Seite wird geladen …
Seite wird geladen …
Artikel

Lesezeit ca. 8 Min.
Die Geschichte der Kirche ist die in erweiterter Auflage herausgegebene Geschichte des Lebens und Leidens Christi. Denn die Kirche ist der fortlebende Christus. Was einmal geschehen ist, geschieht immer wieder. Wer deswegen die Passio Domini Jesu Christi kennt, die Leidensgeschichte unseres Herrn Jesu Christi, der kennt auch seine Zeit. Die Namen und die Jahrzahlen ändern, die Hauptfiguren bleiben dieselben. Es gibt in jedem Jahrhundert Verräter, Feiglinge, Hasser, charakterlose Schwächlinge, Spötter. Die Judas, Kaiphas, Pilatus, Herodes sterben nicht aus. Es sind Gestalten, die wir heute auf allen Straßen treffen. Diese Passionsfiguren, für alle lehrreich, sind es besonders für uns Männer und Jungvolk. Wir beschäftigen uns heute einmal mit dem Typus der Menschenfurcht in der Passion des Herrn. Der Name der Menschenfurcht heißt Petrus.
Petrus ist kein Feigling im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Im Gegenteil! Er ist ein Feuergeist, ein Draufgänger, ein Mann rascher und starker Entschlüsse. Sein Glaube und seine Liebe kennt nichts Halbes. Einmal in den Kreis derer um Jesus aufgenommen, ist er mit ganzer Seele dabei. Er denkt und spricht nichts als seinen heißgeliebten einzigen Christus. Alles an ihm sagt und jubelt: Ich bin katholisch! Der richtige rassige erste katholische Mann, ohne jedwedes Zugeständnis nach links, eine Christusseele. Der hohe Donnerstag gibt uns reichlich Gelegenheit, in diese prächtige, selten ideale Männernatur zu schauen, die sich kühn bereit erklärt, mit Christus in den Kerker und in den Tod zu gehen, und auf dem Ölberg rasch entschlossen zum Schwert greift und dreinschlägt. Aber Petrus hat einen Fehler, und dieser Fehler wird ihm zum Verhängnis. Er kann das Geheimnis des leidenden und sterbenden Messias nicht verstehen. Das große und unlösbare Rätsel des Christentums ist ihm das Kreuz.
Es war nach dem Tage von Cäsarea Philippi. Petrus ist von dem, der alle Gewalt hat im Himmel und auf Erden, zum ersten Papst ernannt worden. Nun führt Jesus die Jünger tiefer ein in das Geheimnis des Kreuzes. Er spricht vom Tod. Da nimmt ihn Petrus beiseite und fängt an, es ihm zu verweisen und spricht: Das sei ferne von dir, Herr! Das soll dir nicht widerfahren! Papst sein, Fels sein, das geht noch, aber Stellvertreter eines blutschwitzenden, gegeißelten, dornengekrönten, verspotteten, gekreuzigten Heilandes zu sein, das ist ungemütlich. Hier liegt wohl der tiefste Grund des Falls Petri und des Falls des modernen katholischen Mannes. Wir wollen schon katholisch sein. Wir wollen es sein, weil es doch das einzig Vernünftige ist. Wir wollen es sein, weil der Katholizismus eben doch, wir mögen ihn anschauen, von welcher Seite wir wollen, trotz aller menschlichen Begleiterscheinungen, die großartigste Geschichte hat. Wir wollen es sein, weil aller Voraussicht nach die Zukunft doch dem Katholizismus gehören wird. Aber, was uns auf die Nerven geht, das ist der Kreuzweg, das ist das Opfer, die Verfolgung. Der verdammte Männerhochmut sträubt sich, einer Sache zu dienen, die nun doch einmal sehr oft die Sache einer kleinen, im öffentlichen Leben bedeutungslosen Minderheit ist. Die natürliche Folge davon: Man schämt sich, vor einer uns widersprechenden allmächtigen Welt katholisch zu reden, katholisch zu schreiben und katholisch zu handeln. Man will sich doch nicht mit der Religion eines gekreuzigten Christus und einer gekreuzigten Kirche blamieren! Das ist eine Ursache der Menschenfurcht!
Wir haben einen Blick auf die tiefere Ursache des Falles Petri geworfen. Schauen wir nun kurz, wie er sich äußert. Petrus hat sich in den Vorhof des hohenpriesterlichen Palastes hineingeschlichen, um dort in der Nähe des Dienstpersonals den Gang der Gerichtsverhandlungen gegen den Meister besser verfolgen zu können. Er will hören, was die andern sagen. Nun, man kann nicht nur hören. Man muß auch Rede und Antwort stehen. Man muß seinen Standpunkt vertreten. Man muß den Mut haben, auch für eine scheinbar verlorene Sache einzutreten, wenn diese Sache die Sache der Gerechtigkeit und der Wahrheit ist. Das tat Petrus nicht. Man weiß doch nicht, wie die Geschichte herauskommt. Er will mit der verlorenen Sache eines Verlorenen sich nicht kompromittieren. Der Kluge! Daher nach allen Seiten immer wieder die Erklärung: Ich weiß nichts. Ich kenne diesen Menschen nicht. Ich sage nicht, daß ich gegen ihn bin. Ich sage auch nicht, daß ich für ihn bin. Ich bin für die Neutralität. Mein Prinzip ist nicht Verrat. Ich bin kein Judas. Mein Prinzip ist: Nicht-Bekenntnis! Konfessionslosigkeit! Kein Ja und kein Nein! Petrus, der bekenntnisfrohe Mann von Cäsarea Philippi, der erste offene unerschrockene Verkünder der Gottheit Christi, gleicht sich nicht mehr. Aber eben: Petrus will einen Christus ohne Kreuz. Darum weiß er nicht mehr, was er sagt.
Petrus im Vorhof des Hohenpriesters, im Zwiegespräch mit den Feinden Jesu, hat seine Verehrer im Interkonfessionalismus und der Konfessionslosigkeit unserer Tage; im Interkonfessionalismus, der immer bei den andern sein will, um zu hören, was sie sagen, und zu schauen, was sie machen, und der Konfessionslosigkeit, die überall vorsichtig ausweichend erklärt: Ich bin für die religiöse Neutralität im öffentlichen Leben; ich bin katholisch, aber ich finde es überflüssig, den Katholizismus zur Schau zu tragen. Die Konfessionslosigkeit, die Verweigerung des katholischen Bekenntnisses im öffentlichen Leben, die zum System gemachte Menschenfurcht, ist heute zu einer der gefährlichsten Krankheiten der katholischen Völker und besonders der katholischen Männerwelt geworden. Es gibt kein Gebiet, wo es nicht zum guten Ton gehört, bei jeder Gelegenheit durch die Tat zu betonen: Ich kenne diesen Menschen nicht oder - was auf das gleiche herauskommt - ich kenne sie - nämlich die Kirche - nicht.
Mit was beginnt in der Regel die öffentliche Erziehung des jungen Bürgers? Mit der konfessionslosen Schule. Was ist die konfessionslose Schule? Die Erziehung zum achtjährigen Nicht-Bekenntnis, die Erziehung zum feigen Schweigen, die Erziehung des Kindes zur Menschenfurcht. Es handelt sich nicht darum, daß es immer mit Worten geschieht. Es handelt sich um den Geist der konfessionslosen Schule, und der Geist ist das systematische Die-Kirche-nicht-kennen-wollen. Und dann verwundert man sich, warum man umsonst Kirchen baut, solange es nicht neben jeder katholischen Kirche auch eine katholische Schule gibt. Die konfessionslose Schule ist der Vorhof des Hohenpriesters, in welchem unsere Jugend Christus und seine Kirche verleugnet. Nicht alles kommt schon in diesen Jahren zur Reife, aber der Keim wird gewöhnlich in diesen Jahren gelegt, in der konfessionslosen Familie und in der konfessionslosen Schule.
Wenn der junge Mensch die Schule hinter sich hat, wird er aufgenommen in die Gesellschaft, die Organisation, die Partei, den Beruf. Tatsache ist es nun, daß fast alle Parteien und Berufsorganisationen der Welt, die aus Katholiken zusammengesetzt sind, sich für die Konfessionslosigkeit, für die religiöse Neutralität erklären. Das politische und soziale Leben der Katholiken ist, Ausnahmen abgerechnet, auf dem Gedanken aufgebaut: Wir kennen die Kirche als Privatpersonen, aber wir kennen sie nicht als Partei und Organisation. Die Partei und die Organisation ist nicht katholisch, will es nicht sein, obwohl es klar ist, daß die Partei und die Organisation, welche weiter nichts sind als die Gesamtheit von Einzelpersonen, die gleichen Pflichten haben müssen wie die Individuen. Der Fall und die Verleugnung des Petrus ist so zum Fall und zur Verleugnung der Christenheit an ihrem Meister und an ihrer Mutter, der Kirche, geworden. Die konfessionslose moderne Gesellschaft kennt ihn und kennt sie nicht mehr. Ich weiß neben dem Verrat des Judas nichts, was dem Heiland und seiner Kirche in seiner Passion mehr weh tun muß als dieses Nichtkennenwollen, die Konfessionsverweigerung derer, die sich ihre Freunde nennen.
Petrus hat seinen Fall bitterlich beweint, beweint und gesühnt. Er ist von der ersten Pfingsten an der mutige Bekenner des Gekreuzigten und der Kirche geworden, bis zu einer heiligen Rücksichtslosigkeit gegen sich. Ob's Freiheit und Kopf kostet, was liegt ihm daran? Er ist einer von denen, die Christus und Kirche auf allen Wegen folgen, auch auf den Kreuzwegen. Er hält nie mehr aus irgendeiner menschlichen Klugheit zurück mit seinem Glauben, den er in Cäsarea Philippi einst feierlich bekannt. Er frohlockt, einer von denen sein zu dürfen, die mit dem Nazarener gehen. Er kennt ihn. Er kennt sie, die Kirche, die Säule und Grundfeste der Wahrheit. Er ist nicht mehr der Patron der Konfessionslosen, wie einst im Vorhof. Jetzt ist er Petrus, Felsenmann, der Patron der Konfessionellen, der Bekenntnistreuen in allen Lagen.
Kostenlos · für iPhone und iPad · öffnet den App Store
Lesezeit ca. 8 Min.
Ein flammender Appell: Taufschein allein genügt nicht. Wie Hieronymus vor dem Richter müssen wir uns fragen: Sind wir wirklich Christen oder nur dem Namen nach? Mehr Ehrlichkeit! Wer katholisch heißt, lebe auch katholisch.
Lesezeit ca. 7 Min.
Der Mensch lebt vom Gesetz, baut Staaten darauf, sperrt Menschen lebenslang ein – und empört sich über Gottes Gesetz. Dieser Widerspruch ist kein Versehen. Er ist Herzensblindheit. Eine Analyse, die anklagt.
Lesezeit ca. 5 Min.
Viele leben in Todsünde und merken es nicht. Die moderne Welt hat das Gewissen umgedeutet, die Sünde verharmlost und Gott zum Schweigen gebracht. Ein Mahnruf, der unbequem ist, aber notwendig.
Lesezeit ca. 6 Min.
Der Jakobusbrief stellt die Leser der Bibel vor viele Herausforderungen. Zum einen scheint das, was Jakobus über Glauben und Werke lehrt, dem zu widersprechen, was Paulus im Römer- und Galaterbrief zum selben Thema sagt. Beide behandeln Themen wie Glaube, Werke und Rechtfertigung, scheinen aber zu…
Lesezeit ca. 12 Min.
Thomas von Aquin beweist die Vergänglichkeit der Tierseele. Da ihre Tätigkeiten (Wahrnehmung und Bewegung) an den Körper gebunden sind, kann sie ohne ihn nicht fortbestehen. Platons Unsterblichkeitsthese wird widerlegt.
Lesezeit ca. 10 Min.
Damit wir aber die Natur der Religion erkennen können, wollen wir nach dem Ursprung dieses Namens fragen. Der Name „Religion“ ist also, wie Augustinus im Buch Über die wahre Religion anzudeuten scheint, von „wiederverbinden“ [religare] genommen. Im eigentlichen Sinn aber heißt dasjenige gebunden,…