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Warum die Fürbitte für eine verdammte Seele vor Gott niemals verloren geht, obwohl der Zustand der Verdammnis ewig und unwiderruflich ist.

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Wer für einen Verstorbenen betet und dabei nicht weiß, dass dieser sich bereits in der Hölle befindet, verschwendet sein Gebet nicht – doch dem Verdammten selbst kann es nichts mehr geben. Die Verdammnis ist endgültig. Die Seele, die im Stand der Todsünde gestorben ist, kommt sogleich nach dem Tod zur ewigen Strafe1, und dieser Zustand ist unwiderruflich fixiert: Er ist nicht die Folge eines göttlichen Ratschlusses, sondern die versiegelte Frucht einer freien, bis zuletzt festgehaltenen Abkehr von Gott2. Mit dem Tod endet die Zeit des Verdienens, der Umkehr, der Gnade. Kein Gebet, keine Träne, keine Messe kann diesen Zustand danach noch ändern. Wer das anders lehrt, verkennt die Ernsthaftigkeit der letzten Dinge.
Der heilige Augustinus hat diese Frage bereits im fünften Jahrhundert mit letzter Klarheit beantwortet. Im Enchiridion unterscheidet er drei Arten von Verstorbenen, für die Opfer und Almosen dargebracht werden: Für die sehr Guten sind sie Dankopfer, für die nicht sehr Schlechten Sühneopfer, für die sehr Schlechten aber – zu denen im Grunde jeder gehört, den wir betrauern, ohne seinen wahren Zustand vor Gott zu kennen – helfen sie dem Toten nicht mehr, sondern sind, wie Augustinus schreibt, eine Art Trost für die Lebenden3. Der Heilige zieht daraus keine tröstliche Nebenlehre von einer automatischen Rückvergütung; er sagt schlicht: Dem Verlorenen nützt es nicht mehr, dem Betenden aber bleibt die Ruhe des Gewissens, das Gebotene der Liebe getan zu haben.
Der heilige Thomas von Aquin führt diese augustinische Klarheit in der Summa mit scholastischer Genauigkeit weiter. Er stellt sich der Frage in einem eigenen Artikel, der ausdrücklich fragt, ob die Fürbitten denen nützen, die sich in der Hölle befinden4, und er wägt drei ältere Erklärungen ab, die eine Milderung, eine anteilige Verringerung oder wenigstens eine innere Stärkung der Verdammten durch Fürbitte annehmen wollten. Er verwirft alle drei. Sein Grund ist so nüchtern wie unerbittlich: Die Verdammten sind durch den Tod endgültig aus dem Band der Liebe herausgefallen, durch das allein die Fürbitten der Lebenden die Verstorbenen überhaupt erreichen können. Sein Schluss lautet wörtlich, es sei sicherer, schlicht zu sagen, dass Fürbitten den Verdammten nicht nützen und dass die Kirche für sie kein Gebet beabsichtigt5. Hier gibt es keine Hintertür, keine gemilderte Zwischenlösung: Der Verdammte empfängt nichts mehr, auch keinen bloßen Trost.
Wohin geht dann die Kraft eines solchen Gebets? Thomas beantwortet das an anderer, grundsätzlicherer Stelle, unabhängig von der Frage der Hölle. Er zeigt, dass jedes gute Werk zwei Seiten hat: Als Genugtuung kommt es demjenigen zugute, für den es dargebracht wird, und entlastet den Betenden selbst nicht. Als Verdienst aber, das aus der Liebe entspringt, aus der das Werk hervorgeht, nützt es nicht nur dem Empfänger, sondern noch mehr dem, der es vollbringt – und Thomas beruft sich dafür auf das Psalmwort, dass das eigene Gebet in den eigenen Schoß zurückkehrt6. Das ist keine Sonderregel für den Fall der Verdammnis, sondern ein allgemeines Gesetz der Gnadenordnung: Jedes aus Liebe verrichtete Gebet bleibt, auch wenn es sein äußeres Ziel verfehlt, als Verdienst bei dem, der es spricht. In diesem und nur in diesem Sinn geht ein Gebet für einen tatsächlich Verdammten nicht verloren – nicht weil es ihm hälfe, sondern weil das darin liegende Werk der Liebe dem Betenden vor Gott angerechnet wird.
Und damit erübrigt sich auch die Sorge, sein Gebet könnte an einen Verlorenen verschwendet sein. Denn kein Christ, der für einen Verstorbenen betet, tut dies je in Gewissheit über dessen ewiges Los. Die Kirche hat noch nie über einen einzelnen Verstorbenen erklärt, er sei verdammt; ein solches Urteil steht ihr nicht zu und wurde von ihr nie gefällt. Ihr Gebet für die Toten richtet sich stets an den Gott, der nicht will, dass jemand verlorengehe, sondern dass alle sich bekehren2. Wer also für seine Verstorbenen betet, betet in wohlbegründeter Unkenntnis, und genau darum trägt sein Gebet in jedem denkbaren Fall Frucht: Ist der Verstorbene noch zu retten oder befindet er sich im reinigenden Leiden des Fegefeuers, kommt ihm die Fürbitte unmittelbar zugute. Sollte er, was der Betende nicht wissen und nie mit Sicherheit wissen kann, tatsächlich verdammt sein, dann bleibt das Verdienst dieses Liebeswerkes, wie Thomas lehrt, beim Betenden selbst. So oder so ist kein einziges Wort umsonst gesprochen.
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