Suppl., q. 29 a. 8
Ob die Form dieses Sakraments als Aussage oder als Bitte ausgedrückt werden sollte?
Quaestio 29 · Von der Letzten Ölung hinsichtlich ihres Wesens und ihrer Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass die Form dieses Sakraments eher als Aussage denn als Bitte ausgedrückt werden sollte. Denn alle Sakramente des Neuen Gesetzes haben eine sichere Wirkung. Aber die Sicherheit der Wirkung wird in den sakramentalen Formen nicht anders als durch eine Aussage ausgedrückt, wie wenn wir sagen: „Dies ist mein Leib“ oder „Ich taufe dich“. Also sollte die Form dieses Sakraments als eine Aussage ausgedrückt werden.
Einwand 2: Ferner sollte die Intention des Spenders in den sakramentalen Formen ausgedrückt werden, weil sie wesentlich für das Sakrament ist. Aber die Intention, ein Sakrament zu spenden, wird nicht anders als durch eine Aussage ausgedrückt. Also usw.
Einwand 3: Ferner werden in einigen Kirchen bei der Spendung dieses Sakraments folgende Worte gesprochen: „Ich salbe diese Augen mit geweihtem Öl im Namen des Vaters“ usw., was mit den Formen der anderen Sakramente im Einklang steht. Daher scheint es, dass dies die Form dieses Sakraments ist.
Dagegen spricht, dass die Form eines Sakraments notwendigerweise eine sein muss, die überall beobachtet wird. Nun sind die Worte, die nach dem Brauch aller Kirchen verwendet werden, nicht die oben zitierten, sondern nehmen die Form einer Bitte an, nämlich: „Durch diese heilige Salbung und seine mildreichste Barmherzigkeit möge dir der Herr nachlassen, was immer du gesündigt hast durch das Sehen“ usw. Also wird die Form dieses Sakraments als eine Bitte ausgedrückt.
Ferner scheint dies aus den Worten des Jakobus zu folgen, der die Wirkung dieses Sakraments dem Gebet zuschreibt: „Das Gebet des Glaubens“, sagt er (5,15), „wird den Kranken retten.“ Da also ein Sakrament seine Wirksamkeit von seiner Form nimmt, scheint es, dass die Form dieses Sakraments als eine Bitte ausgedrückt wird.
Ich antworte darauf, dass die Form dieses Sakraments als eine Bitte ausgedrückt wird, wie aus den Worten des Jakobus und aus dem Brauch der Römischen Kirche hervorgeht, die bei der Spendung dieses Sakraments keine anderen als Worte des Flehens verwendet. Mehrere Gründe werden dafür angeführt: erstens, weil der Empfänger dieses Sakraments seiner Kräfte beraubt ist, so dass er der Hilfe durch Gebete bedarf; zweitens, weil es den Sterbenden gegeben wird, die im Begriff sind, die Vorhöfe der Kirche zu verlassen und allein in den Händen Gottes zu ruhen, weshalb sie Ihm durch Gebet anempfohlen werden; drittens, weil die Wirkung dieses Sakraments nicht derart ist, dass sie immer aus dem Gebet des Spenders resultiert, selbst wenn alle wesentlichen Erfordernisse ordnungsgemäß beachtet wurden, wie es der Fall ist beim Charakter in der Taufe und Firmung, der Transsubstantiation in der Eucharistie, der Sündenvergebung in der Buße (vorausgesetzt Reue), welche Vergebung wesentlich für das Sakrament der Buße ist, aber nicht für dieses Sakrament. Folglich kann die Form dieses Sakraments nicht im Indikativ ausgedrückt werden, wie in den eben erwähnten Sakramenten.
Antwort auf Einwand 1: Dieses Sakrament ist, wie die anderen erwähnten, in sich selbst betrachtet seiner Wirkung sicher. Dennoch kann diese Wirkung durch die Unaufrichtigkeit des Empfängers gehindert werden (obwohl er sich durch seine Intention dem Sakrament unterwirft), so dass er überhaupt keine Wirkung empfängt. Daher besteht keine Gleichheit zwischen diesem Sakrament und den anderen, in denen immer eine gewisse Wirkung folgt.
Antwort auf Einwand 2: Die Intention wird hinreichend durch die Handlung ausgedrückt, die in der Form erwähnt wird, nämlich: „Durch diese heilige Salbung.“
Antwort auf Einwand 3: Diese Worte im Indikativ, die einige vor dem Gebet zu sagen pflegen, sind nicht die sakramentale Form, sondern eine Vorbereitung auf die Form, insofern sie die Intention des Spenders bestimmen.