“ (Kol 4,6). Luther schreibt: Mein Ruhm seien böse Worte und Flüche. Der Leser möge urteilen, wessen Geist hier spricht.
Er änderte seine Positionen, wenn es ihm nützte, und verdammte jene, die dieselbe Freiheit gegenüber ihm selbst in Anspruch nahmen.
Wie tief verwurzelt der Widerspruch in Luthers Geist war, zeigt ein Blick auf den August 1521. Als sein Mitarbeiter Melanchthon vorschlug, die Priesterehe einzuführen, reagierte Luther noch schockiert und schrieb an Georg Spalatin:
„Die Ehe ist wohl für andere, nicht aber für mich etwas. Ich werde bei meinem Gelübde bleiben, das ich ja gut überlegt und aus freiem Entschluss geleistet habe.“ — Martin Luther, Brief an Georg Spalatin, 15. August 1521; Weimarer Ausgabe, Briefwechsel (WA BR), Band 2, Nr. 425.
Doch nur drei Monate später war diese Überzeugung wie weggewischt. Im Spätherbst 1521 verfasste er seine Schrift gegen die Mönchsgelübde, erklärte seine eigenen feierlichen Versprechen vor Gott für wertlos und heiratete schließlich vier Jahre später — am 13. Juni 1525 — die ehemalige Nonne Katharina von Bora, die ihrerseits ihr Keuschheitsgelübde gebrochen hatte. Erst war das Gelübde eine „gut überlegte“ Pflicht, kurz darauf eine teuflische Fessel. Dies ist keine theologische Entwicklung. Dies ist Konformismus mit den eigenen Wünschen, theologisch verbrämt.
Luther bekennt in derselben Schrift Von der Winkelmesse, dass er fünfzehn Jahre lang täglich die Privatmesse gelesen hat — im vollen Glauben, das Richtige zu tun. Er war ordinierter Priester, hielt die Messe mit Ehrfurcht. Dann erklärt er plötzlich — auf Anraten des Teufels, wie er selbst bekennt — die gesamte Praxis für Abgötterei.
Das bedeutet logisch zwingend: Wenn die lutherische Interpretation wahr wäre, dann hätte der Teufel Martin Luther die Wahrheit gesagt und ihn letztlich vor dem Verderben gerettet. Eine solche Annahme ist jedoch für jeden gläubigen Christen eine Ungeheuerlichkeit und ein fundamentaler Widerspruch zum Wort Gottes. Der Teufel rettet niemanden.
Wer dem Teufel in der Prämisse recht gibt, macht den Vater der Lüge zum Werkzeug des Heils. Dagegen spricht auf geradezu ironische Weise Luthers eigenes, fundamentales Prinzip: Sola Scriptura — allein die Schrift! Es ist theologisch völlig unhaltbar: Einerseits verkündet Luther, dass allein Gottes geschriebenes Wort die Norm des Glaubens sein darf, andererseits begründet er das Herzstück seiner Reformation mit den nächtlichen Einflüsterungen eines Dämons. Die Heilige Schrift entlarvt diesen Geist jedoch unmissverständlich:
„Der Geist aber sagt ausdrücklich: In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden.“ — 1. Timotheus 4,1
„Ihr habt den Teufel zum Vater und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein Mörder von Anfang an. Und er steht nicht in der Wahrheit; denn es ist keine Wahrheit in ihm. Wenn er lügt, sagt er das, was aus ihm selbst kommt; denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge.“ — Johannes 8,44
„Seid nüchtern, seid wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“ — 1. Petrus 5,8
Wenn der Teufel Luther erst die Argumente liefern musste, um die Messe zu verwerfen, dann war nicht die Schrift seine Quelle, sondern der Satan. Luthers fundamentaler Grundsatz wird an dieser Stelle vollends ad absurdum geführt.
Im Jahr 1524, noch verständnisvoll gegenüber den Bauern, schrieb Luther über die deutschen Fürsten:
„Erstlich mögen wir niemand anderem auf Erden solches Unglück und solchen Aufruhr verdanken als euch Fürsten und Herren, vor allem euch blinden Bischöfen und tollen Pfaffen und Mönchen [...] Das Schwert ist euch auf dem Hals.“ — Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft; WA 18
Wenige Monate später — als die Gunst eben dieser Fürsten für sein politisches Überleben unverzichtbar war — schrieb er denselben Fürsten:
„Steche, schlage, würge hier, wer da kann. Bleibst du drüber tot, wohl dir, seliglichern Tod kannst du nimmermehr überkommen.“ — Wider die mörderischen Rotten der Bauern (1525); WA 18, 357–361
In wenigen Monaten wechselt Luther von der Drohung gegen die Fürsten („Das Schwert ist euch auf dem Hals“) zur Lobpreisung des fürstlichen Mordes als seliglichen Tod. Dies ist nicht theologische Entwicklung. Dies ist politischer Opportunismus — gekleidet in religiöse Sprache.
Die Tischreden — jene Aufzeichnungen der Tischgespräche Luthers aus den Jahren 1531 bis 1546, gesammelt von seinen Schülern und in der kritischen Weimarer Ausgabe (WA TR) auf sechs Bände angewachsen — sind ein einzigartiges Zeugnis. Hier redet Luther privat, unzensiert, ohne publizistische Absicht. Und dieses Bild ist erschütternd.
„Es ist ein Wunder und sehr ärgerlich Ding, daß nachdem die rechte reine Lehre des Evangelii wieder an den Tag ist kommen [...] die Welt immer ärger ist worden. Jedermann ziehet die christliche Freiheit nur zum fleischlichen Muthwillen, als hätte ein Jeglicher nun Macht zu thun, was ihn gelüstet.“ — Martin Luther, Tischreden; nach der klassischen Zählung von Johannes Aurifaber, Kap. „Vom Verfall der Sitten“ (vgl. Projekt Gutenberg-DE).
Luther beklagt hier selbst, dass seine Lehre von der Freiheit zur Zügellosigkeit geführt hat. Er sieht die Frucht und erschrickt. Die Ursache aber erkennt er nicht, weil er sie nicht erkennen will: Es ist seine eigene Rechtfertigungslehre, die — konsequent gedacht — die sittliche Selbstkontrolle des Menschen untergräbt.
„Christum predigen ist gar ein schwer und fährlich Amt; hätte ichs etwan gewußt, so wollt ich mich nimmermehr dazu begeben haben, sondern gesagt mit Mose: Sende, wen du senden willt! [...] Es sollte mich Niemand hinan bracht haben. [...] Ich hab der ganzen Welt Haß auf mich geladen, da ich doch etwan sehr sicher war und gute Zeit hatte!“ — Martin Luther, Tischreden; Weimarer Ausgabe, Abteilung Tischreden (WA TR), Band 4, Nr. 4857
Ein von Gott Gesandter — Mose, Jeremias, Paulus — kämpfte gegen die Berufung, war aber innerlich überwältigt vom Geist: „Wehe mir, wenn ich nicht predige!“ (1. Kor 9,16). Luther hingegen klingt wie jemand, der eine schlechte Karriereentscheidung beklagt. Das ist kein prophetisches Bewusstsein. Das ist Reue über persönliche Konsequenzen.
„Die Vernunft ist das größte Hindernis in Bezug auf den Glauben, weil alles Göttliche ihr ungereimt zu sein scheint, daß ich nicht sage, dummes Zeug.“ — Tischreden (Aland), Bd. 9, S. 107
Luther nennt die Vernunft andernorts eine „Hure“ (Hure Vernunft) und erklärt sie zum Feind des Glaubens. Die scholastische Theologie der Kirche hingegen — mit Thomas von Aquin, Albertus Magnus, Bonaventura — versteht Vernunft und Glaube als harmonisch: fides quaerens intellectum (Anselm von Canterbury). Die Vernunft ist nicht der Feind des Glaubens, sondern seine Magd. Luthers Irrationalisierung des Glaubens ist nicht Tiefe — sie ist intellektueller Bankrott.
„Die Frau wurde nicht geschaffen, um Jungfrau zu sein, sondern um Kinder zu gebären.“ — Luther, Predigt, 6. Mai 1526; Weimarer Ausgabe
Luther, der die Jungfräulichkeit als Stand abschaffte, reduziert die Frau auf ihre biologische Funktion. Damit steht er im schreienden Widerspruch zur christlichen Tradition, die in der Jungfräulichkeit — verkörpert in der Gottesmutter Maria und Tausenden von Heiligen — die höchste Form der Gottesliebe erblickt.
„Wir sind allzulang genug deutsche Bestien gewesen, die nicht mehr können, denn kriegen und fressen und saufen.“ — Luther, An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes (1524)
Luther erkannte selbst: Sein Deutschland trank und soff. Sein Deutschland kriegte. Dies geschah zwanzig Jahre nach Beginn seiner „Reformation“. Welchen Geist hat er gesät? Welche Früchte wuchsen?
Der Herr selbst gibt uns das Kriterium zur Unterscheidung: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16). Wenden wir es an. Luther brachte hervor:
Das ist das Profil eines talentierten, leidenschaftlichen, zutiefst zerrissenen Mannes, der — nach eigenem Bekenntnis — seine schlimmste Entscheidung auf Anraten eines Dämons traf, der seinen eigenen moralischen Verfall theologisch rechtfertigte, und dessen Werk Millionen Menschen aus der sichtbaren Kirche Christi herausgeführt hat.
Es ist nicht Böswilligkeit, die diesen Artikel antreibt. Es ist die Liebe zur Wahrheit — und die Sorge um jene Millionen Christen, die in gut gemeinter Frömmigkeit dem Erbe Martin Luthers folgen, ohne zu wissen, was dieser Mann selbst über sich bezeugt hat.
Die Antwort auf diese Fragen müssen Luthers Anhänger selbst geben. Die Quellen dazu sind nun offen auf dem Tisch — nach beinahe fünf Jahrhunderten protestantischer Hagiographie. Es sind nicht die Worte seiner Feinde. Es sind Luthers eigene Worte. Aus seinen eigenen Schriften. Mit seinen eigenen Quellen.
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Tretet ein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der ins Verderben führt, und gar viele gehen ihn. Eng dagegen ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und nur wenige gehen ihn. (Mt 7, 13)
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„Für die Gottlosen ist kein Friede, spricht der Herr" (Jes 48,22) „Die dein Gesetz lieben, haben großen Frieden" (Ps 119,165)