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Aus dem aber, was bisher gesagt wurde, ist ganz offensichtlich, daß die Himmelskörper nicht Ursache dessen sein können, was sich auf den Verstand bezieht. Denn es ist bereits dargelegt worden (III 78 ff.), daß nach der Ordnung der göttlichen Vorsehung die niederen Dinge durch die höheren gelenkt und bewegt werden. Der Verstand aber ragt in der Ordnung der Natur über alle Körper hinaus, wie es auch aus dem bisher Gesagten (II 49 H.) ersichtlich ist. Es ist also unmöglich, daß die Himmelskörper unmittelbar auf den Verstand einwirken. Folglich können sie nicht für das, was sich auf den Verstand bezieht, Ursache an sich sein.
Zudem. Ein Körper ist nur durch Bewegung tätig, wie im achten Buch der Physik erwiesen wird. Das Unbewegliche aber wird nicht von einer Bewegung verursacht: denn von der Bewegung eines Tätigen wird etwas nur verursacht, insofern es (selbst) sich beim Bewegtwerden ein Stück bewegt. Was sich also gänzlich außerhalb der Bewegung befindet, kann nicht von den Himmelskörpern verursacht sein. Doch das, was sich auf den Verstand bezieht, ist, für sich genommen, gänzlich außerhalb der Bewegung, wie bei Aristoteles im siebten Buch der Physik ersichtlich ist. Dort heißt es: Gerade „in der Ruhe von den Bewegungen findet die Seele Erkenntnis und Wissen“. Es ist also unmöglich, daß die Himmelskörper für das, was sich auf den Verstand bezieht, Ursache an sich sind.
Weiter. Wenn etwas von einem Körper nur verursacht wird, insofern er (sich) beim Bewegtwerden bewegt, so wird notwendig all das bewegt, was die Einwirkung eines Körpers erfährt. Nur ein Körper aber wird bewegt, wie im sechsten Buch der Physik erwiesen wird. Also muß all das, was die Einwirkung eines Körpers erfährt, ein Körper oder eine körperliche Kraft sein. Im zweiten Buch (II 49 H.) ist aber dargelegt worden, daß der Verstand weder ein Körper noch eine körperliche Kraft ist. Also ist es unmöglich, daß die Himmelskörper unmittelbar auf den Verstand einwirken.
Ebenso. Jedes Ding, das von irgend etwas bewegt wird, wird von diesem (anderen) aus der Potentialität in die Aktualität überführt. Aus der Potentialität in die Aktualität überführt wird es aber nur durch etwas, das (selbst) aktuell ist. Also ist notwendig jedes Tätige bzw. Bewegende in irgendeiner Weise aktuell im Hinblick auf dasjenige, zu dem das Leidende bzw. Bewegte in Potentialität steht. Die Himmelskörper sind aber nicht aktuell geistig erkennbare Dinge: denn sie sind einzelne Sinnendinge. Da also unser Verstand nur zu aktuell geistig Erkennbarem in Potentialität steht, ist es unmöglich, daß die Himmelskörper unmittelbar auf den Verstand einwirken.
Zudem. Die einem Ding eigene Tätigkeit ergibt sich aus seiner Natur, die den erzeugten Dingen durch die Erzeugung zugleich mit der ihnen eigenen Tätigkeit zuteil wird: so ist es beim Schweren und Leichten ersichtlich, die mit dem Ende ihrer Erzeugung sogleich ihre eigentümliche Bewegung besitzen, falls nichts Hinderndes eintritt; aus diesem Grunde heißt der Erzeuger Beweger. Etwas also, das hinsichtlich des Ursprungs seiner Natur nicht den Tätigkeiten der Himmelskörper unterworfen ist, kann ihnen auch nicht hinsichtlich seiner Tätigkeit unterworfen sein. Der erkennende Teil (des Menschen) ist aber nicht aus irgendwelchen körperlichen Ursachen entstanden, sondern (stammt) gänzlich von außen, wie oben (II 86 f.) erwiesen wurde. Also unterliegt die Tätigkeit des Verstandes nicht unmittelbar den Himmelskörpern.
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Weiter. Dasjenige, was von den Himmelsbewegungen verursacht wird, unterliegt der Zeit, die ja die Maßzahl der ersten Himmelsbewegung ist (Aristoteles). Was also gänzlich von der Zeit absieht, ist den Himmelsbewegungen nicht unterworfen. Der Verstand sieht aber bei seiner Tätigkeit von der Zeit wie auch vom Ort ab: er betrachtet nämlich das Allgemeine, das vom Hier und Jetzt losgelöst ist. Also unterliegt die Verstandestätigkeit nicht den Himmelsbewegungen.
Zudem. Nichts wirkt über seine Art hinaus. Das Erkennen selbst aber übersteigt Art und Form jedes tätigen Körpers: denn jede körperliche Form ist materiell und vereinzelt; das Erkennen selbst aber verdankt die Art seinem Gegenstand, dem Allgemeinen und Nicht-Materiellen. Daher kann kein Körper durch seine körperliche Form erkennen. Viel weniger also kann irgendein Körper in einem anderen das Erkennen selbst verursachen.
Ebenso. Insofern etwas mit Höherem vereint ist, ist es Niederem nicht unterworfen. Unsere Seele aber ist, insofern sie erkennt, mit den geistigen Substanzen vereint, die nach der Ordnung der Natur höher stehen als die Himmelskörper: denn unsere Seele kann nur erkennen, insofern sie von dort das Erkenntnislicht empfängt. Es ist also unmöglich, daß die Verstandestätigkeit unmittelbar den Himmelsbewegungen unterliegt.
Außerdem. Die Sache wird an Überzeugung gewinnen, wenn wir nur bedenken, was die Philosophen dazu gesagt haben. Die alten Naturphilosophen nämlich, wie Demokrit, Empedokles usw., behaupteten, der Verstand unterscheide sich nicht von der sinnlichen Wahrnehmung, wie im vierten Buch der Metaphysik und im dritten Buch Über die Seele ersichtlich ist. Wenn daher die Wahrnehmung eine körperliche Fähigkeit war, die auf der Veränderung von Körpern beruhte, dann folgte, daß es sich auch mit dem Verstand so verhielt. Deshalb behaupteten sie, weil die Veränderung der niederen Körper auf einer Veränderung der höheren Körper beruhe, so beruhe die Verstandestätigkeit auf der Bewegung der Himmelskörper, nach jenem Wort Homers: „So ist der Verstand bei Göttern und Erdenmenschen, wie ihn täglich der Vater der Menschen und Götter schafft“, d. h. die Sonne oder besser Jupiter, den sie den höchsten Gott nannten, da sie in ihm den ganzen Himmel erkannten, wie bei Augustinus im (vierten) Buch Über den Gottesstaat ersichtlich ist. Von hier rührte auch die Meinung der Stoiker her, die behaupteten, die Verstandeserkenntnis werde dadurch verursacht, daß die Abbilder der Körper unserem Geist eingedrückt werden wie ein Spiegelbild, oder wie eine Buchseite Druckbuchstaben aufnimmt, ohne selbst etwas zu tun: so berichtet Boethius im fünften Buch Vom Trost der Philosophie. Nach ihrer Lehre folgte, daß uns die Verstandesbegriffe vor allem durch die Einwirkung der Himmelskörper eingeprägt würden. Daher waren es auch die Stoiker, die behaupteten, das Leben der Menschen werde vorwiegend von schicksalhafter Notwendigkeit geleitet. – Diese These scheint aber deshalb falsch, wie Boethius ebenda sagt, weil der Verstand zusammensetzt und trennt, das Höchste und das Niederste vergleicht, Allgemeines erkennt und die einfachen Formen, die sich bei den Körpern nicht finden. Und so ist es offensichtlich, daß der Verstand nicht nur wie ein Empfänger von Körperbildern arbeitet, sondern eine höhere Fähigkeit als die Körper besitzt: denn die äußere Wahrnehmung, die nur Körperbilder empfängt, erstreckt sich auf das soeben Genannte nicht. Alle folgenden Philosophen aber unterschieden den Verstand von der Wahrnehmung und schrieben die Ursache unseres Wissens nicht Körpern, sondern nicht-materiellen Dingen zu: so behauptete Platon, Ursache unseres Wissens seien die „Ideen“; Aristoteles aber sagte, es sei der „tätige Verstand“. All diesem ist zu entnehmen, daß die Behauptung, die Himmelskörper seien für uns Ursache der Erkenntnis, der Meinung derer entspringt, die behaupteten, der Verstand unterscheide sich nicht von der Wahrnehmung: so ist es auch bei Aristoteles im Buch Über die Seele ersichtlich. Diese Meinung ist jedoch offensichtlich falsch. Also ist offensichtlich auch diejenige (Meinung) falsch, die behauptet, die Himmelskörper seien für uns unmittelbar Ursache des Erkennens.
Daher schreibt auch die Heilige Schrift die Ursache unserer Vernunfttätigkeit nicht irgendeinem Körper, sondern Gott zu: Ijob 35, 10 f. heißt es: „Wo ist Gott, der mich schuf, der (mir) verlieh, des Nachts Loblieder anzustimmen, der uns mehr lehrte als die Tiere des Feldes, uns mehr mitteilte als den Vögeln des Himmels?“ Und Ps 94,10 steht: „Er, der den Menschen die Wissenschaft lehrt“.
Trotzdem muß man wissen, daß die Himmelskörper, wenn sie auch nicht unmittelbar Ursache unserer Vernunfttätigkeit sein können, doch mittelbar etwas dazu beitragen. Denn obwohl der Verstand keine körperliche Kraft ist, so kann sich doch bei uns die Tätigkeit des Verstandes nicht ohne die Tätigkeit körperlicher Kräfte vollziehen, also Einbildungskraft, Gedächtniskraft und Denkkraft, wie aus dem Bisherigen (II 68) ersichtlich ist. Wenn daher wegen einer schlechten Verfassung des Körpers die Tätigkeiten dieser Kräfte gestört sind, so wird die Tätigkeit des Verstandes gestört: so ist es bei Wahnsinnigen, Schlafsüchtigen und anderen dieser Art ersichtlich. Deswegen befähigt auch eine gute Verfassung des menschlichen Körpers zu guter Erkenntnis, insofern davon die eben genannten Kräfte stärker werden. Daher sagt Aristoteles im zweiten Buch Über die Seele: „Wir sehen, daß die Weichfleischigen geistig begabt sind.“ Die Verfassung des menschlichen Körpers aber unterliegt den Himmelsbewegungen. Denn Augustinus sagt im fünften Buch Über den Gottesstaat: „Es ist nicht völlig abwegig, zu sagen, daß gewisse Ausstrahlungen der Gestirne rein körperliche Unterschiede bewirken.“ Und Johannes von Damaskus sagt im zweiten Buch Über den rechten Glauben, die einen oder anderen Planeten „schaffen in uns verschiedene Säftemischungen, Habitus und Dispositionen“. Daher tragen die Himmelskörper mittelbar zum guten Zustand der Vernunfttätigkeit bei. Und wie die Ärzte über den guten Zustand des Verstandes aus der Säftemischung des Körpers als der nächstliegenden Disposition urteilen können, so kann es der Sternkundige aus den Himmelsbewegungen als einer entfernten Ursache dieser Disposition. Auf diese Weise kann man auch bestätigen, was Ptolemäus im Centiloquium sagt: „Wenn bei der Geburt eines Menschen Merkur in einem der Häuser des Saturn stand und er selbst eine starke Natur ist, so ergibt das einen trefflichen Verstand, der tief in die Dinge dringt.“
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