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Dass die katholische Religion allein die wahre und von Gott eingesetzt sei und dass nur in dieser die Nachlassung der Sünden, die Hoffnung des Heiles und das Unterpfand der ewigen Erbschaft gefunden werde, habe ich bisher aus deren Altertum, Verbreitung, Beständigkeit und Übereinstimmung in der Lehre unstreitig bewiesen. Ich will nun, liebste Zuhörer, aus der Reinheit ihrer Lehre das Nämliche bekräftigen.
Die Reinheit unseres Gesetzes ist es also, wodurch sich unsere heilige Religion vor allen übrigen Sekten ganz besonders auszeichnet. Denn während alle Religionsgesetze der Philosophen, Heiden und Ketzer, nebst wenigen Wahrheiten, viele offenbare Lügen und der Frömmigkeit und Ehrbarkeit widerstrebende Sittenregeln enthalten, kann sich nur unsere heilige Kirche rühmen, dass sie das untadelhafte Gesetz des Herrn in seiner ganzen Reinheit und Heiligkeit, ohne Hinzusetzung eines Irrtums, besitze; was ein auffallender Beweis ist, dass nur allein unser Gesetz Gott zum Urheber habe, der vermöge seiner unendlichen Weisheit und Heiligkeit nichts Falsches offenbaren und nichts Tadelhaftes gebieten kann.
Selbst unsere Gegner können es nicht leugnen, dass auch nur ein einziger offenbarer Irrtum hinreichend sei, eine Sekte der Falschheit zu überführen. „Wenn ich einmal einer solchen Lüge, Falschheit oder eines Irrtums überwiesen würde (schrieb Luther), dann wäre meine Lehre, meine Ehre und Treue samt dem Glauben verloren; jeder könnte mich billig für einen boshaften und unverschämten Betrüger ansehen.“ Und wider Heinrich, den König in England, sagte er: „Wer sollte sich beifallen lassen, dass er jemals die Wahrheit geschrieben habe, da er in dieser Stelle so offenbar und unverschämt gelogen hat?“ Drücket euch, liebste Zuhörer, diese Zeugnisse Luthers tief in das Gedächtnis; denn sie sind zu meinem Vorhaben sehr dienlich.
Nun kann aber die Reinheit und Heiligkeit der katholischen Lehre von einem jeden mit leichter Mühe erkannt werden. Leset die Heilige Schrift; leset die Verordnungen der Concilien und Päpste; leset die Lehren eines Augustinus, Basilius, Benediktus und Franziskus; und ihr werdet nichts Unanständiges oder Tadelhaftes darin finden; ihr werdet euch überzeugen können, dass die Kirche nichts lehre, was dem Gesetze der Natur widerstrebt: dass sie Gott, als den Endzweck, allen übrigen Dingen vorziehe: dass sie die Menschen durch das Band der Liebe miteinander verbinde: dass sie alle Tugenden lobe und anempfehle, wie sie alle Laster tadelt und verbietet. Ich berufe mich in diesem Punkte auf das Leben und die Sitten der Heiligen. Sie haben sich bemüht, das evangelische Gesetz und die Verordnungen der Kirche genau zu erfüllen; und eben dadurch sind sie zu großer Heiligkeit gelangt und der ganzen Welt so ehrwürdig geworden. Es werden zwar die erhabensten Geheimnisse, die alle menschliche Vernunft weit übersteigen, in unserer Kirche gelehrt; doch haben die ansehnlichsten Männer deutlich erwiesen, dass sie nichts Widersinniges in sich enthalten. Wäre es nicht eine Torheit, wenn wir die Geheimnisse deswegen leugnen wollten, weil wir sie nicht begreifen können, da unsere Vernunft auch in geringen und unbedeutenden Sachen so beschränkt ist? Wenn wir nicht imstande sind alle Eigenschaften eines Erdwurmes, den wir mit Füßen treten, genau zu erklären, wie dürfen wir die von Gott geoffenbarten Geheimnisse in Zweifel ziehen, weil wir sie nicht begreifen? Die Kirche befiehlt oder rät uns zwar Handlungen an, die der sinnlichen Natur beschwerlich fallen; als z. B. unsere Feinde zu lieben, die Enthaltsamkeit oder freiwillige Armut zu beobachten; aber was stimmt auch in diesen Gesetzen und evangelischen Räten mit der Vernunft und wahren Frömmigkeit nicht überein? Sind nicht eben diese Gesetze und Räte unserer Bewunderung und Hochschätzung desto mehr würdig, je erhabener sie sind?
Ich schäme mich fast, die abgeschmackten Einwürfe unserer Gegner hier anzuführen. Sie sagen: Unter den Papisten gibt es viele lasterhafte Menschen; selbst bei ihrer Geistlichkeit herrschen die schändlichen Laster des Ehrgeizes, Neides, der Simonie und Unzucht, wodurch die Religion entehrt wird. Die Antwort hierauf ist leicht. Wir können und wollen es zwar nicht leugnen, dass viele, auch in der katholischen Kirche, einen verdorbenen und ausgelassenen Lebenswandel führen; aber woher werden uns die Ketzer beweisen, dass diese bösen Sitten aus der Lehre unserer Kirche entspringen? Tadeln wir nicht selbst diese Laster? Wie scharf hat nicht die Kirche den Konkubinat und die Simonie verboten? Eben das, was uns die Gegner vorwerfen, hat unsere Kirche immer bestraft, beweint und verabscheut. Wenn also unsere Sitten den Anhängern Luthers missfallen, warum gefallen ihnen die Gesetze und Verordnungen der Kirche nicht, wodurch die Laster verboten und bestraft werden? Ist nicht Luther in seinem Unsinne so weit gegangen, dass er die verdorbenen Sitten der katholischen Geistlichkeit mit aller lieblosen Heftigkeit tadelte und dennoch die Verordnungen der Väter, wodurch diese Sitten bestraft wurden, zugleich öffentlich verbrannte? Hat er uns nicht durch diese ärgerliche Tat zu erkennen gegeben, dass man nach Verwerfung der Canones, welche die Lebensregel enthielten, ohne Gesetz und Strafe nach seinem Belieben leben und handeln dürfe?
Vergleichen wir jetzt die Reinheit und Heiligkeit unserer Kirche mit dem Verderben der heidnischen und ketzerischen Versammlungen. Leset das erste Buch des Theodosius an die Griechen und ihr werdet daraus ersehen, mit wie vielen Irrtümern die Gesetze der Heiden vermengt, und wie eben jene, die sie vorzüglich hochschätzten, dem menschlichen Geschlechte die schädlichsten waren.
Die Perser vermischten sich durch blutschänderische Ehen wider alles Recht der Menschheit mit ihren eigenen Müttern. Die Hirkaner und Baktrianer warfen die alten Leute, nicht ihrer begangenen Missetaten wegen, sondern aus Religionsgebrauch, den Hunden, die sie deswegen unterhielten, zur Speise vor. Bei den Skythen wurden jene, die mit einem Verstorbenen in enger Freundschaft standen, lebendig mit ihrem Freunde zur Erde bestattet. Bei den Massagethen mussten die Verlebten vermöge eines öffentlichen Gesetzes von ihren eigenen Anverwandten geschlachtet und aufgegessen werden, damit sie lebendige Grabstätten dadurch erhielten. Bei den Karthaginensern und vielen anderen Völkern durften die Eltern ihre eigenen Kinder ermorden.
Waren aber vielleicht dergleichen unmenschliche Gesetze nur bei barbarischen Völkern anzutreffen; während sich jene des Lykurgus, Plato und Aristoteles durch ihre Reinheit und Erhabenheit auszeichneten? Nein, liebste Zuhörer, auch bei diesen finden wir sehr schändliche und der Menschheit widerstrebende Gesetze. Denn jene des Lykurgus erlaubten nicht nur den Ehebruch, sondern auch das höchst verabscheuungswürdige Laster, welches das Schwefelfeuer über Sodom und Gomorra vom Himmel herabgezogen hat. Plato gestattete nicht nur die Gemeinheit der Weiber, sondern auch die unzüchtigsten Übungen der Personen beiderlei Geschlechtes auf den öffentlichen Ringplätzen. Er war auch der Urheber jenes unmenschlichen Gesetzes, das die Zeit zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes bestimmte und wenn diese erfüllt war, die fleischliche Beiwohnung zwar erlaubte, aber die Frucht entweder im Mutterleibe oder wenn sie zufällig lebendig zur Welt gebracht wurde, durch Hunger und Kälte zu töten befahl. Diese grausame Verordnung ist auch von Aristoteles, der unter den Philosophen der weiseste war, gebilligt worden.
Sehet, solche Gesetze gaben jene, die als Fürsten und Götter der Weltweisen geehrt wurden. Und ich habe doch nur etwas Weniges von den Sitten berührt. Ich übergehe ihre unsinnigen Träumereien von Gott, damit ich mich nicht selbst durch die Erwähnung dieser Torheiten einer Torheit schuldig mache. Das gemeine heidnische Volk, das einen ehebrecherischen Jupiter, eine unzüchtige Venus, einen diebischen Merkur, einen hinkenden Vulkan oder Sonne, Mond und Sterne verehrte, scheint mir vernünftiger gehandelt zu haben als seine Philosophen, die sich ihrer Weisheit mit solchem Stolze rühmten; weil jenes Dinge anbetete, die waren oder gewesen sind; diese aber ihre eigenen Träumereien und falschen Einbildungen sich zu Göttern machten. Darum schrieb der Apostel an die Römer: „Sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ward verfinstert; sie gaben sich für Weise aus, waren aber Toren. [...] Darum überließ sie Gott den Lüsten ihres Herzens, der Unreinigkeit; so dass sie ihre eigenen Leiber an sich selbst schändeten.“
Was soll ich nun von der schändlichen Sekte des Mohammed sagen, die so vieles enthält, was der gesunden Vernunft und Ehrbarkeit der Sitten offenbar widerstreitet? Das Gesetz dieses Irrlehrers ist nach der Bemerkung des heiligen Johannes von Damaskus eine erschreckliche Missgeburt, die aus dem erloschenen Judentum, aus verschiedenen Ketzereien und abergläubischen Beobachtungen zusammengesetzt ist. Von dem Judentum hat Mohammed die Mehrheit der Weiber, den Scheidebrief, die Beschneidung und die oft wiederholten Reinigungen entlehnt. Von den Arianern hat er erlernt, dass das Wort Gottes nicht einer Wesenheit mit dem Vater, sondern ein Geschöpf ist. Von den Nestorianern hat er die Lehre genommen, dass Christus der Herr zwar aus einer Jungfrau geboren worden; aber nur ein Mensch und keineswegs Gott ist. Mit den Manichäern ist er der irrigen Meinung gewesen, dass Christus weder gelitten hat noch gestorben ist und dass man sich für immer des Weines enthalten müsse. Mit einem Aristippus und Epikurus hat er die größte Glückseligkeit des Menschen in die Vielheit der Weiber, in Essen und Trinken und in andere Sinnlichkeiten des Leibes gesetzt. Dieser gottlose Mann scheint seine ganze Absicht dahin gerichtet zu haben, dass er alle Beschwerlichkeiten in Glaubens- und Sittensachen von seinen Anhängern entfernte. Weil es hart ist, sich mit einer einzigen Ehegattin zu begnügen, hing er den Juden an und erlaubte die Mehrheit der Weiber und den Scheidebrief. Weil es hart ist, zu glauben, dass in drei göttlichen Personen nur eine Wesenheit sei, hing er den Arianern an. Weil es hart ist, zu glauben, dass in Christus nur eine Person und zwei Naturen seien, hing er den Nestorianern an. Weil es hart ist, zu glauben, dass der Gottmensch habe leiden und sterben wollen, hing er den Manichäern an. Weil es endlich hart ist, die sinnlichen und gegenwärtigen Güter in der Hoffnung der künftigen und geistigen, die wir nicht sehen, zu verachten, hing er dem Aristippus und Epikurus an.
Ich komme jetzt zu den Ketzern. Es hat zwar jede Ketzerei in einigen Stücken den Schein des Guten und der Wahrheit; denn sonst würde sie keine Anhänger finden; aber der Unterschied zwischen der wahren Kirche Christi und den Versammlungen der Ketzer besteht darin, dass die Lehre der wahren Kirche durchaus ganz rein und mit der gesunden Vernunft übereinstimmend ist; während hingegen die Lehre einer jeden ketzerischen Versammlung einige offenbare Irrtümer in sich enthält, so dass man alle Ketzer mit den Mondsüchtigen vergleichen darf, die nur zu gewissen Zeiten den rechten Gebrauch ihrer Vernunft besitzen und bald danach zum vorigen Wahnsinne zurückkehren. Ich will hier der Kürze wegen die Gnostiker, Manichäer und andere Irrlehrer der ersten Jahrhunderte mit Stillschweigen übergehen und nur von den letzteren etwas berühren. Hat nicht Johann Wyclif, dieser Patriarch der Ketzer unserer Zeiten, nebst anderen Sätzen, die in der Kirchenversammlung zu Kostnitz erwähnt und verdammt wurden, ausdrücklich gelehrt, dass Gott dem Teufel gehorchen müsse? Zeigt aber nicht diese Rede Wahnsinn und Tollsinnigkeit an? Kann man vielleicht zweifeln, ob er wahr oder falsch geredet habe? Huß hat eben diesen tollsinnigen Mann als einen Apostel und Evangelisten angenommen; und wenn er auch sonst keine Gottlosigkeit gelehrt hätte, wäre nicht schon dieses Grund genug, ihn für einen offenbaren Feind Gottes und der Wahrheit zu halten? Luther war ein Verehrer und Belober dieser beiden Ketzer, denen er auch durch seine unsinnigen Irrtümer nachgeahmt hat.
Aber hier öffnet sich meinen Augen ein so weitschichtiger Irrweg der Lügen, dass ich nicht leicht einen Ausgang finden würde, wenn ich selben betreten sollte. Ich übergehe also mit Stillschweigen, dass man nach der Lehre Luthers Unzucht treiben und Ehebruche begehen dürfe, da doch das Evangelium Christi die unkeuschen Blicke verbietet; dass man nach seiner Lehre das Gelübde der Jungfrauschaft nicht nur brechen dürfe, sondern auch müsse, da doch Christus und seine Apostel die Jungfrauschaft mit den größten Lobsprüchen erhoben und die Gläubigen zu deren Beobachtung durch Wort und Beispiel eingeladen haben; dass es endlich nach seiner Lehre erlaubt sei, alle Laster und Schandtaten ungestraft zu begehen; ja dass jene sündigen, die sich etwas Gutes zu tun bemühen, da uns doch das ganze Evangelium und die ganze Heilige Schrift ohne Unterlass ermahnt, die Laster zu fliehen, die Tugenden auszuüben und den wahren Glauben mit guten Werken zu verbinden. Ich übergehe mit Stillschweigen, dass Luther mit den Stoikern und Manichäern, mit Wyclif, Calvin und anderen Sektierern die menschliche Freiheit offenbar geleugnet und alles einer unüberwindlichen Notwendigkeit unterworfen habe. Ich will nicht erwähnen, dass er in den gräulichen Irrtum der Eutychianer verfallen sei, da er den Zwingli des Nestorianismus beschuldigen wollte: „Ich habe irgendwo mit den Nestorianern einen Streit gehabt (so schrieb er wider die Zwinglianer), welche hartnäckig behaupteten, dass die Gottheit Christi nicht leiden konnte.“ Es war also Luther der Meinung, die Gottheit Christi habe gelitten; woraus der gottlose und unsinnige Lehrsatz des Andreas Muskulus geflossen ist: Die Gottheit hat am Kreuze gelitten und ist gestorben. Meinet ihr wohl, liebste Zuhörer, dass er wusste, was dies sagen wolle: Die Gottheit hat gelitten? Ist sie nicht eines mit der Ewigkeit? Verlangt nicht ihre Wesenheit, dass sie weder leiden noch sterben könne?
Aber ich will bei diesen offenbaren Irrtümern nicht länger verweilen, sondern nur einen einzigen anführen, worin fast alle Ketzer unserer Zeiten übereinkommen; denn wenn wir bei einem Lehrer auch nur einen einzigen auffallenden Irrtum entdecken, so ist dies nach dem eigenen Zeugnisse Luthers schon genug, ihm auch in den übrigen Stücken keinen Glauben beizumessen. Nun haben Luther und Calvin den von Wyclif erlernten Grundsatz ihres neuen Evangeliums: „Dass nämlich Gott die wirkende Ursache aller Laster und Schandtaten sei; dass er die Sünden wolle und bestimme“, mit aller Hartnäckigkeit verteidigt; welche Gottlosigkeit Philipp Melanchthon dadurch zu erklären suchte: „Dass die Verräterei des Judas nicht minder als der Beruf des Paulus ein Gott zugehörendes Werk gewesen sei.“ Was dünkt euch aber, liebste Zuhörer, von dieser Glaubenslehre, worauf die heutigen Irrlehrer das übrige Gebäude ihres neuen Systems aufgeführt haben? Sind nicht die Manichäer, welche sie sich in diesem Punkte zu Lehrmeistern gewählt haben, als die lasterhaftesten Menschen von der Kirche immer verabscheut worden? Doch was sage ich? Sie übertreffen diese verabscheuungswürdigen Ketzer noch weit in ihrer Gottlosigkeit; denn die Manichäer machten zwar Gott zum Urheber der Sünde, aber einen vermöge seiner Wesenheit bösen Gott, den sie sich selbst ersannen und den Teufel zu nennen pflegten, weil sie nicht so töricht waren, dass sie sich getrauten, den guten und wahren Gott als die Ursache der Sünde anzugeben. Hingegen unsere neuen Lehrer in Israel tragen kein Bedenken, den höchsten, guten und wahren Gott der Sünde zu beschuldigen. O wie bebt mir das Herz vor Schrecken, da ich einer so gräulichen und gottlosen Lehre erwähnen muss! Haben uns nicht die treulosen Juden, die dummen Türken und selbst jene Völker, die in ihrer Rohheit und Unwissenheit mehr dem Viehe als den Menschen gleichen, echtere Begriffe von Gott hinterlassen? Wenn jetzt ein heiliger Hilarius zugegen wäre, würde er nicht ausrufen: „O die unglückseligen Ohren, die so gräuliche Lästerworte anhören!“ Dürfen wir nicht mit einem heiligen Polykarpus seufzen: „O gütigster Gott, welchen Zeiten hast du uns vorbehalten, dass wir solche Lästerungen hörten?“ Wie, der Gott der Heiligkeit und Wahrheit soll der Urheber der Sünde und Lüge sein? Warum sagt denn die Schrift so ausdrücklich: „Gott befiehlt niemanden, gottlos zu handeln, und gibt niemanden Erlaubnis, zu sündigen.“ „Gott sind beide gleich verhasst, der Gottlose und sein gottloses Wesen.“ Haben sie nicht gelesen, dass der Apostel auf die Frage „Handelt Gott etwa ungerecht?“ alsogleich antwortete: „Das sei ferne!“ Wenn Gott der Urheber der Sünde ist, wie kann er die Sünde bestrafen? Wenn die Verräterei des Judas ebenso ein Werk Gottes als die Bekehrung des Paulus gewesen ist, wie hat er jenen zur Hölle verdammen, diesen aber in das Himmelreich aufnehmen können? Ist es wohl glaubwürdig, liebste Zuhörer, dass der heilige Geist durch so gotteslästerische Zungen haben reden und seine ewigen Wahrheiten verkündigen wollen?
Bei solcher Sachlage dürfen wir uns nicht wundern, wenn durch so heidnische Lehrsätze auch heidnische Sitten eingeführt wurden. Selbst unsere Gegner konnten sich nicht enthalten, dieses zu beklagen und zu beweinen. Luther gestand es in einer seiner Adventsreden, dass die Menschen bei seinem neuen Evangelium viel ausgelassener lebten, als sie je im Papsttume gelebt hatten. Höret aber, wie Paulus Huber, der ein Vorsteher der lutherischen Synode gewesen, die Sitten seiner Glaubensbrüder beschrieb: „Du wirst sehen (sind seine Worte), wie man die Religion und christliche Freiheit auf die schändlichste Weise missbrauche, das heilige Geheimnis verachte und versäume, mit unnützen Zänkereien sich abgebe, die Kirche ihrer Güter beraube und gegen die Diener des Altares sich undankbar betrage. Du wirst die Vernachlässigung der Zucht, eine ausgelassene Hartnäckigkeit der Jugend und andere unzählige Laster, die sich täglich vermehren, antreffen. Bei diesem Anblicke wird dein Gemüt öfters erschüttert und mit vielen Zweifeln beängstigt werden, ob diese Versammlung, die durch so viele Verwirrungen und Laster entstaltet wird, die wahre Kirche sein könne.“
Aber unsere Gegner sind selbst Ursache jener Übel, worüber sie klagen. Denn wer hat uns den Frieden genommen und das Feuer der Uneinigkeit angefacht? Wer hat so viele Totschläge und Entheiligungen der Gott geweihten Tempel und Personen veranlasst? Wer hat die Sitten verdorben, Unzucht, Ehebrüche und alle Gattungen der schändlichsten Laster eingeführt? Waren es nicht Luther und seine Anhänger, indem sie lehrten, dass Gott keine guten Werke von uns fordere, ja selbe vielmehr verwerfe? Sie riefen ihren Zuhörern von den öffentlichen Kanzeln zu: Man könne die Keuschheit nicht halten; man dürfe die Magd zum Beischlafe gebrauchen, wenn diesen die Ehegattin abschlägt: Und dennoch verwundern sie sich jetzt, dass alles mit Unzucht und Ehebrüchen befleckt ist. Sie predigten ihren Zuhörern, dass die Untergebenen vermöge der christlichen Freiheit ihren Vorgesetzten gleich seien und diese vor jenen keinen Vorzug haben; und jetzt beklagen sie sich über den Ungehorsam des Volkes. Sie bemühten sich, ihre Zuhörer zu überzeugen, dass der Mensch keinen freien Willen habe, sondern von Gott zur Sünde gezwungen werde; dass man eben dadurch sündige, wenn man sich bestrebe, die Sünde zu vermeiden; dass man endlich die Nachlassung der Sünde ohne die innerliche Reue, ohne Beicht und Genugtuung durch den Glauben allein von Gott erlange; und jetzt tadeln sie die Sünden ihrer Brüder und die Leichtigkeit, selbe zu begehen. Hätte wohl eine so verdorbene Lehre bessere Früchte hervorbringen können, da der Herr im Evangelium spricht: „Ein schlechter Baum kann nicht gute Früchte bringen.“ So viel von der Reinheit der katholischen Lehre.
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Wer weiß nun nicht den späteren Ursprung aller Ketzereien? Die Arianer waren gewiss nicht vor dem Arius noch die Macedonianer, Nestorianer, Pelagianer, Mohammedaner und Lutheraner vor Macedonius, Nestorius, Pelagius, vor Mohammed und Luther.
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Je kühner jemand das Alte umstößt, die Überlieferung und die kirchliche Lehre von sich weist, für um so gelehrter gilt er.
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Einst hatten die Juden die wahre Religion, das wahre Gesetz und die wahre Kirche; aber nach der Ankunft des Messias kann ihre Religion nicht mehr wahr sein weil sie von Christus erfüllt worden ist.
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Es gibt Zeiten, da bin ich ganz für mich allein, und da überkommt mich ein derart herzliches Lachen, dass es geradezu ein Wunder wäre, wenn ich mich in Gegenwart anderer noch beherrschen könnte.
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O Gott, wie werden ihm jene Augenblicke der Lust sodann erscheinen, nach hundert, nach tausend Millionen Jahren der Hölle!
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Ach, mein Jesus! Ich sehe, wie viel Ihr getan und gelitten habt, um mich in die Notwendigkeit zu versetzen, Euch zu lieben – und ich bin Euch so undankbar gewesen?