III, q. 82 a. 6
Ob die Messe eines sündigen Priesters von geringerem Wert ist als die Messe eines guten Priesters?
Quaestio 82 · Vom Spender dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass die Messe eines sündigen Priesters nicht von geringerem Wert ist als die eines guten Priesters. Denn Papst Gregor sagt im Register: „Ach, in welch großen Fallstrick geraten jene, die glauben, dass die göttlichen und verborgenen Mysterien durch einige mehr geheiligt werden können als durch andere; da es der eine und selbe Heilige Geist ist, der jene Mysterien auf verborgene und unsichtbare Weise heiligt.“ Diese verborgenen Mysterien aber werden in der Messe gefeiert. Daher ist die Messe eines sündigen Priesters nicht von geringerem Wert als die Messe eines guten Priesters.
Einwand 2: Ferner wird, wie die Taufe von einem Diener durch die Kraft Christi, der tauft, gespendet wird, so auch dieses Sakrament in der Person Christi konsekriert. Die Taufe ist aber nicht besser, wenn sie von einem besseren Priester gespendet wird, wie oben gesagt wurde (Q. 64, Art. 1, ad 2). Daher ist auch eine Messe nicht besser, die von einem besseren Priester gefeiert wird.
Einwand 3: Ferner unterscheiden sich die Verdienste der Priester darin, gut und besser zu sein, ebenso wie sie sich darin unterscheiden, gut und schlecht zu sein. Folglich, wenn die Messe eines besseren Priesters selbst besser wäre, folgte daraus, dass die Messe eines schlechten Priesters schlecht sein müsste. Dies ist nun unvernünftig, weil die Bosheit der Diener die Mysterien Christi nicht beeinträchtigen kann, wie Augustinus in seinem Werk über die Taufe sagt (Contra Donat. 12). Daher ist auch die Messe eines besseren Priesters nicht die bessere.
Dagegen spricht, was im Decretal 1, q. 1 steht: „Je würdiger der Priester ist, desto eher wird er in den Nöten erhört, für die er betet.“
Ich antworte darauf, dass in der Messe zwei Dinge zu betrachten sind: nämlich das Sakrament selbst, welches die Hauptsache ist; und die Gebete, die in der Messe für die Lebenden und die Toten dargebracht werden. Was die Messe selbst betrifft, so ist die Messe eines schlechten Priesters nicht von geringerem Wert als die eines guten Priesters, weil dasselbe Opfer von beiden dargebracht wird.
Wiederum kann das in der Messe dargebrachte Gebet in zweifacher Hinsicht betrachtet werden: erstens, insofern es seine Wirksamkeit aus der Andacht des fürbittenden Priesters hat, und in dieser Hinsicht besteht kein Zweifel, dass die Messe des besseren Priesters fruchtbarer ist. In anderer Hinsicht, insofern das Gebet vom Priester in der Messe anstelle der ganzen Kirche gesprochen wird, deren Diener der Priester ist; und dieser Dienst bleibt auch in sündigen Menschen bestehen, wie oben (Art. 5) in Bezug auf den Dienst Christi gesagt wurde. Daher ist in dieser Hinsicht auch das Gebet des sündigen Priesters fruchtbar, nicht nur jenes, das er in der Messe spricht, sondern ebenso alle jene, die er in den kirchlichen Offizien rezitiert, worin er die Stelle der Kirche einnimmt. Andererseits sind seine privaten Gebete nicht fruchtbar, gemäß Spr 28,9: „Wer sein Ohr abwendet, um das Gesetz nicht zu hören, dessen Gebet wird ein Gräuel sein.“
Antwort auf Einwand 1: Gregor spricht dort von der Heiligkeit des göttlichen Sakraments.
Antwort auf Einwand 2: Im Sakrament der Taufe werden keine feierlichen Gebete für alle Gläubigen verrichtet wie in der Messe; daher gibt es in dieser Hinsicht keine Parallele. Es besteht jedoch eine Ähnlichkeit hinsichtlich der Wirkung des Sakraments.
Antwort auf Einwand 3: Aufgrund der Kraft des Heiligen Geistes, der jedem die Segnungen der Glieder Christi mitteilt, weil sie in der Liebe vereint sind, ist der private Segen in der Messe eines guten Priesters für andere fruchtbar. Aber das private Böse eines Menschen kann einem anderen nicht schaden, außer letzterer stimmt in irgendeiner Weise zu, wie Augustinus sagt (Contra Parmen. 2).