III, q. 84 a. 1
Ob die Buße ein Sakrament ist?
Quaestio 84 · Vom Sakrament der Buße
1. Einwand: Es scheint, dass die Buße kein Sakrament ist. Denn Gregor sagt [*Vgl. Isidor, Etym. vi, Kap. 19]: „Sakramente sind die Taufe, die Salbung sowie Leib und Blut Christi; sie werden Sakramente genannt, weil unter der Hülle körperlicher Dinge die göttliche Kraft auf verborgene Weise das Heil bewirkt.“ Dies geschieht aber nicht in der Buße, da dort keine körperlichen Dinge verwendet werden, unter denen die Kraft Gottes unser Heil wirken könnte. Also ist die Buße kein Sakrament.
2. Einwand: Ferner werden die Sakramente der Kirche durch die Diener Christi gespendet, gemäß 1 Kor 4,1: „Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes.“ Die Buße aber wird nicht durch die Diener Christi verliehen, sondern innerlich von Gott in den Menschen eingegeben, gemäß Jer 31,19: „Nachdem du mich bekehrt hast, habe ich Buße getan.“ Daher scheint es, dass die Buße kein Sakrament ist.
3. Einwand: Ferner gibt es in den Sakramenten, von denen wir oben gesprochen haben, etwas, das nur Sakrament ist, etwas, das sowohl Realität als auch Sakrament ist, und etwas, das nur Realität ist, wie aus dem Gesagten hervorgeht (Quaestio [66], Artikel [1]). Dies trifft aber auf die Buße nicht zu. Also ist die Buße kein Sakrament.
Dagegen spricht, dass wie die Taufe gespendet wird, damit wir von der Sünde gereinigt werden, so auch die Buße: weshalb Petrus zu Simon Magus sagte (Apg 8,22): „Tue Buße ... über diese deine Bosheit.“ Die Taufe aber ist ein Sakrament, wie oben gesagt wurde (Quaestio [66], Artikel [1]). Aus demselben Grund ist daher auch die Buße ein Sakrament.
Ich antworte darauf, dass, wie Gregor sagt [*Isidor, Etym. vi, Kap. 19], „ein Sakrament in einer feierlichen Handlung besteht, wodurch etwas so geschieht, dass wir verstehen, dass es die Heiligkeit bezeichnet, die es verleiht.“ Nun ist es offensichtlich, dass in der Buße etwas geschieht, so dass etwas Heiliges bezeichnet wird, sowohl seitens des büßenden Sünders als auch seitens des lossprechenden Priesters; denn der büßende Sünder zeigt durch Tat und Wort, dass sein Herz der Sünde entsagt hat, und gleichermaßen bezeichnet der Priester durch seine Tat und sein Wort in Bezug auf den Büßer das Werk Gottes, der dessen Sünden vergibt. Daher ist es offensichtlich, dass die Buße, wie sie in der Kirche praktiziert wird, ein Sakrament ist.
Antwort auf den 1. Einwand: Unter körperlichen Dingen im weiten Sinne können wir auch äußere sinnliche Handlungen verstehen, die für dieses Sakrament das sind, was Wasser für die Taufe oder Chrisam für die Firmung ist. Es ist jedoch zu beachten, dass in jenen Sakramenten, durch die eine außergewöhnliche Gnade verliehen wird, die das Maß einer menschlichen Handlung gänzlich übersteigt, irgendeine körperliche Materie äußerlich angewendet wird, z. B. in der Taufe, die die volle Vergebung aller Sünden verleiht, sowohl der Schuld als auch der Strafe nach, und in der Firmung, in der die Fülle des Heiligen Geistes geschenkt wird, und in der Letzten Ölung, die vollkommene geistliche Gesundheit verleiht, abgeleitet von der Kraft Christi wie von einem äußeren Prinzip. Daher sind solche menschlichen Handlungen, wie sie in diesen Sakramenten vorkommen, nicht die wesentliche Materie des Sakraments, sondern Dispositionen dazu. Andererseits nimmt in jenen Sakramenten, deren Wirkung der einer menschlichen Handlung entspricht, die sinnliche menschliche Handlung selbst die Stelle der Materie ein, wie im Falle der Buße und der Ehe, so wie auch bei körperlichen Heilmitteln einige äußerlich angewendet werden, wie Pflaster und Arzneien, während andere Handlungen der Person sind, die geheilt werden will, wie bestimmte Übungen.
Antwort auf den 2. Einwand: In jenen Sakramenten, die eine körperliche Materie haben, muss diese Materie von einem Diener der Kirche angewendet werden, der an der Stelle Christi steht, was anzeigt, dass die Erhabenheit der Kraft, die in den Sakramenten wirkt, von Christus stammt. Aber im Sakrament der Buße nehmen, wie oben gesagt (ad 1), menschliche Handlungen die Stelle der Materie ein, und diese Handlungen gehen aus innerer Eingebung hervor, weshalb die Materie nicht vom Diener angewendet wird, sondern von Gott, der innerlich wirkt; während der Diener die Vervollständigung des Sakraments liefert, wenn er den Büßer losspricht.
Antwort auf den 3. Einwand: Auch in der Buße gibt es etwas, das nur Sakrament ist, nämlich die Handlungen, die äußerlich sowohl vom reuigen Sünder als auch vom Priester bei der Erteilung der Absolution vollzogen werden; das, was Realität und Sakrament ist, ist die innere Reue des Sünders; während das, was Realität und nicht Sakrament ist, die Vergebung der Sünde ist. Das Erste davon insgesamt genommen ist die Ursache des Zweiten; und das Erste und Zweite zusammen sind die Ursache des Dritten.