I, q. 63 a. 4
Ob irgendwelche Dämonen von Natur aus böse sind?
Quaestio 63 · Die Bosheit der Engel hinsichtlich der Sünde
Einwand 1: Es scheint, dass einige Dämonen von Natur aus böse sind. Denn Porphyrius sagt, wie von Augustinus zitiert (De Civ. Dei x, 11): „Es gibt eine Klasse von Dämonen von listiger Natur, die vorgeben, Götter und die Seelen der Toten zu sein.“ Aber trügerisch zu sein, heißt böse zu sein. Deshalb sind einige Dämonen von Natur aus böse.
Einwand 2: Ferner, wie die Engel von Gott erschaffen sind, so sind es die Menschen. Aber einige Menschen sind von Natur aus böse, von denen es heißt (Weish 12,10): „Ihre Bosheit ist natürlich.“ Deshalb können einige Engel von Natur aus böse sein.
Einwand 3: Ferner haben einige vernunftlose Tiere von Natur aus böse Veranlagungen: so ist der Fuchs von Natur aus schlau und der Wolf von Natur aus räuberisch; dennoch sind sie Gottes Geschöpfe. Deshalb, obwohl die Dämonen Gottes Geschöpfe sind, können sie von Natur aus böse sein.
Dagegen spricht, dass Dionysius sagt (Div. Nom. iv), dass „die Dämonen nicht von Natur aus böse sind.“
Ich antworte darauf, dass alles, was existiert, insofern es existiert und eine bestimmte Natur hat, von Natur aus auf irgendein Gut hintendiert; da es von einem guten Prinzip kommt; weil die Wirkung immer zu ihrem Prinzip zurückkehrt. Nun kann es geschehen, dass mit einem besonderen Gut irgendein Übel verbunden ist; so ist mit dem Feuer dieses Übel verbunden, dass es andere Dinge verzehrt: aber mit dem universalen Gut kann kein Übel verbunden sein. Wenn es also etwas gibt, dessen Natur auf irgendein besonderes Gut geneigt ist, kann es von Natur aus zu irgendeinem Übel tendieren; nicht als Übel, sondern akzidentell, als mit irgendeinem Gut verbunden. Aber wenn etwas seiner Natur nach zum Guten im Allgemeinen geneigt ist, dann kann es seiner eigenen Natur nach nicht zum Übel geneigt sein. Nun ist es offenkundig, dass jede intellektuelle Natur auf das Gute im Allgemeinen geneigt ist, welches sie auffassen kann und welches das Objekt des Willens ist. Daher, da die Dämonen intellektuelle Substanzen sind, können sie in keiner Weise eine natürliche Neigung zu irgendeinem Übel haben; folglich können sie nicht von Natur aus böse sein.
Antwort auf Einwand 1: Augustinus tadelt Porphyrius dafür, dass er sagt, die Dämonen seien von Natur aus trügerisch; er selbst behauptet, dass sie nicht von Natur aus so sind, sondern aus eigenem Willen. Der Grund nun, warum Porphyrius der Meinung war, sie seien von Natur aus trügerisch, war, dass er behauptete, Dämonen seien Tiere mit einer sensitiven Natur. Nun ist die sensitive Natur auf irgendein besonderes Gut geneigt, mit dem Übel verbunden sein kann. Auf diese Weise also kann sie eine natürliche Neigung zum Übel haben; jedoch nur akzidentell, insofern Übel mit Gut verbunden ist.
Antwort auf Einwand 2: Die Bosheit einiger Menschen kann natürlich genannt werden, entweder wegen der Gewohnheit, die eine zweite Natur ist; oder aufgrund der natürlichen Neigung seitens der sensitiven Natur zu irgendeiner ungeordneten Leidenschaft, wie manche Leute als von Natur aus zornig oder lüstern bezeichnet werden; aber nicht seitens der intellektuellen Natur.
Antwort auf Einwand 3: Unvernünftige Tiere haben in ihrer sensitiven Natur eine natürliche Neigung zu gewissen besonderen Gütern, mit denen gewisse Übel verbunden sind; so hat der Fuchs bei der Suche nach seiner Nahrung eine natürliche Neigung, dies mit einer gewissen Geschicklichkeit gepaart mit List zu tun. Daher ist es im Fuchs nicht böse, schlau zu sein, da es ihm natürlich ist; wie es im Hund nicht böse ist, wild zu sein, wie Dionysius bemerkt (De Div. Nom. iv).