Suppl., q. 29 a. 7
Ob dieses Sakrament eine Form hat?
Quaestio 29 · Von der Letzten Ölung hinsichtlich ihres Wesens und ihrer Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass dieses Sakrament keine Form hat. Denn da die Wirksamkeit der Sakramente von ihrer Einsetzung abgeleitet ist, wie auch von ihrer Form, muss letztere notwendigerweise vom Einsetzer des Sakraments bestimmt sein. Aber es gibt keinen Bericht darüber, dass die Form dieses Sakraments entweder von Christus oder von den Aposteln eingesetzt wurde. Also hat dieses Sakrament keine Form.
Einwand 2: Ferner wird das, was für ein Sakrament wesentlich ist, überall auf dieselbe Weise beobachtet. Nun ist nichts so wesentlich für ein Sakrament, das eine Form hat, wie eben diese Form. Da es also in diesem Sakrament keine allgemein von allen gebrauchte Form gibt, da verschiedene Worte in Gebrauch sind, scheint es, dass dieses Sakrament keine Form hat.
Einwand 3: Ferner ist bei der Taufe keine Form erforderlich außer zur Heiligung der Materie, weil das Wasser „durch das Wort des Lebens geheiligt wird, um die Sünde abzuwaschen“, wie Hugo feststellt (De Sacram. ii). Nun ist die Materie dieses Sakraments bereits geweiht. Also bedarf es keiner Wortform.
Dagegen spricht, dass der Magister sagt (Sent. iv, D, 1), dass jedes Sakrament des Neuen Gesetzes aus Dingen und Worten besteht. Nun sind die Worte die sakramentale Form. Da dies also ein Sakrament des Neuen Gesetzes ist, scheint es, dass es eine Form hat.
Ferner wird dies durch den Ritus der Universalkirche bestätigt, die bei der Spendung dieses Sakraments bestimmte Worte verwendet.
Ich antworte darauf, dass einige dafür gehalten haben, dass keine Form für dieses Sakrament wesentlich ist. Dies scheint jedoch der Wirkung dieses Sakraments abträglich zu sein, da jedes Sakrament seine Wirkung bezeichnet. Nun ist die Materie in Bezug auf ihre Wirkung indifferent und kann folglich nicht auf eine bestimmte Wirkung festgelegt werden, außer durch die Wortform. Daher muss es in allen Sakramenten des Neuen Gesetzes, da sie bewirken, was sie bezeichnen, notwendigerweise Dinge und Worte geben. Überdies scheint Jakobus (5,14.15) die ganze Kraft dieses Sakraments dem Gebet zuzuschreiben, welches dessen Form ist, wie wir weiter unten darlegen werden (ad 2: Artikel [8],9). Weshalb die vorstehende Meinung vermessen und irrig erscheint; und aus diesem Grund sollten wir mit der allgemeinen Meinung festhalten, dass dieses, wie alle anderen Sakramente, eine feste Form hat.
Antwort auf Einwand 1: Die Heilige Schrift ist allen gleichermaßen vorgelegt: und so sollte die Form der Taufe, die von allen gespendet werden kann, in der Heiligen Schrift ausgedrückt sein, wie auch die Form der Eucharistie, die in Bezug auf jenes Sakrament den Glauben ausdrückt, der zum Heil notwendig ist. Nun sind die Formen der anderen Sakramente nicht in der Heiligen Schrift enthalten, sondern wurden der Kirche von den Aposteln überliefert, die sie von unserem Herrn empfingen, wie der Apostel erklärt (1 Kor 11,23): „Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe“ usw.
Antwort auf Einwand 2: Die Worte, die wesentlich für die Form sind, nämlich das Bittgebet, werden von allen gesprochen; aber andere Worte, die zum Wohlsein desselben gehören, werden nicht von allen gesprochen.
Antwort auf Einwand 3: Die Materie der Taufe hat eine gewisse eigene Heiligung durch die bloße Berührung des Fleisches unseres Erlösers; aber die Wortform heiligt sie so, dass sie eine heiligende Kraft hat. In gleicher Weise erfordert die Materie dieses Sakraments, wenn sie in sich selbst geheiligt wurde, eine Heiligung in ihrem Gebrauch, damit sie aktuell heiligen möge.