Suppl., q. 29 a. 5
Ob das Öl geweiht sein muss?
Quaestio 29 · Von der Letzten Ölung hinsichtlich ihres Wesens und ihrer Einsetzung.
Einwand 1: Es scheint, dass das Öl nicht geweiht sein muss. Denn es gibt eine Heiligung im Gebrauch dieses Sakraments durch die Wortform. Daher ist eine weitere Heiligung überflüssig, wenn sie auf die Materie angewandt wird.
Einwand 2: Ferner liegen die Wirksamkeit und Bezeichnung der Sakramente in ihrer eigentlichen Materie. Aber die Bezeichnung der Wirkung dieses Sakraments ist dem Öl aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften angemessen, und dessen Wirksamkeit beruht auf der göttlichen Einsetzung. Also muss seine Materie nicht geheiligt werden.
Einwand 3: Ferner ist die Taufe ein vollkommeneres Sakrament als die Letzte Ölung. Aber was das Wesentliche des Sakraments betrifft, bedarf die Taufmaterie keiner Heiligung. Also muss auch die Materie der Letzten Ölung nicht geheiligt werden.
Dagegen spricht, dass bei allen anderen Salbungen die Materie zuvor geweiht wird. Da also dieses Sakrament eine Salbung ist, erfordert es geweihte Materie.
Ich antworte darauf, dass einige dafür halten, dass bloßes Öl die Materie dieses Sakraments ist und dass das Sakrament selbst in der Weihe des Öls durch den Bischof vollendet wird. Aber dies ist offensichtlich falsch, da wir bei der Behandlung der Eucharistie bewiesen haben, dass jenes Sakrament allein in der Wandlung der Materie besteht (Frage [2], Artikel [1], ad 2).
Wir müssen daher sagen, dass dieses Sakrament in der Salbung selbst besteht, so wie die Taufe in der Waschung besteht, und dass die Materie dieses Sakraments geweihtes Öl ist. Drei Gründe können angeführt werden, warum geweihte Materie in diesem Sakrament und in gewissen anderen benötigt wird. Der erste ist, dass alle sakramentale Wirksamkeit von Christus abgeleitet ist: weshalb jene Sakramente, die Er selbst gebrauchte, ihre Wirksamkeit von Seinem Gebrauch derselben ableiteten, so wie Er durch die Berührung Seines Fleisches den Wassern die Kraft der Wiedergeburt verlieh. Aber Er gebrauchte dieses Sakrament nicht, noch irgendeine körperliche Salbung, weshalb bei allen Salbungen eine geweihte Materie erforderlich ist. Der zweite Grund ist, dass dieses Sakrament eine Fülle der Gnade verleiht, um nicht nur die Sünde, sondern auch die Überreste der Sünde und körperliche Krankheit wegzunehmen. Der dritte Grund ist, dass seine Wirkung auf den Körper, nämlich die körperliche Gesundheit, nicht durch eine natürliche Eigenschaft der Materie verursacht wird, weshalb sie diese Wirksamkeit daraus ableiten muss, dass sie geweiht ist.
Antwort auf Einwand 1: Die erste Weihe heiligt die Materie an sich, aber die zweite betrifft eher den Gebrauch der Materie, betrachtet als aktuell ihre Wirkung hervorbringend. Daher ist keine von beiden überflüssig, weil auch Werkzeuge ihre Wirksamkeit vom Handwerker erhalten, sowohl wenn sie hergestellt werden, als auch wenn sie zur Handlung gebraucht werden.
Antwort auf Einwand 2: Die Wirksamkeit, die das Sakrament aus seiner Einsetzung ableitet, wird auf diese besondere Materie angewandt, wenn sie geweiht wird.
Die Antwort auf den dritten Einwand ergibt sich aus dem Gesagten.