Suppl., q. 29 a. 9
Ob das vorstehende Gebet eine geeignete Form für dieses Sakrament ist?
Quaestio 29 · Von der Letzten Ölung hinsichtlich ihres Wesens und ihrer Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass das vorstehende Gebet keine geeignete Form für dieses Sakrament ist. Denn in den Formen der anderen Sakramente wird die Materie erwähnt, zum Beispiel in der Firmung, wohingegen dies in den vorgenannten Worten nicht geschieht. Also ist es keine geeignete Form.
Einwand 2: Ferner, so wie uns die Wirkung dieses Sakraments durch die Barmherzigkeit Gottes verliehen wird, so werden auch die Wirkungen der anderen Sakramente verliehen. Aber in den Formen der anderen Sakramente wird nicht die göttliche Barmherzigkeit erwähnt, sondern eher die Dreifaltigkeit und das Leiden. Also sollte dasselbe hier geschehen.
Einwand 3: Ferner wird im Text (Sent. iv, D, 23) festgestellt, dass dieses Sakrament eine zweifache Wirkung hat. Aber in den vorstehenden Worten wird nur eine Wirkung erwähnt, nämlich die Vergebung der Sünden, und nicht die Heilung des Körpers, zu welchem Zweck Jakobus das Gebet des Glaubens verordnet (Jakobus 5,15): „Das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten.“ Also ist die obige Form ungeeignet.
Ich antworte darauf, dass das oben angegebene Gebet (Artikel [8]) eine geeignete Form für dieses Sakrament ist, denn es schließt das Sakrament ein durch die Worte: „Durch diese heilige Salbung“, und das, was im Sakrament wirkt, nämlich „die Barmherzigkeit Gottes“, und die Wirkung, nämlich „Vergebung der Sünden“.
Antwort auf Einwand 1: Die Materie dieses Sakraments kann im Akt der Salbung verstanden werden, wohingegen die Materie der Firmung nicht durch den in der Form ausgedrückten Akt impliziert werden kann. Daher besteht keine Gleichheit.
Antwort auf Einwand 2: Der Gegenstand der Barmherzigkeit ist das Elend: und weil dieses Sakrament gegeben wird, wenn wir in einem Zustand des Elends, d.h. der Krankheit, sind, wird die Barmherzigkeit eher in diesem als in anderen Sakramenten erwähnt.
Antwort auf Einwand 3: Die Form sollte Erwähnung der Hauptwirkung enthalten und dessen, was immer kraft des Sakraments folgt, sofern nicht etwas seitens des Empfängers fehlt. Nun ist die körperliche Gesundheit keine Wirkung dieser Art, wie wir weiter unten darlegen werden (Frage [30], Artikel [1],2), obwohl sie zuweilen folgt, weshalb Jakobus diese Wirkung dem Gebet zuschreibt, welches die Form dieses Sakraments ist.