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Das Buch vom hl. Don Bosco unterweist den (jungen) Katholiken in seiner Religion und findet in Dialogform zwischen einem Vater und dem (ältesten) Sohn (der Gruppe) statt.
Vater. Nun, meine lieben Kinder, da ich euch hier wieder versammelt sehe und ihr einige eurer Gefährten mitgebracht habt, werde ich den Faden unserer Unterhaltungen wieder aufnehmen.
Sohn. Ihr sagtet uns, dass ihr so viele schöne Dinge zu erzählen hättet; darum haben wir auch einige unserer Gefährten hierher mitgebracht, die ebenfalls sehr begierig sind, euch zuzuhören.
V. Die Dinge, die ich zu behandeln beginne, sind gewiss von größter Bedeutung. Wir befinden uns im sechzehnten Jahrhundert, einem berühmten Jahrhundert, in dem sich eine Flut von Ketzern unter dem Namen Protestanten gegen die Kirche auflehnte und ihr unermesslichen Schaden zufügte. Die Sekte der Protestanten pflegt man Reformierte Kirche zu nennen, weil ihre Gründer vorgaben, die katholische Kirche reformieren zu wollen; und deshalb nennt man ihre Anhänger Reformierte; die Urheber der Reformation wollten sich Reformatoren nennen.
S. Welche Absonderlichkeit! Wer waren nur jene so kühnen Männer, dass sie es unternahmen, die katholische Kirche, die die wahre Kirche Jesu Christi ist, reformieren zu wollen?
V. Verschiedene waren diese so absonderlichen und so kühnen Männer. Haupt von allen war Martin Luther, dem ein anderer Erzhäretiker folgte, der berühmte Johannes Calvin.
S. O lieber Vater, wir haben euch schon so viele Male Calvin und Luther nennen hören; nun macht uns die Freude und erzählt uns ihr Leben, wir wünschen wirklich, es zu erfahren.
V. Ich erzähle euch sehr gerne das Leben dieser beiden Erzhäretiker, damit ihr ihren äußerst schlechten Lebenswandel erkennen und in der Lage sein könnt zu beurteilen, was von ihrer Lehre zu halten ist. Zuvor jedoch möchte ich euch einige Umstände andeuten, die gleichsam Zunder und Holz waren, die den schrecklichen Brand der sogenannten Reformation schürten.
S. Sagt uns also, welches diese Umstände waren?
V. Der Umstand, beziehungsweise der Hauptgrund, der im 16. Jahrhundert eine große Zahl von Christen dazu bewog, sich von der katholischen Kirche zu trennen, war der Wunsch nach einem freieren Leben. Meine zarten Kinder, ich sage euch eine große Wahrheit, bemüht euch, sie nicht zu vergessen: Unter all jenen, die sich zu verschiedenen Zeiten von der katholischen Kirche entfernten, tat dies auch nicht einer aus Verlangen, besser zu leben, tugendhafter zu sein, sondern nur, um ein zügelloses Leben zu führen und einer Moral zu folgen, die den menschlichen Leidenschaften freien Lauf ließ, was auch immer sie eingeben mögen.
Außerdem gab es noch drei andere Umstände, deren sich die Förderer der neuen Reformation als Vorwand bedienten.
S. Welches ist der erste dieser Umstände?
V. Der erste Umstand, oder besser die erste Sache, welche die Neuerer bei der Förderung ihrer Reformation begünstigte, war die Sucht, unabhängig vom Römischen Papst, dem Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, zu sein. Ich glaube, ihr erinnert euch noch an den Hauptgrund, warum sich die Griechen von der Römischen Kirche trennten: Es war gerade der, das Joch des Gehorsams gegenüber dem Haupt der Kirche abzuschütteln, was dann die Griechische Kirche zu einer Vielzahl anderer Irrtümer und Unordnungen führte.
Diese Sucht, unabhängig vom Haupt der Kirche zu leben, was so viel heißt wie frei zu leben, wie jeder will, diese Sucht, sage ich, ging von den Griechen auf Deutschland über, weshalb Deutschland als die Wiege der protestantischen Reformation angesehen wird.
S. Die erste Ursache läuft also auf Hochmut und das Verlangen hinaus, launenhaft zu leben. Und welches war die zweite Ursache?
V. Die zweite Ursache oder der zweite Umstand, der der Reformation Auftrieb gab, war das Gelüst mehrerer weltlicher Herrscher, sich die Güter der Kirche anzueignen. Ob dies nun aus einer unersättlichen Habgier herrührte oder aus Neid auf die Wertschätzung und Verehrung, die die Völker den kirchlichen Autoritäten entgegenbrachten, oder aus bösartigem Groll gegen die Religion selbst – Tatsache ist, dass nicht wenige Fürsten, besonders in Deutschland, in jenen Zeiten auf die Beraubung der Kirche und darauf begierig waren, deren Güter zu verschlingen. Als sich daher die Gelegenheit der sogenannten Reformation bot, könnt ihr euch vorstellen, mit welcher Gier sie dies vollbrachten. Es war nur natürlich, dass diese mit all ihrer Macht eine Sekte unterstützten, die ihren gierigen Hunger so stillte, sie mit den Raubgütern der Kirche bereicherte und an deren Unterstützung sie alles Interesse hatten, überzeugt, dass die auf Armut reduzierten Diener der Kirche jene Ausgaben, die für die Würde der Religion unverzichtbar sind, nicht mehr bestreiten können. Die Geschichte hat uns deutlich belehrt, dass, wenn man die Religion bekämpfen will, man zuallererst versucht, die heiligen Diener der Güter zu berauben, die sie besitzen.
S. Welches war die dritte dieser Ursachen?
V. Die dritte dieser Ursachen bzw. die dritte Sache, die das Unternehmen der seltsamen Reformation begünstigte, war – ich sage es euch mit schmerzerfülltem Herzen – neben der allgemeinen Unwissenheit der Bevölkerungen der schlechte Lebenswandel einiger Geistlicher.
S. Wie! Einige Geistliche gaben mit ihrem schlechten Lebenswandel Anlass zur Reformation?
V. Ihr habt wohl Grund, erstaunt zu sein. Die Geistlichen, die die Verteidiger der Religion sein sollten – ich sage nicht alle, nicht viele, aber sicherlich nicht wenige – sind ihre Verächter gewesen. Aber ihr müsst beachten, dass es unter den zwölf Aposteln des Erlösers einen Judas gab; deshalb dürfen wir uns nicht so sehr wundern, wenn im sechzehnten Jahrhundert einige Geistliche, gleich ebenso vielen Judas, der Heiligen Religion Jesu Christi tiefste Wunden zugefügt haben. Haupt dieser gegen die Kirche rebellischen Geistlichen war Martin Luther.
S. Nun erzählt uns das Leben dieses Martin Luther.
V. Dieser war ein in jeder Hinsicht absonderlicher Mensch. Er wurde von armen Eltern in Eisleben, einer Stadt in Sachsen, geboren. Schon von Kindheit an zeigte er einen so verderbten Charakter, ein so verderbtes Wesen, dass viele Schreiber seines Lebens versicherten, er sei ein Sohn des Teufels selbst.
Er besaß einen kühnen Verstand, einen unternehmungsfreudigen Geist, war aber hochmütig, ehrgeizig, bereit zu Auflehnungen, zu Verleumdungen, jedem Laster hingegeben und besonders der Unkeuschheit. Durch eifriges Studium gelang es ihm, sich den Namen eines Gelehrten zu erwerben, und im Alter von zwanzig Jahren erlangte er die Ernennung zum Magister der Philosophie.
Ein so lasterhafter Mensch, wie Luther es war, ein Mensch, der sich niemals der Tugendübung noch der Unterweisung in kirchlichen Dingen gewidmet hatte, schien keineswegs von Gott zum geistlichen Stand berufen. Doch ein plötzliches Ereignis ließ ihn sich dazu entschließen.
S. Erzählt es.
V. Das Ereignis, das Luther dazu bewog, den Ordensstand zu ergreifen, war dieses. Als er eines Tages auf dem Land war, wurde einer seiner Schulgefährten vom Blitz erschlagen und fiel tot zu seinen Füßen nieder; darüber erschrak er so sehr, dass er gelobte, Mönch zu werden, und tatsächlich trat er dem Orden der Augustiner bei.
Durch Heuchelei hielt er die Verderbtheit seines Herzens eine Zeit lang verborgen und erreichte es, zum Priester geweiht zu werden. Aber schließlich erkannten seine Oberen, dass er ein Hochmütiger, ein Unverschämter, ein gegen alle Ungehorsamer war, weshalb er aus dem Kloster entlassen wurde. Luther warf nun die Maske ab, legte das Ordensgewand ab, floh aus dem Konvent, was im Jahre 1617 geschah [Anm.: gemeint ist hier wohl 1517, das Jahr von Luthers Thesenanschlag; die Flucht aus dem Kloster erfolgte später, um 1524], und begann, gegen jene Religion zu predigen, in der er geboren, in der er erzogen worden war und zu deren Verteidigung er sich durch ein feierliches Gelübde geweiht hatte.
S. Wie schade! Wäre er wenigstens nicht Priester gewesen, wäre ihm vielleicht nicht geglaubt worden, und er hätte nicht so viel Schaden angerichtet; und unter welchem Vorwand lehnte sich Luther gegen die Kirche auf?
V. Luther nahm folgenden Vorfall zum Anlass, sich gegen die Kirche aufzulehnen. Der Papst Leo X., in dem Wunsch, die große Basilika in Rom vollenden zu lassen, die schon vor langer Zeit zu Ehren des heiligen Petrus, des Apostelfürsten, begonnen worden war, lud die gläubigen Christen der ganzen katholischen Welt ein, durch freiwillige Almosen dazu beizutragen, und gewährte bestimmte besondere Ablässe jenen Personen, die sich für dieses fromme Werk zur Verfügung stellten.
Ich glaube, ihr erinnert euch noch, was die katholische Lehre über die Ablässe lehrt, welche eine Zuwendung der Verdienste Jesu Christi, der allerseligsten Jungfrau Maria und der Heiligen sind, durch welche Zuwendung uns die zeitliche Sühne für die Sünden, die im Bußsakrament bereits vergeben wurden, ganz oder teilweise nachgelassen wird.
Ich hoffe, euch in eigenen Unterhaltungen darlegen zu können, wie Jesus Christus dem sichtbaren Haupt der Kirche die Vollmacht gegeben hat, Ablässe zu spenden, und wie diese Spendung von der Zeit der Apostel an bis zu uns stets praktiziert wurde.
S. Nun gut, was fand Luther an dieser Sache zu tadeln?
V. Der ungestüme Luther fand Missbräuche bei diesen Ablässen, wie es sie tatsächlich gab: Missbräuche, die von einigen derer herrührten, die jene Almosen sammelten. Er begann daher, gegen diese Missbräuche zu predigen; aber bald ging er dazu über, gegen die Ablässe selbst zu predigen. Und wie eine Unordnung zur anderen führt, so weigerte sich Luther, anstatt auf die väterlichen Mahnungen der Oberen zu hören, zu gehorchen und geriet ganz in Wut gegen die Kirche.
Er begann zu lehren, jeder sei frei, die Bibel auf seine Weise auszulegen und sich eine Religion nach seinem Belieben zu machen. Allen, die das Gelübde der Keuschheit abgelegt hatten, erlaubte er, die Ehe zu schließen. Philipp, dem Herrscher von Hessen, erlaubte er – um ihn zu bewegen, ihm Schutz zu gewähren –, gleichzeitig zwei Frauen zu haben: Christina, Prinzessin von Sachsen, die die erste, rechtmäßige war, und Margarethe von der Saale, die deren Hofdame gewesen war. Er gestand den Fürsten zu, sich die Güter der Kirchen anzueignen. Er schaffte die Beichte, die Messe, die Fastenzeiten und alle Enthaltungen und Bußwerke sowie die Feste und alle heiligen Zeremonien ab. Kurzum, er begann eine Lehre zu verkünden, die alle heiligen Dinge beschmutzt, Gott die Ursache sowohl des Guten als auch des Bösen zuschreibt und folglich die Freiheit des Menschen leugnet und ihn auf den Zustand der Tiere reduziert.
S. Oh weh! Was für eine hässliche Lehre! Bemühten sich der Papst und die Bischöfe nicht, sie zu widerlegen?
V. Die Päpste, die Bischöfe, die Universitäten, alle gelehrtesten Katholiken schrien auf gegen die Gottlosigkeit und die Ketzerei.
Leo X., der damals die Kirche regierte, wandte alle nur mögliche Sorgfalt auf, um ihn zur Umkehr zu bewegen, schrieb ihm und anderen die liebevollsten Briefe; von Rom aus sandte er Legaten nach Deutschland, um ihn zu überzeugen, sich nicht von jener Religion zu entfernen, in der er von Gott geschaffen war und von der er wusste, dass sie die einzig wahre ist, die einzige, die die Kennzeichen der Göttlichkeit aufweist. Aber nichts vermochte den verblendeten Erzhäretiker zur Besinnung zu bringen. Er hatte sich bereits seinen Lastern hingegeben und wurde in seinem Hochmut noch verstockter. Daher machte er sich, nachdem er eine gute Anzahl Anhänger gewonnen hatte, die ebenso zügellos waren wie er, daran, seine Irrtümer in ganz Deutschland zu verbreiten.
Kaiser Karl V. wollte versuchen, den neuen Unruhestiftern Einhalt zu gebieten, und erließ ein Dekret, mit dem er befahl, dass die Ketzer Ruhe geben sollten, bis die Dinge von der Kirche genau geprüft seien. Aber jene unruhigen Geister weigerten sich, dem Kaiser zu gehorchen, ja sie protestierten gegen dessen Befehle und griffen zur Unterstützung ihres Protests zu den Waffen und trugen Gemetzel und Schrecken in all jene Länder, in die sie einzudringen vermochten. Von dem Protest, dem Kaiser nicht gehorchen zu wollen, wurden diese Ketzer Protestanten genannt, und mit ebendiesem Namen werden noch heute die Anhänger Luthers, Calvins, des Petrus Valdes und im Allgemeinen alle anderen Ketzer bezeichnet.
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