III, q. 68 a. 4
Ob Sünder getauft werden sollen?
Quaestio 68 · Von den Empfängern der Taufe
Einwand 1: Es scheint, dass Sünder getauft werden sollen. Denn es steht geschrieben (Sach 13,1): „An jenem Tag wird für das Haus David und für die Einwohner Jerusalems eine Quelle offenstehen gegen Sünde und Unreinheit“: und dies ist von der Quelle der Taufe zu verstehen. Daher scheint es, dass das Sakrament der Taufe sogar Sündern angeboten werden sollte.
Einwand 2: Ferner sagte unser Herr (Mt 9,12): „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“ Aber die Kranken sind die Sünder. Da also die Taufe das Heilmittel Christi, des Arztes unserer Seelen, ist, scheint es, dass dieses Sakrament Sündern angeboten werden sollte.
Einwand 3: Ferner sollte Sündern keine Hilfe entzogen werden. Aber Sünder, die getauft wurden, ziehen geistlichen Beistand aus dem Merkmal der Taufe selbst, da es eine Disposition zur Gnade ist. Daher scheint es, dass das Sakrament der Taufe Sündern angeboten werden sollte.
Dagegen spricht, was Augustinus sagt (Serm. clxix): „Er, der dich ohne dich erschaffen hat, wird dich nicht ohne dich rechtfertigen.“ Da aber der Wille eines Sünders schlecht disponiert ist, wirkt er nicht mit Gott zusammen. Daher ist es nutzlos, die Taufe als Mittel der Rechtfertigung anzuwenden.
Ich antworte darauf, Ein Mensch kann auf zwei Arten als Sünder bezeichnet werden. Erstens aufgrund des Makels und der Strafschuld, die in der Vergangenheit entstanden sind: und Sündern in diesem Sinne sollte das Sakrament der Taufe gespendet werden, da es speziell zu diesem Zweck eingesetzt ist, dass durch es die Unreinheit der Sünde abgewaschen werde, gemäß Eph 5,26: „Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort des Lebens.“
Zweitens kann ein Mensch ein Sünder genannt werden, weil er zu sündigen will und beabsichtigt, in der Sünde zu verbleiben: und Sündern in diesem Sinne sollte das Sakrament der Taufe nicht gespendet werden. Erstens in der Tat, weil durch die Taufe Menschen in Christus eingegliedert werden, gemäß Gal 3,27: „Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ Nun kann ein Mensch, solange er zu sündigen will, nicht mit Christus vereint werden, gemäß 2 Kor 6,14: „Was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen?“ Weshalb Augustinus in seinem Buch über die Buße (Serm. cccli) sagt, dass „kein Mensch, der den Gebrauch des freien Willens hat, das neue Leben beginnen kann, außer er bereue sein früheres Leben.“ Zweitens, weil es in den Werken Christi und der Kirche nichts Nutzloses geben sollte. Nun ist das nutzlos, was das Ziel nicht erreicht, auf das es hingeordnet ist; und andererseits kann niemand, der den Willen zur Sünde hat, gleichzeitig von der Sünde gereinigt werden, was der Zweck der Taufe ist; denn dies hieße, zwei widersprüchliche Dinge zu verbinden. Drittens, weil es keine Falschheit in den sakramentalen Zeichen geben sollte. Nun ist ein Zeichen falsch, wenn es nicht mit der bezeichneten Sache übereinstimmt. Aber allein die Tatsache, dass ein Mensch sich darbietet, um durch die Taufe gereinigt zu werden, bedeutet, dass er sich auf die innere Reinigung vorbereitet: während dies bei einem, der beabsichtigt, in der Sünde zu verbleiben, nicht der Fall sein kann. Daher ist es offenkundig, dass einem solchen Menschen das Sakrament der Taufe nicht gespendet werden darf.
Antwort auf Einwand 1: Die zitierten Worte sind von jenen Sündern zu verstehen, deren Wille darauf gerichtet ist, der Sünde zu entsagen.
Antwort auf Einwand 2: Der Arzt der Seelen, d.h. Christus, wirkt auf zwei Arten. Erstens innerlich, durch sich selbst: und so bereitet er den Willen des Menschen vor, damit er das Gute wolle und das Böse hasse. Zweitens wirkt er durch Diener, durch die äußere Anwendung der Sakramente: und auf diese Weise besteht sein Werk darin, das zu vollenden, was äußerlich begonnen wurde. Daher ist das Sakrament der Taufe nur jenen zu spenden, in denen irgendein Zeichen ihrer inneren Bekehrung erscheint: so wie auch einem kranken Menschen keine körperliche Medizin gegeben wird, wenn er nicht irgendein Lebenszeichen zeigt.
Antwort auf Einwand 3: Die Taufe ist das Sakrament des Glaubens. Nun genügt toter Glaube nicht zum Heil; noch ist er das Fundament, sondern allein der lebendige Glaube, „der durch die Liebe wirksam ist“ (Gal 5,6), wie Augustinus sagt (De Fide et oper.). Daher kann auch das Sakrament der Taufe einem Menschen kein Heil geben, dessen Wille auf das Sündigen gerichtet ist und der daher die Form des Glaubens vertreibt. Überdies kann die Einprägung des Taufmerkmals einen Menschen nicht für die Gnade disponieren, solange er den Willen zur Sünde behält; denn „Gott zwingt keinen Menschen, tugendhaft zu sein“, wie Damascenus sagt (De Fide Orth. ii).